Fett abnehmen? Was Experten nicht wissen!

Der amerikanische Dokumentarfilm „Fat: What No One is Telling You“, der bisher in Deutschland nicht erschienen ist, wirft ein ganz neues Licht auf das Thema Fett, Abnehmen und Übergewicht. In diesem Film werden Wissenschaftler, Diätexperten und Ärzte zitiert, die einhellig die Meinung vertreten, dass das Thema Diät wesentlich komplexer ist, als gemeinhin angenommen.

Die erste Szene des Films beginnt mit einer attraktiven Rothaarigen auf einem Laufband. Sie schwitzt stark, aber sie lächelt freundlich in die Kamera. „Das ist kein durchschnittliches Training“ keucht sie „aber ich war auch nicht durchschnittlich gewichtig. Ich muss mich weit mehr anstrengen als der Durchschnitt von Euch. Ich muss zweimal, ja manchmal auch dreimal so viel trainieren, nur um so pummelig zu bleiben.“ Sie hat recht. Sie ist pummelig. Nach den Maßstäben für Schönheit des 21ten Jahrhunderts – und denen der Modezeitschriften – hat sie etwa 20 Pfund zuviel auf den Rippen. Ihr Milch-und-Blut Teint, die Grübchen wenn sie lächelt, der Pferdeschwanz und ihre Ausstrahlung machen sie richtig attraktiv. Aber es besteht kein Zweifel, dass die meisten Ernährungsberater ihr dringend raten würden, abzunehmen. Später im Film erfahren wir, dass sie drei Stunden pro Tag trainiert. Als ihre Mutter an Krebs starb, lernte sie viel über gesunde Ernährung. Sie isst gesund, nicht zuviel und unterzieht sich einem strengen Fitness-Trainingsplan.

Warum nur ist sie dann pummelig?
Die Ärzte wissen es nicht. Keiner der Experten, die in der Dokumentation befragt wurden, hat keine genaue Erklärung für dieses Phänomen. „Die Fragen sind endlos“ erklärt der Sprecher im Film den Zuschauern“Sind es ihre Gene, ihre Kindheit, ein Charakterfehler, Stress, Trauer, Liebeskummer, Fertiggerichte, das Fernsehen, verführerische Werbung, Schlafmangel oder genetisch veränderte Nahrungsmittel?“
Alles mag zutreffen. Aber selbst zusammen genommen stellen diese Erklärungen keine Antwort dar. Mediziner können der großen Mehrheit der Übergewichtigen beim Abnehmen nicht helfen. Weil sie die Gründe für Übergewicht im Endeffekt nicht kennen.

So einfach ist es nicht!
Obwohl die meisten Ärzte noch glauben „das Übergewicht dadurch entsteht, dass zuviel gegessen und zuwenig Sport getrieben wird. Dieses Denken ist aber viel zu vereinfachend“ sagt Dr. Robert Lustig, Facharzt am Institut für Pädiatrische Endokrinologie der Universität von Kalifornien in San Francisco. Als Experte auf diesem Gebiet weiß er, dass Übergewicht ein „chronischer Zustand“ ist. Und es gibt kein Heilmittel. Deswegen, so Lustig, nehmen auch 95% der Übergewichtigen, die sich einem ärztlich überwachten Diät-Programm unterziehen auch anschließend wieder zu – obwohl sie sich an die Empfehlungen der Experten halten.

Kalorien?
„Hier geht es nicht einfach um „Energie rein und Energie raus.“ Wenn das so wäre, hätten wir das Problem schon lange gelöst.“ so Dr. Lee Kaplan der Harvard Universität, der das Gewichts-Reduktionsprogramm des Massachusetts General Hospital leitet und ein neues klinisches Forschungsprogramm entwickelt hat. „Starkes Übergewicht sieht nicht aus wie eine schleichende Krankheit“ fügt Kaplan hinzu „Aber es ist trotzdem eine. Wenn in ihrem körperlichen System nur um ein Prozent aus dem Gleichgewicht ist, kann das zu einer Gewichtszunahme von 100 Pfund führen. Über 400 Gene sind in der Gewichtsregulation involviert. Und dann kommen die Umweltfaktoren dazu.“

Fette Vorurteile
Vorurteile über Fett, Abnehmen und übergewichtige Menschen ist das größte Hindernis zum Verständnis von Übergewicht. Oder auch nur das Problem verstehen zu wollen“ sagt eine Krankenschwester, die ebenfalls in der Dokumentation erscheint. Mediziner und Ernährungsexperten wissen zu wenig über die Ursachen von Übergewicht einfach schon aus dem Grund „das Schuldzuweisung an das Opfer dem Verständnis im Weg steht!“ so die Krankenschwester. Früher haben wir depressiven Menschen die Schuld für ihren Zustand gegeben. Jahrhunderte lang stand dieses Vorurteil einer vernünftigen Erforschung von seelischen Erkrankungen im Weg, bis sich heraus stellte, dass es sich nicht um Charakterfehler, sondern um ein chemisches Ungleichgewicht handelt. Viele Übergewichtige können ein Lied davon singen, wie herablassend Ärzte mit ihnen umgehen. So berichtet eine Patientin im Film, dass sie bei einem Termin für eine gynäkologische Vorsorgeuntersuchung vom Mediziner mit den Worten: „Sie sind zu dick, gehen sie nach Hause und nehmen erst einmal ab!“ nach Hause geschickt wurde. Auch hierzulande hört man von solchen Fällen. Übergewichtige werden anders beurteilt. Während der Tod einen jeden ereilt, werden sie für ihren Tod verantwortlich gemacht. Ein schlanker Patient mit Herzinfarkt ist Herzkrank, ein Übergewichtiger mit derselben Diagnose stirbt an Fettleibigkeit.

Volksweisheiten
Der Volksmund sagt, dass wenn man zuviel isst und nicht genug Sport treibt, dann wird man fett. Punktum. Wie so oft irrt sich der Volksmund. Experten berichten, dass manche Menschen sehr wohl fette, kalorienreiche Mahlzeiten zu sich nehmen können und keinerlei sportliche Aktivitäten zeigen, ohne jemals an Übergewicht zu leiden. Andere trainieren täglich, folgen einem rigorosen Diätplan und sind trotzdem fettleibig. Natürlich gibt es immer wieder Menschen, die 10 Kilo abnehmen müssen, das auch schaffen und anschließend schlank bleiben. Aber die sind nicht fettleibig und müssen schon gar nicht gegen eine chronische Krankheit kämpfen.
Die Wahrheit ist eben weit komplexer.

Eine Krankheit, bei der der Körper die Heilung sabotiert
Sicher ist, dass Übergewicht „die Krankheit ist, bei der der Körper gegen die Heilung kämpft“ so Dr. Michael Rosenbaum, ein Forscher der Columbia Universität. Im Allgemeinen ist der Körper darauf programmiert, die Heilung zu unterstützen. Nicht in diesem Fall. „Die Menschen denken, dass Diäthalten eine Frage der Wahl ist“ sagt Arthur Frank, der Leiter des Weight Management Programm der George Washington Universität. Die Wahrheit ist, dass es nötig ist, starke Impulse des Gehirns zu überwinden, um Gewichtsverlust zu erreichen

Jeder, der schon einmal eine Diät gehalten hat weiß es: sobald der Gewichtsverlust da ist, verlangsamt sich der Stoffwechsel und verbraucht weniger Kalorien. Vom Blickpunkt des Körpers aus ist man auf einer einsamen Insel gestrandet und verhungert gerade. Dagegen versucht das Gehirn anzugehen: es stellt den Stoffwechsel auf Fettansatz und niedrigem Kalorienverbrauch um. So hat die Menschheit überlebt.
Hier spielen Speicherhormone, allen voran Leptin eine wichtige Rolle. Leptin wird vor allem in den Bauchfettzellen synthetisiert. Wenn Menschen zunehmen, steigt die Menge des Leptin, und wenn das Hormon an bestimmte Rezeptoren innerhalb von Neuronen (Nervenzellen) andockt, wird ihr Appetit unterdrückt. Wenn Menschen Abnehmen, sinkt der Körperfett Anteil, damit auch das Level des Leptin. Die Rezeptoren für Leptin an den Nervenzellen werden weniger, und andere Rezeptoren vermehren sich – was wiederum Hunger auslöst. Auch Fette, Zucker und andere Hormone beeinflussen die Nervenzellen. Aber der Hauptfaktor scheint Leptin zu sein. Der Leptin-Zyklus scheint auch der Grund dafür zu sein, dass bei vielen Übergewichtigen verordnete Appetitzügler, die Letpin enthalten, nicht wirken. Nach nur vier Monaten werden die Rezeptoren in den Nervenzellen für die künstliche Zufuhr resistent. Das Medikament kann nicht mehr wirken.

Übergewichtige und Gesellschaft
Wer trotz des Überangebots an Nahrung, seinen hormonellen Faktoren und seiner genetischen Veranlagung abnehmen will, muss sich daran gewöhnen, dass das ein lebenslanger Prozess ist, mit Phasen von Übergewicht die sich mit Phasen von Gewichtsreduktion abwechseln. Ein Mediziner im Film weist darauf hin, dass der Versuch, weiterhin weniger zu essen „wie der Versuch ist, eine Treppe hochzurennen, ohne schneller zu atmen. Man kann es eine Weile machen, aber nicht sehr lange!“
Viele Forscher und Mediziner entwickeln daher Gesundheitsprogramme, die den stark Übergewichtigen erlauben, trotz ihres Gewichts gesund zu bleiben. Sie sollen trainieren, gesund essen und sich mit ihrem Aussehen abfinden.

Genau hierin liegt ein weiteres Problem. Übergewichtige begegnen vielen Vorurteilen und Ablehnung. Sie erhalten statistisch nachgewiesen weniger Gehalt als Schlanke und bekommen die schlechteren Jobs. Auch bei der Partnerwahl tun sich viele schwer. Die interviewte Krankenschwester im Film bringt es auf den Punkt: „Übergewichtige Menschen versuchen in einer Kultur zu überleben, die ihnen mit Hass gegenübersteht“

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