Erfahrungen mit dem Hoka One One Conquest 2 Laufschuh

Ha! Jetzt werden sich einige von Euch wahrscheinlich richtig wundern, was ich mit einem Hoka Laufschuh mache. Stimmt, ich bin eigentlich ein Vertreter des Natural Running Ansatzes, nach der man den Fuß in seiner natürlichen Funktion trainiert, auf- und ausbaut, um letztlich mit möglichst wenig Unterstützung durch einen Laufschuh zu laufen und ein direktes Gefühl für den Boden und die Strecke zu haben. Gerade bin ich auch den London-Marathon in einem New Balance Minimus Road gelaufen, einem mit 147g extrem leichten, kaum gedämpften Wettkampfschuh.

Neben dem Natural Running bzw. Barefoot-Running Trend beobachte ich aber seit einiger Zeit auch den genau entgegengesetzten Trend, bei dem auch geübte Läufer auf Schuhe mit maximaler Dämpfung wechseln. Hoka One One ist neben Altra wahrscheinlich einer der wichtigsten Vertreter in diesem Segment und so war es für mich unheimlich spannend auch einen solchen Schuh zu testen, um die Faszination besser zu verstehen. Für meinen Test habe ich den Hoka One One Conquest 2 eingesetzt und hatte während meiner Vorbereitung für den London-Marathon ausreichend Zeit, den Schuh zu testen.

Vielleicht kurz und ganz allgemein zum Konzept von Hoka One One – oder kurz Hoka. Bereits optisch sieht man den Schuhen die hohe Dämpfung im Bereich der Zwischensohle an, die ein bis zu 2,5 mal höheres Dämpfungsvolumen hat, als normale Dusrchschnittslaufschuhe. Gegenüber Minimalschuhen wie ich sie sonst oft laufe, entsprechend ein Vielfaches mehr an Sohle. Neben der besonders hohen Dicke und Dämpfung ist die Sohle mit einem Meta-Rocker so gestaltet, daß sie ein leichtes, komplettes Abrollen über den ganzen Fuß erlaubt, d.h. das besonders der Hacken als auch die Zehenpartie nicht gerade auf dem Boden aufliegen, sondern bereits in einer leicht nach oben geborgenen, wiegenartigen Form stehen – nur der Mittelfußbereich liegt eben auf dem Boden auf. Ebenfalls besonders, aber auch besonders angenehm zu tragen ist das Fußbett. Während herkömmliche Laufschuhe in der Regel ein ebenes Fußbett haben oder höchstens leicht an der Fußaußenseite angehoben sind, sinkt man bei Hoka tief in das Fußbett ein und hat so einen besonders guten Halt im Schuh, allein schon durch die Sohle. Man kann sich das ein wenig wie bei Sportsitzen im Auto vorstellen, wo ja auch die Seiten des Sitzes hervorstehen, um einen besseren Seitenhalt zu gewährleisten.

Die restliche Konstruktion des Schuhes ist eigentlich recht marktüblich, und man hat ein bequemes Obermaterial aus Lycra und Mesh, daß besonders im unteren Seitenbereich auf Höhe der Fußsohle und im Zehenbereich verstärkt ist und so, gerade im Zusammenspiel mit dem Fußbett einen perfekten Halt bietet. Zugleich vermisse ich aber auch das luftigere Gefühl, daß ich von anderen Schuhen kenne – warme Füße sind also im Hoka keine Besonderheit. Die Zauberei bei Hoka One One und beim Conquest findet definitiv im Bereich der Sohle statt.

So liegt die Sprengung beim zuvor erwähnten New Balance Minimus bei 4mm gegenüber 30mm im Vorderfußbereich und 35mm im Hackenbereich beim Hoka One One Conquest 2. Und auch beim Gewicht macht sich die dicke Sohle bemerkbar. Den 147 Gramm des Minimus stehen hier 341 Gramm beim Hoka gegenüber. Ein Nike Air Pegasus, einer der meistverkauften Laufschuhe, hat übrigens eine Sprengung von 13mm und ein Gewicht von 286g. Ein Hoka ist also trotz der deutlich dickeren Sohle nicht viel schwerer als ein herkömmlicher Laufschuh. Auch am Fuß fühlt sich der Schuh vom Gewicht her ganz normal an, obwohl der Schuh rein optisch natürlich wie ein „Brocken“ aussieht.

Merkwürdiger Weise fühlt sich der Schuh auch sonst ganz normal am Fuß an. Ich hatte eigentlich ein spezielles Gefühl erwartet, wenn man plötzlich um 3cm höher steht, als in den Schuhen, die ich sonst so laufe. Aber auch hier gibt es ein ganz normales Tragegefühl, kein High-Heel-Feeling.

Auf der Strecke zeigt der Hoka One One Conquest 2 dann wozu der komplizierte Sohlenaufbau gut ist. Man rollt wirklich wunderbar über den Schuh und ist rundum eingebettet und von allen Schikanen der Strecke befreit. Die Sohle saugt einfach alles an Unebenheiten, Stößen und Belastungen in sich auf und entspannt den Laufapparat ungemein. Trotzdem hat man aber einen guten Grip und kommt gut vorwärts und es lässt sich abgesehen von der Supersuspension kein Unterschied zu einem klassischen Laufschuh ausmachen. Natürlich vermisse ich als Natural Running-Läufer den direkteren Kontakt zur Straße, denn vom Untergrund spürt man in diesem Schuh nahezu nichts mehr. Beim auftreten spürt man, wie der Fuß in die Sohle einsinkt und man hat ein wenig das Gefühl auf Knete zu laufen, aber auch wie man aus der Kompression wieder in den nächsten Schritt hineingeschoben wird.

Der Hoka One One Conquest 2 ist eine riesige Überraschung und ich bin froh, daß ich diesen Schuh testen konnte. Gerade das normale Feeling des Schuhs, der ja mit seiner dicken Sohle sehr hoch und auch etwas schwerer als gewöhliche Laufschuhe ist, hat mich begeistert. Für mich ich der Hoka One One ein genialer Schuh für lange Trainingsläufe oder Regenerationsläufe, bei dem ich die Belastung für den Laufapparat möglichst gering halten und maximal schonend für Muskeln und Gelenke laufen will.

Für Wettkämpfe werde ich weiterhin, reduziertere, agressiverer und direktere Schuhe tragen – ich kann jetzt aber die Faszination Hoka One One nachvollziehen und kann den Schuh für schwere Läufer, Laufanfänger oder für Fortgeschrittene als schonenden Trainnigsschuh komplett empfehlen, da man das Risiko von Verletzungen reduziert und auch die Regenerationszeit verkürzen kann.

Hoka One One ist seit Kurzem nun endlich offiziell in Deutschland zu bekommen. Mehr Infos gibt es (noch in englisch) hier.

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