Dachstein Spürsinn Evo im Test. So befreit und leicht kann wandern sein!

Es war eines der Highlights meines ersten Frühlingstrips in die Berge als ich endlich den Dachstein Spürsinn Evo ausprobieren und meine eigenen Erfahrungen beim Test des neuen, innovativen Wanderschuh-Konzepts von Dachstein machen konnte. Während beim Klettern und Laufen die Themen Spürsinn, Gefühl, Leichtigkeit und Natürlichkeit ja schon länger ein großer Trend sind und mit Natural Running und Barefoot Running sogar eigene Kategorien gebildet haben, hatte ich beim Wandern den Eindruck, daß „viel hilft viel“ immer noch an der Tagesordnung sind. Viel Material, viel Dämpfung, viel Stabilität und viel Abschirmung. Obwohl die Materialien leichter werden kommt man mit den meisten Wanderschuhen doch nicht näher an das natürliche Laufgefühl und bleibt abgetrennt vom Untergrund.

Mit dem Dachstein Spürsinn Evo, den Dachstein zusammen mit der Bergsteigerlegende, dem blinden Kletterer Andy Holzer entwickelt hat, habe ich das erste Mal den Eindruck, daß die Zukunft auch die Alpinisten erreicht hat. Schon bei der Vorstellung des ersten Spürsinn, bei dessen ich Andy Holzer auch persönlich für eine Klettertour treffen konnte, schien die Richtung zu stimmen, doch mit dem Spürsinn Evo macht Dachstein einen weiteren Schritt nach vorn.

Schon optisch unterscheidet sich der Dachtein Spürsinn Evo massiv von allen herkömmlichen Wanderschuhen, da er quasi aus einem flacheren Wanderschuh besteht, der mit einer Stricksocke über den Knöchel hinaus verlängert wurde. Auch das Obermaterial und die spezielle Spürsinn-Sohlenkonstruktion sind kaum mit anderen Wanderschuhen vergleichbar, bieten für mich als Läufer aber viele Berührungspunkte zu den funktionellen Entwicklungen, die wir im Bereich Trail Running und Natural Running in den letzten Jahren gesehen haben. Daher habe ich wahrscheinlich auch weniger Berührungsängste mit derart drastischen Innovationen, weil mir diese aus dem Laufbereich schon vertraut sind.

Meine Erfahrungen aus dem Dachstein Spürsinn Evo Test
Trotz der großen Vorfreude auf den Schuh, beginnt der Test ersteinmal mit einem nicht so optimalen Erlebnis. Denn das Einsteigen in den Schuh ist nicht gerade einfach, da man sich durch die Socke vorbei an der Fersenkappe in den Schuh hineinmanövrieren muss. Dafür ist schon der erste Eindruck einzigartig, wenn man es dann in den Schuh geschafft hat. Mit seinen 340g Gewicht pro Schuh ist er ein absolutes Leichtgewicht und kann mit den meisten flachen Trailrunning-Schuhen mithalten und schlägt herkömmliche Wanderschuhe um Längen, die meist so um die 500g pro Schuh liegen.

Der Fuß fühlt sich im Dachstein Evo sofort gut umschlossen und wegen der Sockenkonstruktion und des geringen Gewichts aber auch leicht und frei an. Die Passform ist sehr gut und der Schuh liegt an der Ferse und im Mittelfußbereich dicht an und gibt dadurch einen exzellenten Halt, währen im Vorderfußbereich ein wenig mehr Platz vorhanden ist, um den Zehen einen Raum für die Spreizbewegungen beim Laufen und Klettern zu geben. Gerade der Sitz am Hacken ist unglaublich gut, und die Fersenkappe hält den Fuß fest im Schuh verankert, so daß trotz der sich anschliessenden Sockenkonstruktion nichts an Stabilität verloren geht. Hier bekommt man als Träger dann ein Plus an Tragekomfort und Stabilität im Tausch gegen das etwas kompliziertere Verfahren beim Anziehen des Schuhes.

Die Sockenkonstruktion des Dachstein Spürsinn Evo macht sich wirklich gut, da der Schuh im Knöchelbereich eine hohe Agilität und Flexibilität bekommt. Auf den Knöcheln ist das Strickmaterial übrigens mit extra voluminösen Rippen gearbeitet, die einen Schutz gegen Stöße herstellen. Im Kontrast zur 360-Grad-Flexibilität am Knöchel und der tollen Beweglichkeit des Schuhs in der Vorwärtsbewegung steht ein sehr guter Seitenhalt, der ein Umknicken relativ unmöglich macht und somit auch den weniger stabilisierten Knöchel schützt.

Das Obermaterial ist ein Meshgewebe, daß ein wenig an dünneres, aber festeres Neopren-Material erinnert und einen guten Kompromiss aus Stabilität und Flexibilität herstellt. Das getrickte Material des Knöchelbereichs setzt sich in den kompletten mittleren und vorderen, inneren Bereich des Wanderschuhs fort und ersetzt über dem Spann die sonst übliche Zunge. Über dem Spann kann der Spürsinn Evo aber mit einer klassischen Schnürung noch zusätzlich fixiert werden. Mir gefällt der natürliche Sitz mit der Sockenkonstruktion allerdings so gut, daß ich ihn bei den nächsten Touren komplett ohne Schnürsenkel laufen werde. Das bringt noch einmal mehr Flexbilität und Atmungsaktivität und spart zusätzlich Gewicht, ohne zuviel an Stabilität zu verlieren.
Am Hacken und im Zehenbereich ist das Obermaterial durch feste Gummikappen verstärkt und teilweise auch im Seitenbereich gummiert, um einen optimalen Schutz gegen Stöße und Abnutzung zu erreichen.
Mal von der Passform und dem Tragegefühl abgesehen, finde ich auch das Design des Schuhs insgesamt und insbesondere den Print des Obermaterials richtungsweisend. Es ist einerseits super modern, lässt für mich aber über die Farbwahl und die kubistischen Formen aber trotzdem einen alpinen Flair von Wasser, Eis und Fels entstehen.

Das Herzstück des Dachstein Spürsinn Evo ist aber die exklusive Vibram Evo 2.0 Sohle, die mit einer 9mm Sprengung im Vorderfußbereich deutlich weniger gedämpft ist und somit mehr Gefühl für den Untergrund ermöglicht. Für Bergabläufe unterstützt hingegen besonders viel Material unter dem Hacken und die zweigeteilten gummierten Zonen an der hinteren Sohlenkante optimieren nicht nur den Grip beim Klettern, sondern ermöglichen auch ein besseres Gefühl, da die linke und rechte hintere Seite der Sohle nicht direkt verbunden sind.

Über die gesamte Sohle sorgt ein griffiges Stollenprofil für guten Halt und die Flex Lines Kerben im Vorderfußbereich unterstützen das natürliche Abrollverhalten des Schuhs. Unter dem vordersten Zehenbereich und unter der Innenkannte des Vorderfußes sorgt eine speziell gearbeitete Climbing Zone für zusätzlichen Grip am Fels, so wie wir es schon von der Ferse kennen.

Auch wenn ich den Dachstein Spürsinn Evo jetzt quasi in seine Einzelkomponenten zerlegt und einzeln relativ detailliert vorgestellt habe, besticht der Spürsinn Evo durch sein Ganzes und das Zusammenwirken der Komponenten. Die tolle Sohle mit dem natürlichen Kontaktgefühl für den Untergrund kommt nur in Kombination mit dem leichtgewichtigen und ultraflexiblen Stricksystem des Obermaterials richtig zur Geltung und trotzdem wurden zugunsten des Gewichts, Komforts und des Laufgefühls nicht der kritische Bereich unterschritten, den man für einen alpinen Schuh im Bereich Stabilität und Schutz benötigt. Wenn es gelingen würde, den Schuh noch etwas atmungsaktiver zu gestalten, ohne auf die jetzigen Eigenschaften negativ einzuwirken, würde der Schuh noch etwas perfekter werden.

Für mich ist der Dachstein Spürsinn Evo aber ein toller Vorreiter in ein moderneres Wander- und Klettergefühl, dem hoffentlich noch viele Editionen nachfolgen werden. Wer also gerade einen neuen Wanderschuh, Kletterschuh für den Zustieg sucht, findet mit dem Spürsinn Evo einen revolutionären Approachschuh, den man unbedingt probiert haben sollte, bevor man etwas anderes kauft. Ich bin ziemlich sicher, daß Euch das leichte und flexible Gefühl in diesem Schuh ebenfalls begeistern wird.

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