adidas HQ Herzogenaurauch. Einblicke in die Drei-Steifen-Zentrale

An der Spitze der Sportausrüster gibt es nur zwei große Namen, die seit Generationen Spitzensportler und Hobbyathleten ausrüsten. adidas und das „Evil Empire“, wie manche Herzogenauracher den amerikanischen Player aus Orgeon nennen. Gerade in den letzten Jahren hat adidas eine wirklich beachtliche Entwicklung genommen und kann auf eine ganze Reihe von Erfolgen zurückblicken.

Bei den Themen Produktinnovation hat adidas mit dem Ultraboost und generell dem Boost-Material ein ganz neues Laufgefühl erreicht und mit Yeezy und NMD auch im Sneakersegment ein paar Volltreffer gelandet. Inzwischen ist der adidas Superstar der meistverkaufte Sneaker in den USA und die coolen Kids tragen Stan Smiths und andere Modelle mit den drei Streifen.

Auch im Community-Bereich hat adidas beeindruckendes geleistet. Als adidas vor einigen Jahren mit den adidas Runners startete, hielt ich es für eine irrwitzige Idee, daß adidas versuchte gegen den damals extrem gut und global stark aufgestellten Nike Run Club anzutreten. Inzwischen wissen wir, daß der Nike Run Club sich quasi aufgelöst hat und nur noch sporadisch in Erscheinung tritt, während in vielen Städten und bei vielen Events eben nicht mehr die RUNNER T-Shirts des NRC herausstechen, sondern die AR-Shirts der adidas Runners. Natürlich ist das auch dem internen Strategiewechsel bei Nike geschuldet, für die scheinbar die Themen Community und Community Relations nicht mehr so wichtig sind.

Selbst Reebok, die Marke die vor wenigen Jahren quasi zusammen mit Fila und ein paar anderen Marken, die Uncoolness für sich gepachtet hatten, ist mit dem Fokus auf Crossfit und Training wieder zurück.

Es geht also gerade Einiges im beschaulichen Mittelfranken und so war ich extrem gespannt, was mich beim Blick hinter die Kulissen des Weltkonzerns erwarten würde. Zusammen mit Ava, Linda, Julia, Elena, Ann-Kathrin, Julia, Angie, Lou, Christian und Felix hatten wir uns also auf den Weg nach Herzogenaurach gemacht, um im adidas Hauptquartier das Jahr ausklingen zu lassen.

Also rein in den neuen ICE, der in nur 3 Stunden von Berlin nach Nürnberg fährt und von dort nach einer kleinen Taxifahrt zum adidas HQ in Herzogenaurach. Der adidas Campus ist einfach gigantisch – denn abgesehen von ein paar kleineren Büros in einigen Key Cities und auf anderen Kontinenten, ist diese „World of Sports“ die berufliche Heimat von fast 4.000 Mitarbeitern. In verschiedenen Gebäuden, arbeiten dort die verschiedenen Teams, meist nach Sportart oder Produktart unterteilt und können sich im sehr grünen parkähnlichen Gelände bei einer Luftrunde gedanklich erfrischen oder auf dem Basketball-Court ein paar Bälle werfen. Die Stimmung und der Kleidungsstil sind lässig – und auffallend modisch. Natürlich sieht man jede Menge adidas-Styles an den Mitarbeitern, aber insgesamt bestätigt sich das Paradoxon von adidas Herzogenaurauch.

Mitten in der beschaulichen Gegend, und nahes der über eintausend Jahre alten Stadtkerns von Herzogenaurach, liegt also dieser Impulsgeber für globale Sportmodetrends? New York, Paris und Berlin sind weit, weit weg und doch spürt man deren Anwesenheit innerhalb des adidas Headquarters. Es ist ein wenig, wie als hätte man die globalen Trends in eine Schneekugel gepackt. Und diese modisch-kreative Schneekugel steht nun gut geschüttelt dort, wo Hase und Igel sich gute Nacht sagen.

Vielleicht ist aber auch genau das eines der Erfolgrezepte von adidas. So wie Bands sich nach einer Tour vollgelagen mit neuen Insprirationen und Eindrücken ins Studio zurückziehen und sich dort abkapseln, um ein neues Album aufzunehmen, saugt das adidas-Team die globalen Impulse auf und verwandelt sie in der Schneekugel in Herzogenaurach in neue Kollektionen.

Für uns geht es aber erstmal in das Allerheiligste in Herzogenaurach – Das Archiv. Schon früh hat adidas begonnen in ein Archiv zu investieren und hat mittlerweilen auch eine eigene Abteilung geschaffen, die Key Pieces aus allen Kollektionen archiviert, aber auch global nach historisch bedeutsamen Stücken Ausschau hält und diese auch digital archiviert. So kann jeder im öffentlichen, digitalen Archiv blättern und sich kultige Stücke aus der adidas-Geschichte ansehen und sich davon inspirieren lassen.

Die Rocky Balboa Jacke, der rote RUN DMC Lederanzug, die Schuhe von Kathrine Switzer von 1967 und 2017, die Schuhe von Grete Waitz, der Micro-Pacer, der zum NMD inspirierte, die Weltrekordschuhe von Dennis Kimetto, das Olympia-Shirt von Haile Gebrselassie – ich hätte noch den ganzen Tag im adidas Archiv stöbern können.

Von der Vergangenheit ging es dann in die Zukunft zu adidas Future, wo an den Neuheiten der kommenden zwei Jahre und weiter geforscht wird. Ein spannendes aktuelles Projekt ist beispielweise die Optimierung der Kompression von Bekleidung. So wie es beim Ultraboost gelungen ist, dem Fuß im richtigen Moment Flexibilität zu geben, damit eine natürliche Fußbewegung ausgeführt werden kann, im anderen Moment aber auch zu stützen und zu stabilisieren, sollte es eigentlich auch bei der Bekleidung möglich sein. Bisher gibt es aber nur die Wahl zwischen Kompressionskleidung, die eben dauerhaft Druck erzeugt und teilweise auch die Beweglichkeit eingrenzt oder normale Sportbekleidung, die locker sitzt und keine zusätzliche Funktionalität für Muskulatur oder Stützapparat übernimmt. Auch an zukünftigen Fertigungstechniken wird geforscht, wie der Maßanfertigung von Schuhen mit 3D-Druck oder Roboterstrickverfahren.
Ich bin gespannt, was und dort in den nächsten Jahren an Innovationen erwartet. Gerade die individuelle Anpassung von Schuhen und Textilien an die spezifischen Eigenschaften des Sportlers für den Massenmarkt möglich zu machen, wäre eine Revolution. Dann könnte man sich im Store auf ein Laufband stellen, dort seine Lauftechnik und den Fuß vermessen lassen und würde ein paar Stunden später seinen ganz individuellen, perfekt angepassten Laufschuh bekommen.

Dann war es aber endlich Zeit, auch selbst richtig aktiv zu werden. Coach Daniel hatte sich ein kleines HIIT-Training ausgedacht, daß nach der EXOS Trainingsmethode zusammengestellt und von einem Faszien- und Mobility-Training eingefasst wurde. Burpees, Sprints, Rudern, Seile, Koordinationsleiter, Slamball – mein Puls war hoch erfreut. Aber das schöne an HIIT-Training ist ja aber auch, daß es zwar wahnsinnig intensiv ist, aber auch schnell wieder vorbei und man trotzdem noch den restlichen Tag vom Nachbrenneffekt zehren kann. Also ab unter die Dusche und los zum nächsten Programmpunkt.

Nach dem heftigen Training hatten wir alle ordentlich Hunger und gönnten uns erstmal einen oberleckeren Burger auf dem Nürnberger Christkindl-Markt, den wir dann mit leckerestem Glühwein ablöschten und den Abend gemützlich im bezaubernden Ambiente des Kult-Weihnachtsmarktes abrundeten.

Am nächsten Morgen ging es wieder früh raus für mich, denn mir fehlten nur noch wenige Kilometer, um mein Jahresziel von 2.000 Laufkilometern abszuschließen. Also rein in das Laufoutfit und los zu einer kleinen Lauferkundungstour in die Altstadt von Herzogenaurach, wo gerade die Stadt erwachte. Auf dem Rückweg sorgte dann der kleine Schlenker am adidas HQ vorbei für die letzten fehlenden Meter, so daß ich mit genau 2.001 Jahreslaufkilometern wieder im Hotel ankam. Nach einem kleinen Frühstück ging des dann zurück nach Berlin – völlig geflasht von den Eindrücken, den tollen Menschen die ich kennengelernt und wiedergetroffen habe und aufgeladen mit jeder Menge Energie, um in 2018 wieder voll durchzustarten!

Danke, adidas!

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Kommentare
4 Antworten zu “adidas HQ Herzogenaurauch. Einblicke in die Drei-Steifen-Zentrale”
  1. Markus sagt:

    Sehr schöner Bericht über das HQ. Hätte mir nur gewünscht, dass nicht alles aus der Fan-Brille gesehen wird und gerade im Laufbereich auf die Einstellung der MiCoach-App und dem damit verbundenen unbrauchbar werdenden Adidas-MiCoach-Laufuhr eingegangen worden wäre.

  2. Daniel sagt:

    Naja, ich benutze das nicht sondern bin mit TomTom und Strava sehr happy. Insofern interessiert mich das nicht. Aber es kommt ja ein neues Projekt von FitBit und adidas wie man munkelt. Das wäre dann das Gegenstück zur Nike Apple Watch. Aber bis jetzt sind das nur Gerüchte.

  3. Markus sagt:

    Ja stimmt schon, wenn man es nicht nutzt bekommt man es auch nicht mit. Bleibt ja trotzdem ein guter Bericht ;)

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