GORE-TEX TransalpineRun. Erfahrungen von der Strecke des RUN2 und meinem Trainingsplan

Was macht ein Flachland-Asphaltläufer im Gebirge? Er leidet und verschiebt persönliche Grenzen und Horizonte!

Wie Ihr ja schon mitbekommen habt, ist meine Faszination für das Trailrunning in den letzten Jahren stetig gewachsen und es ist schon eine gewisse Tragik dabei, wenn man auf Null Höhenmetern über dem Meeresspiegel lebt und sich dann in das Berglaufen verliebt. Ein bisschen wie ein Fisch ohne Wasser.
Zum Glück gibt es ja immer wieder mal tolle Ausflüge in die richtigen Berge, wie beim Trailbloggercamp. Nach meinem Rennsteigmarathon im Frühjahr, stand in diesem Jahr das absolut größte Highlight meiner noch jungen Berglaufleidenschaft auf dem Programm. Der GORE-TEX TransalpineRun.

GORE-TEX TransalpineRun – RUN2 – Appetithappen für das 7-Gänge-Menü
Der GORE-TEX TransalpineRun gehört zu den härtesten, aber auch den schönsten Bergrennen der Welt und genießt deswegen auch absoluten Legendenstatus unter den Trailrunnern. Gelaufen wird in sieben Tagesetappen von Garmisch-Partenkirchen nach Brixen in Südtirol. Dabei wurden in diesem Jahr gigantische 16.000 Höhenmeter im Aufstieg und Abstieg und 266 Kilometer Gesamtstrecke zurückgelegt.
Gelaufen wird in Zweierteams in jeglicher Kombination aus Frauen und Männern, wobei man aber nah beeinander laufen muss und maximal 2 Minuten voneinander entfernt sein darf. Es ist also keine Staffel, sondern ein Teamlauf.

Ganz neu gibt es seit diesem Jahr den RUN2, ein neues Rennformat beim GORE-TEX TransalpineRun. Dabei laufen die Teilnehmer nur die ersten beiden Etappen des GORE-TEX TransalpineRun, quasi als Appetithäppchen.
Aber auch diese Häppchen haben es in sich. Mit 43km und 2.500 Höhenmetern am ersten Tag und 27km und 1.500 Höhenmetern am zweiten Tag, ist auch der GORE-TEX TransalpineRun RUN2 kein Sonntagsspaziergang.

Ich hatte das Glück, von GORE-TEX zu diesem Abenteuer eingeladen zu werden und so machte ich mich zusammen mit meinem Teampartner Christian Cullmann auf die Reise zu den endlosen Trails.

Trainingsplan für den GORE-TEX TransalpineRun und das Bergtraining
Mein Training für den GORE-TEX TransalpineRun hat sich zeitgleich überlappt mit der Vorbereitung für den Berlin-Marathon, der zwei Wochen nach dem RUN2 stattfand. Im Grunde hat sich das Training für den TAR aber auch nicht großartig von einem normalen Marathontraining unterschieden.

Wichtig für mein Trailrunning-Training war aber auf jeden Fall der Ausflug nach Brixen, wo wir mehrere Testläufe absolvierten und sowohl Equipment, als auch Kondition und Technik testen konnten. So bekam ich ein gutes Gefühl für den aktuellen Trainingsstatus und die Schwachpunkte, an denen ich arbeiten musste.

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Training bzw. Testlauf waren:

  • Was Du auf Asphalt oder der flachen Straße läufst, sagt nichts über Deine Bergperformance aus. Du musst Berge laufen, um zu wissen, ob Du Berge laufen kannst und bereit bist. Meine übliche Pace, mein Gefühl für die Kondition – das alles war in Frage gestellt am Berg und ich musste mich erst ganz neu justieren auf das, was ich in der Lage war am Berg zu leisten
  • Willst Du das alles, den Berg hochschleppen? Gewicht, Gewicht, Gewicht!
    Jedes zusätzliche Kilo, daß man die Berge hinaufschleppen muss, macht die Aufgabe schwerer. Also sollte man sich beim Essen zügeln und es sich leichter machen! Ich habe daher bis zum Wettkampf mehr als 4kg Körpergewicht abgebaut, mehr wären besser gewesen.
    Aber bitte nicht übertreiben, denn man braucht Energie für ein hochqualitatives Training und den Muskelaufbau.
  • Die Höhe fordert. Als Flachländler muss man sich erst auf die Höhe einstellen und ein höherer Puls und eine beschleunigte Atmung sind unter anderem die Folge. Wer also die Möglichkeit hat, 24 Stunden oder mehr vor dem Wettkampf anzureisen, erleichtert sich das Leben ein wenig und kann sich besser akklimatisieren.
    Ein Training in der Höhenkammer oder mit einer Trainingsmaske halte ich aber für übertrieben. Ich hatte noch den Tipp zu Mutterkraut bekommen und es dann in den Bergen vor und während des Wettkampfes verwendet und weniger Probleme als im Training. Ob es am Mutterkraut lag? Schwer zu sagen, aber geschadet hat es nicht.

Doch zurück zum Trainingsplan. Mein Trainingsplan umfasste also die typischen Elemente einer Marathonvorbereitung. Mindestens einmal wöchentlich ein Longrun, in der Anfangsphase gesteigert von der Halbmarathondistanz, über 25km, 30km bis hin zu 32km-Läufen.
Die Longruns werden als Grundlagenausdauertraining eingesetzt und bei niedrigem Puls gelaufen. In der Ruhe liegt hier die Kraft!
Dazu kommen dann dynamischere Läufe zur Lauftechnikschulung und mindestens eine Intervalleinheit pro Woche zur Schulung der Tempohärte. Das Ganze wird dann begleitet von Dehnungsübungen und dem Lauf-ABC. Soweit das Standardtraining.

Was habe ich zusätzlich, bergspezifisch für den GORE-TEX TransalpineRun trainiert?

  • Treppenläufe. In der Anfangsphase des Trainings bin ich vermehrt Treppenstufen gelaufen, also im schnellen Lauftempo Stufe für Stufe. Zunächst 10 Runden, dann 20 und letztlich bis zu 30 Runden. Dabei bekommt man nicht nur ein paar Höhenmeter zusammen, sondern kräftigt vor allem die Wadenmuskulatur und die Achillessehne.
    Als Ergebnis bekommt man dadurch einen besseren Abdruck am Berg. Zweitrangig wird auch der Oberschenkel trainiert. Durch die kleinen Schritte und niedrigen Stufen, geht es aber hauptsächlich um die unteren Beine.
  • Berganläufe. Eine schöne Trainingskomponente sind Berganläufe, bei denen man gerne auch im Intervall einen leichten bis mittleren Anstieg hinaufläuft und dann als Trabpause wieder locker herunterläuft. Das lässt sich auch als Kraftkomponente in einen lockeren Lauf als Mittelstück einbauen.
  • Oberschenkelmuskulatur. Das fällt leider in die Kategorie „hätte“. Denn das Stabitraining habe ich leider etwas vernachlässigt und so war es auch der Oberschenkel, der sich beim GORE-TEX TransalpineRun als erstes über die erhöhten Anforderungen beschwert hat, die da nun an ihn gestellt wurden. Gerade bei den steilen Passagen führt man viele, große Steigbewegungen aus, die direkt aus dem Oberschenkel kommen und auch beim Bergablauf kommt viel Bremskraft aus dem Oberschenkel. Daher bitte entweder im Fitnessstudio auf den StairMaster klettern oder noch besser Ausfallschritte üben und das Aufsteigen auf die Box oder eine Kiste. Das kann statisch oder dynamisch erfolgen.
    Also einfach im Gym eine Holzkiste nehmen oder einen Turm bauen und dann immer mit einem Bein hochsteigen, heruntersteigen und dann wieder mit dem anderen beim Aufsteigen.
  • Koppeltraining bzw. Trainingsserien. Was mir für den TransalpineRun gut geholfen hat, waren die Trainingseinheiten an aufeinander folgenden Tagen. So bin ich zum Beispiel an einem Samstag 32km locker gelaufen und am Sonntag einen Halbmarathon in 1:43:19h. Das hat nicht nur mental geholfen, sondern auch wirklich für das Rennen.

Anreise und Übernachtung beim GORE-TEX TransalpineRun
Aus den Erfahrungen des Trainingscamps hatte ich gelernt, daß mir die Höhe ein wenig Probleme macht, da ich ja in Berlin bzw. Potsdam quasi auf Höhe des Meeresspiegels wohne. Also bin ich extra schon am Freitag Abend angereist, um ein wenig Bonuszeit in Garmisch-Patenkirchen zu haben für die Höhenanpassung, aber auch um den Samstag frei zu haben. Anreisestress am Tag vor dem Rennen ist nicht unbedingt hilfreich, soviel hatte ich auch schon beim London-Marathon gelernt.

Wir hatten in kleinen Hotels in den Start- und Zielorten ein Doppelzimmer und sind damit gut zurechtgekommen. Man kann über den Veranstalter auch die Unterbringung in Turnhallen und Massenunterkünften buchen. Aber ob man dort die nötige Erholung für eine solche Mammutaufgabe bekommt, wage ich zu bezweifeln.

Gepäcktransport beim GORE-TEX TransalpineRun
Beim TAR gibt es mehrere Gepäckoptionen. Wenn man den ganzen TAR läuft, bekommt man eine offizielle, große TAR-Tasche, in die man dann sein gesamtes Equipment für die sieben Tage packt. An der Tasche wird dann eine Startnummer befestigt und man gibt die Tasche morgens vor dem Start ab und dann wird sie in die Unterkunft am Zielort der Etappe gebracht. Dazu hinterlegt online seine Hotels oder Unterkünfte, bevor es losgeht.
Für Teilnehmer des RUN2 funktioniert es ähnlich, nur daß hier die normalen, privaten Taschen bzw. Koffer der Teilnehmer transportiert werden.
Zusätzlich kann man am Start jeden Tag einen offiziellen Starterbeutel abgeben, den man dann direkt im Ziel bekommt. Also besonders für Wechselkleidung und andere Dinge, die man sofort im Ziel benötigt.

Equipment Packliste für den TransalpineRun
Das Wichtigste beim Trailrunning sind neben den Schuhen vor allem die Laufklamotten, der Rucksack und die Trailrunning-Stöcke. Ich startete mit den Salomon Sense Ride auf die erste Etappe, denn auch schon im Trainingscamp hatte ich gute Erfahrungen mit den stärker gedämpten Trailrunning-Schuhen gemacht. Am zweiten Tag war ich mit den Salomon Speedcross unterwegs, die ich ja auch schon auf meiner Testlist für Trailrunning-Schuhe zu stehen habe.

Beim Rucksack hatte ich zuerst den Salomon ADV SKIN 12 SET ausprobiert und bin dann doch noch auf das etwas leichtere Modell mit weniger Fassungsvermögen gewechselt. Denn auch beim Salomon ADV SKIN 5 SET hatte ich keine Probleme, mein gesamtes Equipment unterzubekommen.
Nur die 4D Stock-Halterung stellt sich in der Praxis zwar als benutzbar dar, besonders wenn man einen Partner zur Hilfe hat, aber ein externer Köcher wäre dann bei mir beim nächsten Wettkampf mit dabei, weil das noch schneller und einfacher funktioniert.

Als Stöcke hatte ich die LEKI Micro Trail Pro mit dabei, die sich auch gut bewährt haben. Im Training war ich noch mit dem klassischen Schlaufensystem unterwegs, hatte mich dann aber doch für die Pro-Version mit dem Speed Lock 2 Verstellsystem entschieden, weil man einfach in Sekundenbruchteilen die Stöcke an- oder ablegen kann.

Für das Packen habe ich Gefrierbeutel verwendet und diese mit der Startnummer beschriftet. Der größte Vorteil daran ist, daß man schneller packen kann und alles jeweils thematisch geordnet hat.
So war bei mir eine Tüte für Verbandszeug, Personalausweis und Bargeld vorgesehen, also alles was man für den Notfall braucht.
Dann hatte ich noch eine Tüte mit Wechselsachen für Wetterumschwünge. Die Sachen, die ich direkt beim Wettkampf schnell benötigen könnte, wie die Regenjacke, waren lose verpackt.
Ähnlich war es mit der dritten Tüte, in der meine Notfallverpflegung war. Ein Gel und einen Koffeinshot hatte ich aber auch lose eingepackt, so daß ich schnell danach greifen konnte.

Grundsätzlich gibt es vom Veranstalter eine Packliste mit Equipment, daß man dabeihaben muss.

Pro Teilnehmer muss mitgeführt werden:

  • Trailrunning-Schuhe mit Profilsohle, die für das Laufen im alpinen Gelände geeignet sind
  • Regenbekleidung Überbekleidung als Regenschutz (mind. wasserdichte Regenjacke)
  • Warme Kleidung (Oberteil und lange Hose bzw. Beinlinge) als isolierende Zwischenschicht unter der Überbekleidung (für schlechte Witterung, die im Hochgebirge überraschend einsetzen kann). Als Grundregel gilt hier, dass keine Haut sichtbar sein darf!
  • Handschuhe und Mütze
  • Trinkbehälter zur Aufnahme der Getränke an den Verpflegungsstellen
  • Wasserbehälter mit mindestens 1,0 Liter Fassungsvermögen
  • Beschriftung der mitgeführten Lebensmittelverpackungen mit der Startnummer
  • Personalausweis

Pro Team muss mitgeführt werden:

  • Notfallausrüstung (Rettungsdecke 1x, 1 Kompresse 10×10, 2 Verbandpäckchen, 2x Handschuhe, Dreieckstuch 1x, Wundpflaster 4x, Notfallpfeife, Blasenpflaster)
  • Navigationsuhr mit eingespeichertem GPS-Track oder alternativ detaillierte Streckenkarten der jeweiligen Etappe in gedruckter Version (Ausgabe in der Registrierung)
  • Laufrucksack
  • Mobiltelefon mit eingespeicherter Medical Crew-Nummer zum Abgeben von Notrufen (es muss sichergestellt sein, dass das Handy auch im Ausland wie z.B. Österreich oder Italien Anrufe tätigen kann)

Wie schon beschrieben hatte ich die Wechselsachen inkl. langer Leggings, Longsleeve, Mütze und Handschuhe in eine Tüte gepackt und nur Sachen griffbereit gepackt, die ich wirklich sofort brauchen könnte.

Zusätzlich zur vorgeschriebenen Ausrüstung sollte man noch mitnehmen oder zumindest vor dem Start anlegen:

  • Sonnencreme
  • Sportbrille
  • Fettcreme gegen Wundscheuern
  • Isotabletten

Für die Getränkeversorgung bin ich mit den beiden 500ml Soft-Flasks des Laufrucksacks gut zurecht gekommen und für das Trinken an den Verpflegungspunkten hat sich der Salomon Soft Cup gut bewährt. Ich hatte den während des Laufens ein eines der kleinen Fächer geknautscht – andere hängen ihn mit einem Karabinerhaken ein und sind so so etwas schneller. Dafür nervt aber unter Umständen das hin-und hergebaumel des Bechers.

Laufbekleidung beim TransalpineRun RUN2
Die Auswahl meiner Laufoutfits für den TAR war kein großes Drama und es gibt eigentlich keine großen Unterschiede, die man zu anderen Läufen berücksichtigen müsste.
Ich hatte am ersten Tag ein normales GORE-Laufshirt an und dazu die passende kurze GORE-Laufhose. Für die ersten Kilometer bis man richtig warm gelaufen ist, hatte ich dann noch Armlinge angezogen – einer der besten Tipps überhaupt. Denn Armlinge kann man superschnell während des Laufens an und ausziehen und weil sie so klein sind, kann man sie auch superleicht irgendwo ein den Rucksack stopfen – bei mir waren es die kleinen Seitentaschen.
Zusätzlich hatte ich vor dem Start noch meine GORE Shake-Dry Jacke an, die ich dann aber kurz vor dem loslaufen ausgezogen habe.
An den Beinen gab es dann kurze GORE-Socken und dazu Calf Sleeves von SKINS, um die Wadenmuskulatur etwas zu unterstützen.
Am zweiten Tag habe ich dieses bewährte System mit frisch gewaschener Hose und einem ON Laufshirt wiederholt und dieses mal aber klassische Bauerfeind Kompressionsstrümpfe dazu getragen.
Zusätzlich dazu hatte ich eine Oakley-Laufbrille dabei, wobei ich sie eigentlich nur am zweiten Tag brauchte, als dann endlich die Sonne richtig durchkam.

Sowohl in punkto Temperaturregulierung, als auch beim Feuchtigkeitsmanagement bin ich mit meinem Equipment gut gefahren und bin komplett ohne Scheuerstellen, Blasen oder sonstige Blessuren durch beide Tage gekommen. Ich hatte aber an Tag 1 gleich zweimal Steinchen in den Schuhen – vielleiht hätte ich doch mit Gamaschen laufen sollen, so wie einige der anderen Läufer. Häufig gesehen habe ich die SALOMON Trail Gaiters, aber damit habe ich wie schon gesagt, selbst noch keine Erfahrung gemacht.

Startnummernausgabe, EXPO und Briefings beim GORE-TEX TransalpineRun
Der Startbereich mitsamt der Startnummernausgabe in Garmisch-Partenkirchen fällt recht übersichtlich aus. In einem Gebäude befindet sich die Startnummernausgabe, die in wenigen Minuten erledigt ist. Dort erhält man auch einen Parkausweis für den Dauerparkplatz in Garmisch, der etwa 1.500m vom Start und der Startnummernausgabe entfernt und kostenlos zu benutzen ist.

Zusätzlich mit den Startunterlagen bekommt man auch die Routenpläne für jeden Tag und einige Goodies. Einen GORE-TEX Beutel, TransalpineRun Stirnband, GORE-Startnummernband, Gutscheine für ein Paar GORE-Handschuhe und den offiziellen GORE-TEX TAR Beutel, den man täglich am Start abgeben kann.

Die EXPO selbst befindet sich vor der Halle und besteht aus einigen, wenigen Zelten und Messeständen. Wer mag, kann sich im Sortiment von adidas TERREX, GORE, Salomon und einiger Händler umsehen. Aber eigentlich hat man zu diesem Zeitpunkt ja schon alles, was man braucht. Ich habe mir nur noch schnell einen Recovery-Drink gekauft, in der Hoffnung meine Beine so schneller für Tag 2 frisch zu bekommen.

Am Abend gab es dann in der Halle auch die große Pastaparty mit Suppe, Nudeln, allerlei Soßen, Käse und Getränken. Ich glaube, daß ich dort die größte Nudelportion meines Lebens verdrückt habe – wahrscheinlich auch aus Aufregung. Während des Essens wird dann auch der GORE-TEX TransalpineRun mit dem traditionellen Einlauf mit den Flaggen der Teilnehmeroffiziell eröffnet, die Sponsoren stellen sich kurz vor und auch die Gewinner und Serienteilnehmer der Vorjahre werden geehrt. Das Briefing beginnt.

Im Briefing werden zunächst die allgemeinen Regeln erklärt und die Equipmentvorschriften werden durchgegangen. Man muss beispielsweise alle Verpflegung, Gels etc. mit der Startnummer beschriften – so geht man sicher, daß keiner seinen Müll auf die Strecke wirft.
Und auch die Streckenmarkierung, Verhalten im Notfall und weitere Details werden erklärt – für mich als Newbie sehr hilfreich und auch beruhigend. Denn jetzt bin ich sicher, daß ich alle Informationen für den Lauf habe.
Im zweiten Teil des Briefings wird dann die Strecke für den nächsten Tag erklärt. Wo sind die Verpflegungsstationen, wo sind kritische Streckenpunkte, wo man besonders vorsichtig sein muss und natürlich Entfernung und Höhenmeter.
Dann geht es für uns in Hotel. Finaler Equipment-Check, alles Herauslegen für den nächsten Morgen und irgendwie zur Ruhe kommen!

Etappe 1 des GORE-TEX TransalpineRun: Garmisch-Partenkichen bis Nassereith
Am nächsten Morgen geht es früh raus. Wir frühstücken möglichst frühzeitig und sind schon kurz vor sieben an der Frühstückstafel. Denn idealer Weise soll der erste Verdauungsvorgang noch im Hotel abgeschlossen werden und nicht irgendwo im Wald auf der Strecke – Ihr wisst, was ich meine.

Dann also Sachen packen, Rucksack schnappen, Zielbeutel in die Hand, Startnummer dran und los. Wir fahren mit dem Auto zum Startbereich und das Abgeben der Koffer funktioniert schnell und einfach. Also weiter mit dem Auto zum Dauerparkplatz. Im schnellen Wanderschritt geht es zurück in Richtung Start. Irgendwie ist es doch weiter als gedacht und die Zeit wird langsam knapp. Im Startbereich angekommen, geben wir schnell die Zielbeutel ab, ein letztes Mal Entwässern und rein in den Startblock.
Es ist 5 Minuten vor Start, aber das Einchecken geht schnell und funktioniert ähnlich wie bei Festivals oder Fußballspielen, nur das es hier Biertische gibt, wo man seinen Laufrucksack präsentiert. Verbandszeug dabei, Kleidung dabei, Trinken und Becher dabei? Ok, rein in den Startbereich.

Viel Zeit für Fotos bleibt nicht mehr, aber auch nicht für eine große Startaufregung. Highway to Hell dröhnt aus den Lautsprechern, Countdown und los – wir laufen den GORE-TEX TransalpineRun RUN2!

Leider oder besser gesagt zum Glück, sind wir leider vom Ende des Starterfeldes gestartet, da wir so spät in den Startblock gekommen sind. Und so walzt sich eine großer Läuferwurm im Schneckentempo in Richtung Berge. Aber das Adrenalin will raus!

Gerade bis zu den ersten Verpflegungspunkten ist die Strecke relativ flach und teilweise asphaltiert – man könnte eigentlich ein wenig Tempo machen – eigentlich. Wäre da nicht dieser Wurm, der am Einstieg ins Gelände auch erstmal komplett zum stehen kommt. Huch! Ein Berganstieg.

Aber der Läuferklumpen, der den Weg versperrt, hat auch etwas Gutes. Denn die erste Etappe des TAR führt bis zum dritten Verpflegungspunkt erst relativ moderat in den Wettkampf ein. Das richtige Rennen beginnt ab Verpflegungspunkt 3. Mit dieser letzten Erfrischung geht es hoch zum ersten Gipfel und auf der anderen Seite wieder herunter. Es ist also gut, daß wir die ersten Streckenabschnitte locker laufen und Kraft sparen.
Den ersten VP nach rund 11 Kilometern passieren wir nach 1:18:46, den zweiten bei Kilometer 19 nach 2:52:23h und die Stimmung ist gut. Nach 4:16:54h und rund 29 Kilometern sind wir dann am kritischen Punkt angekommen – VP3. Noch immer sind wir guter Dinge, obwohl eine erste, leichte Erschöpfung spürbar ist. Schließlich haben wir ja auch schon die ersten 1.000 Höhenmeter in den Beinen – zumeist aber in moderaten Anstiegen.
Aber auch das durchwachsene Wetter macht uns nicht viel, denn wir haben Lust auf die Etappe. Also auf zum Gipfel!

Die Anstiege sind steil, gemein und scheinbar endlos.
Oben wird die Sicht schlechter und wir hören aus dem Nebel Kuhglocken läuten, vermischt mit Motivationsrufen. Es sieht nicht mehr weit aus, aber es zieht sich ewig. Die Trails sind ordentlich durchgeweicht und man schlabbert nur so dem Gipfel entgegen. Bei jedem Schritt rutscht man im Schlamm ein Stück zurück und die Schuh werden schwerer, durch die Matschpampe, die an ihnen klebt – wenigstens bleiben sie nicht im Matsch stecken.

Zu diesem Zeitpunkt bin ich schon ordentlich am kämpfen, der Schweiß strömt mir Bächeweise die Stirn herunter. Ich weiß jetzt, warum Trailrunner diese Stirnbänder tragen!
Aber mein Kopfkino trägt mich vorwärts. Bald sind wir oben und dann nur noch laufen lassen, den Berg herunter ins Ziel. Nach 35km haben wir dann endlich den Aufstieg geschafft und es hat ewig gedauert. Nur noch schnell zur zweiten, niedrigeren Bergkuppe beim Kilometer 38. Und dann ein wenig über das Plateau und dann ab nach Hause, ins Ziel, Duschen, Essen, Schlafen.

Aber es kommt anders. Der Abstieg entpuppt sich als knüppelhartes Stück Arbeit – nichts mit locker laufen lassen. Die Trails sind mit großem Geröll übersäht und man muss bei jedem Schritt aufpassen, damit man nicht umknickt. Nach Stunden am Berg, lässt auch langsam die Konzentration nach und meine schöne Motivationskopfgeschichte ist gestorben. Ich habe keinen Bock mehr und will endlich ankommen!

Zum Glück ist Culli dabei und wir motivieren uns gegenseitig, weiter dranzubleiben. Die Kilometer auf meiner Adventurer werden mehr, die Restkilometer weniger. Und der Trail ändert sich in einen schmalen Waldweg, der aber wegen glitschiger Wurzeln auch nicht gerade leichter wird. Plötzlich ein Schild. Nur noch 5km bis zum Ziel! Aber Moment, mal – meine Uhr sagt, daß es eigentlich nur noch drei Kilometer sein müssten. Ein weiterer Schlag in meine ohnehin schon abgeflachte Motivationskurve.

Erst jetzt stellt sich heraus, daß Culli nüchtern gelaufen ist. Er bekommt einen Hungerast und wir machen erstmal eine Esspause. Wir sind seit Stunden unterwegs und diese Pause ändert nun auch nicht mehr viel an unserer Zielzeit.
Dann werden die Wege entlich einfacher, das Hinweisschild auf den letzten Kilometer zieht vorbei und ich laufe die längsten 1.000 Meter meines Lebens. 45,7km in 7:35:13h Stunden und 2.700 Höhenmeter sagt meine Uhr. So lange war ich noch nie unterwegs!

Im Ziel gibt es erstmal ein richtiges Bier und etwas zu essen. Mein Oberschenkel meckert und bei Culli das Knie, aber sonst geht es uns gut! Viel Zeit verbringen wir aber nicht im Zielbereich, denn wir wollen ins Hotel unter die Dusche.

Von dort schaffen wir dann auch den Weg nicht mehr zurück zum Startbereich zum Briefing für den zweiten Tag und zur Pastaparty. Neun Kilometer sind zu weit für einen Teller Nudeln. Also bleiben wir zusammen mit Jonas und David im Hotel und essen dort gemütlich.

Dann geht es wieder in den Rhytmus des TransalpineRun. Essen, Packen, Schlafen, Laufen….

Etappe 2 des GORE-TEX TransalpineRun: Nassereith bis Imst
Am nächsten Morgen bin ich überrascht. Vielleicht war es die Recovery Tight, die ich über Nacht getragen habe, oder doch das gute Training? Die Beine waren natürlich schon etwas angespannt, aber eben nicht komplett zerstört!
Also wiederholen wir das Morgenprogramm von Tag 1. Packen, Frühstücken und mit dem Taxi zum Start, wo wir unsere Zielbeutel abgeben. Die Koffer werden direkt aus dem Hotel weiter transportiert.

Am Start haben wir am zweiten Tag etwas mehr Zeit, denn es wurden Startblöcke eingerichtet, um die Staus auf der Strecke etwas zu entschärfen. Ich fühle mich überraschend fit, aber Culli macht sich Sorgen um sein Knie. Aber wir beschließen es zu probieren, auch wenn es einen frühzeitigen Rennabbruch bedeuten kann.

Die zweite Etappe beginnt flach und führt zu einem langen, sehr schmalen Trail, den alle den Berg hinauf müssen. Trotz der Startblöcke kommt es hier zum Stau und die ersten geben das Tempo vor – überholen ist leider kaum möglich. Und so geht es im Gänsemarsch den Berg hinauf bis zum ersten Verpflegungspunkt.
Meine Beine kämpfen und bei Culli zwickt das Knie. Ehrlich gesagt rechne ich damit, daß wir beim ersten Verpflegungspunkt aussteigen, denn gerade die Bergaufpassagen setzen Culli sichtlich zu. Wir sind ein Team und daher hätte ich Culli in seiner Entscheidung unterstützt, so wie ich erwartet hätte, daß er zu mir steht, wenn ich gesundheitliche Probleme im Rennen hätte.

Aber es geht weiter und wir ziehen weiter durch. Die Sonne ist mittlerweilen auch herausgekommen und trägt unheimlich als Stimmungsaufheller bei. Die Wege sind an diesem zweiten Tag auch deutlich komfortabler und wir können nun auch die Ausblicke richtig genießen. Es gibt breitere Wanderwege und auch die Anstiege sind nicht so steil.
Man merkt, daß die zweite Etappe als Entlastungsetappe geplant ist, denn am dritten Tag folgt bei den anderen Läufern die Königsetappe mit der längsten Distanz von über 50 Kilometern und extrem anspruchsvollen Trails, Klettersteigen und einem gigantischen Höhenprofil.

Schon nach 15 Kilometern haben wir den höchsten Punkt des Tages erreicht und das bergablaufen fällt Culli auch deutlich leichter und das Thema Rennausstieg ist vom Tisch!

Nach 3:37:42h erreichen wir den zweiten Verpflegungspunkt und die Vorfreude steigt. Denn wir haben es fast geschafft. Nur noch knapp 10km und das bei einem recht leichten und komfortablen Abstieg.

Also lassen wir die Beine rollen und ignorieren das Brennen in den Beinen – auf zur Ziellinie! Dann öffnet sich der Wald und wir kommen auf eine Asphaltstraße, wo es die letzten Kilometer bergab durch das Zentrum von Imst geht. 4:35:29h steht auf der Uhr, als wir die Ziellinie überqueren und uns nun offiziell Finisher des GORE-TEX TransalpineRun RUN2 nennen dürfen.

Im Ziel gibt es erstmal ein Bierchen, etwas zu essen und ein paar warme, trockene Sachen. Und es gibt Liegestühle. Also nutzen wir die Zeit zum chillen und lassen uns die Sonne ins Gesicht scheinen. Diese kürzere Etappe hat auch den großen Vorteil, daß man früher im Ziel ist und noch mehr vom Tag hat.
Allerdings geht der offizielle TransalpineRun-Shuttle zurück nach Garmisch-Partenkirchen erst um 17.00 Uhr.

Fazit zum GORE-TEX TransalpineRun RUN2
Ich bin vom neuen RUN2-Format beim GORE-TEX Transalpinerun absolut begeistert. Für mich als Flachlandläufer bietet sich so die Chance, die Atmosphäre und das Gefühl „TransalpineRun“ kennenzulernen und mich an die volle Distanz heranzuarbeiten. Fast ein bisschen wie beim Triathlon, wo man sich ja auch über die Jedermann-Distanz oder die olympische Distanz an die erste Mittel- oder Langdistanz heranarbeiten kann. Müsste man sofort aus dem Stand bei einer Mittel- oder Langdistanz starten, würden sich wohl weit weniger Leute für Triathlons begeistern.

Bei mir hat das Appetithäppchen auf jeden Fall funktioniert, obwohl mir nicht klar ist, wie ich das sieben Tage hintereinander machen soll. Da fehlt dann doch noch etwas andere Vorbereitung. Ich hatte nämlich am dritten Tag einen richtig fiesen Muskelkater im Oberschenkel und sorgte mit meiner Treppensteigetechnik wieder für gute Laune im Büro. Wie hätte ich an diesem Tag 50km über die Berge kommen sein sollen?
Der Muskelkater hat dann übrigens noch bis Donnerstag gehalten – Weltrekord!
Aber wie gesagt, der Appetit nach mehr ist da. Und so wie man als Läufer sich über 5 und 10km zum Halbmarathon und immer weiter vorarbeitet, war das nun vielleicht mein Auftakt, um die sieben Tage vollzumachen.

Ein großer Dank geht an GORE-TEX und Plan B, die Culli und mich zu diesem großartigen Erlebnis eingeladen und das neue Rennformat eingeführt haben. Und ein spezieller Gruß geht an meinen Teampartner Culli. Wir kennen uns gerade mal ein Jahr und trotzdem hat es wunderbar harmoniert.

Gerade der Teampartner ist bei solch einer Aufgabe entscheidend. Wichtig ist glaube ich, daß man sich sofort gegenseitig auffängt, wenn die Stimmung kippt und rumnörgeln nicht toleriert, sondern Kraft, Ansporn und den positiven Ausblick aufzeigt. Am meisten möchte ich ihm aber danken, daß er bis zum Schluß gekämpft hat und wir somit gemeinsam durch das Ziel laufen konnten!

Unsere Ergebnisse beim GORE-TEX TransalpineRun RUN2
Die Erste Etappe haben wir in 7:36:04h gefinished und sind damit auf Platz 17 der Männerteams ins Ziel gekommen. An Tag 2 sind wir dann leider auf Platz 23 abgerutscht, mit einer Zielzeit von 4:35:29h. Als Gesamtresultat sind wir damit aber immer noch auf Platz 20 der Männer für den RUN2 gekommen, mit einer Gesamtzeit von 12:11:37h auf der Strecke.

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