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Das Glücksspiel und der Sport – Lizenz-Debakel in Deutschland

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Egal ob Fußball, Handball oder Darts – im Bereich des Sports hat sich das Glücksspiel schon längst festgesetzt. Im Laufe der letzten beiden Jahrzehnte ist es immer mehr Unternehmen gelungen, als großer Sponsor aufzutreten und das eigene Logo zu verbreiten. In Deutschland gestaltet sich die Lage jedoch aufgrund der komplizierten Lizenzierung unübersichtlich. Hier in diesem Artikel gehen wir der Frage nach, wie dies die Beziehung aus Glücksspiel und Sport beeinflusst.

Sponsoren sind nicht mehr wegzudenken

Fast ein jeder Verein setzt inzwischen auf ein Sponsoring aus dem Bereich des Glücksspiels. Vielfach sind die Unternehmen sogar unverzichtbar für die Finanzierung des Sports geworden. Das liegt nicht zuletzt an den hohen Summen, die sie für die Werbung zu zahlen bereit sind. Beispielhaft zeigt sich die Bedeutung in der Fußball Bundesliga. Dort verfügt fast jeder Verein über einen eigenen Wettpartner oder Sponsor, der im Hintergrund für die nötigen finanziellen Mittel sorgt.

Der Vorteil für die Vereine liegt ganz klar auf der finanziellen Ebene. Doch auch die Gegenseite profitiert. Denn bei den Kooperationen bietet sich nicht nur die Chance, den Namen und das Logo der Marke bekannter zu machen. Darüber hinaus wird ein Sponsoring im Bereich des Sports immer mit gesellschaftlichem Engagement und dem hohen Wert der Gemeinschaft in Verbindung gebracht. Schließen Buchmacher oder Online Casinos einen Vertrag mit einem Sportverein, können sie sich dadurch profilieren und die von ihnen gelebten Werte in den Vordergrund rücken.

So entwickelte sich die Lizenzierung in Deutschland

Dass das rechtliche System in Deutschland derzeit so komplex ist, hat viel mit der historischen Entwicklung des Themas zu tun. Grundsätzlich fällt die konkrete Entscheidung über die legale Anerkennung von Glücksspielanbietern in den Verantwortlichkeitsbereich der Länder. Erst 2008 wurde von den deutschen Bundesländern ein Glücksspielstaatsvertrag beschlossen, der die Regulierung regeln sollte. Allerdings waren darin ein paar umstrittene Klauseln enthalten, sodass der Vertrag bereits in den darauffolgenden Jahren wieder verändert wurde.

Im Jahr 2012 war dies zuletzt der Fall, als der Vertrag an das in der EU geltende Recht angepasst werden sollte. Zum damaligen Zeitpunkt scherte Schleswig-Holstein als einziges Bundesland aus den Bestimmungen aus und ermöglichte es einzelnen Unternehmen, mit einer deutschen Lizenz zu spielen.

Um eine möglichst einheitliche Regelung für ganz Deutschland zu finden, trat dann im Jahr 2021 der allgemeine Glücksspielstaatsvertrag in Kraft. Seither hat theoretisch jeder Wettanbieter und jedes Online Casino die Möglichkeit, eine deutsche Lizenz zu erhalten. Allerdings sind die Auflagen, die dafür erfüllt werden müssen, sehr viel strenger als in der Vergangenheit. Doch nicht jedes Unternehmen ist daran gebunden. So können beispielsweise Casinos ohne Lizenz in Deutschland ihrem Geschäft wie gehabt nachgehen und müssen ihre Spieler nicht limitieren.

Aufsichtssysteme des neuen Staatsvertrags

Ziel des neuen Staatsvertrags war es, vor allem den Schutz der Spieler zu stärken. Aus diesem Grund wurde ein Einzahlungslimit eingeführt, das übergreifend für alle Anbieter gilt. Demnach haben die Spieler nicht mehr die Möglichkeit, mehr als 1.000€ pro Monat in ihr Spiel zu investieren. Auf diese Weise soll vor allem bei Spielsüchtigen sichergestellt werden, dass nicht die gesamte Existenz aufs Spiel gesetzt wird und binnen kurzer Zeit die Überschuldung droht. Verbraucherschützer begrüßten diesen Vorstoß, bezeichneten die Grenze von 1.000€ jedoch als deutlich zu hoch angesetzt.

Um überhaupt kontrollieren zu können, wie viel Geld pro Monat ins Glücksspiel investiert wird, mussten sogenannte Aufsichtssysteme geschaffen werden. Ein solches ist unter der Abkürzung „LUGAS“ bekannt. Die nötigen Informationen zu den Spielern stammen von den jeweiligen Unternehmen, bei denen sie sich registrieren. Sie sind dazu verpflichtet, jeden Spieler in der Kartei zu melden.

Darüber hinaus wurde die Chance zum Selbstausschluss der Spieler über das OASIS-System gestärkt. Sie haben zu jedem Zeitpunkt die Möglichkeit, ihr Konto für einen bestimmten Zeitraum sperren zu lassen oder es komplett zu deaktivieren. Auf diese Weise soll ein möglichst wirksamer Selbstschutz gewährleistet werden.

Konsequenzen für Werbung und Sponsoring

Auch für die Zusammenarbeit mit dem Sport wurden mit dem Staatsvertrag neue Tatsachen geschaffen. Aus rechtlicher Sicht darf die Werbung nicht den Zielen des Staatsvertrags von 2021 zuwiderlaufen. So sind übermäßige Spielanreize genauso verboten wie die bewusste Ansprache von Minderjährigen oder besonders gefährdeten Gruppen. Außerdem sind die Anbieter dazu verpflichtet, Minderjährige so gut wie möglich von der Zielgruppe ihrer Werbung auszuschließen.

Doch wie die Reaktionen der Clubs und Vereine zeigen, tat dies dem Sponsoring in der Welt des Sports bislang keinen Abbruch. Der neue Staatsvertrag hat an der großen Entwicklung auch in praktischer Hinsicht kaum etwas geändert. Nach wie vor besteht bei beiden Seiten das Interesse an einer Kooperation. Zuletzt ist zum Beispiel der VfB Stuttgart mit einem bekannten Glücksspielanbieter auf der Brust an den Start gegangen. Auch für diesen Verein handelt es sich um Kapital, das dringend für die weitere Entwicklung benötigt wird. Auf diese Weise ist die schwierige Beziehung zwischen Sport und der Glücksspielbranche Fluch und Segen zugleich. In jedem Fall kann konstatiert werden, dass beide Seiten zumindest aus finanzieller Sicht stark von der Zusammenarbeit profitieren. Auch dies dürfte ein Grund sein, weshalb sich die Verbindung in den letzten Jahren weiter intensivierte.

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