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Die Geschichte der Sportwetten

Vom Fußballfieber bis zum Rausch der Pferderennen: Wenn der Anstoß oder der Startschuss für die sportlichen Wettbewerbe fällt, steigt bei den Fans die Spannung rasant an. Millionen von Zuschauern steigern die Aufregung noch, indem sie auf den Ausgang von Turnieren tippen. Neu ist das allerdings genauso wenig wie die Begeisterung für die Wettbewerbe an sich. Sportwetten haben schon die alten Römer und Griechen genauso begeistert wie die Turniere an sich.

Vermutlich waren es die erstmals 880 v. Chr. ausgetragenen Olympischen Spielen in Griechenland, die dabei den Anfang machten. Bei dem alle vier Jahre ausgetragenen Spektakel wurden spätestens in der 23. Auflage, 676 v. Chr. erkleckliche Beträge auf den Ausgang von Rennen gesetzt.

Im antiken Rom wurde ebenfalls mit Begeisterung gezockt. Hier waren es bevorzugt die brutalen Gladiatorenkämpfe in den kaiserlichen Arenen, die die Zuschauer dazu brachten, den Geldbeutel zu öffnen. Zu der Hoffnung auf schnell gewonnenen Reichtum kam zudem die Gewissheit, sich auf legalem Boden zu befinden, denn schon in den Anfängen waren nur bestimmte Arten von Glücksspiel erlaubt. Dafür zogen diese umso mehr Wetter an, was wiederum die Turniere an sich lukrativer und damit populärer machte. Für Sportarten wie die im Film-Klassiker “Ben Hur” verewigten Wagenrennen in den Arenen bedeutete das allerdings auch stets größere Risiken.

Nach dem Untergang des Römischen Reichs und des antiken Griechenlands dauerte es bis ins 17. Jahrhundert, ehe Sport und Spiel neue Bedeutung fanden. Wieder waren es Rennen, die die Fans zum Wetten veranlassten.

Im Gegensatz zu den Olympischen Spielen und den Wagenrennen der Antike, die sämtliche Schichten zum Tippen gebracht hatten, blieben die Galopprennen in Großbritannien in ihren Anfängen jedoch eine Domäne des Adels. So beliebt waren die Ereignisse, dass alsbald nicht nur auf den Gewinner eines Rennens, sondern auf den gesamten Ausgang getippt werden konnte.

Pferderennen waren dabei aber nicht nur ein Riesengeschäft, die Einnahmen halfen auch wiederum dabei, die Derbys zu finanzieren.

Das Rennfieber griff bald überall auf dem Kontinent um sich. In Frankreich fand das erste Pferderennen im Jahr 1776 in Paris statt. Auf deutschem Boden wurde diese Ehre 1822 dem kurz vor gegründeten Rennverein Bad Doberan zuteil. Das berühmteste Pferdesportereignis der Welt, die Royal Ascot Woche, bei dem noch heute die britische Königsfamilie in ihrer Loge zu sehen ist, wird seit 1711 ausgetragen. Die prestigeträchtige Rennstrecke ist Eigentum der britischen Krone.

Fast schon plebejisch nimmt sich im Vergleich der nicht nur in Deutschland als Nationalsport gefeierte Fußball aus. Der erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte Sport ist seit mindestens einem Jahrhundert auch die Nummer Eins bei den Tippern, ob du nun wie am Anfang bei den Buchmachern in ihren Buden deine Einsätze machst oder, wie es heutzutage zumeist der Fall ist, die Sportwetten online abschließt.

Die ersten Wetten auf Fußballspiele wurden ebenfalls in Großbritannien abgegeben. Toto wird dort seit 1921 gezockt – 27 Jahre früher als in Deutschland, wo diese Wettform seit 1948 von staatlicher Seite angeboten wird. Seitdem ist Toto aus dem Fußballalltag nicht mehr wegzudenken, auch wenn sich durch den Siegeszug des Internets und die Entstehung von virtuellen, privaten Buchmachern der Markt drastisch geändert hat.

Nur noch ein Bruchteil der deutschen Zocker tippt bei den staatlichen Anbietern. Online-Sportwetten stehen dir nicht nur rund um die Uhr zur Verfügung, sie sind auch in größerer Bandbreite zu finden.

Allerdings gibt es dabei Grenzen des erlaubten. Wie im alten Rom ist nicht jeder Tipp legal, wobei in Deutschland vor allem Unterschiede zwischen sportlichen Wetten und solchen, die mit dem Ereignis nur noch am Rande etwas zu tun haben, gemacht werden.

Nicht legal sind in der Bundesrepublik skurrile Tipps, wie sie noch vor wenigen Jahren vor allem bei Welt- und Europameisterschaften internationale Schlagzeilen gemacht werden.  Das berüchtigte Bespiel waren die Beißwetten. Zocker in verschiedenen Ländern hatten darauf gesetzt, dass der bereits für schmerzhafte Zwischenfälle berüchtigte Uruguay-Stürmer Luis Suarez bei der Weltmeisterschaft 2014 seine Zähne ins Fleisch eines Gegenspielers versenken würde.

Suarez ließ sich auch tatsächlich beim Gruppenspiel gegen Italien hinreißen und attackierte Giorgio Chiellini. Weil der Südamerikaner bereits als Beißer bekannt war, tippten 167 Zocker richtig. Darunter war ein Norweger, der bei einer Quote von 1 : 175 umgerechnet 675 Euro kassierte.

Doch nicht nur unsportliche Wetten sind in Deutschland verpönt. Während schon der römische Senator und Schriftsteller Tacitus davon schrieb, dass so mancher Zocker sein eigenes Haus oder sogar die Freiheit als Einsatz wagte, sind im neuen Glücksspielstaatsvertrag der Länder seit dem 1. Juli 2021 Grenzen für das Online-Glücksspiel festgeschrieben. Pro Monat darfst du maximal 1000 Euro aufs Spiel setzen, und bei auffälligem Spielverhalten können Zocker in eine Sperrdatei aufgenommen werden.

Wie wichtig derartige Limits sein können, hat ein britischer Tottenham-Fan im Jahr 1991 schmerzlichst erfahren. Er hatte sich von der überlegenen 3 : 0 Halbzeitführung seines Clubs über Manchester United dazu hinreißen lassen, seine gesamte Hypothek auf den Sieg von Tottenham zu setzen. Doch der gegnerische Verein riss in der zweiten Halbzeit das Spiel herum und ging mit 5 : 3 als Sieger vom Platz.

So sehr Sportwetten auch in der Geschichte der Zivilisation verankert sind, so sehr wird in Deutschland darauf geachtet, dass bei allem Fußballfieber und Rausch der Rennen die Vernunft nicht auf der Strecke bleibt. Schließlich geht es beim Tippen in erster Linie um Spaß und Spiel und nicht um Ruin.

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