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Ikigai oder wie finde ich den Sinn des Lebens

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Wer sich mit der japanischen Kultur auseinandersetzt wird früher oder später auch über den Begriff Igikai stolpern. Igikai steht im Zusammenhang mit der Suche nach dem Sinn des Lebens und was es genau damit auf sich hat und wie das Igikai Modell bei der Suche nach der eigenen Bestimmung helfen kann, erkläre ich in diesem Beitrag.

Am Anfang steht das unbewusste Wollen des Werdens

Neben der simplen Befriedigung seiner grundlegenden Bedürfnisse nach Nahrung und Geborgenheit geht das Kind intuitiv und ohne Bemühen um den Sinn seines Daseins in den Tag. Je nach seinen Möglichkeiten begreift es das Leben ohne zu fragen, warum und weshalb. Um seiner Selbst willen nutzt es in Begleitung seiner Umgebung jede Minute seines Lebens für sein Fortkommen. Zuerst im wahren Sinne des Wortes- Kriechen, Krabbeln, Stehen, Laufen. Dann zunehmend im übertragenen, denn sein Dasein wird von Neugier getrieben- Neugier, die mit allen Sinnen auf allen Ebenen stattfindet. Ikigai spielt für das Kind keine Rolle. Noch nicht. 

Ikigai: Wann war der Zeitpunkt da, an dem Du Dich gefragt hast: Was ist mein Sinn des Lebens?

Du weißt es nicht, denn der Sinn des Lebens ist der immanente Bestandteil des Lebens selbst. Erst einmal. 

Man braucht kein Philosoph zu sein, um zu wissen, dass hinter allem was man tut die Motivation steht, ein – um genau zu sagen „sein“ – Leben sinnvoll zu verbringen. Motivation ist alles, ohne Motivation ist alles nichts. Du meinst als Triebkraft genügte sie, Dich durch das Leben zu tragen? 

Ohne es zu bemerken hatten Elemente des Ikigai mehr oder weniger Deinen Alltag unbewusst begleitet und an Deinen Zukunftsplänen mitgewirkt. Spätestens dann, wenn die eigene Lebenseinstellung auf den Prüfstand kommt, weil sich die Momente der Unzufriedenheit häufen oder eine Krise Dein Leben überschattet, eröffnet das Ikigai als bewusst genutzte Orientierungshilfe eine Möglichkeit, neue ganzheitlicher Ziele für ein erfüllendes Leben zu finden. 

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Weitere Informationen

Was ist die Ikigai Methode?

Iki – das Leben, gai – der Wert. Ikigai heißt in unsere Sprache übersetzt nichts anderes als Lebenssinn. Die Japaner haben aus dem simplen Wort eine Strategie gemacht. Vielleicht liegt das Geheimnis des hohen Alters vieler Japaner darin begründet?

Bereits seit dem Mittelalter stellten sich die Herrscher Japans und mit ihnen der Staat die Frage nach dem Ikigai, dem Sinn des Lebens aber auch dem Shingai, der Frage, wofür es sich lohnt zu sterben. Erst 500 Jahre später wurde Ikigai für den allgemeinen Lebensstandard in Japan bedeutsam und gehört zur öffentlichen Diskussion in der Auseinandersetzung der Menschen und ihren Lebenseinstellungen.

Je nach Lebensanschauung kann Ikigai für den Bezug des Einzelnen zur Natur, seine Interessen und persönlichen Lebensumstände mit dem Zweck der Selbstverwirklichung bedeutsam sein oder die individuelle Stellung des einzelnen Menschen in der Gemeinschaft einer Gruppe betrachtet werden. 

Unterschiede der Betrachtung und in der Gestaltung der Suche nach dem Ikigai ergeben sich aus den fernöstlichen und westlichen Kulturkreisen. Allen aber ist gemeinsam das Ziel, ein freudvolles und zufriedenes Leben als Basis für das Wohlbefinden und eine stabile körperliche und seelische Gesundheit zu haben. Die Überzeugung, dass das Leben es wert ist, gelebt zu werden, führt zu einem glücklichen langen Dasein.

Die vier Elemente des Ikigai

Wenn Du nach dem Lebens-Wert fragst, bedarf es den ehrlichen Blick auf Dich selbst und in Dich hinein. In Betrachtung Deines Seins gilt es, in Ruhe, mit viel Zeit und Geduld herauszufinden, wer Du bist und was Dich ausmacht. Finde das, wofür es sich lohnt zu leben.

Lerne Dich selbst näher kennen. Ehrlichkeit zu Dir selbst ist zwingend notwendig, denn Du willst erfahren, wer Du wirklich bist und nicht, wer Du sein willst.
Damit nichts verloren geht, ist es empfehlenswert, alles was Dir einfällt aufs Papier zu bringen und dort festzuhalten. Wirklich alles, auch scheinbare Kleinigkeiten, denn eine Auswahl oder die Begrenzung Deiner Gedanken durch Konventionen und Glaubenssätze oder auch die Bewertung Deiner Überlegungen würde das Ergebnis verfälschen und Dir den Weg zu Deinem Ikigai erschweren.

Tauche ein in folgende vier Bereiche Deines Ichs und finde heraus, was Dich im Laufe Deines Lebens bisher getragen hat. Geh in Klausur mit Dir selbst und spüre auf, wo Dein Ikigai zu finden ist. Die Fragen können Dir als Unterstützung dienen.

Der Ikigai Test

1. Was liebe ich? 

Was mochte ich schon als Kind am liebsten?
Was erfüllt mich mit unendlicher Freude? 
Worauf kann ich nicht verzichten?
Womit beschäftige ich mich am liebsten?
Welche Themen interessieren mich? Was macht mich neugierig?
Welche Orte faszinieren mich?

2. Wozu fühle ich mich berufen?

Was sind meine Leidenschaften? Wofür brenne ich? Was sind meine Stärken?
Was sind meine Talente?
Was kennzeichnet meine Werte?
Welches Tun erachte ich als sinnvoll?

3. Was kann ich gut?

Was kann ich so gut, dass ich davon anderen abgeben kann?
Welche Fähigkeiten habe ich?
Welche Fertigkeiten habe ich?
Was kann ich geben, was anderen Menschen nützt? 
Was braucht die Welt von mir?
Wer vermisst mich, wenn ich nicht da bin? Und warum?

4. Womit sichere ich mein Einkommen

Was mache ich beruflich?
Bringe ich meine Besonderheiten in meinen Beruf ein?
Deckt sich mein Können mit dem, was mein Beruf verlangt?
Erschließen sich neue/andere Möglichkeiten?

Es ist nicht wichtig, alle Fragen auf einmal zu beantworten. Selbstreflexion braucht neben Zeit auch echte Bereitschaft dafür und die Ernsthaftigkeit Deines Vorhabens. Klappt sie nicht auf Anhieb, ist es gut, Dein Vorhaben zu vertagen und später, vielleicht in einer günstigeren Stimmung wieder aufzunehmen. Wichtig ist allerdings, es zu Ende zu führen. Denn schließlich willst Du wissen, wo Dein Ikigai zu finden ist.

Das Leichte, das schwer zu machen ist

Die Antworten der einzelnen Bereiche, je in einem Kreis dargestellt, ergeben zusammengefügt Schnittmengen, die Dich zuerst zu Deinen Grundbedürfnissen – Berufung, Beruf und Leidenschaft – im Hier und Jetzt führen. Im Zentrum erkennst Du Dein Ikigai, aus denen Du Deinen weiteren Weg zum erfüllenden Leben ableiten kannst.
Immer wiederkehrende Begriffe verdeutlichen, was Dir besonders wichtig ist. Dem solltest Du bei der Umsetzung der Erkenntnisse und Deinen nun folgenden Überlegungen zur Veränderung die größtmögliche Beachtung schenken.
Deine Analyse führt Dich zu den bedeutenden Kernelementen Deines Daseins: Berufung, Profession, Lebensaufgabe und Leidenschaft. Mit Rationalität geht es an die schwierige Aufgabe, das Machbare herauszufinden, Deinen Erkenntnissen Lebendigkeit zu geben und eine neue Perspektive zu erkennen. 
Der Prozess der Veränderung braucht Zeit und wird Dich länger beschäftigen. In kleinen Schritten könntest Du neu Entdecktes verstärkt in Deinen Alltag einbauen, ihm damit mehr und mehr Raum geben. Nutze Dein Ikigai als Kompass für eine neu zu gewinnende Lebenseinstellung.

Die 10 Ikigai Regeln

Die Bedeutung des Ikigai

Was ist das Leben ohne Liebe, ohne Glücklichsein und ohne Zufriedenheit? 
In modernen Zeiten mit einem Leben im Überfluss und der rasanten Entwicklung des technischen Fortschritts bleiben wirkliche menschliche Bedürfnisse zunehmend unbefriedigt. Durch die Digitalisierung mit der Gefahr der Vereinsamung im weitesten Sinne gewinnt die Frage noch mehr Bedeutung als je zuvor. 
Der Mensch als soziales Wesen verkümmert ohne die Möglichkeit der Korrektur seines Lebensweges, wenn er festgestellt hat, dass ein Mangel an Wert seines Lebens sein Wohlbefinden stark und dauerhaft beeinträchtigt.
Die Frage des Ikigai ist einerseits zunehmend stärker mit der Überlegung des Ittikkan – die individuelle Verbundenheit mit der Verantwortung des Einzelnen in einer Gruppe und deren Rolle – verknüpft. Andererseits muss das Ikigai des einzelnen Menschen frei von äußeren Zwängen und negativen Beeinflussungen möglich sein und respektiert werden.

Der Lebensplan lässt sich nur dann realisieren, wenn das Ikigai gefunden und gegeben falls bei neuen Entscheidungen an Wegkreuzungen und Wendepunkten überprüft werden kann und die psychische und physische Gesundheit in jeder Lebensphase stabil bleibt.
Ikigai unterstütz die positive Lebenshaltung und erhöht die Lebenserwartung. 
Eine über sieben Jahre geführte Studie japanischer Mediziner hat bei über 43.000 erwachsen Personen mittleren und höheren Alters herausgefunden, dass Menschen mit einem positiven Bezug zu Ikigai zufriedener, sowohl im privaten als auch im Arbeitsleben waren und über eine höhere Gesundheit verfügten. Die Menschen, die von Ikigai nichts hielten, waren durch Herz- und Kreislauferkrankungen belastet und verstarben eher.

Wenn das Ikigai abhanden kommt 

Wer sein Ikigai eher daraus bezieht, für andere etwas zu tun als andere für sich etwas tun zu lassen, kommt meist in Schwierigkeiten, wenn beispielsweise das Arbeitsfeld wegbricht, die Ehe oder Lebenspartnerschaft scheitert oder erwachsene Kinder aus dem Haus gehen. 
Eine neue Lebenssituation erfordert nicht nur eine Analyse und Überprüfung der vier Kernelemente des Ikigai, sondern auch eine neue Ausrichtung zur Wiedergewinnung der Balance.

Nach aktuellen Umfragen sehen von 2.000 japanischen Männern und Frauen lediglich ein Drittel die Arbeit als ihr Ikigai. Das kann daran liegen, dass sich zwei Drittel der Befragten ihr Ikigai eher als Individuum in Bezug zur Natur und ihrem Umfeld ziehen. Gut so, dann ist in ihren Überlegungen fest verankert, dass sie jederzeit ausgetauscht und ersetzbar sind oder die Arbeit sich für sie erledigt haben kann. Damit stellen derartige eintretende Situationen für sie keine Bedrohung ihres Wohlbefindens dar.
Gut zu wissen, dass sich der Sinn des Lebens im Wesentlichen aus der Befriedigung der Bedürfnisse nach Liebe und Zufriedenheit und dem Glücklichsein in der Gemeinschaft ergibt. Wer das besondere Glück hat, bei der Analyse Schnittmengen zu entdecken, die sich in seiner Arbeit wiederfinden, ist gut dran. Andernfalls kann man schauen, ob es Möglichkeiten der beruflichen Veränderung gibt.

Die ältere Generation trifft es besonders hart, wenn sie fast unvorbereitet in den Ruhestand gehen. Durch harte Arbeit in ihren jungen Jahren ohne angemessenen Ausgleich durch Sport oder ein Hobby, speiste sich ihr Ikigai irrtümlich meist ausschließlich aus der Arbeit mit den sich daraus ergebenden Verpflichtungen. Sie lebten oft in Bescheidenheit, ohne die eigenen Wünsche und Träume zu berücksichtigen. Die einsetzende Leere im Ruhestand ist schmerzhaft und stellt für viele eine echte Krise dar.
Ihnen sollte dann der Mut nicht fehlen, sich auf den Weg des Ikigai zu machen und in den nunmehr drei Bereichen der Erkenntnis zu einem Lebensabschnitt in Zufriedenheit zu gelangen. Wer Hilfe und Unterstützung braucht, sollte sich nicht scheuen, sie in Anspruch zu nehmen. Jeder hat das Recht auf ein erfülltes Leben. Die Chance, sich den Ruhestand als Zeit für eine nichtgelebte Leidenschaft zu erschließen, wäre ein lohnendes Ziel.

In jeden neuen Tag gehen 

Die Frage nach einem erfüllten Leben sollte nicht am Ende stehen. Hier und jetzt ist die Zeit dafür gegeben.
Wer sich die morgendliche Frage nach dem Sinn dieses konkreten Tages nicht positiv beantworten kann, sollte nicht im Bett bleiben. Es lohnt sich aufzustehen und sich um sein Ikigai zu kümmern.

Ikigai Buch

Wenn Du Lust hast, Dich intensiver mit dem Ikigai Modell zu beschäftigen, findest Du im Handel einige sehr gute Bücher dazu. Das bekannteste und wahrscheinlich auch beste Ikigai-Buch ist das von Ken Mogi, daß inzwischen auch ins Deutsche übersetzt wurde.

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