Laufen

Pacemaker: Tempomacher beim Marathon und Halbmarathon

Bestimmt sind Dir bei Laufveranstaltungen auch schon die Läufer mit den Fahnen auf den Rücken aufgefallen, auf denen bestimmte Zeiten aufgedruckt sind. Bei manchen Läufern stehen die Zeiten auch auf Luftballons, die über diesen Läufern schweben oder auch auf den T-Shirts der Läufer. Dabei handelt es sich um Pacemaker – auf deutsch auch als Tempomacher, Schrittmacher oder Zugläufer bekannt.

Was ist ein Pacemaker?
Bei den Pacemakern handelt es sich um Zugläufer, die bei einer Laufveranstaltung das Lauftempo genau so gestalten, daß sie zu einer vorgegebenen Zeit das Ziel erreichen. Diese Zielzeit ist dann in der Regel auf der Fahne auf dem Rücken des Pacemakers angegeben.

Wozu sind Pacemaker gut?
Der größte Vorteil eines Pacemakers ist, daß man sich als Läufer einfach an den Pacemaker dranhängen und einfach hinter diesem herlaufen kann, um die gewünschte Zielzeit zu erreichen. So kann man sich ganz auf das Laufen konzentrieren und muss nicht ständig die Zwischenzeiten und das Tempo kontrollieren, denn diese Aufgabe übernimmt der Pacemaker. Wenn man also einfach am Pacemaker dranbleibt, schafft man auch die gewünschte Zeit. Denn der Pacemaker kümmert sich auch darum, eventuelle Verzögerungen auf der Strecke durch Tempoanpassungen wieder auszugleichen.
Ein weiterer Vorteil des Pacemakers ist, daß man oft in einer Gruppe läuft und dadurch Windschatten bekommt und Energie spart. Zusätzlich bekommt man zusätzliche Motivation, da man ja in einer Gruppe läuft, die alle das gleiche Ziel haben. Außerdem versuchen die Pacemaker auch eine gute Bahn durch eine volle Strecke zu finden und werden teilweise leichter durchgelassen, als Einzelläufer.

Welches Tempo und wie laufen Pacemaker?
Es gibt keine offiziellen Regeln, wie man das Rennen als Pacemaker gestalten muss, aber die meisten werden versuchen, ein möglichst gleichmäßiges Tempo zu laufen. Es empfielt sich aber, rechtzeitig in den Startblock zu gehen und mit dem Pacemaker über Tempo und Rennverlauf zu sprechen. Denn manche Pacemaker laufen auch negative Splits und ziehen also das Tempo im Rennverlauf leicht an, was nicht jedem Läufer liegt.
Welche Pace (Zeit pro Kilometer) man für welche Zielzeit laufen muss, kann man unter anderem in dieser Tabelle sehen.
Pacemaker werden meist für die Zielzeiten im Hauptfeld eingesetzt, d.h. besonders schnelle Läufer und besonders langsame Läufer müssen in der Regel allein laufen. Die Pacemaker versuchen außerdem mindestens eine Sekunde schneller zu sein, sodass man mit dem 2-Stunden-Pacemaker auch spätestens nach 1:59:59h im Ziel ist.
Bei den größten Laufveranstaltungen, werden in der Regel deutlich mehr Zielzeitoptionen über Pacemaker angeboten und bei manchen Rennen sind die Zeiten sogar doppelt besetzt, d.h. es gibt zwei Pacemaker für 2:00:00h – meist steht einer weiter vorn im Startblock und der andere weiter hinten.

Hier ein Beispiel für Pacemaker-Zielzeiten bei einem großen Halbmarathon:
* 01:25:00h
* 01:30:00h
* 01:35:00h
* 01:40:00h
* 01:45:00h
* 01:50:00h
* 01:55:00h
* 02:00:00h


Wie wird man Pacemaker?
Die meisten Laufveranstaltungen haben bereits einen festen Pool an Pacemakern, die dann als Schrittmacher für die verschiedenen Wettkämpfe zum Einsatz kommen. Oft werden aber trotzdem noch zusätzliche Tempomacher gesucht. Meist gibt es dazu Aufrufe auf den Facebook-Seiten der Laufevents oder auch auf den Webseiten der Veranstalter. Wer sich für den Pacemaker-Job interessiert, kann auch einfach auf gut Glück die Veranstalter anschreiben. Als Pacemaker sollte man allerdings über viel Lauferfahrung verfügen und in der Lage sein, die geplante Zielzeit locker zu laufen. Das Tempo sollte also deutlich unter Bestzeittempo liegen, damit man auch, wenn man mal einen schlechten Tag hat, noch zur gewünschten Zeit ins Ziel zu kommen.
Als Pacemaker bekommt man in der Regel kein Honorar. Dafür bekommt man den Startplatz gestellt und natürlich auch die Medaille und die Urkunde, wie jeder normale Läufer.

Erfahrungen als Pacemaker
Ich hatte auch schon die Ehre, als Pacemaker laufen zu dürfen und war beim Wings for Life World Run in München für die 20 Kilometer-Distanz im Einsatz. Gerade für erfarene Läufer, die etwas Abwechslung suchen, kann ich das Tempomachen unbedingt empfehlen. Denn es ist ein absolut tolles Gefühl, mit seiner Erfahrung, den anderen Läufern zu einer neuen Bestzeit zu verhelfen. Und da geht es nicht nur um das reine Tempomachen, sondern auch um Motivation, das gute Gefühl und die kleinen Tipps während des Rennens, die die anderen läuferisch voranbringen können.
Man sollte aber unbedingt in der Lage sein, sein eigenes Ego nach hinten zu stellen. Denn es geht beim Schrittmacher ausnahmsweise mal nicht darum, seine eigene Leistungsfähigkeit zu beweisen, sondern darum, seine anvertrauten Läufer alle zur richtigen Zeit ins Ziel zu bringen.


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