Das Revival des Trainingsanzuges: Retro ist „in“
Ob es an der Sehnsucht nach der „guten alten Zeit“ liegt oder an der Erkenntnis, dass wirklich starke Trends kein Ablaufdatum haben, weiß man nicht so genau. Fakt ist jedenfalls, dass Trainingsanzüge und Tracksuits aus den achtziger und neunziger Jahren auf der Beliebtheitsskala von modebegeisterten Sport-Enthusiasten derzeit wieder ganz oben liegen. Sie sorgen sogar für einen regelrechten Hype und sind überall anzutreffen: Indoor und Outdoor, im urbanen Umfeld und auch bei Aktivitäten mitten in der Natur. Tragen kann sie jeder, der Lust auf einen Hauch Retro-Feeling hat, zumal viele renommierte Marken den Vintage-Designs einen etwas frischeren Look verpasst haben. Der leicht nostalgische Charme ist aber geblieben und hat den Trainingsanzügen zu einem echten Kultstatus verholfen.
Tracksuits: Vom Sportplatz in die City
Retro-Tracksuits sind mit ihren eher lockeren Schnitt- und Passformen in erster Linie super bequem. Somit verkörpern sie das Motto „Hineinschlüpfen und sich sofort wohlfühlen“. Sie engen nicht ein, schenken eine maximale Bewegungsfreiheit, lassen sich bei Bedarf knitterfrei in der Sporttasche verstauen und sind nach dem Waschen im Nu wieder trocken und einsatzbereit. Dass die Trainingsanzüge wieder zu einem angesagten Trend avancierten, hat aber ganz andere Gründe. Einer davon ist der enorme Coolness-Faktor.
Ob in knalligen Farben, mit kontrastreichem Color-Blocking, in der Oversized-Variante oder mit XXL-Logoprint, die Designs fallen auf. In einer Zeit, in der die Fashionwelt kaum noch mit originellen Designs punktet und in der optisch minimalistische Kollektionen gehyped werden, dienen die It-Pieces aus den bunten 80s und 90s als starke Statements, die für klare Signale in Richtung Individualität und Unverwechselbarkeit sorgen.
Darum werden die Trainingsanzüge auch keineswegs nur beim Sport getragen. Sie haben sich vielmehr als coole Streetwear etabliert und fungieren als perfekte Freizeitpartner. Ob beim Bummel durch die City, im Lieblingscafé, für den Wochenend-Ausflug mit der ganzen Familie oder ganz gechillt im Kino, ohne die lässigen Zweiteiler geht in dieser (und wohl auch in der nächsten Saison) gar nichts. Und das gilt sowohl für weibliche Fashion-Ikonen als auch für die Herren der Schöpfung. Man muss aber auch sagen, dass etliche Promis und VIPs an dem Trend nicht ganz unschuldig sind.

Fast alle Stars tragen Tracksuits
Die Liste der Stars, die sich stolz und selbstbewusst mit ihrem Trainingsanzug in der Öffentlichkeit oder sogar auf der Bühne zeig(t)en, ist lang. Zu den bekanntesten Vertretern der achtziger und neunziger Jahren zählen zum Beispiel der US-amerikanische Rapper Dr. Dre sowie die legendäre Hip-Hop-Band Run-D.M.C aus Queens (New York).
Wenig später stellten auch weibliche Stars ihren Tracksuit zur Schau, und zwar bevorzugt den mit den drei berühmten Streifen. Zwei stilbewusste Beispiele sind Madonna und Rihanna. Doch das coole Outfit war auch lange Zeit auf fast jeder Kinoleinwand zu sehen. In Quentin Tarantinos Kult-Blockbuster „Reservoir Dogs“ aus dem Jahre 1992 trägt Chris Penn eine auffallende Trainingsjacke in der Farbkombination Blau-Violett/Schwarz. 2001 lief „Die Royal Tenenbaums” von Wes Anderson in den Kinos an. Darin zeigt sich nicht nur Ben Stiller alias Chas Tenebaum in einem knallroten Tracksuits, auch dessen Filmsöhne sind im gleichen Outfit zu sehen.
Nicht zu vergessen die Kultserie „Squid Game“, deren erste Staffel 2021 für Furore sorgte. Die typische „Uniform“ der Protagonisten besteht aus einem grünen Trainingsanzug, der einen eindeutigen Retro-Charakter besitzt und einen breiten weißen Streifen auf Schultern und Oberarmen zeigt. Diese Aufzählung ließe sich noch beliebig fortsetzen und beweist eindrucksvoll, dass der Retro-Trainingsanzug, wie er heute wieder die Modewelt erobert, das Potenzial besitzt, zu einem unverzichtbaren Evergreen zu werden.
So trägt man die Tracksuits heute
Das Schöne an den Trainingsanzügen: Stilbruch ist ausdrücklich erlaubt und teilweise sogar erwünscht. Das Gleiche gilt für auffällige Kontraste. Das knallgelbe Shirt unter der lilafarbenen Trainingsjacke? Aber klar doch! Die weite Trainingshose unter dem romantischen Spitzenkleid? Logisch! Gerade dieses raffinierte Spiel mit (vermeintlichen) Gegensätzen ist es, das den trendigen Streetstyle so besonders macht. Es geht aber auch anders. Bei der Fashion Week in New York 2024 peppte eine Trainingsjacke in Rotgelb einen ansonsten eher schlichten All-Black-Look auf. Spätestens seit Corona ist der Tracksuit auch absolut homeoffice-tauglich.
Zur Hose trägt man allerdings eine schicke Bluse oder ein seriöses Hemd, und falls ein Video-Meeting ansteht, streift man die Trainingsjacke einfach kurz ab. Das Londoner It-Girl Alexa Chung bewies modische Raffinesse, als sie ihre Trackpants zu einem feinen Blazer trug. Wer es doch etwas lässiger mag, kombiniert zur Trainingshose einen XXL-Hoodie, der seitlich gerne ein Stück von der Schulter fallen darf. In diesem extrem legeren Outfit zeigte sich beispielsweise schon im Mai 2023 Hailey Bieber, und das mitten in Los Angeles!
Die aktuellen Tracksuit Modelle machen Lust auf sportive Mode
Zwar soll der berühmte Modeschöpfer Karl Lagerfeld einst angeblich geäußert haben, dass Menschen, die eine Jogginghose tragen, die Kontrolle über ihr Leben verloren haben, sehr wahrscheinlich ist das Zitat aber nicht korrekt und wurde von ihm so auch nie gesagt. Davon abgesehen ist eine Trainingshose auch keine Jogginghose. Die besteht nämlich in der Regel aus dickem Sweatstoff und eignet sich für eher gemütliche Aktivitäten, während eine Trainingshose etwas schmaler geschnitten ist und aus deutlich dünneren Materialien besteht, die auch bei intensivem Sport einen hohen Komfort bieten. Es spricht also nichts dagegen, den Trend des Retro-Trainingsanzugs einfach mitzumachen, zumal er in einer oft farblosen Modewelt wunderbar fröhlich daherkommt und gute Laune macht.
Und mal ehrlich: Erinnern wir uns nicht alle gerne an die Ära der achtziger und neunziger Jahre? Retro-Tracksuits verbreiten Spaß und stehen für eine gewisse Leichtigkeit oder Unbeschwertheit. Geschickt kombiniert, verleihen sie einem eher klassischen Alltagslook das gewisse Etwas. Wer noch etwas unsicher ist, ob das Vintage-Outfit zur eigenen Personality passt, greift zunächst zu einem Trainingsanzug in eher gedeckteren Farben, während sich Modemutige beim und nach dem Training durchaus mit markanten Farben, Mustern und Kontrasten in Szene setzen dürfen. Wetten, dass der Trend in Zukunft noch ganz viele Nachahmer findet?














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