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Paris Marathon. Anmeldung, Erfahrungen von der Strecke und die Ergebnisse

Der Paris Marathon oder genauer gesagt der Schneider Electric Marathon de Paris, wie er offiziell heisst, stand schon länger auf meiner Marathon-Wunschliste. Nachdem ich 2018 schon beim Halbmarathon Paris über die Straßen der Stadt der Laufliebe flitzen durfte, sollte es nun in diesem Jahr soweit sein.
Denn in anderen Jahren liegt der Paris Marathon mit seinem Termin Anfang April ziemlich weit vorn in der Laufsaison, sodass man das Marathontraining komplett im Winter, also spätestens ab Januar voll durchziehen muss. Und gerade Longruns im Februar, sind halt nicht unbedingt beliebt. Durch die aktuellen Verwirbelungen im Marathonkalender war der Paris Marathon in diesem Jahr in den Oktober gelegt worden und somit war meine Anmeldung auch eine kleine Absicherung, falls der Berlin-Marathon abgesagt worden wäre. Denn wenn man sich schon durch das Marathontraining kämpft, will man auch sicherstellen, daß man seine Form nachher auch wirklich in einem schönen Laufevent in eine Medaille verwandeln kann. Um so schöner war es dann, daß der Berlin-Marathon tatsächlich stattfand und ich in Paris sogar noch einen zweiten, großen Herbstmarathon laufen würde.
Also freue ich mich, daß ich mich Euch hier meine Erfahrungen vom Paris Marathon und einige Einblicke in das Marathongeschehen geben kann.

Termin, Anmeldung und Startplätze beim Paris Marathon

Mit fast 60.000 Teilnehmern gehört der Paris Marathon zu den 10 größten Marathons der Welt und bildet mit dem Termin in der ersten April-Hälfte den Saisonauftakt für die großen Marathons. Der nächste Paris Marathon findet am 3. April 2022 statt. Die Anmeldung öffnet meist im Oktober und Startplätze kosten bis zum Jahreswechsel 110€. Ich hatte mich erst vier Monate vor dem Rennen angemeldet und durfte dann schon 155€ für die Startnummer bezahlen. Es lohnt sich also, sich früh zu entscheiden, auch um schon Flüge und Hotels zu reservieren.

Die Anmeldung findet über das Portal Time To statt und es empfiehlt sich ein Übersetzungsprogramm wie deepl.com offenzuhalten, da nicht alle Teile der Webseite auf deutsch verfügbar sind. Wer kann, sollte vielleicht gleich die englischsprachige Variante wählen.

Wie auch beim Halbmarathon, muss man auch beim Marathon ein medizinisches Zertifikat präsentieren, auf dem ärztlich bestätigt wird, daß kein Gesundheitsrisiko für einen Marathonlauf besteht. Eine Vorlage für dieses Attest kann man sich hier herunterladen. Einfach ab damit zum Arzt und fertig. Wenn man sich einen Arzt sucht, der selbst Sportler ist oder läuft, vereinfach das die Angelegenheit meistens. Das Zertifikat kann man dann auch schon vor dem Rennen auf der Time To Plattform hochladen – es dauert aber bis das bestätigt wird. Bei mir kam die Freigabe am Mittwoch in der Rennwoche. Auch wenn es kurzfristig ist, beruhigt es trotzdem die Nerven, wenn man Gewissheit hat, daß damit alles ok ist. Denn ohne Zertifikat gibt es auf der Marathonmesse keine Startnummer.

Anreise und Hotel für den Paris Marathon

Da Paris als Weltstadt mit Sehenswürdigkeiten, Museen und netten Cafés und Restaurants wirklich gesegnet ist, empfiehlt es sich, genügend Zeit für das Sightseeing einzuplanen. Eiffelturm, Triumphbogen, Louvre… es gibt so viel zu sehen, daß man ein paar Wochen dort verbringen könnte, ohne das es langweilig wird. Ich war beispielsweise schon am Mittwoch angereist und war jeden Tag mindestens 30.000 Schritte unterwegs, was bei meiner Schrittlänge mehr als 20 Kilometer sind. Leider nicht ganz optimal in den Tagen vor dem Marathon. Wer also eine Bestzeit laufen will, was in Paris grundsätzlich möglich ist, sollte also das Sightseeing reduzieren oder einen zusätzlichen Ruhetag einplanen.

Wer rechtzeitig bucht, kommt für rund 100€ mit easyjet oder Air France nach Paris. Aufpassen sollte man aber auf die Ticketklassen, da die besonders günstigen Tickets meist nur Handgepäck beinhalten. Wer also sein eigenes Gel dabei haben will, stößt schnell an die Flüssigkeitsobergrenze für das Handgepäck.

Alternativ kann man mit dem Zug fahren, aber von Berlin dauert das noch über 8 Stunden, inklusive Umsteigen in Frankfurt. Da ist der Flug mit rund 2 Stunden selbst mit Anreise und Abreise zum Flughafen immer noch doppelt so schnell.

Beim Hotel ist frühzeitige Reservierung das Zauberwort. Selbst wenn man sich noch nicht sicher ist, ob man wirklich einen Startplatz bucht, kann man sich über Plattformen wie Booking.com schon ein Hotel reservieren. Über entsprechende Filter lassen sich nur solche wählen, die ohne Anzahlung und mit kostenloser Stornierung bis 24 Stunden vor der Anreise arbeiten. So kann man sich schon mal einen guten Tarif sichern und dann im Notfall ohne Konsequenzen stornieren, falls man doch nicht läuft.

Um den Pariser Flair zu erleben, würde ich ein Hotel in den inneren Bereichen der Stadt buchen – auch um beim Sightseeing und für den Marathonstart eine gute Ausgangslage zu haben. Ich war zum Beispiel unweit der Oper und damit schnell überall wo ich hinwollte.

Die Strecke beim Paris Marathon

Die Streckenführung ist ein echtes Highlight, denn die Paris Marathon Strecke gleicht einem Sightseeing-Trip durch die Stadt. Los geht es auf der Avenue des Champs-Élysées gleich hinter dem Arc de Triomphe de l’Étoile, dann über den Place de la Concorde und den Place Vendôme, an der Oper und dem Louvre vorbei, zum Place de la Bastille. Weiter geht es am Zoo und dem Château de Vincennes vorbei, eine Schleife durchs Grüne hindurch, bevor man dann bei Kilometer 24 direkt am Ufer der Seine entlang auf dem Eiffelturm hinzuläuft, den man bei Kilometer 30 auf der anderen Uferseite dann von Nahem sieht. Danach geht es für eine weitere Schleife ins Grüne, bevor dann bei Kilometer 39 die Fondation Louis Vuitton den Endspurt mit Blick auf den Arc de Triomphe de l’Étoile einleitet.

Die Strecke ist sehr schnell und abgesehen von ein paar Kopfsteinpflaster-Passagen auch mit glattem Asphalt gut laufbar und für Bestzeiten geeignet. Auch wenn die kleinen Hügelchen und Tunnel, die man durchläuft, insgesamt rund 150 Höhenmeter auf dem Streckenprofil erzeugen. Immer noch nicht viel, aber immerhin mehr als drei mal soviel, wie in Berlin, dem flachesten Marathon der Welt. Und ab Kilometer 30 tun eben auch schon kleine Erhebungen weh.

Marathonmesse und Startunterlagen Abholung beim Paris Marathon

Ganz untypisch für Frankreich wurde für die Marathonmesse nun der Name RUN EXPERIENCE gewählt und der schöne Name „Salon Du Running“ entfällt somit. Gleich geblieben ist aber der Standort an
der Paris expo Porte de Versailles, also etwas außerhalb gelegen, dafür aber mit viel Platz. Man sollte also etwas Zeit einplanen für die Anreise und Abreise mit der Metro.

Die Marathonmesse selbst ist wirklich großflächig gestaltet, sodass sich alles gut verteilen kann und man bei der Startnummernausgabe auch kaum warten muss. Da ich gleich am ersten Öffnungstag, dem Donnertag Nachmittag dort war, war es auch extra leer.

Zunächst startete man in diesem Jahr seinen Besuch mit einer Covid-Pass überprüfung, wodurch man ein silberfarbenes Armband erhält, daß am Marathontag als Nachweis für die Erfüllung der Coronaregeln gilt. Als nächsten Stopp geht es zur Station für die medizinischen Atteste. Hier zeigt man sein Papierzertifikat noch einmal im Original vor, bevor noch einmal geprüft wird, daß Startnummer, Person und Attest wirklich zusammengehören. Mit einem Stempel auf dem Zertifikat geht es nun zur Startnummernausgabe.

Auch die Ausgabe der Startnummer dauert nur wenige Minuten und man bekommt einen Umschlag, in dem dann die Startnummer und ein Anhänger für den Kleiderbeutel enthalten sind. Das Schöne am Paris-Marathon ist, daß die Zeitmessung über einen Aufkleber auf der Rückseite der Startnummer erfolgt. Ein separater Chip, wie in Berlin, ist nicht erforderlich und auch keine Rückgabe.

Für mich ging es dann als kleine Sonderstation dann noch zur Anpassung meines Startblockes. Bei meiner Anmeldung im Mai war ich gerade ins Marathontraining eingestiegen und hatte vorsichtig eine Zeit „unter 4 Stunden“ geschätzt. Da konnte ich ja nicht ahnen, daß ich nach meiner Lockdown-Pause so schnell wieder fit werden und Berlin in 3:21:26h laufen würde. Erstaunlicher Weise wurde ich nur gefragt, in welchen Block ich will, Aufkleber auf die Startnummer und fertig – keine Rückfragen. Ein wenig besorgniserregend dachte ich und erwartete Chaos im Startblock, wenn sich jeder platzieren kann, wie er mag.

Aber weiter zum letzten Akt der Startnummernausgabe: Der Startbeutel. Hier war ich ganz schön überrascht, da man statt des üblichen Plastikbeutels einen kleinen Laufrucksack ausgehändigt bekam. So richtig schön mit Hauptfach, Gummizug auf der Vorderseite für Extragepäck, Schultergurten, Brustverschluss und natürlich dem Logo des Paris Marathon. Eine tolle, nachhaltige Idee, da man so einen kleinen Laufrucksack eigentlich immer gebrauchen kann.

Damit war der Pflichtteil erledigt und ich konnte ins Spaßprogramm wechseln. Eine riesige Wand zeigte die Namen aller Teilnehmer und nach ein wenig Suchen, hatte auch ich mich gefunden. Selfie und weiter!

Da asics der Sportpartner des Paris Marathon ist, folgte nun natürlich erst einmal ein gigantischer Messestand, mit vielen schönen Fotohintergründen und einer schönen Mischung aus Marketing und Vorfreude für den Marathon. Die Attraktion des asics Messestands und Merchandise-Stores war aber die Laufschuhteststation. Denn mehrere Laufbänder standen für eine Videolaufanalyse bereit und nach einer anschließenden Laufschuhberatung konnte man den empfohlenen Schuh sogar gleich auf einer eigens aufgebauten Laufstrecke testen. Das war richtig gut.

Aber auch andere Marken, wie ON und Hoka waren am Start, nebst unzähliger anderer Laufsportmarken, Ernährungsmarken und Laufveranstaltern. Hier präsentierten sich auch viele Marken und Laufveranstaltungen, von denen man hierzulande vielleicht noch nicht so viel gehört hat. Also insgesamt eine wirklich interessante Marathonmesse mit dem Highlight eines grün angeleuchteten, riesigen Eiffelturms.

Nach etwas mehr als einer Stunde hatte ich es dann geschafft, aber es ist leicht, noch mehr Zeit auf der Messe zu verbringen. Daher unbedingt genügend Zeit, inklusive der Anreise und Abreise einplanen.

Erfahrungsbericht. Meine Erfahrungen vom Paris Marathon

Nach einigen mit Sightseeing vollgestopften Tagen war es dann soweit. Der Marathonmorgen war angebrochen und müde kämpfte ich mit einem Porridge mit Banane und Honig und hoffte auf den doppelten Espresso als Unterstützung. Ich kann einfach nichts essen, wenn ich noch im Halbschlaf bin. Aber vor einem Marathon ist es wichtig zu frühstücken und das auch ausreichend vor dem Start zu tun – aus verdauungstechnischen Gründen.

Der Paris Marathon ist in ziemlich viele, kleine Startwellen unterteilt und zieht sich daher ordentlich in die Länge. Die ersten Hobbyläufer starten kurz nach 9 Uhr und die letzte Welle erst kurz vor 12 Uhr. Für mich hiess es spätestens um 9:20 Uhr im Startblock sein und 9:25 Uhr Start. Also musste ich zwar zeitig aufstehen, aber auch nicht um 5 oder 6 Uhr, wie es beim New York Marathon der Fall ist.

Also bin ich kurz nach 8 aus dem Hotel und habe mich auf einen der vielen e-Roller geschwungen und bin ganz gemütlich zum Startbereich gerollert. Mit dabei mein Startrucksack und ein paar alte, warme Sachen über dem Laufoutfit. Was leider nicht so gut erklärt wird beim Paris Marathon, ist die ganze Startsituation. Denn die Abgabe der Starterbeutel erfolgt ein einer Nebenstraße, der Avenue Foch, in die man nur aus Richtung Triumphbogen hineinkommt und dann auch wieder über den Triumphbogen zurück bis in die Startblöcke muss, die sich für die schnelleren Läufer doch relativ weit die Avenue des Champs-Élysèes hinein befinden. Für diese ganze Lauferei sollte man also unbedingt extra Zeit einplanen.

Was allerdings sehr schon ist, ist die schnelle und problemlose Gepäckabgabe, sowie die wirklich ausreichend aufgestellten Dixies. Trotz hunderter Läufer musste man nur kurz warten. Und für die, die schon sehr früh im Startblock stehen, gibt es Pissoirs für Frauen und Männer sogar innerhalb der Startblöcke. Das ist wirklich vorbildlich!

Dadurch, daß ich mich erst den Champs-Élysèes durch die Menschenmassen hocharbeiten musste, um meinen Startbeutel abzugeben, schmolz mein entspanntes Zeitpolster dann doch rapide hinweg und ich musste im lockeren Laufschritt in Richtung Startblock laufen. Dort herrschte natürlich schon ordentliches Gedränge an den Zugängen, die leider auch nicht ausreichend gekennzeichnet wurden, sodass immer wieder Läufer aus anderen Startblöcken an der Kontrolle landeten, nicht eingelassen wurden, dann aber für entsprechende Verstopfung und Chaos sorgten. Zum Glück war man aber nicht so rigoros bei den Zeiten für das Schließen der Startblöcke und so stand ich dann doch ganz schön gestresst an der Startlinie und konnte beginnen mich etwas mehr zu fokussieren. Schuhe fest, Brille auf, Klamotten ok, GPS-Signal läuft – kurz nochmal dehnen und mobilisieren und ich war bereit.

Es wurde von beiden Straßenseiten getrennt gestartet und zunächst durfte der Block links von uns starten. Dann begann unsere Startprozedur mit Musik, Klatschen, Gänsehaut und der Pariser Morgensonne, die uns ins Gesicht strahlte. Vor uns der leergefegte, breite Champs-Élysèes und ich spürte, wie das Adrenalin in mir kribbelte. Und dann ging es los! Paris Marathon 2021 und die Rückkehr der Mega-Laufevents nach Frankreich!

Meine Bedenken der bezüglich der Startblöcke zerstreuten sich schnell, denn es wurde in so kleinen Wellen gestartet und die Champs-Élysèes war so breit, daß wirklich Jeder schnell sein Tempo und seine Spur finden konnte. Es ging leicht bergab und zusammen mit dem Adrenalin ging die Pace gleich in Richtung 4:30 und auch die Zuschauer am Straßenrand sorgten für ordentlich Euphorie.

Ein herrlicher Sonntagmorgen mit Sonnenschein und sieben Grad, einfach optimal zum Laufen. Und die Streckenbeschreibung hatte nicht zuviel versprochen. Die Sehenswürdigkeiten glitzerten in der Morgensonne und die Stimmung am Streckenrand war auch zum Start schon richtig gut. Und so versuchte ich meine Rennstrategie von Berlin zu wiederholen und lief optimistisch mit einer Pace von etwa 4:30 weiter und klemmte mich dann an den 3.15h Pacemaker, der mit etwa 4:35-4:40er Pace unterwegs sein sollte. Das Ziel war, dieses Tempo so weit wie möglich durchzulaufen, am besten natürlich bis ins Ziel – oder eben den Rest das Tempo etwas herausnehmen und trotzdem von der schnelleren ersten Hälfte profitieren.

Das klappte auch ganz gut, bis sich dann ab Kilometer 15 meine Adduktoren mehr und mehr meldeten und signalisierten, daß sie mein Vorhaben heute nicht unterstützen würden. Ich zog weiter durch, denn eigentlich lief ich locker, wir scherzten in der Gruppe um den Pacemaker herum und knackten Kilometer für Kilometer solide. Doch es wurde muskulär nicht besser und so stoppte ich bei Kilometer 18 kurz – einmal kurz den Flow durchbrechen, dehnen und hineinfühlen und neu justieren.

Also weiter, mit 5er Pace, etwas ruhiger angehen lassen – vielleicht würde sich das ja wieder beruhigen. Und so hoffte ich bis Kilometer 25 auf eine Besserung, bis mir klar wurde, daß ich meine Pläne für eine weitere, exzellente Zeit und mein heimliches Ziel eine Sub 3:20h als Qualifikation für Boston, für heute begraben musste.

Und auf diesen Moment war ich mental leider überhaupt nicht vorbereitet, nach meinen überraschend guten Läufen beim Berliner-Halbmarathon, Berlin-Marathon und beim S25, den ich als Trainingslauf zuletzt absolviert hatte. Wo beim Berlin-Marathon in diesem Moment die Willensstärke angesprungen war, mit dem Willen das Rennen mit einer guten Zeit nach Hause zu bringen, war nun nur Enttäuschung, Selbstmitleid und ich war nicht fähig einen positiven Anker zu finden, an dem ich mich ins Ziel kämpfen könnte. Keine Bestzeit, keine Boston-Qualifikation, keine Top-Zeit, letzt Chance der Saison vergeben, „nur laufen für die Medaille“ war der Kanon in meinem Kopf gegen den ich nicht ankam.

Also wechselte ich in den „Run and Walk“ Modus, den man als ambitionierter Läufer natürlich unendlich hasst. Immer ein Stückchen laufen, dann wieder gehen, wieder laufen – ich hatte einfach das Gefühl, daß ich meine Beine nicht mehr richtig vom Boden heben konnte. Nun rächten sich wahrscheinlich die Sightseeing-Kilometer in den Tagen vor dem Marathon und wahrscheinlich auch die mangelnde Selbsteinschätzung. Realistischer betrachtet, hätte man bei dieser Vorbelastung wohl den Marathon gleich sanfter, ohne einen Bestzeitversuch angehen müssen. Aber nachher ist man immer schlauer und nun war ich bei mittendrin im Dilemma, bei Kilometer 25, schon ordentlich am leiden und noch üppigen Kilometern vorraus.

Auch wenn ich es hasste, groovte ich mich dann aber in mein neues Lauf-Geh-Format ein und war rückblickend ganz erstaunt, wie schnell ich doch trotzdem noch damit war. Besonders die Anfeuerung von der Strecke hatte mir extrem geholfen und ich habe wohl tausend Mal das Wort „Courage!“ an diesem Tag gehört. Doch es ist immer wieder wie ein kleiner Energieschub, der einen wieder ins Laufen bringt oder vom Anhalten abhält. Und auch die Strecke half dabei, sich von den schmerzenden Adduktoren abzulenken.

Am Seine-Ufer unweit des Eiffelturms war eine DJ-Kanzel mit einem gigantischen Soundsystem aufgebaut und als sich ein fetter Beat Drop ankündigte, konnte ich nicht anders als kurz anzuhalten und zu tanzen. Irgenwie wieder locker werden, entspannen, Spaß haben! Ich will nicht wissen, wie das mit meinen schmerzhaften Beinen aussah, aber „dance like no one is watching you“ ist ohnehin mein Motto. Mir doch egal, was die anderen denken, solange ich Spaß habe!

Ein weiteres Motivationshighlight kam dann am Seine-Ufer, als wir in einen unendlich langen Tunnel einbogen, an dessen Einfahrt sich eine Trommlergruppe postiert hatte und eine unglaubliche Wand aus Klängen in den Tunnel schickte und die einen fast bis zum anderen Ende des Tunnels begleitete. Bei soetwas bleibt man natürlich nicht stehen, sondern versucht sich zusammenzureißen und weiterzulaufen!

Ich spürte aber zunehmend jegliche Abwechlungen auf der Strecke. Jeder kleine Aufstieg und Abstieg bei den Straßentunneln spürte ich, als wenn ich einen steilen Trail-Uphill laufen würde und auch der Wechsel auf Kopfsteinpflaster nervte mich mehr, als ich mir vorher vorstellen konnte.

Natürlich macht das alles mehr Spaß, wenn man einen besseren Tag erwischt. Neben des Sightseeing-Faktors und der Stimmung an der Strecke, hat mir aber auch die Verpflegung gut geholfen. Denn es gab ausreichend Stationen und besonders für Leidende wie mich, waren die kleinen wiederverschließbaren Vittel-Flaschen auch besser geeignet, als die Einwegbecher, die man in Berlin bekommt. Auch an den Verpfelgungspunkten war die Auswahl ziemlich üppig. Bananen gehen bei mir immer und haben sich gut bewährt, Kuchen und Kekse fand ich jetzt doch etwas zu trocken und unpraktisch zu essen, gerade wenn man geschwindigkeitsorientiert läuft, wie in meinem ersten Drittel.

Ich kämpfte mich also weiter, von Station zu Station, Kilometer für Kilometer und irgendwann war auch klar, daß das Leiden bald ein Ende haben würde und ich einen Haken an diesen Marathon machen kann. Der Punkt, wo mich zumindestens dieser Optimismus wieder erreichte, war die Fondation Louis Vuitton pour la Création. Ein wirklich beeindruckendes Gebäude und nur zwei Kilometer vor dem Ziel.

Also noch einmal die letzte Willensstärke zusammenkratzen und durchlaufen bis ins Ziel. Auch zwei Kilometer kamen mir unendlich lang vor, aber dann endete die Parklandschaft und mit dem Porte Dauphine ging es auf die Zielgerade auf die Avenue Foch, mit dem Blick auf den Triumpfbogen im Hintergrund.

Für mich ein wirklich hartes Rennen, aber eine trotzdem eine unbedingte Empfehlung. Die Strecke ist einmalig und auch der Support vom Streckenrand ist großartig. Die Wetterbedingungen sind ebenfalls sehr gut für schnelle Läufe geeignet, da es im April meist um die 10 Grad Höchsttemperatur erreicht, beim Start aber nicht zu kalt ist.

Ich bin mir ziemlich sicher, daß ich noch einmal Paris laufen werde, denn für einen ersten Status-Check in der neuen Saison ist der Marathon optimal geeignet und gleichzeitig ein guter Grund, sich im Wintertraining zu motivieren.

Wenn es dann läuferisch besser klappt, kann ich hoffentlich die Schönheit des Laufes noch mehr genießen und ich hoffe, ich habe Dich jetzt mit meinem Fehlversucht nicht zu sehr demotiviert.

Am Ende war ich, wie ich schon erwähnt hatte, übrigens trotzdem überrascht, bei einer Zeit von 3:43:37h über die Ziellinie gekommen zu sein. Man kann also auch mit einer üblen Technik noch halbwegs vorankommen, wobei der Unterschied von 01:40:13 auf der ersten Hälfte zu 02:03:24 auf der zweiten Hälfte schon deutlich ist.

Aber so ist es eben. Manchmal läuft es und manchmal lernt man dazu!

Ich freute mich jedenfalls trotzdem über die schöne Medaille und darauf, daß mein Trainingskollege Nick im Ziel auf mich wartete und seinen Traum vom Sub 3 Marathon an diesem Tag verwirklichen konnte.

Medaille, Urkunde, Fotos und Ergebnisse beim Paris Marathon

Die Ergebnisse lassen sich beim Paris Marathon auch im Livetracking zum Anfeuern online aufrufen und auch nach dem Zieldurchlauf findet man seine Ergebnisse gleich online auf der Time To Plattform. Dort kann man auch die Urkunde vom Paris Marathon herunterladen und findet auch weitere Details zum persönlichen Rennverlauf.

Die Medaille vom Paris Marathon bekommt man direkt hinter der Ziellinie und in diesem Jahr wurde sie vom französischen Designer-Duo M/M (Paris) im sogenannten Pixelart-Design entworfen. Mir gefällt sie, weil sie unter den ganzen anderen Marathon-Medaillen meiner Sammlung wirklich heraussticht.

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