Strava
Events & Locations Laufveranstaltungen Outdoor

Mammutmarsch. Live von Strecke des Little Mammut Berlin

* Werbung

Vernunft ist ja bekanntlich mein zweiter Vorname, also habe ich meine Laufsaison in diesem Jahr noch mit einem kleinen Highlight abgerundet: Meine erste offizielle Wanderung!

Natürlich nicht irgendeine, sondern der kleine Bruder vom Mammutmarsch, also dem 100km Marsch, welcher sich Little Mammut Berlin nennt. So little sind aber auch dort die Distanzen nicht und mit 30km und 55km als Auswahl für die Strecke, kann man auch hier schon fast den ganzen Tag auf den Beinen verbringen. Also zack! noch mal schnell eine Charmeoffensive gestartet und so liess mich das Orga-Team vom Little Mammut doch noch kurzfristig auf die Starterliste rutschen.

Anmeldung zum Little Mammut Berlin
Beim Little Mammut stehen die 30km und die 55km als Distanzen zur Auswahl. Die Startplätze sind für 35€ und 45€ für die längere Distanz zu bekommen. Und wer noch 20€ drauflegt, bekommt auch das offizielle Shirt zum Wanderevent!
Da die Märsche immer populärer werden, sollte man sich frühzeitig einbuchen, da die Startplätze begrenzt sind und ausverkauft werden.

Die Strecke beim Little Mammut Berlin
Gestartet wird bei beiden Distanzen vom Strandbad Mügeelsee von wo es eine Runde um den See geht, mit einem Schlenker über Erkner und bei den 55km-Läufern auch noch mal etwas weiter in Richtung Köpenick.
Das Schöne ist, daß man die Routen vorher zugeschickt bekommt, um sie so in den gängigen Lauf-Apps oder Portalen für die Laufstrecken-Planung hochzuladen, damit man sich während des Marsches nicht verläuft.

Ausrüstung und Schuhe für den Little Mammut Berlin
Grundsätzlich kommt es ein wenig auf den Erfahrungsgrad und die körperliche Fitness an, wie man sich für den Mammutmarsch ausrüstet. Da Gewicht auch immer eine zusätzliche Belastung für den Körper darstellt, sollte man sich also ein wenig überlegen, was man alles 55km durch den Wald schleppen muss und was lieber Zuhause bleibt.
Ungefähr alle 10km gibt es einen Verpflegungspunkt, an dem man kleine Snacks und Getränke bekommt und Trinkflaschen auffüllen kann. Wer also innerhalb der 10km nicht so viel braucht, kann sich also einfach ein paar Kleinigkeiten in den Rucksack packen und muss kein komplettes Menü mitschleppen. Man sollte aber immer den Notfall im Hinterkopf haben, falls man umknickt oder sich anderweitig verletzt und nicht weiterlaufen kann und auf Hilfe warten muss. Auch in dieser Situation sollte man genügend Essen und Trinken dabei haben, um eine gewisse Zeit ausharren zu können, bis Hilfe eintrifft.

Wichtig sind vor allem:
– Wasser (ich hatte knapp 1.5L dabei)
– Wärmere Kleidung / Wechselkleidung, da man schnell auskühlt wenn man nicht mehr läuft –
insbesondere wenn man viel schwitzt
– Regenschutz
– Kleine Snacks
– Smartphone voll geladen ggf. mit Powerbank zum Nachladen
– Lauflampe – falls man von der Dunkelheit überrascht wird

Das Allerwichtigste sind natürlich die Schuhe. Viele sind bei den Märschen mit Wanderstiefeln unterwegs, was ich allerdings überdenken würde. Wanderstiefel sind nämlich eher schwer und vor allem so konstruiert, daß man sich im schwierigen Gelände nicht die Zehen am Fels oder Wurzeln aufschlägt und den Knöchel gegen Umknicken stabilisiert. Da es sich zumindest beim Little Mammut Berlin aber um eher einfaches Gelände, also befestigte Wanderwege, handelt, schleppt man mit Wanderstiefeln eher unnötigen Ballast mit sich herum.
Hat man bereits ein paar gut eingelaufene Wanderstiefel, dann macht es natürlich Sinn, damit zu starten, aber alternativ würde ich zu normalen Laufschuhen oder Trailrunningschuhen raten. Denn die sind in der Regel mehr als die Hälfte leichter und auch atmungsaktiver, was dem Fußklima zugute kommt. Zehn Stunden der länger in einem gut geschnürten Wanderschuh sind jedenfalls etwas, was man seinen Füßen ersparen kann.
Ich habe schon einige Schuhe getestet – vielleicht ist ja auf meiner Trailrunningschuh-Testliste das Passende für Dich dabei. Ich hatte mich für den Salomon Sense Ride entschieden, mit dem ich auch schon in den Alpen unterwegs war.

Kalorienverbrauch beim Wandern. Wieviel Verpflegung braucht man für den Little Mammut Berlin?
Der individuelle Kalorienverbrauch ist natürlich abhängig vom Körpergewicht, dem Gewicht des Gepäcks und der Laufgeschwindigkeit. Wenn dann noch Berge dazukommen, vergrößert sich der Kalorienbedarf auch noch weiter. Für das Wandern in Berlin, muss man das aber nicht mit einkalkulieren.
Für eine Person mit 60kg Gewicht, kann man bei zügigerem Marschtempo von rund 6km/h mit einem Kalorienverbrauch von etwa 300Kcal pro Stunde rechnen. Bei einem Mann mit etwa 80kg Gewicht, kann man etwa 400Kcal pro Stunde einplanen.
Geht man nun davon aus, daß man etwa alle 1,5h bis 2h einen Verpflegungspunkt erreicht, so kann man kalkulieren, was man einpacken muss. Ich versuche meist vor dem Start entsprechend Kalorien aufzufüllen und dann die Verpflegungspunkte zu nutzen. So braucht man nur ein paar Kleinigkeiten mitzuschleppen, entweder für den kleinen Hunger Zwischendurch oder den Notfall. Der restliche Bedarf wird an den Verpflegungspunkten gedeckt.
Ein typischer Müsliriegel hat etwa 200Kcal und eine Tafel RitterSport Vollnuss hat mehr als 500Kcal. Damit kann man also locker vier Stunden wandern – das Frühstück und die Kalorien von den Verpflegungspunkten mal nicht eingerechnet. Zusätzlich kann man auch Kalorien über Getränke aufnehmen, über Cola, Säfte usw.
Wichtig ist, daß man keine verrückten Experimente wagt. Denn damit endet man gerne mal als Dauergast auf der Toilette. Auf zuviel Iso, Sportlergels, Magnesiumtabletten und Ähnliches sollte man also lieber verzichten und lieber auf echte Nahrung setzen, die magenfreundlich ist.

Meine Erfahrungen von der Strecke des Little Mammut Berlin (55km)
Beim Little Mammut wird in mehreren Startgruppen und Startwellen losgewandert. Die 55km-Distanz startet bereits ab 8.30 Uhr in unterteilt in mehrere, kleinere Gruppen, während die 30km-Starter erst Mittags loslegen, auch wieder unterteilt in kleinere Grüppchen. Da ich mich so spät angmeldet hatte, waren alle frühen Startgruppen schon belegt und so blieb mir nur noch die letzte Startgruppe der 55er um 9:15 Uhr zur Auswahl, was sich aber auch als vorteilhaft erwiesen hat.

Jedenfall empfiehlt sich eine frühe Anreise, am besten mit der S-Bahn, da die Parkplätze recht knapp sind. Ich ergatterte einen der letzten auf dem weiter entfernten Parkplatz, aber gerade für die 30km-Läufer ist dann natürlich die Chance gleich Null später noch einen Parkplatz zu bekommen. Aber wie gesagt, hatte ich Glück – also schnell im Kofferraum den Rucksack final zusammengefummelt, mit letztem Check, ob alles drin ist, was reingehört – einen Snack in die Hand, Startpass in die Tasche und ab zum Strandbad!

Die lange Schlange vor dem Einlass bewegte sich erstaunlich schnell und so bekam ich zügig mein Papier-Bändchen, daß mich als Teilnehmer auswies, eine Streckenkarte und ein Kilometer-Sammelheft, daß man sich bei jedem Marsch stempeln lassen kann, um so Aufnäher zu bekommen über 100km, 200km usw.

Aber weiter gehts in den Startbereich. Das Strandbad war schon gut gefüllt und die Schlangen vor den Toiletten hielten sich trotzdem erstaunlich in Grenzen. Und wie angenehm, daß man ausnahmsweise mal keine Dixies benutzen muss, sondern ganz normale Toiletten. Perfekt!
Also blieb noch Zeit für ein paar Fotos vor dem Start und ich konnte ganz in Ruhe den Start der ersten Gruppe miterleben. Weiter ging es mit Gruppe 2 und dann war ich dran. Countdown rückwärts und los!


Trotz des Startens in Gruppen, bildete sich schnell ein großer Menschenklumpen auf der Strecke, da auf der gesamten Wegesbreite gewandert wurde. Die Vordersten gaben also das Tempo vor und alle anderen mussten erstmal dahinter bleiben. Generell hatte ich mit dem Tempo zu Anfang die größten Probleme, denn als Marathonläufer, bin ich gewoht zu laufen und nicht zu wandern – und ich habe eine Art Windhund-Reflex in mir. Wenn das Rennen startet wird losgejagt und wenn es vor mir was zum überholen gibt, wird überholt.
Aber ich war ja hier, um das Original-Gefühl vom Mammutmarsch zu erleben, also war der Plan zu wandern und nicht zu laufen. Also stiefelte ich weiter hinterher und versuchte zur Ruhe zu kommen.
Nach einigen Kilometern lockerte sich dann auch das Feld weiter auf und von hinten überholte mich ein polnisches Pärchen im zügigeren Schritt, daß sich im Zick-Zack-Modus durch die Wanderer nach vorn arbeitete. Also entschloss ich mich dranzubleiben.
Denn nach meinen Berechnungen sollte es möglich sein, etwa 9-10km/h schnell zu wandern und die Distanz somit in rund acht Stunden zu bewältigen, aber mit dem bisher eingeschlagenen Tempo würde das nicht klappen.
Mit dem neuen Tempo und mit großen Schritten kam ich dann auch besser voran. Nach 2 Stunden, waren die ersten 13,5km geschafft und ich war gut warmgelaufen. So konnte es also weitergehen. Eine halbe Stunde später erreichte ich dann den ersten Verpflegungspunkt, wo ich ein richtig geniales Gurkenbuffet entdeckte – Saure Gurken, grüne Gurken und Cornichons – genau das Richtige jetzt. Also weiter über die Feldwege und dann tauchte auch endlich das 20km Schild auf!

Die Sonne war inzwischen auch schon rausgekommen und so entzwiebelte ich meinen Zwiebellook immer weiter, von der Regenjacke und dem Langarm-Shirt war dann beim zweiten Verpflegungspunkt nach vier Stunden auch nur noch die unterste Lage übrig – also hatte der Wetterbericht gehalten und T-Shirt und kurze Hose waren nun optimal. Dann passierte ich das 30km-Schild und während ich konstant Leute vor mir hatte und weiter und weiter überholte, wurde es nun dünner vor mir. Und der große Luxus, nicht auf den Weg achten zu müssen, weil man ja immer Jemanden vor sich hatte, war hinfort.

Und so passierte es prompt, daß ich verzaubert von den wunderschönen Farben des Herbstlaubs und der bezaubernden Uferkulisse einen Abzweig nach rechts verpasste. Und als ich mich dann so wunderte, warum ich keine anderen Wanderer mehr sehe, stieß ich zum Glück auf eine Gruppe weiterer Versprengter – also ab zurück auf den Hauptweg und langsam Bereitmachen für den Müggelturm.

Nach 37km und mehr als 5 Stunden war dann auch das Treppenhighlight erreicht. Ziemlich überraschend war aber, daß sich das Treppensteigen aber eigentlich garnicht so schlecht anfühlte. Natürlich begann das Herz ordentlich zu pumpen, aber die Beine und auch das Hirn freuten sich, nach fünf Stunden identischem Bewegungsmuster nun wenigstens mal minimal etwas anderes tun zu dürfen. Oben angekommen suchte ich ein wenig nach dem weiteren Streckenverlauf und wurde dann von zwei anderen Wanderern eingeholt, sodass wir dann gemeinsam begannen den Endspurt einzuleiten.
Bei Kilometer 39 wartete dann noch einmal ein Verpflegungspunkt mit einem Happy Menü aus Gurke, Kaffee und Gummibärchen auf mich. Süss, salzig und wach passierte ich dann Kilometer 40 und so langsam hatte ich auch Lust einfach mal fertig zu werden mit der ganzen Wanderei.

Nach etwas mehr als 6 Stunden erreichte ich die Marathondistanz. Jetzt weiss ich also auch, wie sich das anfühlt. Super anstregend, so lange im monotonen Rhytmus unterwegs zu sein! Allerdings frage ich mich auch, wie man teilweise noch länger als 6 Stunden für den Marathon braucht – denn das ist schnelles Gehen, aber kein Laufen – und hat mit dem eigentlichen MarathonLAUF, nichts zu run – mal abgesehen von der Distanz. Aber das ist ein anderes Thema.

Dann lief ich von hinten auf eine Gruppe Soldaten auf, die abwechselnd im Trab und im schnellen Wandern unterwegs waren und das Tempo dadurch etwas verschärften. Ich blieb in Sichtweite dahinter, um alle Optionen offenzuhalten, hatte aber auch keine Lust, durch Überholen zu einer weiteren Tempoeskalation beizutragen. Das Zielfieber hatte aber anscheinend nicht nur die Jungs erfasst, sondern auch noch 3 andere Wanderer, die offensichtlich auch trabend von hinten auf uns aufschlossen.

Also ging es gemeinsam weiter in Richtung Ziel, und es wurde scheinbar weiter taktiert. Einige versuchten sich nach vorn abzusetzen, die anderen setzten ebenfalls mit Traben nach, bevor dann ein Läufer bei Kilometer 49 in den lockeren Dauerlauf überging.
Also klemmte ich mich in Sichtweite daran, abwartend, was noch passieren würde. Seinen Teamkameraden und die Soldaten hatten wir bereits abgeschüttelt, bevor er bei Kilometer 53 eine Atempause brauchte. Ich lief zu ihm auf, wartete, damit wir gemeinsam weitertraben konnten, aber lief dann doch allein weiter. Schnell noch einmal das echte Trailrunning-Gefühl genießen und die Muskeln leerbrennen – so flitzte ich dann die letzten Meter in Richtung Strandbad. Ich hatte soooo dermaßen Bock auf Sitzen und ein Finisher-Bier!

Und da war es. Das große Zielbanner und eine letzte, gemeine Treppe, die aber mit dem Umhängen der Medaille belohnt wurde. Geschafft! 55km im Sturmtempo gewandert in 7:27h.

Das Beste war aber wirklich der Zielbereich. Die Sonne stand schon tief über dem Müggelsee und ich entdeckte eine freie Bank am Strand. Bis zur Oberkante voll mit den Eindrücken des Tages, vollgetankt mit Sauerstoff und mit meinem Finisherbier blinzelte ich von meiner Bank in den Sonnenuntergang und war zufrieden. Mit mir, der Welt und dem Little Mammut!

Fazit zum Little Mammut Berlin
Für mich als eher leistungsorientiertem Marathonläufer bestand die größte Herausforderung darin, sich auf das Format und das damit einhergehende Tempo einzulassen. Denn selten brauche ich mehr als eine Stunde für 10km und beim Rennsteig-Supermarathon bin ich in 10 Minuten mehr, die Strecke von fast 75km über bergiges Gelände gerannt. Beim Little Mammut kommt einem daher alles ein wenig wie in Zeitlupe vor.
Hat man aber einmal seinen Rhytmus gefunden, so kann man auch das Wandern richtig genießen. Die Strecke bietet wunderschöne Abschnitte über Wiesen und Felder, aber auch durch kleine Siedlungen und auch mal an Landstraßen entlang – gerade an so einem sonnigen Herbsttag ist das wirklich toll. Allerdings ist die Streckenauszeichnung manchmal etwas dürftig, sodass man doch sein Telefon herauskramen und ein wenig herumrätseln muss. Aber meist ist man ja auch nicht allein auf der Strecke.
Die Verpflegungspunkte sind großzügig gestalten und bieten teilweise auch viele Sitzmöglichkeiten, für Wanderer die ganz in Ruhe rasten wollen. Zusätzlich zu den kostenlosen Getränken und Snacks kann man optional auch noch warme Speisen und Getränke kaufen.
Auch sonst ist die Organisation hervorragend und man spürt sowohl unter den Veranstaltern, als auch unter den Teilnehmern eine wunderbar bodenständige Herzlichkeit und Begeisterung. Die Leute haben richtig Bock auf das gemeinsame Wandern!



Als Läufer kann man so eine Wanderung übrigens auch wunderbar als Grundlagentraining verwenden, da man in einer perfekten Herzfrequenzzone unterwegs ist. Man sollte aber nicht unterschätzen, daß man beim Wandern eine ganz andere Lauftechnik verwendet und somit auch andere Muskelgruppen zum Einsatz kommen. Ich habe am nächsten Tag vor allem die Füße gespürt, die wegen der kleineren Schritte und veränderten Abrolltechnik besonders viel leisten müssen im Vergleich zum Marathonlauf. Auch als geübter Läufer, sollte man so eine 55km-Distanz daher nicht unterschätzen.



Für mich war der Little Mammut eine tolle neue Erfahrung und eine schöne Abwechsung im Laufalltag. Ob ich mich auch dem Mammutmarsch über 100km oder einer 24 Stunden Wanderung stelle, kann ich noch nicht abschätzen. Wahrscheinlich werde ich aber solch eine Distanz zuerst laufend bewältigen – zu groß ist der Respekt vor der Nacht. Denn mit meiner Stirnlampe die Nacht hindurch durch den Wald zu wandern, kann ich mir aktuell noch nicht vorstellen.

Wenn Ihr es selbst einmal ausprobieren wollt, findet Ihr den Little Mammut 2020 am 24.10.2020 im Veranstaltungskalender und könnt Euch hier bereits anmelden! Vielen Dank an das Team vom Mammutmarsch / Little Mammut Berlin, daß ich so spontan dabei sein durfte und danke für dieses einmalige Erlebnis und die tolle Medaille!




GD Star Rating
loading...

Das könnte dir auch gefallen

Keine Kommentare

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Bekannt aus: