Camelbak Trinkrucksack im Test – Erfahrungen aus dem Marathontraining

Ja, ich bin spät dran mit dem Thema Trinkrucksack. Ich laufe in diesem Jahr bereits meinen vierten Herbstmarathon, also einen Marathon, bei dem die Trainingsphase in die Hochsommerperiode fällt. Während man im Winter durch Jacken, lange Hosen etc. deutlich mehr Stauraum hat und das Thema Dehydratation nicht ganz so dramatisch ausfällt, muss man bei langen Läufen bei 30 Grad Außentemperatur definitiv eine Lösung für die Flüssigkeitsversorgung finden.

Optionen für die Wasserversorgung im Training
Einige helfen sich mit Freunden, die den Läufer dann per Fahrrad auf den Touren begleiten, aber das war nie eine Option für mich, da ich im Training bei den langen Läufen möglichst wenig gestört sein möchte, um möglichst genau die Signale meines Körpers wahrnehmen und das Tempo darauf anpassen zu können.

Also habe ich meine Läufe entweder ganz ohne Wasser absolviert, was bei Strecken mit rund 20km kein Problem für mich darstellt, aber jenseits der 25km wirkt sich das schon merkbar auf das Wohlgefühl aus, wenn der Mund langsam trocken wird. Mein Vertrauen in die Menschheit ist leider nicht so groß, daß ich meine Getränke unbeaufsichtigt irgendwo am Streckenrand verstecke, um dann ggf. auf dem Rückweg dort trinken zu können. Zu groß ist die Gefahr, daß Pfandsammler, Diebe oder Menschen, die einfach eklige Gedanken haben, sich daran zu schaffen machen.

Die andere Methode die ich zumindest ausprobiert habe, war die, eine Tankstelle/Laden mit in die Streckenführung einzubauen, aber schön ist das auch nicht, wenn man nach 20km mit entsprechend animalischem Äußeren und passendem odeur an den Tresen stürmt. Außerdem hat man dann auch wieder nur eine Einstopp-Strategie, außer man möchte in 5km-Runden um die Tankstelle kreisen.

Für mittlere Läufe kann man sich eventuell auch mit Liquid Gels behelfen, bei denen das Gel viel flüssiger ist, als bei normalen Kohlehydrate-Gels und man somit Energie- und Flüssigkeitsaufnahme kombiniert. Die Flüssigkeitsmenge der Gels ist aber nicht wirklich für eine anständige Hydration bei Sommerläufen ausreichend und seinen Durst mit klebrigen Gels, die doch ziemlich an aufeglöste Gummibärchen erinnern, erfordert eine gewisse Leidensfähigkeit oder Geschmacksamnesie. Nichts schlägt reines, klares Wasser.

Auch mit den Hüftgurten, an denen so kleine Trinkflaschen befestigt sind, konnte ich mich nicht so richtig anfreunden, da mir die Fläschchen einfach zu viel Bewegung an der Hüfte erzeugen und dieses Gewschwippe, Geschwappe, Geruckel und Gezuckel mich vom Laufen ablenkt. Somit war also klar, daß ein Trinkrucksack wohl die passende Lösung sein könnte. Also habe ich mir einen Camelbak Trinkrucksack für diesen Test besorgt und meine ersten Läufe damit zurückgelegt.

Camelbak-Tinkrucksack-Dart

Camelbak Trinkrucksack Dart
Die Auswahl bei Trinkrucksäcken ist relativ groß und der Markt ist entsprechend unübersichtlich. Einer der größten Marken in diesem Bereich ist Camelbak, aber auch andere etablierte Rucksackmarken und Newcomer tummeln sich in diesem Segment. Bevor man kauft, sollte man sich ganz genau die Anforderungen überlegen, die man an den Rucksack hat. Soll er nur zum Laufen sein, oder auch für Radtouren, zum Wandern, soll weiteres Gepäck transportiert werden und für welche Distanzen bzw. Flüssigkeitsmenge will man ausgerüstet sein?

Für mich sollte es ein Rucksack sein, den ich explizit für das Lauftraining in der Marathonvorbereitung für 30+ Kilometerläufe einsetze und in den Handy, Schlüssel, Gels oder etwas Obst, Taschentücher und vielleicht noch eine dünne Regenjacke passen. Da ich keine Lust hatte, gleich 150€ für ein Topmodel hinzublättern und ich den Rucksack ohnehin nur ein Dutzend mal pro Saison einsetzen werde, fiel meine Wahl auf den Camelbak Trinkrucksack Dart, den es mit 3 Litern Fassungsvermögen für rund 50€ bei Amazon gibt.

Wie gesagt, hat der Rucksack insgesamt 3 Liter Fassungsvermögen, wobei die integrierte Trinkblase mit 1,5 Litern gefüllt werden kann. Der Rest reicht für die Kleinigkeiten, die ich verstauen möchte, wunderbar und durch die verschiedenen von einander getrennten Fächer, kann man auch alles sauber auseinanderhalten, damit Gels, Telefon, Schlüssel etc. alle getrennt sind und man sich großes Suchen und Herumkramen auf der Stecke ersparen kann. Mit den 1,5 Litern bin ich auf meinen Läufen bisher wunderbar zurecht gekommen, selbst auf der zuletzt längsten Strecke von 32Km war bei der Heimkehr immer noch Wasser übrig und ich habe mich ein wenig geärgert, daß ich die Wasserblase voll gefüllt und das ganze unnütze Wasser 32k durch die Gegend getragen habe.

Camelbak-Tinkrucksack-Dart-Gurte

Der Sitz des Rucksacks ist extrem bequem und man kann mit diversen Gurten die Einstellungen so ändern, daß der Rucksack perfekt anliegt und nichts herumschleudert, weder horizontal noch vertikal. Die Gurte sind ordentlich gepolstert und haben kleine Mesh-Taschen auf der Vorderseite, in die man beispielsweise Gels stecken kann, um an diese sofort und ohne Anhalten heranzukommen. Ein spezielles Rückenteil mit AC-Luftkanälen und voneinander getrennten Schaumpolstern, sorgt auch am Rücken für ein angenehmes Tragegefühl und eine gute Luftzirkulation und mit 230Gramm Eigengewicht ist der Rucksack keine Belastung für Rücken oder Schultern.
Nach den Läufen habe ich weder auf der Haut irgendwelche Reibestellen gehabt, noch auf der Kleidung. Bei einigen Läufern hatte ich gelesen, daß sich die Kleidung an bestimmten Stellen durch Trinkrucksäcke aufscheuern kann – bei mir war davon nichts zu sehen.

Die Trinkblase befindet sich im Hauptteil des Rucksacks und hat eine extrem große, idiotensichere Einfüllöffnung, die wahrscheinlich einen 10cm Durchmesser hat und dafür sorgt, daß man beim Füllen auch als Volltrottel nur Wasser in die Wasserblase füllt und nichts daneben in den Rucksack kippt. Auch das Öffnen und Schliessen der Wasserblase ist sehr einfach, fast schon so einfach, daß ich Bedenken hatte, ob das wirklich dicht hält, aber die Leute von Camelbak wissen offensichtlich was sie da tun, denn das System funktioniert wirklich einwandfrei.

Wenn man den Rucksack richtig mit den Gurten einstellt, sitz er wie gesagt wunderbar und beim Laufen wackelt nichts hin- und her und somit stört hier auch nichts. Gerade dieses Geruckel und Geschwappe war bei mir immer ein Grund, nicht mit Hüftgürteln mit den kleinen Flaschen daran zu laufen. Schön, daß der Trinkrucksack hier mein gewohntes Lauffeeling nicht beeinflusst. Beim Laufen macht der Rucksack allerdings Geräusche – an das leichte Rascheln habe ich mich aber schnell gewöhnt, so ich das komplett ausblenden konnte.

Der größte Vorteil des Trinkrucksacks ist mir aber erst beim Laufen bewusst geworden. Es geht nämlich nicht nur darum, daß man jetzt Wasser dabei hat oder daß man auch ein paar Kleinigkeiten komfortabel transportieren kann, sondern der Vorteil liegt darin, WIE man trinken kann. Wählt man eine der anderen von mir beschriebenen Methoden, hält man in der Regel kurz an, schraubt seine Flasche auf, trinkt meisst einen oder mehrere große Schlucke oder sogar relativ viel pro Trinkstopp, schraubt zu, verstaut wieder und läuft weiter – definitiv etwas, daß den Laufrhythmus unterbricht und meist auch eine unerlaubte Pause darstellt.

Beim Camelbak Trinkrucksack hat man an einem Clip am Gurt einen Trinkschlauch befestigt, der mit einem Bite-Ventil ausgestattet ist. Diesen Schlauch und das Ventil kann man beim Laufen jederzeit einfach erreichen und durch beissen auf das Ventil nach dem Strohhalm-Prinzip kleine Schlücke trinken. Dadurch entfallen einerseits die zusätzlichen Trinkpausen, die man so im Marathon ja auch nicht hat und deswegen auch nicht im Training antrainieren sollte, und zum anderen trinkt man wirklich viel gleichmäßiger. Statt 200ml oder mehr alle 45 Minuten, kann man mit dem Trinkrucksack ein paar kleine Schlucke trinken, immer wenn man Lust hat ohne das Training oder den Laufrhythmus unterbrechen zu müssen.

Ich bin mit meinen Erfahrungen aus dem Trinkrucksack Test mit dem Camelbak Dart Trinkrucksack wirklich positiv überrascht, wie bequem, leicht und wenig störend man mit einem Trinkrucksack laufen kann. Außerdem war es ein wirklicher Aha-Moment, zu sehen wie sich die Trinkgewohnheiten und der Trainingsablauf gleichmäßiger gestalten, wenn man öfter kleine Mengen trinken kann, anstatt selten größere Mengen. Daher kann ich diese Investition durchaus empfehlen und ärgere mich, daß ich mir nicht schon in einer früheren Saison einen Trinkrucksack für das Marathontraining zugelegt habe.

Trotzdem sieht man nach 32km so aus.
:-)

Das Gesicht, wenn man nach #32k endlich in die #ostsee springen darf #zingst #run #running #runner #marathon #training #longrun

Ein von Sports Insider (@sports_insider_magazin) gepostetes Foto am

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Kommentare
2 Antworten zu “Camelbak Trinkrucksack im Test – Erfahrungen aus dem Marathontraining”
  1. Henning sagt:

    Danke für den ausführlichen Bericht. Nachdem ich meinen Camelbak Mule nach nunmehr über 20 Jahren dem Restmüll übergeben habe, musste ein neuer Trinkrucksack her. Habe mich jetzt auch für den Dart entschieden.

  2. Daniel sagt:

    Danke für die Rückmeldung, Henning! Ich hoffe Du kommst mit dem neuen auch so gut zurecht wie ich. Beste Grüße, Daniel

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