Indiens boomender Sportmarkt

Der indische Sportmarkt boomt. Im Januar 2017 nahmen an der 14. Auflage des Mumbai-Marathons mehr als 42.000 Sportler teil, wodurch ein neuer Teilnehmer-Rekord aufgestellt werden konnte. Vor der Kulisse des Chhatrapati Shivaji Maharaj Terminus, einem der größten Bahnhöfe der Welt, schlossen sich sowohl die weltbesten Läufer, als auch Hobbyläufer Bollywood Berühmtheiten, weiteren Leistungssportlern und Großindustriellen an, diesen Wettkampf für sich zu entscheiden. Dadurch wurde dieser Wettbewerb das größte Massen-Sportereignis auf dem asiatischen Kontinent.

Das Ganze spiegelt die Entwicklung der letzten Jahre wider, in denen Indien dem weltweiten Fitness-Trend gefolgt ist. In Indien lässt sich eine wachsende Anzahl von Konsumenten beobachten, die gesundheitsbewusster werden. Dies geschieht in einem Land, dessen Wirtschaft stetig wächst und von Verstädterung und neuen Lebensstilen geprägt ist.

Im Vergleich zum Jahr 2015 stieg der Umsatz von Sportbekleidung im Jahr 2016 um 22 Prozent an, während dieser Markt weltweit nur um sieben Prozent wuchs. Bis 2020 soll der indische Markt in diesem Segment durchschnittlich um zwölf Prozent wachsen und Umsätze von bis zu acht Milliarden USD jährlich erreichen.

Die Journalistin Bandana Tewari erklärt, dass für den Boom auf dem indischen Sportmarkt mehrere Faktoren verantwortlich sind. Konkret nennt sie steigende Einkommen in Städten des Landes, was den Menschen ermöglicht, den Fokus auf Gesundheit und Wellness zu legen und das Bewusstsein für Zivilisationskrankheiten zu schärfen. Ihrer Einschätzung nach hat die Ausbreitung internationaler Marken, die von Stars aus dem Sport und von Bollywood repräsentiert werden, Sportkleidung in den Blick der Öffentlichkeit gestellt und somit den Boom des Sportmarktes in Indien maßgeblich antreibt.

Inzwischen liegen Laufsportarten, Radfahren und Teamsportarten bei den ausgeübten Sportarten ganz vorne. Bis zum Jahr 2020 wird mit einem jährlichen Zuwachs von sieben Prozent an Turnhallen erwartet. Das alles geschieht vor dem Hintergrund, dass durch die Verbreitung sozialer Netzwerke die Wahrnehmung körperlicher Schönheit wichtiger geworden ist. Verbraucher ahmen dabei in Bezug auf sportliche Aktivitäten und den Kauf von Sportkleidung das nach, was ihnen Stars aus Bollywood und dem Profisport vorleben. Das gilt sowohl für Frauen, als auch für Männer.

Mit diesen sozialen, kulturellen und Marktveränderungen, die in den nächsten Jahren anhalten, erwartet Indien den größten Sportboom seiner Geschichte. Dadurch wird der indische Markt für Sportbekleidung zunehmend attraktiver für eine Vielzahl lokaler und internationaler Sportmarken.

Dabei ist Indien auch ein Land der starken Gegensätze. Auf der einen Seite haben viele Personen aus ärmeren Schichten starke Probleme mit Untergewicht. Auf der anderen Seite sieht man in wohlhabenderen Kreisen vermehrt Personen mit starkem Übergewicht. In 2014 belegte Indien den fünften Rang bei der Erhebung über Männer mit Übergewicht; bei den Frauen war es sogar der dritte Platz, was etwa 20 Millionen Inderinnen entspricht. Das war einer der Gründe, der die Regierung dazu veranlasste, die Fitness-Bewegung ins Leben zu rufen. Unterstützt von staatlichen Subventionen, haben Kommunen infolgedessen Laufwege, Turnhallen und Schwimmbäder errichtet. Hinzu kommt eine neue Begeisterung für Yoga, die der indische Premierminister entfachte und Millionen seiner Landsleute dazu animierte, die über 5.000 Jahre alte traditionelle Disziplin neu zu entdecken. Auch die zwei indischen Athleten, die bei der Olympiade 2016 in Rio Goldmedaillen gewannen, und das große Interesse der Jugend für Sport, Fitness und einen gesunden Lebensstil sind Faktoren, die den Boom des indischen Sportmarkts bestärken.

Schon Mitte der 90-er Jahre drangen internationale Sportartikelhersteller auf den indischen Markt. Aufgrund der damaligen Situation war für diese Unternehmen der Einstieg über Franchising die einzig realisierbare Option. Das funktionierte sehr gut und erleichterte die rasche Ausbreitung von Sportmarken in Indien. 80 Prozent des indischen Marktes für Sportbekleidung teilen sich die vier Giganten adidas, Nike, Puma und Reebok. Um die verbliebenen 20 Prozent kämpfen Under Armour, Fila, Lotto, inländische Sportartikelhersteller, wie Planet Sports und Royal Sporting House, und weitere aufstrebende lokale Marken. Alleine der Anteil der adidas AG – mit den Marken adidas und Reebok – am indischen Markt beträgt 45 Prozent, wobei übrigens alle 760 Läden über das Franchise-Modell betrieben werden. Das Ziel der adidas AG ist es, 1000 Läden bis 2020 in Indien zu betreiben. Das Franchise-Modell betreiben auch die Wettbewerber Nike und Puma sehr erfolgreich in Indien: bei Nike sind es 200 Läden, die von lokalen Franchisenehmern betrieben werden.

Durch gesetzliche Veränderungen wird sich möglicherweise einiges ändern. Die indische Politik hat mittlerweile die Erlaubnis für Direktinvestitionen im Einzelhandel für einzelne Marken gestattet. Erwartet wird, dass dies zu einer Anpassung der Vertriebsstrategie von Sportartikelherstellern führen wird. So plant Adidas, zum Beispiel, die Eröffnung von 20 bis 40 Einzelmarken-Läden im Großformat in den kommenden fünf Jahren, die vollständig in eigenem Besitz sind. Die Kooperation mit Franchisenehmern soll aber keineswegs aufgegeben, aber optimiert werden.

Der indische Sportartikelhersteller Vector X zählt zu den Akteuren, die auf den Markt drängen. Vector X vertreibt seine Produkte über 500 Fachhändler, zu denen auch die riesigen Onlinehändler Jabong, Flipkart und Snapdeal gehören. Trotz allem haben es die lokalen Marken – wie Wildcraft India, Future Lifestyle und HRX – sehr schwer, den überfüllten Markt für sich zu erobern. Eine reelle Chance bietet sich über attraktive Preise. So macht es beispielsweise Vector X, dessen Preise unter dem Niveau von Nike und Adidas liegen. Aktivitäten in etwas kleineren Städten, in denen das Einkommensniveau etwas niedriger ist, bieten sich dafür an. Der Onlinehandel, durch den Kunden im ganzen Land erreicht werden, setzt auch auf verschiedene Preisniveaus.

Auch große Sportartikelhersteller, wie adidas, reagieren darauf, indem sie Produkte für verschiedene Preisniveaus entwickeln und über verschiedene Verkaufskanäle anbieten. Die Herausforderung für Sportartikelhersteller auf dem indischen Markt besteht zukünftig darin, wirtschaftlich und nachhaltig zu wachsen. Und auch Community-Initiativen, wie die adidas Runners wurden in Indien ausgerollt.

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