Barfußsandalen im Test: Erfahrungen mit Luna Sandals Venado

Ich staunte nicht schlecht, als ich bei Kilometer 19 beim Sportscheck-Stadtlauf einen Läufer vor mir hatte, der mit Sandalen auf der Laufstrecke unterwegs war. Als alter Natural Running und Barefoot-Running Fan, war ich natürlich sofort angefixt von dieser Idee, setzte zum Überholvorgang an, weil es ja wohl nicht sein kann, daß jemand ohne „richtige Schuhe“ schneller ist als ich, nur um Zuhause Google anzuwerfen und auf Luna Sandals zu stoßen.

Nach minimalistischen Rennschuhen und Vibram Fivefingers waren Barfuss-Laufsandalen die letzte Evolutionsstufe des Barfußlaufens vor dem kompletten Nichts an den Füßen. Ich war also extrem gespannt, wie es sich in den Sandalen läuft und habe mir das Straßenmodell für erfahrenere Läufer, die Luna Sandals Venado, besorgt.

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Auch wenn ich in diesem Jahr schon mehr als 2.000 Kilometer gelaufen und daher sehr gut trainiert bin, habe ich mir bis nach den letzten Wettkämpfen, dem Berlin-Marathon und The Great 10k, Zeit gelassen die Barfußsandalen auszuprobieren, da ich keine Risiken für meine Wettkämpfe eingehen wollte.

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Bei Luna Sandals handelt es sich um ein echtes Liebhaberprodukt. Alle Sandalen werden komplett vom Firmengründer „Barefoot Ted“ und seinem Team in Seattle per Hand hergestellt. Dabei wird nach einem einfachen Prinzip gearbeitet. Ein möglichst einfaches Produkt herzustellen, daß langlebig und strapzierfähig ist. Die Luna Sandals bestehen aus einer robusten Vibram-Sohle mit Grip und das handgenähte, unverwüstliche Schnürsystem (ATS) ist auf allen Trails dieser Welt getestet. Durch den gelben Plug aus waffenfähigem Kunststoff hält das ATS bombenfest in der Sohle.

Bei meinem Modell, den Luna Sandals Venado, handelt es sich um eine Barfußsandale für die Straße mit 7mm Vibram-Sohle mit MGT-Fußbett. Ich habe es mir trotzdem nicht nehmen lassen, die Sandalen über einen Streckenmix zu schicken, um das Laufgefühl auf verschiedenen Untergründen kennenzulernen.

Doch kommen beginnen wir mit dem Anziehen. Natürlich ist es nicht schwer eine Sandale anzuziehen und wer Kompressionsstrümpfe an-und-ausziehen kann, ist sowieso mit allen Wassern gewaschen. Aber das Gurtsystem zu verstehen und richtig zu justieren, erfordert schon etwas Zeit und das Lesen der Anleitung, damit dann auch alles richtig sitzt. Wie alle Männer, hasse auch ich es, Anleitungen zu lesen. Aber wenn erstmal alles richtig eingestellt ist, kann man schnell in die Luna Sandals hineinschlüpfen und wieder aussteigen – man muss eben nur einmalig die Gurtlängen richtig einstellen.

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Lange hatte ich Bedenken vor meinem Testlauf wegen der herbstlichen Temperaturen, aber Dank einiger anderer Blogger und Instagrammer Rückendeckung bekommen, daß man auch bei 8 Grad Außentemperatur damit laufen kann. Das man an den Knien nicht friert habe ich ja im letzten Winter gelernt, aber ich hatte in überlegt, mit Zehensocken zu starten.

Also ging es los, mit kurzen Hosen und Sandalen durch den Herbst, und unbezahlbare Blicke der mit Mänteln und Schals vermummten Passanten, die ich mit meinem luftigen Outfit passierte, gab es gratis dazu. Zunächst bin ich auf Asphalt gestartet und dann auf Kopfsteinpflaster gewechselt. Das Laufgefühl an der Sohle ist eigentlich ziemlich vergleichbar zu anderen Minimalschuhen, nur daß das Sohlenmaterial von Luna Sandals noch fester und weniger dämpfend scheint, als das bei regulären Rennlaufschuhen ist.

Das Abrollverhalten ist gut und auch der Halt ist dem normaler Schuhe zu vergleichen – man muss also keine Angst haben, daß man aus der Sandale rutscht. Wie auch bei Fivefingers legt man aber automatisch einen saubereren Laufstil auf, und läuft mehr über den Mittelfuß und Vorderfuß, da es sich so am angenehmsten anfühlt.

Später bin ich dann auf einen leicht mit Sand befestigten Waldweg gewechselt, auf dem auch viele kleine Kieselsteine zu finden waren. Diese spürt man durch die Sohle deutlich, aber ohne das es schmerzhaft ist. Ich hatte aber den Eindruck, daß man die Steinchen punktueller unter der Sohle spürt und der Druck auf eine weniger große Fläche verteilt wird, als bei anderen Schuhen. Ich finde das aber sehr angenehm, da dieses Feedback und diese spürbare Verbindung zum Untergrund für mich neben den gesundheitlichen Aspekten den Reiz des Barfußlaufens ausmachen. Beachtlich fand ich, daß ich keine Kieselsteine oder anderes Material zwischen die Sandale und die Fußsohle bekam, was ich eigentlich erwartet hatte und als Vorteil eines geschlossenen Laufschuhs angesehen habe.

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Die Sohle hat auf den griffigen Belägen der Straße und auch auf Waldwegen einen ordentlichen Grip, beim Bergauflauf quer durch den Wald wurde es aber etwas rutschig – aber dafür ist das Modell ja auch nicht ausgelegt und ein Trailmodell hätte sich hier besser gemacht. Das ATS (All-Terrain-Strapping) überrascht bei den Testläufen, da man mit dem Gurtssystem überraschend viel Stabilität in der Sandale erreicht.

Nachdem ich die ersten Kilometer noch moderat unterwegs war, hatte ich dann weiter beschleunigt und war überrascht, wie gut man in der Barfußsandale um die Kurven kommt. Der Fuß sitzt fest auf der Sohle und man bleibt gut geschützt an der Fußsohle. Lediglich bei steileren Berganpassagen berührten die Zehen etwas mehr den Zehentrenngurt, so daß ich dann erstmals wirklich aktiv das Schnürsystem spürte. Sonst hatte ich eigentlich erwartet, daß die Gurte auf der Fußoberseite reiben könnten, war aber überrascht wie unproblematisch das funktionierte. Ob ich damit wirklich einen Marathon laufen würde, kann ich nach meinen bisherigen Tests noch nicht sagen, aber einen schnellen Zehner oder Trainingsläufe bis zum Halbmarathon würde ich damit auf jeden Fall laufen.

Erstaunlich war auch das Thema Temperatur. Wie gesagt haben wir Mitte Oktober und 8 Grad Außentemperatur und ich war mit kurzen Hosen, Sandalen und einem langen Under Armour-Laufshirt mit Thr33ky-Singlet darüber unterwegs. An den Händen war mit schon relativ kühl und ich sollte in Zukunft doch mal Handschuhe einstecken. Meine Knie waren nur mittelwarm, aber so daß ich es nicht als störend empfand und sie eigentlich gar nicht gemerkt habe. Meine Füße hingegen waren richtig warm, wobei die Zehen etwas kühler sind als der Mittelfuß, dem es wegen der vielen Laufarbeit ordentlich warm war. Wer also so wie ich im Vorfeld sorgen vor kalten Füßen hat, kann komplett beruhigt sein. Wie gesagt habe ich wirklich kalte Hände gehabt, so daß es schon leicht unangenehm war, aber meine Knie und Füße waren temperaturmäßig absolut im grünen Bereich. Ich werde die Luna Sandals daher auch noch weiter laufen und wenn es im Winter nicht zu rutschig ist, würde ich die wahnsinnig gern auch im Schnee ausprobieren.

Als Fazit kann ich sagen, daß meine Erwartungen deutlich übertroffen wurden. Die Luna Sandals bieten deutlich mehr Halt als erwartet, motivieren zusätzlich zu einem natürlichen, sauberen Laufstil und bieten ein tolles Barfuß-Laufgefühl und durch die verstärkte Bewegung im Fuß, friert man auch bei herbstlichen Temperaturen nicht in den Sandalen.

Wie immer an dieser Stelle aber noch der Hinweis, daß Natural Running oder Barefoot-Produkte nur für geübte Läufer mit Normalgewicht zu empfehlen sind oder zumindest ein behutsames, phasenweises Training im Wechsel mit gedämpften Schuhen benötigen, um Gelenkschäden und andere Probleme und Verletzungen zu vermeiden. Luna Sandals gibt es aber auch als Freizeit-Variante für den Alltag oder in stärker gedämpften Ausführungen mit bis zu 13mm Sohlenstärke. Alle Infos dazu gibt es direkt bei Luna Sandals.

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