Garmin baut sein Sport-Ökosystem weiter aus und setzt ein deutliches Zeichen im Wettbewerb mit Strava. Das Unternehmen hat bekanntgegeben, die beiden Trainingsplattformen TrainingPeaks und TrainHeroic zu übernehmen. Damit stärkt Garmin nicht nur sein Angebot für Freizeit- und Leistungssportler, sondern positioniert sich noch stärker als Komplettanbieter für Training, Coaching und Leistungsanalyse. Finanzielle Details der Übernahme wurden nicht veröffentlicht. Die Integration soll das Garmin-Ökosystem insbesondere im Bereich professionelles Coaching erweitern.
Was ist TrainingPeaks?
TrainingPeaks gehört seit vielen Jahren zu den wichtigsten Plattformen für ambitionierte Ausdauerathleten. Besonders im Laufsport, Triathlon und Radsport ist die Software weit verbreitet.
Der große Unterschied zu klassischen Trainings-Apps: TrainingPeaks richtet sich nicht nur an Sportler, sondern vor allem an Trainer. Professionelle Coaches erstellen dort individuelle Trainingspläne, analysieren absolvierte Einheiten und passen das Training anhand von Leistungsdaten kontinuierlich an. Millionen von Sportlern synchronisieren ihre Garmin-, Polar-, COROS-, Suunto- oder Wahoo-Daten automatisch mit TrainingPeaks und erhalten anschließend persönliches Feedback ihres Trainers.
Für viele Marathonläufer, Ironman-Athleten oder leistungsorientierte Radfahrer ist TrainingPeaks heute der Standard, wenn sie mit einem persönlichen Coach zusammenarbeiten. Auch mein Trainer, Piet Könnicke, erstellt mir meine Trainingspläne mit TrainingPeaks.
Garmin schließt eine wichtige Lücke
Garmin bietet bereits seit Jahren eigene Trainingsprogramme an. Mit dem Garmin Run Coach erhalten Läufer adaptive Trainingspläne für Distanzen vom 5-Kilometer-Lauf bis zum Marathon. Für Radfahrer steht der Garmin Cycling Coach zur Verfügung, der ebenfalls individuelle Trainingspläne direkt auf kompatible Fahrradcomputer und Sportuhren überträgt.
Diese Funktionen richten sich jedoch hauptsächlich an Sportler, die ohne persönlichen Trainer trainieren.
Durch die Übernahme von TrainingPeaks erweitert Garmin sein Portfolio nun erheblich. Neben den automatisierten Garmin-Coaches verfügt das Unternehmen künftig auch über eine Plattform, auf der Athleten direkt von professionellen Trainern betreut werden können. Damit deckt Garmin künftig nahezu alle Leistungsstufen ab – vom Laufeinsteiger bis zum Elite-Ausdauersportler.
Garmin selbst bezeichnet die Übernahme als Ausbau seines Fitness-Ökosystems mit stärker personalisierten Coaching-Erlebnissen für Ausdauer-, Kraft- und leistungsorientierte Sportler.

Strava machte den ersten Schritt mit Runna
Die Übernahme erinnert stark an die Strategie von Strava.
Strava hatte bereits 2025 die britische Coaching-App Runna übernommen. Runna erstellt adaptive Trainingspläne für 5 km, 10 km, Halbmarathon und Marathon und zählt inzwischen zu den beliebtesten digitalen Lauf-Coaches weltweit. Ziel der Übernahme war es, Strava von der reinen Lauf-App zu einer Plattform mit integriertem Coaching-Angebot weiterzuentwickeln. Runna wird zwar weiterhin als eigenständige App betrieben, die Verzahnung mit Strava wird jedoch kontinuierlich ausgebaut.
Während Strava damit vor allem Freizeit- und ambitionierte Läufer anspricht, geht Garmin nun einen Schritt weiter. Mit TrainingPeaks erhält Garmin Zugang zu einem etablierten Netzwerk professioneller Trainer sowie einer Plattform, die seit Jahrzehnten im Leistungs- und Spitzensport eingesetzt wird.
Garmin gegen Strava: Zwei unterschiedliche Strategien
Der Wettbewerb zwischen Garmin und Strava entwickelt sich zunehmend zu einem Duell kompletter Trainingsplattformen.
Strava setzt auf:
- soziale Community
- Trainingsdokumentation
- KI-gestützte Auswertungen
- Runna als digitales Laufcoaching
Garmin bietet künftig:
- Garmin Run Coach
- Garmin Cycling Coach
- Garmin Connect
- TrainingPeaks für professionelles Coaching
- TrainHeroic für Krafttraining und Athletik
Damit besitzt Garmin künftig sowohl eigene adaptive Trainingsprogramme als auch eine Plattform für individuelles Coaching durch erfahrene Trainer und damit eine Kombination, die derzeit kaum ein anderer Anbieter in dieser Form anbieten kann.
KI verändert den Markt für Trainings-Apps
Doch während Garmin und Strava ihre Plattformen durch Übernahmen stärken, entsteht gleichzeitig ein völlig neuer Wettbewerber: Künstliche Intelligenz.
Immer mehr Sportler erstellen sich ihre Trainingspläne inzwischen mit KI-Systemen wie ChatGPT oder Claude. Wer einige Informationen zu seinem Leistungsstand, seinen Wettkampfzielen und seinem Trainingsumfang eingibt, erhält innerhalb weniger Sekunden einen individuell zugeschnittenen Trainingsplan – häufig kostenlos.
Auch die Analyse von Trainingsdaten entwickelt sich rasant. Schon heute können Sportler ihre exportierten Strava-Daten oder Trainingshistorien aus Garmin Connect mit ChatGPT oder Claude auswerten lassen und dafür den MCT Connector von Strava nutzen. Die KI erkennt Belastungsmuster, analysiert Fortschritte, identifiziert mögliche Schwächen und kann Vorschläge für Regeneration oder zukünftige Trainingseinheiten liefern.
Damit entsteht erstmals ernsthafte Konkurrenz für klassische Trainings-Apps. Viele Funktionen, für die bislang kostenpflichtige Coaching-Plattformen notwendig waren, lassen sich inzwischen mit modernen KI-Systemen zumindest teilweise abbilden.
Die Zukunft dürfte hybrid werden
Die Übernahme von TrainingPeaks zeigt, dass Garmin weiterhin auf professionelle Trainer und wissenschaftlich fundiertes Coaching setzt. Gleichzeitig wird Künstliche Intelligenz in den kommenden Jahren eine immer größere Rolle bei Trainingsplanung und Leistungsanalyse spielen.
Wahrscheinlich wird sich der Markt deshalb in Richtung hybrider Lösungen entwickeln: KI übernimmt die schnelle Analyse großer Datenmengen und erstellt erste Trainingsvorschläge, während erfahrene Trainer diese Pläne individuell anpassen und ihre sportwissenschaftliche Erfahrung einbringen.
Mit der Übernahme von TrainingPeaks verschafft sich Garmin dafür eine ausgezeichnete Ausgangsposition. Während Strava den Einstieg in das digitale Coaching über Runna gewählt hat, verbindet Garmin künftig seine umfangreichen Trainingsdaten direkt mit einer der weltweit renommiertesten Coaching-Plattformen für Ausdauersportler. Der Wettbewerb um die digitale Trainingszukunft dürfte damit erst richtig beginnen.














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