Von Oktober bis März ist es um 18 Uhr dunkel. Tempoläufe, Intervalle, Lauftreff, Vereinstraining: Ein großer Teil unserer Trainingswoche findet in dieser Zeit unter Flutlicht statt. Und jeder, der regelmäßig abends auf einem Sportplatz unterwegs ist, kennt den Unterschied zwischen einem Platz, auf dem man sich sicher fühlt, und einem, auf dem man in der Kurve plötzlich ins Dunkle läuft.
Licht ist beim Training deshalb mehr als Komfort. Es entscheidet darüber, wie gut du Bahnmarkierungen, Bodenwellen und andere Sportler erkennst, wie schnell deine Augen ermüden und wie sicher eine ganze Trainingsgruppe unterwegs ist.
Gleichzeitig stehen viele Vereine und Kommunen vor einer wichtigen Entscheidung. Die Flutlichtanlagen aus den 1990er und 2000er Jahren sind teuer im Betrieb und liefern oft nicht mehr das Licht, für das sie einmal geplant wurden. Eine moderne LED Sportplatzbeleuchtung senkt den Stromverbrauch deutlich und verbessert gleichzeitig die Lichtqualität auf dem Platz.
In diesem Ratgeber erfährst du:
- was dein Auge bei Flutlicht leisten muss und warum gleichmäßiges Licht wichtiger ist als möglichst helles,
- welche Kennwerte gutes Licht ausmachen und welche Werte die Norm für deinen Sport vorsieht,
- wie du mit einem einfachen Praxistest erkennst, ob das Licht auf deinem Platz gut ist,
- wie du unter Flutlicht sicherer trainierst und
- wie du das Thema Umrüstung in deinem Verein anstoßen kannst.
Was dein Auge bei Flutlicht leisten muss
Tagsüber sieht dein Auge mit den Zapfen, die für scharfes Sehen und Farben zuständig sind. Wird es dunkler, übernehmen zunehmend die Stäbchen. Sie sind lichtempfindlicher, liefern aber ein unschärferes Bild mit weniger Kontrast. Unter Flutlicht arbeitet dein Auge oft im Übergangsbereich zwischen beiden Systemen.
Daraus ergeben sich drei Dinge, die für dein Training wichtig sind:
- Dein Auge braucht Zeit. Die vollständige Anpassung an Dunkelheit dauert rund 20 bis 30 Minuten. Wer vom hell beleuchteten Parkplatz direkt auf eine dunkle Bahn läuft, sieht in den ersten Minuten schlechter.
- Wechsel zwischen hell und dunkel ermüdet. Läufst du ständig durch helle Zonen unter den Masten und dunkle Zonen dazwischen, muss sich dein Auge laufend neu einstellen. Hindernisse in den dunklen Bereichen erkennst du später.
- Blendung kostet Sehleistung. Schaust du in einen hellen Strahler, sinkt für einige Sekunden deine Fähigkeit, Kontraste wahrzunehmen. Bei einem Ball, der auf dich zufliegt, oder in einer engen Kurve reicht das für einen Fehltritt.
Die wichtigste Erkenntnis daraus: Gutes Licht ist nicht in erster Linie besonders hell, sondern gleichmäßig verteilt und blendfrei.
Die vier Kennwerte für gutes Licht auf dem Platz
In jeder Lichtplanung tauchen dieselben Kennwerte auf. Wer sie kennt, kann Angebote und Anlagen deutlich besser einschätzen.
1. Beleuchtungsstärke in Lux Lux gibt an, wie viel Licht auf einer Fläche ankommt. Eine Wohnstraße ist nachts meist mit 5 bis 15 Lux beleuchtet, ein Fußballplatz im Training mit mindestens 75 Lux. Entscheidend ist immer der Mittelwert über die gesamte Spielfläche und nicht der hellste Punkt direkt unter dem Mast.
2. Gleichmäßigkeit (U0) Die Gleichmäßigkeit beschreibt das Verhältnis zwischen der dunkelsten Stelle und dem Mittelwert. Ein U0 von 0,5 bedeutet, dass die dunkelste Stelle noch halb so hell ist wie der Durchschnitt. Je höher der Wert, desto weniger muss sich dein Auge umstellen.
3. Blendung (GR) Für Außensportanlagen begrenzt die Norm die Blendung über den Kennwert GR. Je niedriger er ist, desto angenehmer ist das Licht. Erreicht wird ein guter Wert durch ausreichend hohe Masten, flache Neigungswinkel und Strahler mit präziser Optik.
4. Farbwiedergabe und Flimmerfreiheit Der Farbwiedergabeindex Ra zeigt, wie natürlich Farben unter dem Licht wirken. Trikotfarben, Linien und Spielgeräte lassen sich mit hohem Ra besser unterscheiden. Hochwertige LED Strahler arbeiten außerdem flimmerfrei. Das schont die Augen und sorgt dafür, dass Videoanalysen mit dem Smartphone keine Streifen zeigen.
Welche Werte die Norm für deinen Sport vorsieht
Wie hell eine Sportanlage sein muss, regelt in Europa die DIN EN 12193 „Sportstättenbeleuchtung“. Sie unterscheidet drei Beleuchtungsklassen:
- Klasse III: Training, Freizeit- und Schulsport sowie unterklassiger Spielbetrieb. In diese Klasse fallen die meisten Vereinsplätze.
- Klasse II: Wettkämpfe auf regionaler Ebene und Leistungstraining.
- Klasse I: Spitzenwettkämpfe auf nationaler und internationaler Ebene.
Grundsätzlich gilt: Je schneller der Ball und je kleiner das Spielgerät, desto mehr Licht ist nötig. Die Mittelwerte der horizontalen Beleuchtungsstärke im Überblick:
| Sportart | Klasse III | Klasse II | Klasse I |
| Fußball | 75 lx | 200 lx | 500 lx |
| Tennis | 200 lx | 300 lx | 500 lx |
| Hockey | 200 lx | 200 lx | 500 lx |
| Leichtathletik | 100 lx | 200 lx | 500 lx |
| Reitsport | 100 lx | 200 lx | 500 lx |
| Boule und Boccia | 50 lx | 100 lx | 200 lx |
Was das für Läufer bedeutet: Für das Bahntraining in der Leichtathletik sieht die Norm 100 Lux vor. Viele Vereine haben aber einen Fußballplatz mit umlaufender Bahn, dessen Licht nur auf 75 Lux für das Spielfeld ausgelegt ist. Da die Strahler auf das Feld zielen, liegen gerade die Kurven der Laufbahn oft deutlich darunter.
Sportarten ohne eigene Normwerte: Padel und Beachvolleyball sind in der DIN EN 12193 nicht eigens geregelt. Planer orientieren sich hier an Verbandsempfehlungen, meist zwischen 200 und 500 Lux. Multifunktionsflächen, auf denen Bootcamps oder Hyrox-Training stattfinden, sollten nach der anspruchsvollsten geplanten Nutzung ausgelegt werden.
Der Praxistest: So erkennst du gutes Licht auf deinem Platz
Ein Luxmeter brauchst du für einen ersten Eindruck nicht. Mit diesen sechs Beobachtungen kannst du die Lichtqualität auf deinem Trainingsplatz selbst einschätzen:
- Schatten beobachten: Stell dich in die Mitte des Platzes. Mehrere weiche Schatten in verschiedene Richtungen sind ein gutes Zeichen, denn das Licht kommt von mehreren Seiten. Ein einzelner harter Schatten deutet auf ungleichmäßige Ausleuchtung hin.
- Dunkle Zonen suchen: Lauf eine Runde und achte auf Bereiche, in denen du langsamer wirst oder genauer auf den Boden schaust. Typische Schwachstellen sind Kurven, Ecken und Bereiche zwischen zwei Masten.
- Blendung prüfen: Schau aus typischer Spielrichtung oder aus der Kurve in Richtung der Masten. Wenn du die Augen zusammenkneifen musst, ist die Blendung zu hoch.
- Einschaltzeit messen: Braucht das Licht nach dem Einschalten mehrere Minuten, bis es hell ist, handelt es sich fast immer um alte Halogen-Metalldampflampen (HQI).
- Lichtfarbe vergleichen: Leuchten einzelne Strahler gelblicher, rötlicher oder dunkler als andere, sind die Lampen gealtert. Das Licht auf dem Platz ist dann meist deutlich schwächer als bei der Planung.
- Flimmern sichtbar machen: Filme einen Strahler mit der Zeitlupenfunktion deines Smartphones. Laufen dunkle Streifen durchs Bild, flimmert das Licht.
Fallen dir mehrere dieser Punkte auf, lohnt sich ein Gespräch mit dem Vorstand oder dem Platzwart.
Sicher trainieren unter Flutlicht: Tipps für Läufer und Gruppen
Auch auf einem gut beleuchteten Platz kannst du einiges tun, um sicherer und entspannter zu trainieren:
- Gib deinen Augen Zeit: Nutze die ersten 10 bis 15 Minuten für ein lockeres Einlaufen. So passen sich deine Augen an, bevor du schnell wirst. Gerade lockere Einheiten im Zone-2-Training eignen sich gut als Einstieg in den Abend.
- Lege Tempoabschnitte auf die hellen Geraden: Wenn die Kurven dunkler sind, plane deine schnellen Abschnitte auf den gut ausgeleuchteten Geraden und nutze die Kurven zum Traben.
- Schalte die Stirnlampe aus: Auf der Bahn blendet eine Stirnlampe vor allem entgegenkommende Läufer. Auf dem Weg zum Platz und zurück bleibt sie dagegen wichtig.
- Trage reflektierende Kleidung: Auf Wegen außerhalb des Platzes wirst du so deutlich früher gesehen.
- Achte auf deine Pace: Im Dunkeln fühlt sich Tempo oft schneller an, als es ist. Eine Laufuhr hilft dir, deine Pace pro Kilometer realistisch einzuschätzen.
- Sprich dich in der Gruppe ab: Klare Laufrichtung, feste Bahnen für schnelle und langsame Läufer und Rücksicht beim Überholen sind unter Flutlicht noch wichtiger als tagsüber.
Warum immer mehr Vereine auf LED umstellen
Die meisten älteren Anlagen arbeiten mit Halogen-Metalldampflampen. Sie verbrauchen viel Strom, brauchen nach dem Einschalten mehrere Minuten bis zur vollen Helligkeit und verlieren über die Jahre spürbar an Licht. Moderne LED Strahler bieten hier gleich mehrere Vorteile:
- Deutlich weniger Stromverbrauch: Gegenüber HQI sinkt der Verbrauch typischerweise um 50 bis 70 Prozent. Der SV Eiche Reichenbrand spart nach der Umstellung laut Bundesumweltministerium rund 72 Prozent Strom.
- Sofort volles Licht: Das Licht kann exakt zu Trainingsbeginn eingeschaltet und direkt danach wieder ausgeschaltet werden.
- Dimmbar: Aufwärmen, Training und Spielbetrieb lassen sich mit unterschiedlichen Lichtstufen abdecken. Auch einzelne Platzhälften können getrennt geschaltet werden.
- Lange Lebensdauer: Hochwertige LED Strahler sind auf 50.000 Betriebsstunden und mehr ausgelegt. Teure Einsätze mit dem Hubsteiger für Lampenwechsel entfallen über viele Jahre.
- Präzise Lichtlenkung: Das Licht landet auf dem Platz und deutlich weniger in der Nachbarschaft oder am Himmel.
Qualität zahlt sich aus: Ein Strahler in 15 bis 18 Metern Höhe ist Regen, Frost und Hitze ausgesetzt und soll trotzdem 20 Jahre zuverlässig arbeiten. Entscheidend sind deshalb hochwertige Treiber und LED Chips namhafter Hersteller, eine hohe Schutzart wie IP66, ein robustes Aluminiumgehäuse und eine lange Herstellergarantie. Jeder vorzeitige Ausfall bedeutet sonst einen Einsatz am Mast, der schnell mehrere hundert Euro kostet.
So stößt du das Thema in deinem Verein an
Auch als Mitglied kannst du viel bewegen. Diese fünf Schritte helfen dir, das Thema sachlich und gut vorbereitet einzubringen:
- Zuständigkeit klären: Gehört der Platz dem Verein oder der Kommune? Davon hängt ab, wer entscheidet und wer Förderung beantragt.
- Bestand erfassen: Anzahl und Höhe der Masten, Alter der Anlage, jährliche Flutlichtstunden und aktuelle Stromkosten sind die wichtigsten Eckdaten.
- Lichtberechnung anfragen: Eine Simulation mit Software wie DIALux zeigt, mit welchen Strahlern welche Werte erreicht werden. Viele Hersteller erstellen sie kostenfrei. Sie ist zugleich die Grundlage für Förderanträge und einen fairen Angebotsvergleich.
- Förderung prüfen: Über die Kommunalrichtlinie der Nationalen Klimaschutzinitiative sind Kommunen und Sportvereine antragsberechtigt. Die Förderquote für Außen-, Hallen- und Flutlichtbeleuchtung liegt bei 25 Prozent, finanzschwache Kommunen erhalten bis zu 40 Prozent (Bundesumweltministerium, Mai 2026). Hinzu kommen häufig Programme der Länder und Landessportbünde. Wichtig: Der Antrag muss in der Regel vor der Auftragsvergabe gestellt werden.
- Nachbarn und Natur einbeziehen: Für Lichtimmissionen orientieren sich die Bundesländer an den Hinweisen der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Immissionsschutz (LAI). Zusätzlich verpflichtet das Bundesnaturschutzgesetz seit 2021 dazu, Insekten vor unnötigem Kunstlicht zu schützen. Präzise Optiken und feste Abschaltzeiten helfen, beides einzuhalten.
Checkliste für Vorstand und Platzwart
- Welche Sportarten und Beleuchtungsklassen soll der Platz in den nächsten Jahren abdecken?
- Wie viele Flutlichtstunden fallen pro Jahr an und was kostet der Strom heute?
- Sind Masten und Fundamente statisch für neue Strahler geeignet?
- Liegt eine Lichtberechnung mit Beleuchtungsstärke, Gleichmäßigkeit und Blendung vor?
- Sind die Strahler dimmbar, flimmerfrei und mit Schutzart IP66 ausgeführt?
- Wie lange gilt die Herstellergarantie?
- Welche Förderprogramme von Bund, Land und Kommune kommen infrage und wann enden die Fristen?
- Wurden Anwohner und Naturschutz frühzeitig berücksichtigt?
Häufige Fragen
Wie viel Lux braucht ein Sportplatz für das Training?
Das hängt von der Sportart ab. Für Fußballtraining sieht die DIN EN 12193 mindestens 75 Lux vor, für Leichtathletik 100 Lux und für Tennis 200 Lux.
Reicht das Licht für Fußball auch für das Lauftraining?
Auf dem Spielfeld meistens ja. Auf der Laufbahn und besonders in den Kurven ist es jedoch oft dunkler, weil die Strahler auf das Feld ausgerichtet sind. Bei einer Neuplanung kann die Bahn gezielt mit einbezogen werden.
Wie viel Strom spart eine Umrüstung auf LED?
Typisch sind 50 bis 70 Prozent gegenüber HQI-Anlagen. Mit Dimmung und getrennt schaltbaren Bereichen ist oft noch mehr möglich.
Können die vorhandenen Masten weiter genutzt werden?
In vielen Fällen ja. Voraussetzung ist, dass Statik, Fundament und Masthöhe zu den neuen Strahlern und zur gewünschten Lichtverteilung passen. Das sollte vorab fachlich geprüft werden.
Welche Lichtfarbe eignet sich für Sportplätze?
Bewährt hat sich neutralweißes Licht mit rund 4.000 Kelvin. Es sorgt für gute Kontraste und wirkt angenehmer als sehr kaltes Licht.
Fazit: Gutes Licht macht Training im Winter besser und sicherer
Flutlicht entscheidet darüber, wie sicher und wie gut wir in der dunklen Jahreszeit trainieren können. Gleichmäßiges, blendfreies Licht schont die Augen, beugt Fehltritten vor und macht Trainingsgruppen sicherer. Für Vereine bietet die Umstellung auf LED die Chance, die Lichtqualität zu verbessern und gleichzeitig dauerhaft Stromkosten zu sparen. Mit der aktuellen Förderung des Bundes ist jetzt ein guter Zeitpunkt, die eigene Anlage auf den Prüfstand zu stellen.













Keine Kommentare