Es gibt Laufbücher, die motivieren. Und es gibt Laufbücher, die noch Tage später im Kopf bleiben. HOMERUN von Savas Coban gehört klar zur zweiten Kategorie.
Denn obwohl die nackten Zahlen spektakulär sind – 80 Ultramarathons in 80 Tagen, rund 5.000 Kilometer einmal rund um die Türkei – liegt die eigentliche Stärke des Buchs nicht im Extremsport. Viel spannender ist die Frage, warum jemand so etwas überhaupt macht.
Coban erzählt nicht nur von Schmerzen, Erschöpfung und Grenzerfahrungen. Er beschreibt eine Reise zu seinen familiären Wurzeln, zu seiner Identität und zu den Menschen entlang der Strecke. Gerade dadurch hebt sich HOMERUN angenehm von vielen klassischen Motivations- oder Extremsportbüchern ab.
Wer selbst läuft, egal ob 5 Kilometer oder Ultramarathon, wird sich in vielen Momenten wiederfinden.
Bereits in unserem Überblick über die besten Laufbücher für Marathon und Motivation zeigte sich, dass die stärksten Laufgeschichten oft weniger über Sport als über Menschen erzählen.
Warum HOMERUN mehr ist als ein Ultramarathon-Buch
Viele Bücher über Extremsport folgen inzwischen einem bekannten Muster:
Mehr Kilometer. Mehr Leiden. Mehr Selbstoptimierung.
HOMERUN funktioniert anders.
Natürlich geht es auch hier um körperliche Grenzerfahrungen. Coban beschreibt eindrucksvoll, wie sich tägliche Ultramarathons über Wochen auf Knie, Schlaf, Ernährung und Psyche auswirken. Doch das Buch bleibt nie bei bloßer Härte stehen. Im Mittelpunkt stehen Begegnungen mit Menschen, spontane Hilfsbereitschaft, Gastfreundschaft und das Gefühl, zwischen zwei Kulturen zu leben. Gerade diese Mischung macht das Buch überraschend emotional.
HOMERUN von Savas Coban ist kein klassisches Sportbuch. Statt Selbstoptimierung und Leistungsdruck verbindet das Buch Ultramarathon, Identitätssuche und persönliche Grenzerfahrungen zu einer der emotionalsten Laufgeschichten der letzten Jahre.

Was Hobbyläufer aus dem Buch lernen können
Die meisten Leser werden vermutlich niemals 80 Ultramarathons in Folge laufen. Müssen sie auch nicht.
Denn die interessantesten Erkenntnisse aus HOMERUN lassen sich erstaunlich gut auf normales Lauftraining übertragen.
1. Mentale Stärke entsteht nicht durch Motivation
Eine der stärksten Botschaften des Buchs: Disziplin schlägt Motivation. Coban beschreibt immer wieder Momente völliger Erschöpfung. Tage, an denen der Körper eigentlich nicht mehr weiterlaufen will. Entscheidend ist dabei nicht Euphorie.Sondern Routine.
Das deckt sich auch mit Erfahrungen vieler Marathonläufer: Die besten Trainingseinheiten sind oft nicht die motiviertesten, sondern die konsequent durchgezogenen. Wer langfristig laufen will, braucht keine perfekte Motivation, sondern Systeme.
Passend dazu helfen oft kleine mentale Tricks, wie wir sie bereits in unseren Tipps für mehr Motivation beim Lauftrainingbeschrieben haben.
2. Ultramarathon bedeutet vor allem Problemlösen
Viele Menschen stellen sich Ultralaufen als heroisches Dauerfeuer vor. Die Realität ist deutlich pragmatischer.
Essen. Schlafen. Tempo kontrollieren. Schmerzen managen. Weitergehen.
Genau das beschreibt Coban sehr authentisch. Das Buch entmystifiziert den Extremsport angenehm. Ultraläufer wirken hier nicht wie Superhelden, sondern wie Menschen, die gelernt haben, mit Problemen ruhig umzugehen. Das macht HOMERUN glaubwürdig.
Die eigentliche Stärke des Buchs: Die Begegnungen
Die emotional stärksten Kapitel handeln nicht vom Laufen. Sondern von den Menschen entlang der Strecke. Fischer. Restaurantbesitzer. Familien. Straßenhändler.
Immer wieder beschreibt Coban die enorme Gastfreundschaft, die ihm während seiner Türkei-Umrundung begegnet.Dadurch entsteht etwas, das vielen modernen Laufbüchern fehlt: Wärme.
Die Geschichte fühlt sich nie wie reine Selbstinszenierung an. Stattdessen entsteht ein Reisebericht, der gleichzeitig Sportbuch, Kulturerzählung und persönliche Suche nach Zugehörigkeit ist. Gerade die deutsch-türkische Perspektive verleiht dem Buch zusätzliche Tiefe.
Wie brutal sind eigentlich 80 Ultramarathons in 80 Tagen?
Die Zahlen wirken fast absurd. Ein Ultramarathon beginnt offiziell oberhalb der klassischen Marathon-Distanz von 42,195 Kilometern.
80 Tage hintereinander bedeutet also:
- permanente Muskelermüdung
- chronischer Schlafmangel
- hohe orthopädische Belastung
- extreme mentale Erschöpfung
- dauerhaft erhöhte Kalorienaufnahme
Viele Profisportler würden bereits nach wenigen Tagen ernsthafte Probleme bekommen. Gerade deshalb wirkt Cobans Projekt so beeindruckend. Nicht wegen eines einzelnen spektakulären Laufs. Sondern wegen der Konstanz.
80 Ultramarathons in 80 Tagen bedeuten vor allem dauerhafte Belastung statt einzelner Spitzenleistung. Die größte Herausforderung ist nicht Geschwindigkeit, sondern Regeneration, mentale Stabilität und tägliches Weiterlaufen trotz Erschöpfung.
Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, findet auch in unserem Guide zum Ultramarathon-Training und der richtigen Vorbereitung spannende Einblicke.
„HOMERUN“ überzeugt nicht nur als Extremsport-Erzählung, sondern als ehrliche Geschichte über mentale Stärke, Herkunft und persönliche Entwicklung. Gerade dadurch hebt sich das Buch deutlich von klassischen Motivationsbüchern ab.
Für wen lohnt sich HOMERUN?
Das Interessante: Man muss kein Ultraläufer sein, um dieses Buch zu mögen.
Besonders interessant ist HOMERUN für:
- Marathonläufer
- Trailrunner
- Menschen in mental herausfordernden Phasen
- Fans von Abenteuer- und Reisegeschichten
- Leser von David Goggins oder Jonas Deichmann
- Fans, die sich für die Challenges von Kim Allan und Arda Saatçi begeistern können
- Sportler, die Motivation ohne Kalenderspruch-Rhetorik suchen
- Weniger geeignet ist das Buch dagegen für Leser, die ein rein trainingswissenschaftliches Laufbuch erwarten. HOMERUN lebt von Emotion, Reflexion und Erlebnissen.
Sprachstil und Aufbau
Coban schreibt direkt, klar und ohne unnötige Dramatik. Gerade das funktioniert gut. Viele Extremsportbücher neigen dazu, jede Krise maximal aufzublasen. Hier wirkt vieles ehrlicher.
Besonders gelungen sind die Passagen über Schmerz, Zweifel und Einsamkeit. Sie wirken nie künstlich heroisch. Dadurch entsteht Nähe. Man glaubt dem Autor.
Unser Fazit zu HOMERUN
HOMERUN gehört zu den spannendsten Laufbüchern des Jahres. Nicht, weil es immer größer, härter oder extremer sein will. Sondern weil es zeigt, dass hinter großen sportlichen Projekten oft sehr persönliche Fragen stehen.
Wer nur nach Motivation sucht, bekommt sie hier definitiv.
Wer verstehen möchte, warum Menschen laufen, findet aber noch deutlich mehr.
Das Buch verbindet Ultramarathon, Identität, Kultur und mentale Widerstandskraft auf eine Weise, die im deutschsprachigen Laufmarkt selten geworden ist.
Und genau deshalb bleibt HOMERUN lange im Kopf.
Letzte Aktualisierung am 9.06.2026 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API















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