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Bungee Jumping aus 94 Meter Höhe & Valley Swing durch das Tal. Meine Erfahrungen aus Tirol.

Spinge ich oder nicht? Das war eigentlich schon die gesamte Zeit die Hauptfrage, als ich mich dem Gedanken näherte, auch mal Bungee Jumping als Teil meines Outdoor Action Urlaubs in Imst in Tirol auszuprobieren. Denn innerhalb des Erlebnispaketes der Outdoor Community Card war auch ein Bungee Jumping Sprung enthalten. Und nicht irgendeiner, sondern ein Bungee Jump von der Benni-Raich-Brücke aus über 94 Metern Höhe.

Aber während ich so über die Idee grübelte, hörte ich auch vom Valley Swing, der ebenfalls an der gleichen Location möglich ist. Im Gegensatz zum Bungee Jumping, wo man ja eher auf dem direkten Weg vertikal in die Tiefe springt, schwingt man beim Valley Swing, wie bei einer Schaukel durch das Tal. Trotzdem beginnt auch dieses Erlebnis mit 45m freiem Fall, bis der Effekt der Riesenschaukel eintritt.

Meine Erfahrungen vom Valley Swing in Tirol

Wenig überraschend hatte ich die Nacht nicht so optimal geschlafen und war nun an einem herrlichen Sommermorgen mit einem Red Bull in der Hand auf dem Weg zur Benni-Raich-Brücke, die sich knapp 30 Minuten von Imst entfernt, malerisch über ein Tal spannt.
Es handelt sich dabei um eine relativ schmale Hängebrücke, die sich mit 137 Metern über das wunderschöne Tal legt und auch ohne einen Bungee Jumping Termin einen Besuch Wert ist. Direkt am Brückenanfang liegt auch ein kleines Kaffee, von wo es sicher Spaß macht, den Blick auf die Brücke und das Tal, aber auch das Springergeschehen ein wenig zu beobachten. Nur war ich nicht für Kaffee und Kuchen hier, sondern für den Valley Swing.

Jedenfalls sorgte die friedliche Morgenstimmung dafür, daß ich zumindest oberflächlich relativ entspannt war – über die tiefe innerliche Anspannung konnte natürlich auch dieser Blick nicht hinweghelfen. Aber die Crew der Area47, die dort die Sprünge organisierten, machte einen guten Job für eine lockere Atmosphäre zu sorgen und führte auch erstmal einen Testsprung durch, da wir ja die ersten Springer des Tages waren.
Damit bekam ich auch das erste mal einen ungefähren Eindruck in den weiteren Ablauf. Und merkwürdiger Weise sorgte das, aber auch die Blicke ins tiefe Tal für keine weitere Anspannung.

Also erledigten wir noch schnell ein paar Unterschriften, ich checkte meine Outdoor Community Card am Lesegerät ein und meldete mich als Erster für den Valley Swing. Denn irgendwie wollte ich es auch einfach hinter mich bringen, um diese sich seit Stunden steigernde Anspannung mit einer Entscheidung aufzulösen.

Nun ging es ans Anlegen der Ausrüstung und wir gingen noch einmal den Ablauf durch, auch wie man nach dem Sprung wieder nach oben befördert werden würde. Ich hatte mir als Strategie überlegt, möglichst nicht ins Tal zu schauen, sondern möglichst konstant in Richtung der Brücke oder anderer fester Elemente, um dann zu springen, bevor der Gedankenapparat richtig aktiv wird.


Und dann war es soweit. Ich kletterte über das Brückengeländer auf ein kleines Podest und schaute aber weiterhin in Richtung Brücke und der anderen. Ein mulmiges Gefühl, aber nicht kritisch. Aber dann kam der kritische Moment. Kurz vor dem Sprung musste ich mich noch einmal zur Seite umdrehen, damit die letzten Seile eingeklickt werden und die Sicherung gelöst werden konnten. Ich schaute auf die Seile an meiner Sicherung und in das 94 Meter tiefe Tal darunter und anstatt, wie geplant einfach den Schritt über die Kante zu gehen, begann ich zu fragen, wohin ich meine Hände beim Sprung tun sollte, und merkte sofort, daß ich den magischen Moment verpasst hatte. Mein Gehirn drehte auf Hochtouren durch: was, wann, wie, wer, warum – es war vorbei!

Mein Kopf hatte gemerkt, was ich vorhatte und der natürliche Überlebensreflex, der einen davon abbringt von einer fast 100 Meter hohen Brücke zu springen, war aktiviert und hatte die Kontrolle übernommen. Dagegen konnte mein Wille jetzt nichts mehr ausrichten. Noch ein paar mal tief durchatmen, sammeln – aber nein – es war zu spät!
Also erledigte ich den schmachvollen Gang als Nichtspringer zurück auf die Brücke, streifte das Gurtzeug ab und war gleichzeitig tief enttäuscht, aber auch erleichtert.

Wir schauten dann noch ein wenig den anderen zu, die offensichtlich ihre Hausarbeiten besser gemacht hatten, als ich. Denn rückblickend, habe ich das Thema “sich von einer Brücke stürzen” wohl doch etwas zu sehr auf die leichte Schulter genommen und mit mir selbst nicht vorher nicht vollständig geklärt. Ich denke, daß man nur einen Bungee-Jump buchen sollte, wenn man sich vorher sehr sicher ist, daß man das wirklich möchte und auch mit der festen Absicht zum Sprungtermin fährt, auch herunterzuspringen. Natürlich kann man sich dann immer noch umentscheiden, aber ich glaube, daß man vorher einmal den Moment visualisieren muss, wie man erfolgreich abgesprungen ist und glücklich unten angekommen ist – so wie man sich als Marathonläufer vor dem ersten Marathon auch den Moment vorstellt, über die Ziellinie zu kommen.

Ich hingegen war eher mit einem durchwachsenen Entschluss zum Termin gefahren und hatte das “ob ich springe oder nicht” viel zu offen gelassen. Auch die Willensfrage hatte ich einfach noch nicht geklärt, denn es war mir nicht wichtig genug, daß ich tatsächlich springe oder nicht. Jedenfalls war mir die ganze psychologische Dimension, die es benötigt, um die Urangst vor dem Sprung in die Tiefe zu überwinden, nicht so ganz bewusst. Sicher gibt es auch die Menschen, die so ein starkes Grundvertrauen haben, daß sie einfach springen, aber zu denen gehöre ich wohl eindeutig nicht.

Ob und wann ich einen neuen Versuch starte, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht einschätzen, da ich auch noch keine Antwort darauf habe, ob es mir wirklich wichtig ist, daß ich auch einen Bungee-Sprung hinbekomme. Warten wir es ab.

Fazit zu meinen Erfahrungen beim Bungee Jumping & Valley Swing

Obwohl es letztlich nicht zum Absprung gekommen ist, bleibt doch ein gutes Gefühl, daß sowohl die Architektur und die wunderschöne Naturlage in Verbindung mit dem netten und vertrauenswürdigen Team der Area 47, diesen Bungee Spot zu einem ganz Besonderen machen. Ich habe ja noch ein wenig die anderen Springer beobachten und das Leuchten in den Augen und die Begeisterung sehen können, als sie wieder zurück oben auf der Brücke waren. Insofern bin ich schon traurig, weil ich anscheinend ein wahnsinnig tolles Erlebnis verpasst habe – aber ich war noch nicht bereit.

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