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Frankfurt Marathon. Anmeldung, Erfahrungen live von der Strecke und die Ergebnisse

Der Frankfurt-Marathon gehört zu den absoluten Klassikern in Deutschland und ist mit fast 30.000 Teilnehmern auch der zweitgrößte Marathon-Event in Deutschland, nach dem Berlin-Marathon, der auch schon mehr als 40.000 Laufende auf der Strecke begrüßen konnte. Aber auch bei der Historie liegen beide Marathons auf einer ähnlichen Zeitschiene. Während der Berlin-Marathon sich aus einer Reihe von Volksläufen im Grunewald seit 1964 dann hin zum Wechsel als City-Marathon auf die Straßen der Innenstadt im Jahre 1981 entwickelt hat, beginnt die Historie des Frankfurt-Marathon direkt als City-Marathon. Ebenfalls 1981 gab die Lauflegende Emil Zatopek erstmals den Startschuss für die mehr als 3.000 TeilnehmerInnen des Hoechst-Marathon, der fortan als Frankfurt-Marathon weiter an Popularität gewann.

Trotzdem bezeichnet sich Frankfurt übrigens als ältesten, deutschen Stadtmarathon. Fakt ist, daß es sich eben um den zweitgrößten Marathon Deutschlands handelt, der über eine lange Tradition aus Rekorden und natürlich einem legendären Zieleinlauf über den roten Teppich der Festhalle verfügt.

Nach meinem Schnupperkurs von 2017, wo ich als Staffelläufer beim Frankfurt-Marathon in Ziel einlaufen durfte, hatte ich nun die Gelegenheit, die komplette Distanz in Angriff zu nehmen und berichte hier von meinen Erlebnissen und Erfahrungen vom Marathon-Wochenende in Frankfurt.

Termin, Anmeldung und Startplätze beim Frankfurt Marathon

Der Frankfurt-Marathon ist ein klassischer Herbstmarathon und findet immer Ende Oktober statt. Damit kann man mit dem Frankfurt-Marathon nicht nur seine Laufsaison krönen, sondern sogar die beiden großen, deutschen Marathons im Doppelpack laufen. Mit dem Berlin-Marathon der meist einen Monat zuvor stattfindet, hat man zumindest genügend Abstand zum regenerieren.

Die Anmeldung für den Frankfurt-Marathon startet meist gleich nach dem der aktuelle Marathon abgeschlossen ist und es gibt ein ganz normales Anmeldeverfahren, bis die Startplätze vergriffen und der Marathon ausgebucht ist. Eine Startplatzlotterie gibt es also nicht. Trotzdem sollte man aber nicht zu lange zögern mit seiner Anmeldung, da es immer sein kann, daß es doch einen unerwarteten Ansturm auf die Startplätze gibt. In diesem Jahr hingegen, konnte man sich auch noch spontan für den Marathon nachmelden. In diesem Fall kostet der Startplatz dann 150€, aber wer die erste Anmeldephase erwischt, ist noch für 95€ dabei.

Anreise und Hotel für den Frankfurt Marathon

Als Bankenhauptstadt und Messestadt ist Frankfurt bestens logistisch angebunden und sowohl per Auto, Zug oder Flugzeug leicht zu erreichen. Der Hauptbahnhof ist keine 2km vom Messegelände und dem Marathonstart entfernt und auch vom Flughafen ist man in 15-20 Minuten mit dem Taxi oder mit einem Hauch mehr Zeit auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln schnell in der Innenstadt.

Auch bei den Hotels gibt es eine entsprechend große Auswahl, wobei natürlich die Hotels zu empfehlen sind, die sich nur einen Steinwurf vom Start und Ziel entfernt befinden. Ich war beispielsweise im Frankfurt Marriot Hotel untergebracht, daß nur 650 Meter von der Messe und Start und Ziel entfernt ist. Mit seinen 44 Etagen bietet es mit etwas Glück auch einen genialen Blick auf die Stadt und das Marathongeschehen.

Natürlich gibt es auch ausreichend günstige Alternativen, etwas weiter vom Start entfernt, aber für mich war es ein toller Komfort, einfach direkt zum Start laufen und auch auf die Abgabe eines Kleiderbeutels verzichten zu können.

Am Marathontag gilt übrigens die Startnummer als kostenloses Kombiticket für alle Busse und Bahnen im gesamten RMV-Verbundnetz und ist damit perfekt für die Anreise zum Start, aber auch für die Abreise geeignet.

Die Strecke beim Frankfurt Marathon

Die Strecke des Frankfurt-Marathon ist extrem schnell und flach, weshalb sie sehr gut für Bestzeiten geeignet ist. Mit weniger als 30 Höhenmetern, die insgesamt auf den 42km zu überwinden sind, ist sie sogar noch flacher als die des Berlin-Marathons. Gestartet wird vor der Messe unter dem Hammering Man, dem gigantischen Kunstwerk von Jonathan Borofsky. Danach geht es für die ersten 12 Kilometer im Zick-Zack durch die Innenstadt, wobei es viele Streckenabschnitte gibt, wo die Läufer auf beiden Straßenseiten in entgegengesetzte Richtung laufen und man also erst einen Blick auf die schnelleren Läufer bekommt, bevor man dann selbst einer dieser schnelleren Läufer ist und die nachfolgenden Läufer begutachten kann.
Etwa bei Kilometer 13 hat man dann auch die Altstadt hinter sich gelassen und überquert den Main, um dann bis zu Kilometer 24 durch Wohngebiete nah am Main oder sogar direkt am Mainufer zu laufen. Danach quert man den Main erneut und arbeitet sich bis nach Höchst vor, wo der Frankfurt-Marathon seinen Ursprung hat. Kurz hinter Kilometer 27 kommt dann die Wende und man läuft nun wieder durch Wohngebiete und Industriegebiete zurück in Richtung Innenstadt, wo man dann bei Kilometer 36 wieder auf die Mainzer Landstraße einbiegt, auf der man bereits gestartet ist. Von hier geht es nun für eine letzte kleine Innenstadtrunde hin zum Messeturm, dem Hammering Man und dann der letzten Kurve, die einen ins Ziel in der Festhalle leitet.

Die Streckenverpflegung ist optimal und es gibt alle 5km Wasserstellen und später auch Iso, Tee, Cola und auch Bananen. Auch für Schwämme ist gesorgt. Und wer mag, kann bei Kilometer 15 und 30 auch kostenlose Maurten Gels (ohne Koffein) bekommen.

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Marathonmesse und Startunterlagen Abholung beim Frankfurt Marathon

Wie schon einleitend erwähnt, glänzt der Frankfurt-Marathon durch seine hervorragende Logistik. Die meisten, wichtigen Orte, wie die Marathonmesse und auch Start und Ziel sind super zentral gelegen und sehr schnell vom Flughafen, vom Hauptbahnhof oder anderen Punkten in der Stadt zu erreichen.

Auch die Öffnungszeiten der Marathonmall sind optimal für alle Starter. Denn schon ab Freitag von 12.00-19.00 Uhr kann man seine Startunterlagen abholen und sogar am Marathontag selbst ist die Messe von 07.00-17.00 Uhr noch geöffnet, sodass man sich auch nach dem Lauf noch mit ein paar neuen Sportsachen belohnen könnte.

Auf der Marathonmesse sind dann die meisten großen Sportmarken vertreten, aber auch Laufshops mit ihrem breiten Angebot. Auch Marathonverpflegung von Maurten, Sportuhren, Marathonreisen und andere spannende Dinge lassen sich in der Marathonmall entdecken. Den größten Messestand hatte HOKA, die ja als Sponsor des Marathons auch gleich eine ganze Marathonkollektion am Stand hatten.

Ein paar Eindrücke bekommt Ihr oben im Video, daß allerdings von 2018 ist – damals noch mit Asics als Sponsor.

Auf einer anderen Etage der Messe ist dann übrigens auch die Gepäckabgabe zu finden, nebst Umkleidebereichen und Duschen.

Das Herzstück der Marathonmall ist aber natürlich der kleine, abgegrenzte Bereich für die Startnummernausgabe, in der übrigens nach dem Marathon auch die Chiprückgabe und die Medaillengravur zu finden sind. Die Startnummernausgabe handhabt man in Frankfurt extrem simpel und es erfolgt nur eine Trennung nach den Kinderläufen, Staffeln oder Marathonläufern. Dort kann man dann aber jeweils an jeden Ausgabetisch geben und bekommt dann dort seine Startnummer, einen Aufkleber für den Kleiderbeutetl und, sofern bestellt, auch seinen Mietchip.

Eine Besonderheit in Frankfurt ist, daß man seine Goodie Bag und den Kleiderbeutel nicht als Teil der Startnummernausgabe bekommt. Man muss dafür an das andere Ende der Messe laufen, wo dann auch ein kleiner Schnipsel von der Startnummer entfernt wird, um zu dokumentieren, daß man den Beutel schon bekommen hat.

Erfahrungsbericht. Meine Erfahrungen vom Frankfurt Marathon

Um mein Marathonwochenende möglichst stressfrei zu halten, reiste ich schon am Freitag Abend an und entschied mich, sofort noch schnell in die Marathonmall zu fahren. Denn was man hat, hat man. Und obwohl es auf den letzten Drücker war, also 20 Minuten vor Messeschluss, schaffte ich es, mir meine Startnummer zu besorgen, Gels zu kaufen und auch noch ein wenig bei Hoka am Messestand zu stöbern und mir ein Longsleeve als Erinnerung zu kaufen. Es war einfach unglaubloch leer und funktionierte daher wirklich perfekt.

Leider verpeilte ich den besonderen Ablauf mit der Goodie-Bag und dem Kleiderbeutel und landete dann also nach Messeschluss ohne Selbiges in meinem Hotelzimmer im Marriot. Netter Weise hatte mich ja Hoka zur Teilnahme am Frankfurt-Marathon eingeladen und so konnte ich mich über eine schöne Ausstattung für die nächsten Tage freuen, die schon auf meinem Bett vorbereitet lag.

Den Abend gestaltete ich kurz und schmerzlos, da ich immer noch etwas unausgeruht war, nach arbeitsreichen Wochen und einer sich länger hinziehenden Erkältung. Die SKYLINE PLAZA gleich in der Nähe des Hotels bot mit einem Supermarkt und einem Foodcourt, alles was man für den Abend und die nächsten Tage brauchte und so konnte ich ganz entspannt, früh das Licht ausmachen und der Skyline gute Nacht sagen.

Der nächste Morgen startete mit dem Brezellauf, einem kultigen 5km-Lauf duch Frankfurt, der einen auf das Marathonwochenende eingroovte. Vor allem hatte ich es aber auf die Medaille in Form einer Brezel abgesehen, die in keiner Medaillensammlung fehlen darf. Das Beste am Brezellauf ist aber, daß man einfach so teilnehmen kann. Keine Anmeldung und kein Nichts sind erforderlich – einfach vorbeikommen und mitlaufen! Am Start hatte der Sponsor InterAir, auch für Prominenz gesorgt und Jan Frodeno und Jan Fitschen eröffneten den Lauf.

Fast 1.000 Leute waren an den Start gegangen und hatten beste Laune mitgebracht. Doch was mir am besten gefiel, waren die Bremsläufer, die vorne den Lauf anführten und dafür sorgten, daß das Tempo wirklich moderat blieb. Häufig habe ich gerade bei den Six Majors erlebt, daß man sich dann doch von den Emotionen mitreißen lässt und dann in einem Höllentempo durch die Stadt peitscht. Das macht natürlich keinen Sinn, am Tag vor einem Marathon. Also lieber genießen und sich dann im Ziel über die Brezelmedaille und eine echte Brezel als kleinen Snack freuen.

Das war schon mal ein guter Auftakt und auch eine hilfreiche Lernkurve für den Marathon. Denn ich war mit einem Longsleeve und T-Shirt darüber bekleidet und hatte mich trotz des ruhigen Tempos ordentlich durchgekocht. Denn es war überraschend warm in Fankfurt. Für den Marathon würde ich also so wenig wie möglich anziehen!

Aber weiter gehts mit dem Marathonwochenende. Schnell ins Hotel: Duschen, chillen, umziehen!
Und dann ab mit der Crew zum Hoka Community Hub, also einem Treffpunkt für Laufcrews und Athleten, den Hoka auf einem Schiff direkt am Mainufer eingerichtet hatte. Dort wartete eine kleine Stärkung aber auch eine Reihe von Hoka-Athleten, mit denen wir ein wenig plaudern konnten. Darunter Guy Almog, der seit fast drei Jahren seine Streakrunning-Serie am laufen hält und mit dem ich mich gespannt über meine und seine Erfahrungen mit dem Streakrunning austauschen konnte. Mich hatte sich dieses Format letztlich nicht überzeugt, aber ich habe höchsten Respekt vor dieser Leistung und insbesondere vor der Motivation und Disziplin, die es erfordert.

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Absolut inspirierend war dann auch das Zusammentreffen mit Jan Frodeno. Wahrscheinlich hätte ich noch stundenlang mit Ihm über Motivation, Training, den Umgang mit Rückschlägen, aber auch seine neuen Ziele und natürlich seine StartUps reden können. Gerade für solche Momente bin ich unglaublich dankbar!

So langsam versammelten sich dann aber auch die lokalen Laufcrews am Hoka Community Hub und David Schönherr von RunningCrew.MS aus Münster nahm uns und die Crews von Bridgerunners, WeRunFrankfurt und die restliche Community mit auf einen ShakeOut Run am Mainufer entlang. Auf der Strecke liegt übrigens auch das Segment der HOKA Fly Frankfurt Strava-Challenge und Vernunft beiseite, ballerte ich mich mit einer 3:22er Pace in die Top-Rankings der Challenge.

Nach dem Frischmachen im Hotel schnappte ich mir meine Strava-App und schaute nochmal schnell bei Hoka auf der Marathonmesse vorbei. Denn für das erfolgreiche absolvieren der Strava-Challenge konnte man sich dort ein echtes Textilbadge abholen. Jetzt muss ich mir nur noch überlegen, welches Laufshirt ich damit veredle!

Abends ging es dann noch einmal in den Community-Hub und bei einem ordentlichen Nudelbuffet und ein paar Bierchen wurde weiter über das Laufen und Marathons in aller Welt gefachsimpelt. Auch Marina Andresen, die Marathon Princess, war mit dabei und ich freute mich mal ein wenig mehr über ihre krassen Marathonprojekte zu erfahren.
Dann war es aber wirklich Zeit für das Bett und ein bisschen Erholung. Mit meiner anstrengenden Zeit vor dem Marathon und den zwei ShakeOut-Runs konnte ich meine Beine auch schon ein wenig spüren. Aber das kam ja nun wenig überraschend.

Der nächste Morgen grüßte mit herrlichem Wetter, aber auch mit einer roten Anzeige von meinem Whoop Armband. Obwohl ich gut geschlafen hatte, stand die Anzeige gerade einmal bei 29% Erholung. Nicht besonders motivierend, aber auch keine Überraschung. Die Wochen vor dem Marathon waren anstrengend, mit zuviel Arbeit, zu wenig Schlaf und einer sich ewig dahinschleppenden Erkältung, die ich aber noch rechtzeitig auskurieren konnte. Trotzdem holt man so ein Defizit natürlich nicht in einer Nacht auf.

Aber ich habe bei meinen fast 30 Marathons schon allerlei Überraschungen erlebt, also wollte ich auch diesem Lauf wieder die Chance geben, ein erfolgreicher zu werden. Also erstmal runter zum Frühstück und den Körper mit Espresso fluten. Am Buffet gab es sogar Porride und damit eine optimale Grundlage für den Lauf!

Da der Start des Frankfurt-Marathon erst um 10.00 Uhr ist, hatte ich auch genügend Zeit, mich in aller Ruhe in mein Rennoutfit einzukleiden und die innerliche Checkliste durchzugehen. Gels, Sportuhr, Sonnenbrille, Notfall-Taschentücher und alles abgeschmiert und abgeklebt, was reiben kann? Check!

Ein letzter Blick aus dem Fenster auf das zunehmende Gewusel unten vor dem Startbereich und ab zum Start! Der richtige Startblock war schnell gefunden, da es eben doch alles etwas kleiner ist als in Berlin oder bei den anderen Majors – und vor allem weitläufiger. Leider herrschte eine leichte Knappheit an Dixies, weshalb ich dann meine Aufwärmzeit in einer Schlange verbrachte – aber die Wege waren ja kurz.

Also rein in den Startblock und schon setzte dieses Kribbeln ein, daß wohl Jeder kennt, der schon mal an einer Startlinie stand. Und dann Countdown: 3-2-1 und los!

Ich hatte richtig Lust auf Laufen und versuchte mich erst einmal mit einer 5er Pace ein wenig aus dem Gewusel freizulaufen. Aber die ersten Kilometer waren doch ziemlich verstopft, sodass man nicht viel mehr Optionen hatte, als einfach mitzuschwimmen. Die Straßen waren aber so breit, daß sich die Menge gut verteilen konnte. Aber natürlich herrschte auf den Fußwegen und an den Straßenrändern eine hohe Dynamik von Läufern, die ein höheres Tempo laufen wollten. Leider gab es dann in der Innenstadt auch eine Engstelle, wo sich das Tempo so herunterbremste, daß kurz gegangen werden musste. Für mich kein Problem, da ich heute ohnehin nicht auf Rekordjagd war. Aber wer in Frankfurt auf Bestzeit laufen will, sollte schauen, daß er gleich vorne aus seinem Startblock losläuft.

So langsam machte sich dann auch die Wärme bemerkbar, denn es war mit 15 Grad auch schon zum Start ungewöhnlich warm für diese Jahreszeit. Mir war unglaublich warm und ich war froh, daß die Verpflegungsstationen wirklich großzügig dimensioniert waren, sodass wirklich für Jeden schnell, ein Becher griffbereit war. Zusammen mit meiner immer weiter ansteigenden Herzfrequenz und dem Wissen, daß es noch locker 5 Grad wärmer werden würde, zog ich dann bei Kilometer 10 die Vernunftbremse und änderte die Pace noch weiter.

Aber die Stimmung amc Straßenrand war gut, die Sonne strahlte und auch die Strecke war so abwechslungsreich, daß es immer etwas zum Schauen gab, am Straßenrand. Also ab über die Brücke und auf die andere Mainseite. Die ersten 5 in 5:05, die zweiten in 5:21, die dritten in 5:29. Aber meine Tempoanpassungen sorgen nicht wirklich dafür, daß ich mich irgendwie leichtfüßiger fühlte. Also noch mehr Tempo raus und Kraft sparen für die restliche Strecke.

Endlich war dann die Hälfte geschafft und ich hangelte mich weiter von Verpflegungspunkt zu Verpflegungspunkt. Cola, Tee und Wasser und die aufmunternden Sprüche der Helfer sorgten immer wieder dafür, daß man sich neu aufraffen und weiterlaufen konnte. Die Strecke war nach wie vor schön, von Bäumen gesäumt und teilweise mit dem Blick auf den Main. Auch am Streckenrand gab es weiter guten Support und hier und da hatten sich Trommelgruppen platziert oder DJs mit ihren Soundsystemen.

Spätestens ab Kilometer 25 ging dann für mich das große Kämpfen los. All das Kraft sparen hatte nicht gereicht und die mangelnde Erholung und die Wärme setzten mir zu. Also weiter im Stottergang, also immer ein Stück laufen, dann Gehen und die Herzfrequenz wieder runterkommen lassen und von vorne das Spiel.

Zum Glück war ich nicht allein mit meinen Problemchen und so motivierten wir uns gegenseitig, immer weiter dranzubleiben und uns weiter ins Ziel zu kämpfen. Nach der erneuten Mainüberquerung wurde die Strecke auch etwas langweiliger, da wir teils durch weniger dicht bewohnte Vororte, aber auch durch Gewerbezonen geführt wurden. Hier kam uns letztlich das gute Wetter Zuhilfe, daß dafür sorgte, daß hier doch ein paar Zuschauer am Rand unterstützten. Doch auch einige Radfahrer nutzten die Marathonstrecke für ihre Touren.

Gerade bei miesen Wetterbedingungen kann dieser Streckenabschnitt gemein werden. Denn es ist nicht ungewöhnlich, daß es auch mal kühler und regnerischer beim Frankfurt-Marathon Wetter zugeht. Dann heisst es hier besonders beißen, weil sich dann sicherlich auch nicht die 300.000 Zuschauer an die Strecke stellen, so wie es bei diesem herrlichen Wetter in diesem Jahr war.

Hier übrigens mal die Strecke im Schnelldurchlauf – allerdings von 2017 aus einem Begleitfahrzeug gefilmt.

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Aber weiter mit dem Marathon. Die Kilometer schmolzen nun immer weiter dahin und die Anziehungskraft der Festhalle und die Aussicht auf die Marathon-Medaille Nummer 5 in diesem Jahr. Wie sehr die Bedingungen auch anderen zusetzten machte sich nun auch am Streckenrand bemerkbar. Immer mehr LäuferInnen mit Magenproblemen oder offensichtlichen Kreislaufproblemen lagen am Straßenrand und ich musste mehrfach Sanitäter informieren, weil ich mir ernsthafte Sorgen machte. Gerade Dehydrierung oder ein Sonnenstich sind an solchen Tagen ein große Probleme und sich allein irgendwo hinzulegen ist bei einer Kreislaufschwäche keine gute Idee. Daher lieber einmal zuviel Hilfe alarmieren, als einmal zu wenig.

Gerade auch wegen dieser Bilder fühlte ich mich darin bestätigt, meinen Körper an diesem Tag nicht unnötig zu pushen. Ich war ohnehin nicht ausgeruht, würde sowieso keine nennenswert großartige Zeit finishen – warum also unnötige Risiken eingehen?

Aber so langsam war ich wieder in der Innenstadt angekommen und die Staffelläufer peitschten im Zick-Zack durch unsere Herde der Langsamläufer hindurch. Und genau so unangenehm, wie es mir selbst als Staffelläufer vorkam, fühlt es sich auch für einen Marathonläufer an, wenn man mit seiner Energie kämpft und dann ein frischer, neu eingewechselter Läufer an einem vorbeizischt.

Zum Glück sammelten mich dann auf den letzten Kilometern noch Dany und Manuel aus der Peloton Community ein und gaben mir einen letzten Schub für den Weg in die Festhalle. Irgendwie doch schön, wenn man sich mal ein High5 im echten Leben geben kann und nicht nur über das Peloton Laufband oder Bike.

Und dann ein letztes Mal beißen, die restliche Energie aus den Beinen pressen und rein in die Festhalle. Lichter überall, der Bass pumpt in voller Lautstärke, aber am wichtigsten ist der beleuchtete Zielbogen. Geschafft! Einmal Frankfurt komplett, auf die harte Tour!

Aber ich bin glücklich, daß ich auch das geschafft habe. Es gibt eben Tage, wo es blendend läuft und es gibt Tage, wo man richtig hart arbeiten muss. Meine 04:15:32h ist sicherlich keine Zeit auf die ich sonderlich stolz bin, da ich schon fast eine Stunde weniger gebraucht habe über die Marathondistanz. Aber ich bin stolz, trotz wiedriger Umstände an den Start gegangen zu sein, alles probiert zu haben und auf der Strecke flexibel genug zu sein, um mich an wechselnde Situationen anzupassen. Genau das wird mir sicher auch helfen, wenn es wieder einmal besser läuft!

Medaille, Urkunde, Fotos und Ergebnisse beim Frankfurt Marathon

Im Ziel wird man dann schnell wieder aus der Festhalle geleitet, wo dann im Freien ein großer Zielbereich aufgebaut ist, wo man neben seiner Medaille auch das Finisher-Bier und andere Verpflegung bekommt. Es ist also wenig Zeit für Erinnerungsfotos vom Zieleinlauf in der Festhalle und auch seine Medaille hat man dort ja noch nicht. Also ist es empfehlenswert, sich die offiziellen Fotos zu gönnen, die das Team von Marathon-Photos auch auf der kompletten Strecke macht. Mit 34,95€ finde ich die Fotos auch noch vernünftig bepreist. Ein anderer Tipp ist, hoch auf die Ränge zu gehen und dort ein Foto mit dem Zieltor zu machen. Denn abgesehen davon, kann man dort auch die Stimmung der Festhalle noch ein wenig genießen.

Nach dem Marathon bekommt man übrigens vom Marathon auch eine E-Mail, in der man seine Ergebnisse inklusive der Split-Zeiten übersichtlich dargestellt bekommt. Wie immer kann man sich diese Daten und die Urkunde aber auch online herunterladen.

Fazit und Bewertung des Frankfurt Marathon

An Frankfurt scheiden sich bekannter Maßen die Geister. Ich habe im Vorfeld Einige getroffen, für die der Frankfurt-Marathon wohl das Beste der Welt ist, aber auch Einige, die Frankfurt überhaupt nicht empfehlen können.

Sicherlich ist die übermäßige Begeisterung für den Frankfurt-Marathon auch jeder Menge Lokalpatriotismus geschuldet. Denn so wie der Berlin-Marathon eben das läuferische Familientreffen der Berlin-Brandenburger ist, versammelt sich in Frankfurt eben die Laufcommunity aus Hessen und schwört auf ihren Hausmarathon.

Etwas objektiver betrachtet, ist der Frankfurt-Marathon eben der zweitgrößte Marathon Deutschlands und auch eng mit der Geschichte der Straßenläufe in Deutschland verbunden und sollte allein schon aus diesem Grund mindestens einmal auf die Saisonliste eines Marathonläufers gehören.

Die Strecke ist schnell und für weite Teile sehr schön, auch wenn es gerade auf der zweiten Hälfte streckenweise etwas monoton und einsam werden kann. Denn die Unterstützung am Streckenrand ist gut, aber eben nicht überragend. So stehen zum Vergleich in Berlin bis zu drei mal so viele Zuschauer am Straßenrand und es gibt auch deutlich mehr Bands am Straßenrand.

Dafür ist Frankfurt erstklassig organisiert und ein Marathon der kurzen Wege, was sowohl die Anreise, aber auch die Messe und den Start-Ziel-Bereich angeht. Wer also eine möglichst große Laufparty mit viel Musik und viel Publikum haben will, wird in Berlin wohl glücklicher werden.

Wer aber einfach eine schnelle Zeit laufen will und dazu alles etwas kompakter und übersichtlicher haben will, ist in Frankfurt genau richtig. Frankfurt hat mich persönlich nicht so begeistert, daß ich jede Nacht davon träume hier noch einmal zu starten, aber gerade für die Rekordjagd ist Frankfurt exzellent geeignet – besonders auch in Kombination mit dem Berlin-Marathon, wo also Frankfurt einen weiteren Rekordversuch ermöglichen könnte, knapp einem Monat nach Berlin. Aber meine Eindrücke sind noch zu frisch, um alles komplett verarbeitet zu haben. Daher fragt mich einfach in ein paar Monaten nochmal. Und wer weiss – vielleicht stehe ich ja 2023 in Frankfurt am Start nur um zu zeigen, daß man dort auch deutlich unter 4:15h laufen kann.

Danke an Hoka für die Einladung und dieses tolle Erlebnis!

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