Bodystreet Test: Meine Erfahrungen mit EMS-Training für den ganzen Körper

Seit einiger Zeit gibt es bei uns in Potsdam ein Studio von Bodystreet, an dem ich öfters vorbeikomme und immer ziemlich interessiert durch das Fenster auf die Trainierenden in ihren EMS-Anzügen schaue, doch nie den letzten Schritt gemacht habe, mich einmal intensiver mit dem Thema EMS-Ganzkörpertraining auseinander zu setzen.

Was ist EMS-Training und was heißt EMS-Training?
EMS, steht für Elektrische Muskelstimulation, bei der mittels kleiner Stromimpulse eine Muskelkontraktion erreicht wird. Dadurch das diese Impulse in ihrer Intensität und Frequenz sehr gut gesteuert werden können, lassen sich daraus tolle, extrem effektive Trainingseinheiten aufbauen. Für die Heimanwendung kennt Ihr das vielleicht von den Slendertone Geräten für den Muskelaufbau und dem Philips Puls Relief für die Regeneration. Bei Bodystreet hingegen handelt es sich um eine bundesweite Fitnesskette, die sich auf Ganzkörpertrainings mit EMS spezialisiert hat und mehr als 300 Standorte in Deutschland hat, die über Franchise-Nehmer betrieben werden.

Nachdem ich also so viel davon gehört und gelesen habe, war es Zeit für einen Selbstversuch um im Test meine eigenen Erfahrungen mit Bodystreet zu sammeln. Das Bodystreet Studio am Luisenplatz in der Charlottenstraße 128 in Potsdam, hat zwei Bodystreet-Trainingsplätze, an denen jeweils ein Kunde mit einem Personal Trainer die Trainingseinheiten durchführen können. Obwohl ich der letzte Kunde an einem Freitag Abend war, nahm sich die überaus charmante Sarah viel Zeit, mir alles genau zu erklären und nach einem kurzen Gespräch über meine allgemeine Fitness, Ernährung, Trainingsinhalten- bzw. Trainingszielen und gesundheitlichen Vorbelastungen bekam ich eine Hose und ein Oberteil von Bodytreet, daß ich für das Training als Unterbekleidung anziehen sollte. Neben diesem etwas an Skiunterwäsche erinnernden Set, hatte ich für das Training sonst nur Socken und Turnschuhe an. Wenn man sich also fragt, was man beim EMS-Training anziehen muss oder mitbringen muss? Eigentlich nur Socken und Turnschuhe, da man bei Bodystreet alles andere für das EMS-Training gestellt bekommt.

Nachdem ich nun also so vorbereitet war, bekam ich im Trainingsbereich eine EMS-Weste und verschiedene Gurte und Pads verpasst. Die Weste, die recht fest am Oberkörper festgezurrt wird, hatte Elektroden für den kompletten Rückenbereich, die Brustpartie und die Bauchmuskulatur – dazu kamen dann noch Manschetten für den Oberarm und die Oberschenkel. So verpackt wurde ich dann mit dem Trainingspult verkabelt, an dem die Trainerin dann verschiedene Trainingsprogramme wählen und die Intensität für jede Muskelgruppe separat steuern kann.

Wie immer musste ich ja im Vorgespräch mit 5-Kämpferin und Sportstudentin Sarah den großen Sportprofi raushängen lassen, daß ich gerne herausfinden würde, warum man EMS-Training als so effektiv bezeichnet und das ja Wochenende sei und ein kleiner Muskelkater kein Problem sei. Sarah versprach mit daraufhin einen 3-tägigen Muskelkater und sie hat nicht gelogen.

Also ging es los mit dem Training und wir gingen recht schnell von der Erwärmung in die Intensivphase des Trainings über, und wie schon beschrieben, drehten wir die Stromstärke odentlich auf, damit ich auch das Trainingssystem richtig kennenlernen kann.

An dieser Stelle vielleicht ein kleiner Hinweis an alle, die den Sports-Insider vielleicht nicht regelmäßig lesen. Ich laufe mehrere Marathons, Halbmarathons und weitere Rennen im Jahr, bin durch Crossfit hochintensive Workouts gewohnt und auch sonst recht fit – ein Einstieg ins EMS-Training auf diesem hohen Belastungsniveau ist daher nur möglich, wenn die entsprechenden Ausdauer- und Fitnessgrundlagen vorhanden sind. Es ist daher besonders wichtig, daß die Trainer in einem EMS-Studio besonders gut ausgebildet sind und die Trainingsintensität richtig wählen, damit es nicht zu Überlastungen kommt.

Bei Bodystreet und meiner Trainerin Sarah, fühlte ich mich aber in guten Händen und selbst als ich eine Pause oder das Angebot die Intensität zu reduzieren ablehnte, setzte sie das Programm für ein paar Minuten entsprechend reduziert fort – wie sich zeigt zurecht.

Wie funktioniert EMS-Training und wie effektiv ist das Training?
Das Trainingspinzip beim EMS-Training ist eigentlich recht einfach. Während über das Sytem ein elektrischer Puls den Muskel zur Kontaktion bringt, muss der Trainierende gegen diese Kontraktion arbeiten oder die Muskular anspannen. Durch den Impuls werden bis zu 90% des Muskels kontrahiert und besonders die kleineren Muskelstränge mit trainiert – was das Training so effektiv macht und auch den Muskelkater nachher so böse. Interessant ist, daß der Impuls der Oberarmmanschette den gesamten Arm trainiert, und bei richtiger Anspannung und Position also auch der Unterarm mit trainiert wird.

Während das Trainingsgerät also die EMS-Impulse durch die verschiedenen Muskelregionen schickt, die gerade trainiert werden, machte Sarah verschiedene Übungen vor, bei denen bestimmte Positionen gehalten werden müssen oder gegen die Kontaktion gearbeitet wird. Eine Haltebewegung ist beispielsweise die Squat-Position, die dann von Impulsen im Gesäß und Oberschenkel begleitet werden oder einer Bewegung ähnlich dem Latzug, bei dem dann der Latissimus zusätzlich per EMS bearbeitet wird. So arbeitet man sich Schritt für Schritt durch die verschiedenen Muskelgruppen durch.

Sieht harmlos aus, aber dann hat die Sarah von #bodystreet an den Rädchen gedreht und mich Platt gemacht. #ems #emstraining

Ein von Sports Insider (@sports_insider_magazin) gepostetes Foto am

Eine Trainingseinheit dauert 20 Minuten und ist wirklich sehr intensiv und anstrengend. Wie gesagt kann das Trainingsniveau ja mit dem Trainer abgestimmt werden, aber mir ging es darum auch die maximalen Möglichkeiten von EMS kennenzulernen. Ich war ähnlich erledigt, wie nach einem Crossfit-WOD oder Tabata – EMS ist also definitiv eine High Intensity Trainingsform, wenn man es so will. Das Training an sich macht aber großen Spaß und die Übungen sind für jeden leicht ausführbar, da es sich wirklich um normale Bewegungsabläufe handelt, die man so auch aus dem Fitnessstudio kennt. Natürlich ist eine gute Mobilität auch hier von Vorteil, um den Bewegungsradius zu erweitern. Wenn man bisher keine Erfahrungen mit EMS hatte, sind die elektrisch herbeigeführten Muskelkontraktionen vielleicht zunächst ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber es ist komplett schmerzfrei und außerdem ist man ja beim EMS, weil man sich nicht mit einer Langhantel beim Bankdrücken quälen will, sondern den EMS-Impuls durch den Brustmuskel schickt. Es ist nur ein komisches Körpergefühl, daß man so ein intensives Workout durchgeführt hat, ohne sich viel zu bewegen, weil man ja fast die ganze Zeit auf einer Stelle steht und dort die verschiedenen Übrungen ausführt.

Nach dem Training und dem Duschen war ich eigentlich überraschend fit und konnte noch nicht so richtig an Sarah´s Versprechen der drei Tage Muskelkater glauben. Doch am nächsten Tag zeigte sich das wahre Ausmaß des Trainings und ich hatte in einigen Körperregionen einen derart intensiven Muskelkater, wie ich ihn schon seit Jahren nicht mehr hatte – und das obwohl ich eigentlich in einem recht guten Trainingszustand bin. Gerade Gesäß, Bizeps und Trizeps haben mir deutlich mitgeteilt, daß sie in Zukunft noch besser trainiert werden müssen. Und nach drei Tagen konnte ich dann wirklich wieder schmerzfrei aus meinem Stuhl aufstehen.

Wenn man sich mühe beim Umziehen und Duschen gibt, kann man eine EMS-Trainingseinheit wahrscheinlich in 40 Minuten vom Betreten bis zum Verlassen des Bodystreet-Studios absolvieren und daher ist gerade für Leute die wenig Zeit haben oder eine Aufsicht, Motivation oder einen Arschtritt vom Personal Trainer brauchen, diese Trainingsform ideal.

Wie oft sollte man EMS-Training machen?
Wegen der hohen Belastung ist eine Trainingseinheit pro Woche durchaus ausreichend und ich bin für mich am Grübeln, ob ich nicht ein wöchentliches EMS-Training als Ausgleich und zur Unterstützung meiner Laufeinheiten in mein Trainingsprogramm einbaue. Mich hat EMS-Training bei Bodystreet jedenfalls überzeugt.

Wie teuer ist EMS-Training? Was kostet EMS-Training bei BodyStreet?
Wer es ausprobieren will, bekommt für 19,90€ ein Probetraining und auf bodystreet.com alle Infos zu Standorten, Preisen und speziellen Trainingsprogrammen, wie dem Wintersporttraining, mit dem man sich Fit für die Piste machen kann. Da jedes Studio die Preise ein wenig anders gestaltet, sollte man einfach schnell im nächstgelegenen EMS-Studio vorbeischauen und sich die Preisliste besorgen. Denn welche Tarifoption die beste ist, hängt auch von den Trainingsplänen ab. Manche Anbieter ermöglichen es für 19,95€ pro Woche quasi als Flatrate zu trainieren, was natürlich nur Sinn macht, wenn man mehrmals pro Woche trainieren geht. Ansonsten sind andere Angebote besser, wo man pro Training bezahlt oder eine 10er-Karte für 10 Trainings zum besonders günstigen Preis bekommt und diese Trainingseinheiten dann flexibel abtrainieren kann.

Wo kann man sonst noch EMS-Training machen?
Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von EMS-Studioketten, die teils regional, aber auch deutschlandweit EMS-Studios betreiben. Mit mehr als 240 Studios ist Bodystreet die größte Kette in Deutschland, aber auch Körperformen bringt es schon auf mehr als 50 Studios. Zu den kleineren EMS-Anbietern gehören 25 Minuten, terra sports, EMS-Lounge, Simplytrain, Neogym, emyos, Fitbox und Fast Forms.

Kritik an EMS-Training
Natürlich gibt es auch Schatten, da wo viel Licht ist. Beim EMS-Training gibt es zumindest aus Kundensicht zwei große Kritikpunkte. Darüber hinaus mag es wegen der Franchisesysteme noch Kritik von Betreibern einzelner EMS-Studios an Bodystreet und anderen Anbietern geben, aber da fehlt mir zum einen der genaue Einblick und zum anderen interessieren mich als Sportler diese Firmeninterna erstmal etwas weniger.
Der eine Kritikpunkt liegt in der Trainingsintensität und wahrscheinlich ist das mangelnde Training der Mitarbeiter das eigentliche Problem. Jedenfalls kann es bei einer zu hohen Trainingsintensität und zu starken Stromreizen zu einem Übertraining kommen und zu Kreislaufproblemen. Wie ich ja schon beschrieben habe, hat mich als gut trainierter Ausdauersportler das harte Training ordentlich gefordert – man sollte sich also wirklich sachte an die richtige Intensität heranarbeiten – die Methode viel hilft viel führt im schlimmsten Fall erstmal ins Krankenhaus. Gut geschulte Trainer werden aber aus dem Vorgespräch und dem Feedback während des Trainings die Intensität so anpassen, daß kein Übertraining erreicht wird.
Besonders Personal Trainer kritisieren generell die Trainingsform des EMS-Training. Natürlich ist das idealste Training ein Training, bei dem mit freien Gewichten natürliche Bewegungen durchlaufen werden und somit große Muskelgruppen, untersützende kleinere Muskelgruppen und die Bewegungsabläufe und Koordination gleichzeitig trainiert wird. Meiner Meinung nach kann aber EMS-Training andere Trainingsformen sehr gut unterstützen, besonders weil es so schnell und effektiv ist. Im Idealfall treibt man auch noch anderen Sport, läuft, fährt Fahrrad, spielt Fußball und arbeitet mit freien Gewichten oder Yoga an der Mobilität. So kann das EMS-Training dann ein guter Baustein in einem größeren Plan an körperlicher Aktivität sein. Am wichtigsten ist aber, daß man sich überhaupt vom Sofa erhebt und etwas tut.

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Kommentare
6 Antworten zu “Bodystreet Test: Meine Erfahrungen mit EMS-Training für den ganzen Körper”
  1. Oliver sagt:

    Ein Guter Beitrag und schön Erklärt was genau beim Ems Training gemacht wird, der begriff ist den meisten ja ziemlich fremd.Ich selber bin sehr von Ems Training begeistert.
    Ich bin seit einen Halben regelmäßig dabei, und besuche eine Boodystreet Filiale.
    Es lohnt sich auf jeden Fall mal dort vorbeizuschauen und ein Probetraining mitzumachen.

    Schöne grüße von mir.

  2. Hape sagt:

    Ja, sehr guter Beitrag, ich mache EMS schon seit Jahren und kann sagen dass der Muskelkater im Laufe der Wochen nicht mehr so schlimm ist, bis es irgendwann harmlos ist. Problem ist dann z.B. nur, während Ferienzeiten des Trainers, wenn man einen „Ersatztrainer“ bekommt, der etwas andere Übungen macht, ist mir gerade erst wieder passiert im August, dann sind die „Schmerzen“ wieder wie nach dem ersten Mal … Also öfter mal den Trainer wechseln um auch in dem Bereich immer wieder andere Muskelpartien und -gruppen zu trainieren ;-)

  3. Daniel | Sports-Insider sagt:

    Hi Oliver, Hi Hape, danke Euch für das nette Feedback. Ich denke auch, daß man das EMS-Training auf jeden Fall mal ausprobieren sollte. Cheers, Daniel

  4. L22 sports sagt:

    Schöner Beitrag, habe das Studio schon testen können. Grundsätzlich expandieren die emsstudios sodass man sagen kann, dass sich das Thema in den nächsten Jahren sich weiter ausdehnen wird, ähnlich wie bodystreet.

  5. Hans Heckermann sagt:

    hud.heckermann@t-online.de Hans Heckermann

    Meine Frage: Wie ist es mit dem Training bei Herzrhythmusstörungen z.B. Vorhofflimmern? Was ist, wenn z.B.bei einer Virusinfektion ein leichte unerkannte Herzmuskelentzündung abläüft?

    Grüße Hans Heckermann

  6. Daniel sagt:

    Hallo Hans, natürlich gelten auch beim EMS die normalen Regeln für den Sport. Wer starke Vorerkrankungen hat, sollte seinen Arzt fragen, ob EMS geeignet ist. Bei Herzproblemen, Herzschrittmacher und wahrscheinlich auch bei Metallimplantaten aller Art, ist davon auszugehen, daß EMS keine gute Idee ist. Darauf kommen die meisten Betroffenen aber bestimmt auch mit gesundem Menschenverstand.
    Bei stärkeren Infekten sollte man allgemein keinen hochintensiven Sport machen, insbesondere bei Fieber herrscht absolutes Sportverbot. Es würde mich aber wundern, wenn ein EMS-Studie mitspielt, wenn man da mit schniefender Nase, Husten oder fiebrigen Augen zum Training erscheint – letztlich hat niemand ein Interesse daran, einen medizinischen Notfall in seinem Studio zu haben.
    Aber natürlich sind das berechtigte Fragen, die beim Trainergespräch aber auch zur Sprache kommen, bevor es zum ersten Training kommt. Viel Erfolg beim Training! Daniel

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