Milano Marathon 2017 – Erfahrungen mit 42km durch Mailand

Mit dem Milano Marathon setzte ich in diesem Jahr meine Tradition der internationalen Frühjahrsmarathons fort, bei denen ich versuche, Sightseeing und Laufsport miteinander zu verbinden. Dabei geht es bei meinen Frühjahsmarathons nicht unbedingt darum neue Bestzeiten zu erreichen, sondern darum die Trainingsmotivation in den Wintermonaten zu erhöhen. Denn ohne ein konkretes Ziel vor den Augen, fällt es noch schwerer sich bei Dunkelheit und Kälte zum Training aufzuraffen und bei den Longsruns durchzubeissen.
Nach dem London Marathon und dem Vienna City Marathon in 2015 und 2016, habe ich mich in diesem Jahr für den Milano Marathon entschieden und will hier ein wenig von meinen Erfahrungen aus Mailand berichten.

Mit fast 25.000 Teilnehmern gehört der Marathon in Mailand schon zu den größeren Marathon-Events und ist daher entsprechend professionell und ernsthaft organisiert. Allerdings sind auch hier, ähnlich wie auch beim Marathon in Wien, der Großteil der Läufer keine echten Marathonläufer. Nur etwa 5.000 Läufer gingen in Mailand über die volle Distanz, während der Rest in der Marathonstaffel unterwegs war.

Anmeldung für den Milano Marathon
Als ich mich im Dezember anmeldete, waren 86€ für den Startplatz fällig und mit den Gebühren für Kartenzahlung kam ich dann bei knapp über 90€ als Startgebühr heraus. Die Onlineanmeldung ist übrigens relativ leicht, weil man die Webseite auch in englischer Spache benutzen kann. Nach der Anmeldung bekommt man auch regelmäßig E-Mail-Updates, mit Informarionen welche nächsten Schritte noch zu unternehmen sind, bis man dann endlich seine finale Startnummer bekommt. Beim Milano Marathon ist man nämlich zunächst nur vorläufig angemeldet, bis man ein Gesundheitsattest an die Veranstalter mailt und Angaben zu bisherigen Wettkampfzeiten hinterlegt. Danach wird man dann in die entsprechenden Startgruppen eingeteilt und bekommt seine Startnummer. Bei mir wurde es die Startnummer 2020 mit einem schmeichelhaften Startblock 3 relativ dicht hinter den Eliteläufern.

Meine Flüge und das Hotel habe ich recht spät, erst im Februar gebucht und habe mit Air Berlin trotzdem noch unter 100€ für die Flüge von Berlin nach Milano-Linate bezahlt. Auch ein 4-Sterne Hotel in etwa 1500m Entfernung vom Dom war noch zu bezahlbaren Preisen zu bekommen, so daß wir den Trip von Freitag bis Montag erweitert haben, um auch noch genügend Zeit zu haben, die Stadt zu erkunden.
Und mal abgesehen davon gibt es ja wohl nichts Besseres, als seine Kohlenhydratspeicher direkt in Mailand mit Pasta, Pizza, Risotto, Eis und anderen Köstlichkeiten aufzufüllen.

Die Marathonmesse & Startnummernabholung beim Milano Marathon
Die Marathonmesse oder auch „The Marathon Village“ ist am Freitag von 12 Uhr bis 21 Uhr geöffnet und am Samstag von 9 Uhr bis 19 Uhr und ist in Mailands MiCo LAB untergebracht und kann relativ direkt mit der U-Bahnlinie M5 erreicht werden. In Mailand gibt es aber auch DriveNow und so sind wir erst direkt vom Flughafen mit dem Bus ins Hotel und dann von dort mit DriveNow zur Marathonmesse gefahren.
Die Messe selbst ist recht überschaubar und es gibt viele lokale Vereine und Institutionen, die sich dort präsentieren. Und da ich kein italienisch spreche, habe ich bei den meisten Ständen keine Ahnung, um was es eigentlich ging. Ein paar wenige Sporthersteller waren auch vor Ort und auch ein paar Hersteller von Supplementen und Sporternährung, aber es ist kein Vergleich zu den Marathonmessen, die ich bei anderen Events kennengelernt habe. Man braucht dafür also nicht besonders viel Zeit einzuplanen, da es eben nicht viel zu entdecken gibt.


Die Abholung der Startunterlagen ging relativ zügig, weil ja wie schon erwähnt, die meisten Teilehmer in den Staffeln unterwegs sind und die Anmeldecounter nach Wettbewerb und Geschlecht sortiert sind. Insgesamt hat es weniger als 10 Minuten gedauert, bis ich meine Startnummer hatte. Die Startnummer ist übrigens in Mailand sehr speziell, denn in die Papierstartnummer ist auf der Rückseite ein kleiner Kasten eingearbeitet, der mit Gummibändern zusätzlich fixiert ist. Dieser Kasten ist für die Zeitnahme verantwortlich und wirklich etwas eigenartig, weil man das Gefühl hat, er könnte während des Rennens vielleicht herausreißen oder abfallen, was allerdings nicht passiert.
Bei der Startnummernausgabe muss man darauf achten, daß es eine separate Ausgabestelle für die Goodie-Bags gibt. Die farbliche Trennung in Blau für Staffeln und Rot für die Marathondistanz macht die Orientierung sehr leicht.
Die Goodie-Bag beinhaltet jede Menge Papierkram, aber auch Gels, Schwämme, Wasser, Thunfischdosen (!!) und neben anderem Kleinkram auch das offizielle EA7 Rennshirt vom Sponsor Emporio Armani. In Mailand läuft man Marathons nämlich in Armani!

Raceday! Erfahrungen von der Marathonstrecke des Milano Marathon
Nach zwei Tagen Sightseeing und Shopping war dann endlich der Raceday gekommen und mit meinem Starterbeutel mit angeklebter Startnummermarkierung machte ich mich auf den Weg in den Startbereich. Der Startbereich ist übrigens sehr zentral am Corso Venezia gelegen und per Metro oder zu Fuß gut zu erreichen. Der Startbereich selbst fällt in Mailand recht überschaubar aus und es gibt neben den Dixieklo-Reihen und einer langen Gasse aus LKWs, auf denen die Beutel mit den persönlichen Sachen verstaut werden, eigentlich nicht viel zu sehen. Als erfahrener Marathonläufer kennt man diese Prozedur eigentlich schon gut und kommt also schnell durch die Startvorbereitungen.

Der Startbereich selbst ist einerseits über die beiden Fahrbahnen der Straße aufgeteilt, so daß links die Marathonstaffeln stehen und rechts die Marathonläufer. Andererseits gibt es die verschiedenen Startblöcke und ich durfte mich wie gesagt in Startblock 3 einreihen und stand damit trotzdem noch vor dem 3:30h Pacemaker.
Zum Start wurde ordentlich mit rockiger Musik vorgeglüht und kurz vor dem Start schoben sich die Startblöcke noch etwas kompakter zusammen, bevor es dann mit einem Knall und Tricolore-Konfettiregen auf die Strecke ging.
Leider ist auch beim Milano Marathon die Startdisziplin mangelhaft und es wurde viel zu langsam losgelaufen für den Startblock. Wie gesagt stand ich im Startblock noch vor dem 3:30er Pacemaker und eigentlich müsste hier eine Pace von deutlich unter 5min pro Kilometer angelaufen werden, um die geplante Endzeit dieses Startblocks auch ins Ziel tragen zu können. Es herrscht zudem eine große Unruhe und Dynamik und auch als mich dann der 3:30er Pacemaker mit geschickter Schlängeltechnik schliesslich einholt und ich mich versuche dranzuhängen bleibt diese Unruhe, wie ich sie noch in keinem Marathon erlebt habe und es nervt! Es gibt gleich drei Pacemaker, die die 3:30h Zeit pacen sollen, aber alle drei laufen auf unterschiedlichen Entfernungen im Feld verteilt und auch die Läufer, die sich an die Pacemaker dranhängen werden sich irgendwie nicht einig, in welcher Formation oder welchem Rhytmus nun gelaufen werden soll. Normaler Weise bildet sich ja hinter Pacemakern eine Traube und irgendwann bildet sich eine Formation daraus, die dann auch in dieser Formation entspannt und mit gleichem Tempo, konstant die Kilometer runterspult.
Was ich mit Formation meine ist, daß irgendwann klar ist, wer links vor mir läuft, wer rechts von mir und wer vor und hinter mir – und diese Gliederung bleibt dann meist auch so erhalten. Aber nicht so in Mailand. Auch hinter den Pacemakern herrscht ein ständiger Positionswechsel, man wird überholt, Leute quetschen sich rein, können aber das Tempo nicht halten, lassen sich wieder fallen und Jeder muss irgendwie, irgendwo, irgendwas rumwurschteln. Wahrscheinlich ist es wie im italienischen Straßenverkehr: Lücken sind zum Füllen da und wer bremst verliert!
Und so laufen wir also in diesem Dynamikklumpen noch bis weit über die Halbmarathondistanz hinaus und damit geht auch ein wenig vom Sightseeing-Faktor dieses schönen Laufes verloren, weil man ständig aufpassen muss, daß man Niemandem in die Hacken läuft oder selbst von ein paar Beinen erwischt wird. Ich habe auch noch nie so viele Stürze gesehen, wie in diesem Feld.
Ich mache also das Beste daraus und versuche mich zu entspannen und meine Rachepläne für die größten Unruhestifter wachsen. Denn mir ist klar, daß sich so eine unruhige Laufweise bemerkbar machen wird und viele dieser hypernervösen Läufer bereits überpacen. Babei beginnt das Rennen doch erst bei Kilometer 30 und dann ist Tag der Abrechnung!

Die Strecke an sich ist flach und schnell und bis auf ein paar Kilometer in der Altstadt, führt sie komplett über ausgebauten und schön griffigen Asphalt. Der Kurs ist auch von der Streckenführung schön gestaltet, so daß man an allen Sehenswürdigkeiten der Stadt vorbeikommt. Nur zwischen Kilometer 11 und 14 gibt es eine Straße mit einer 180-Grad-Kehre, wo man also erst die Straße in die eine Richtung läuft und dann dreht und auf der anderen Straßenseite wieder zurückläuft. Ich persönlich finde solche Streckenabschnitte nicht so prickelnd, wobei es auch interessant ist, sich erst die Leute anzusehen die schon gedreht sind und vor einem laufen und danach die Leute zu sehen die noch folgen. Aber wie schon gesagt, laufe ich trotzdem lieber fortlaufend über neue Streckenabschnitte.

Streckenversorgung beim Milano Marathon
Die Streckenversorgung beim Milano Marathon ist ausgezeichnet und es gibt stilles Wasser in 0,3l-Flaschen, was wirklich sehr angenehm ist, um das Wasser etwas länger mitzunehmen und in Ruhe ein paar kleinere Schlucke zu nehmen, als mit einem Becher zu laufen, der kleckert und den man doch schnell wieder loswerden will. Besonders kollegial ist in Mailand auch, daß jeder seine Wasserflasche zunächst noch den anderen Mitläufern anbietet, bevor er sie wegwirft. Wer also am Versorgungspunkt mal danebengreift oder seine Flasche verliert, kann sich immer darauf verlassen, von einem anderen Läufer noch etwas zu bekommen. Es gibt auch isotonische Getränke in Bechern, Obst und Kekse und alle 5km kommen Erfrischungsstände mit Schwämmen, wobei auf den letzten beiden Stationen dann keine Schwämme mehr in den Wasserwannen zu finden waren. Wer also auf diese Art der Erfrischung steht, sollte seinen Schwamm aus dem Goodie-Bag mit ins Rennen nehmen. Bei Kilometer 20, 30 und im Ziel gibt es sogar glutenfreie Versorgungspunkte – etwas das ich so auch noch bei keinem anderen Marathon bemerkt habe.

Stimmung beim Milano Marathon
Die Begeisterung der Zuschauer hält sich in Mailand doch relativ in Grenzen. Während beispielsweise in Berlin die ganze Stadt im Marathonfieber zu sein scheint, jedenfalls in der Innnenstadt und an der Strecke, wirkt der Marathon in Mailand irgendwie als Randerscheinung. Die Streckenabschnitte sind zwar mit in luftigem Abstand stehenden Zuschauern gefüllt und eigentlich steht auch über die gesamte Distanz immer jemand am Rand, aber Stimmung machen ist in Mailand wenig verbreitet. Zum Glück lief ich ja direkt mit den Pacern und diese riefen die Zuschauer immer wieder auf, etwas Stimmung zu machen, so daß es für unseren Pulk doch immer wieder ein paar Zurufe und Sonderapplaus gab. Aber ohne Animation kam nicht viel vom Publikum.
An der Strecke gab es auch einige kleine Bühnen, die aber mehr gewollt als gekonnt rüberkamen. Auf der ersten Bühne stand ein Sänger, der italienischen Pop sang, dann gab es eine Bühne wo ein vereinsamtes Mischpult irgendwelche Musik abspielte, ich würde sagen es war von ein Radiosender, und dann gab es noch eine Bühne mit einem Sänger der furchtbar schlecht Nirvanasongs von sich gab. Da hätte ich in Italien ehrlich gesagt mehr Partystimmung erwartet.

Das Wetter in Mailand war einer der Hauptgründe, warum ich mich überhaupt für den Marathon in Mailand entschieden hatte. Hannover oder Hamburg sind zwar ebenfalls Marathons von denen ich immer wieder viel Positives höre, die aber auch gerne mal von Wind oder Regen oder beidem heimgesucht werden können. Und bis jetzt konnte ich solche Bedingungen bei meinen Marathons immer vermeiden und so darf es gern bleiben. In Mailand herrschten in den Tagen vor und nach dem Marathon etwa 20 Grad und Sonnenschein, aber das Wetter verschlechterte sich genau am Vorabend des Marathons und Regen kühlte die Wetterlage ein wenig ab, so daß am Renntag etwa 15 Grad und leichte Bewölkung angesagt waren – perfektes Marathonwetter. Und als dann am Mittag doch die Sonne durchkam und es etwas wärmer wurde, war ich glücklicher Weise schon nah genug am Ziel, um nicht mehr großartig darunter leiden zu müssen.

Insgesamt bin ich den Marathon ziemlich lehrbuchäßig durchgelaufen und habe eine relativ konstante Pace von rund 4:50 gehalten und es war mit ein innerliches Fest, diverse Macholäufer die mir wegen stressiger Faxen in der Hälfte aufgefallen waren, wegbrechen zu sehen und mit meiner konstanten, lockeren Dynamik weiterzuziehen und sie schliesslich zu überholen. Bei Kilometer 40 hatte ich dann meine Pacemaker plötzlich wieder in Sichtweite, die ich zuvor während einer kleinen Entwässerungspause verloren hatte, und konnte bei Kilometer 40 sogar auf eine 4:34 Pace beschleunigen und auch daran vorbeiziehen. Das Ziel erreichte ich letzlich mit einem Endspurt nach 03:28:15 Stunden und lieferte in Mailand damit meinen drittbesten Marathon ab – und das nur 17 Sekunden hinter meiner zweitbesten Marathonzeit aus Berlin.

Fazit zum Milano Marathon
Der Marathon in Mailand ist bestens organisiert und der Kurs ist schnell und einfach und taugt wegen der guten Versorgung und dem guten Wetter auch für Bestzeiten – wenn man es schafft sich schnell freizulaufen. Wahrscheinlich würde ich beim nächsten mal noch im Startblock aggressiver nach vorne drängen, um wirklich gleich hinter den Eliteläufern zu starten und die fehlplatzierten Leute mit 5er-Pace erst garnicht vor mir zu haben. Die Stimmung ist optimierungswürdig, aber dafür bietet die Stadt viele schöne Ecken für Sightseeing, Shopping und wunderbare Restaurants, um das Marathonwochenende und die Stadt zu genießen. Ob ich die Frage, ob ich den Mailand Marathon unbedingt noch einmal laufen möchte, mit ja beantworten würde, ist relativ unwahrscheinlich. Wenn ich noch aber noch einmal den Mailand Marathon laufen würde, dann mit dem Ziel knallhart auf Zeit zu laufen, denn die Gesamtbedingungen lassen auf jeden Fall Bestzeiten zu.

Bei Youtube ist auch die komplette Übertragung des Elite-Rennens zu finden, wo man sich sehr gut einen Eindruck von der Strecke, Verpflegungspunkten, Stimmung und Zuschauern machen kann. Falls Ihr mich in dem Dreistundenvideo zufällig irgendwo mit meinem weißen Saysky-Hemdchen und der Racenummer 2020 entdeckt, hinterlasst bitte einen Kommentar und wenn Ihr Fragen zu Mailand oder dem Mailand Marathon habt, natürlich auch!

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Kommentare
6 Antworten zu “Milano Marathon 2017 – Erfahrungen mit 42km durch Mailand”
  1. Din sagt:

    Ich hatte mich ja gefragt, wie es dir in Mailand ergehen wird und wie du den Lauf denn nun findest. Ich hatte ihn ja mehrere Jahre als Zuschauer kurz miterleben dürfen. Schade, dass es tatsächlich so ein Durcheinander gab, wie es von außen oft schien. Um so beeindruckender ist es, was du für eine großartige Zeit hingelegt hast! Herzlichen Glückwunsch.

  2. Daniel sagt:

    Danke, ich bin auch super happy damit wie alles gelaufen ist. Eigentlich war ich auf das große Leiden ab Km 30-35 eingestellt, aber siehe da!

  3. Markus sagt:

    Toller Bericht, kann dir für nächstes Jahr Barcelona ans Herz legen.
    War mein erster und ich fand die Stimmung dort ziemlich cool.

  4. Daniel sagt:

    Stimmt, Barcelona ist eine tolle Stadt. Aber der Marathon ist ja nochmal ein paar Wochen früher und das bedeutet das Marathontraining und die Longruns liegen noch weiter im Winter. Aber ich habe ja noch Zeit mich zu entscheiden. Danke schonmal für den Tipp!

  5. Markus sagt:

    Für mich war damals das 6h zeitfenster entscheidend :)
    Da der kurs bei fast allen Sehenswürdigkeiten vorbeigeht ist es ja auch ein absoluter Touri-Marathon also Spass haben steht da im Vordergrund ;)

  6. Daniel sagt:

    Hi, stimmt schon, aber wenn es läuft, dann läuft es und dann ziehe ich auch durch! ;-)

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