adidas SOLARBOOST im Test – Erfahrungen mit dem Energy Boost Nachfolger aus 2018

Mit einem geheimnisvollen Lauf in den Morgenstunden zur sogenannten Golden Hour bot adidas heute die Gelegenheit, erste Erfahrungen bei einem Testlauf mit dem neuen adidas SOLARBOOST zu sammeln.
Vorangegangen war eine Präsentation des neuen Laufschuhs in der adidas RUNBASE, um das neue Laufschuhkonzept genauer vorzustellen. Ich hatte mal wieder die Ehre und das Vergnügen, alle Details zum adidas SOLARBOOST schon zwei Tage vor dem offiziellen Launch zu bekommen und auch schon die ersten Runden mit dem neuen Flaggschiff der mittleren Preislage zu drehen.

Der adidas SOLARBOOST ist für adidas ein extrem wichtiges Produkt, da es den überaus populären adidas Energy BOOST ablöst, der 2013 das Fundament für den Siegeszug des BOOST-Materials legte, bevor dann 2015 mit dem Ultra BOOST der ganz große Durchbruch für BOOST als Non-Plus-Ultra bei Dämpfungssystemen für Laufschuhe begann. Damit endet also mit dem adidas Energy BOOST 4 aus 2017 diese Ära und wer auf den Energy BOOST 5 in 2018 gewartet hat, kann sich auf mehr freuen, als auf einen neuen Namen für diesen Laufschuhstar.

Beim SOLARBOOST hat adidas tief in das hauseigene Innovationsarsenal gegriffen und macht viele Technologien, die bisher eher dem Hochpreissegment vorbehalten waren, für die breite Masse zugänglich und kombiniert sie zu einem frischen Laufschuh, der seine Tradition nicht verleugnet, sich aber auch endlich optisch und technisch zeitgemäß präsentiert. Evolution statt Revolution war hierbei die Devise und bei meinen ersten Läufen hat mich der SOLARBOOST trotzdem deutlich mehr begeistert als der energy BOOST und könnte sich tatsächlich zu meiner neuen Allzweckwaffe für das Training entwickeln.

Was steckt im neuen adidas SOLARBOOST?
Mit am auffälligsten ist, daß der neue SOLARBOOST die Fersenkappe vom Ultra BOOST bekomen hat. Durch diese U-Form liegt der der mittlere Bereich des Hackens und der Achillessehne nur am weichen und flexiblen Textilmaterial an und kann sich einerseits flexibler bewegen und andererseits werden potentielle Reibestellen ausgeklammert – Blasen oder Scheuerstellen sind damit so gut wie ausgeschlossen. Mal abgesehen davon erleichtert dieses System mit der hochgezogenen Lasche am Hacken auch das bequeme Hineinschlüpfen in den Schuh.

Ein kleines aber feines Detail, daß den SOLARBOOST nicht nur optisch bereichert, ist das Energy Rail System, daß die BOOST-Sohle wie der Name schon andeutet, wie eine Schiene stabilisiert. Dabei fallen besonders die beiden größeren Keile auf, die an beiden Seiten des SOLARBOOST direkt an die Fersenkappe anschließen und dann deutlich schmaler in Richtung Vorderfuß auslaufen. Der SOLARBOOST gewinnt durch diese Technologie unheimlich an Stabilität und Führung, so daß das manchmal etwas schwabbelige und unpräzise Laufverhalten, daß teilweise beim Ultra BOOST bemängelt wird, hier beim SOLARBOOST beseitigt wird und der BOOST-Sohle und der Abrollbewegung eine gute Struktur und präzise Frührung gibt. Abgesehen davon erhöht sich der Seitenhalt über die größeren Rails im Mittelfußbereich enorm, sodass beim SOLARBOOST kein zusätzliches, stützendes System auf dem Obermaterial benötigt wird – wie beispielsweise der Cage, der beim Ultra BOOST eingesetzt wird.

Ebenfalls positiv auf das Laufverhalten und die Stabilität wirkt sich auch das TORSION System aus, daß das Fußgewölbe zusätzlich stützt und eine zu starke Verwindung des Vorderfußbereichs gegenüber dem Rückfußbereich unterbindet. Insgesamt kommen für die Mittelsohle beim SOLARBOOST 85% BOOST-Material zum Einsatz. Für den idealen Grip kommt auch beim SOLARBOOST wieder das Stretchweb von Continental als Außensohle zum Einsatz.

Spannend ist übrigens auch das neue Konzept für das Obermaterial beim SOLARBOOST. Insgesamt hat das Team aus Herzogenaurach versucht, den Schuhaufbau simpler zu gestalten und so kommen nun deutlich weniger einzelne Komponenten zum Einsatz und auch die Verarbeitung wurde mit neuen Produktionstechnologien smarter gelöst, wodurch gerade die Menge an Produktionsresten, wie beispielsweise Zuschnittresten extrem reduziert werden konnte. Wie auch beim Ultra BOOST basiert das Passform-Konzept für das Obermaterial auf dem Aramis-System, bei dem der Fuß und speziell die Bewegung und Dehnung der Hautoberfläche beim Laufen genau vermessen wird. So entsteht dann quasi eine ganz genaue Karte der Fußoberfläche, die definiert an welchen Stellen das Obermaterial flexibel und besonders weich sein muss, damit der Fuß ohne Reibung oder Scheuern arbeiten kann und an welchen Fußbereichen stabilere, stützende Zonen platziert werden können. Heraus kommt dann das sogenannte Tailored Fibre Placement, bei dem der gesamte textile Mittelfußbereich des Schuhs aus mehreren Lagen an Garn milimetergenau in mehreren Ebenen vernäht wird. Durch diese Kombination verschiedener Nahtformen, bei denen der Faden mehrfach übereinander geführt wird, entsteht ein sehr robustes und gut stabilisierendes Obermaterial, bei dem Material und Gewicht eingespart werden kann. Der SOLARBOOST liegt somit nun bei 295g Gewicht und hat gegenüber dem energy BOOST ganze 15g abgespeckt.

Während im Mittelfußbereich das Tailored Fibre Placement zum Einsatz kommt und auch 7% an Parley-Fasern aus recycletem Meeresplastik zum Einsatz kommen, erinnert das Material im Vorderfußbereich doch noch stark an das des Vorgängers. Allerdings wurde die Wabenstruktur hier abgelöst durch eine von TechFit inspirierte Bänder-Struktur, die das neoprenartige Material überspannt und stabilisiert.

Meine Erfahrungen aus dem Test des adidas SOLARBOOST
Bisher bin ich den SOLARBOOST bei einer größeren Runde über 15km gelaufen und war dabei in eher gemäßigtem Tempo von 5:30-6:00 Pace unterwegs und habe den SOLARBOOST aber auch mal mit 4:30 Pace angetippt. Die Passform beim SOLARBOOST ist wirklich sehr angenehm und Läufer mit schmalen und mittelbreiten Füßen sollten bestens damit zurechtkommen. Gerade die Kombination aus Energy-Rail, Obermaterial und Schnürung, lassen den Fuß fest mit dem Schuh verschmelzen. In der Standard-Schnürung hatte ich das Gefühl im hinteren Knöchelbereich etwas Spiel zu haben – wer es noch fester und stabiler mag, kann beim SOLARBOOST auch auf die Marathonschnürung ausweichen. Mit einer Sprengung von 10mm hat sich gegenüber dem energy BOOST nichts verändert, aber ich habe das Gefühl, daß man etwas tiefer im Schuh steht. Insgesamt überzeugt aber schon der erste Eindruck deutlich mehr, als beim Vorgängermodel, wo ich besonders beim Obermaterial nicht so richtig glücklich war. Leider hat adidas dem SOLARBOOST kein großes Update über dem Vorderfuß gegeben – Primeknit hätte den SOLARBOOST sicher noch atmungsaktiver gemacht, allerdings wäre dann wohl auch die Nähe zum ultra BOOST und anderen Premiummodellen entgültig zu groß geworden.

Das Wichtigste am SOLARBOOST ist aber das Laufgefühl und hier bin ich auch nach den wenigen Kilometern schon ziemlich sicher, daß der SOLARBOOST und ich gute Trainingsfreunde werden können. Ich finde das adidas beim SOLARBOOST eine wirklich gute Abstimmung aus Dämpfung, Einsatz von BOOST und Stabilisierung gelungen ist. Mit 85% BOOST bekommt man beim SOLARBOOST eine wunderbare Dämpfung, die jeden Laufstil unterstützt, hat aber gleichzeitig ein gut geführtes, stabiles Laufgefühl, weil Energy Rail und Torsion die Nachteile, die ein hoher BOOST-Anteil haben kann, sehr gut kompensieren.
Ehrlich gesagt, habe ich während meines Testlaufes zeitweise den Schuh komplett vergessen, was ein extrem gutes Zeichen ist. Denn gerade ein Trainingsschuh, soll einfach nur dezent unterstützen und weder agressiv auffallen, wie es bei direkteren, härteren Rennmodellen der Fall wäre, noch sonst irgendwelche Signale an meinen Körper senden auf die ich dann reagieren müsste. Für einen ersten Lauf in einem neuen Schuh, ist das schon ein tolles Gefühl, wenn es sich so vertraut und komfortabel anfühlt.
Wie schon gesagt, ist neben der Passform vor allem das Dämpfungs- und Abrollverhalten sowohl bei den langsamen als auch bei den schnelleren Passagen sehr gut. Ich kann mir auch vorstellen, daß der SOLARBOOST auch bei Intervalleinheiten auf der Bahn oder auf Asphalt sehr gut performt.
Dazu gibt es dann aber morgen ein Update, wenn meine nächste Intervall-Trainingseinheit mit dem SOLARBOOST im Kasten ist.

Fazit zum den Erfahrungen mit dem adidas SOLARBOOST Laufschuh
Dank zahlreicher, gut abgestimmter Updates ist der ehemalige energy BOOST nun als SOLARBOOST in der Zukunft angekommen und empfielt sich nicht nur wegen seiner soliden, zuverlässigen Laufeigenschaften für vielseitige Trainingsformate im Laufsport. Mit BOOST, TORSION und Continental Stretchweb bekommt man ein perfektes Paket aus Dämpfung, Stabilität und Grip um sowohl als Laufeinsteiger, aber auch als fortgeschrittener Läufer ein gutes Laufgefühl im SOLARBOOST zu haben.
Gerade die Vielseitigkeit des SOLARBOOST macht ihn sehr attraktiv, da er sowohl mit den diversen Laufstilen gut zurechtkommt, aber auch auf verschiedenen Belägen gut funktioniert. Daher werde ich den SOLARBOOST in den meisten Trainingseinheiten tragen und werfe auch ein Auge auf die Option, den SOLARBOOST als Marathonschuh im Wettkampf zu laufen. Aber bevor diese Entscheidung fällt, brennen der SOLARBOOST und ich erst noch ein paar Kilometer in den Boden. Ich werde mich dann mit einem Update zurückmelden, auch was die Performance auf der Bahn angeht.

Wie geht es weiter mit energy BOOST, Supernova Glide und SOLARBOOST?
Zunächst wird die energy BOOST Serie als SOLARBOOST weitergeführt und kommt zum Launch in den Farben Core Black Aqua und Real Lilac auf den Markt, also je ein Colorway für Frauen und einer für Männer. Zusätzliche Farben kommen dann später im Jahr dazu.
Zeitleich wird dann mit einem Update des Supernova und Supernova ST hin zum SOLAR Glide und SOLAR Glide ST das nächste Modell überarbeitet. Weitere Updates dazu bekommt Ihr dann auch in Kürze hier.

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