Endlich mal wieder Berge! Für mich als Berliner Flachlandläufer ist der Ruf der Berge Fluch und Segen zugleich. Einerseits ist man der flachen Trainingsstrecken auf Ashalt und im Wald einfach überdrüssig und als „Bildschirmarbeiter“ will man einfach mal raus in die Natur und die weiten, freien Panoramablicke genießen. Andererseits hat man schon ein bisschen Sorge, ob man mit den Anstiegen und der Höhenlage so ohne Weiteres zurechtkommt. Immerhin kommt man ja in Berlin von lächerlichen 47m über dem Meeresspiegel und startet dann seine Läufe schon auf über 1.000 Höhenmetern. Aber genug mit dem Kopfkino, die Sachen gepackt und ab nach Warth-Schröcken zu einem verlängerten Trailrunning-Wochenende bei bestem Wetter.
Anreise nach Warth-Schröcken
Für mich als Berliner wäre die Anreise nach Warth-Schröcken mit fast 800km schon ein ganz schöner Ritt, der auch seine sieben bis acht Stunden Fahrzeit benötigen würde. Gerade wenn man alleine reist und sich nicht beim Fahren abwechseln kann, schon eine Herausforderung. Also empfiehlt es sich, ein wenig abzukürzen. Ich hatte mich für meine Reiseplanung für den Flieger nach München entschieden, alternativ funktioniert das mit der Bahn. Denn von München sind es dann nur noch knapp drei Stunden bis ans Ziel. Ich hatte mir ein Miles geschnappt und dann mit Claus eine Fahrgemeinschaft gebildet – überaus praktisch, wenn man einen ortskundigen Mitfahrer dabei hat. Denn auch die Fahrt selbst ist schon ein Erlebnis – vorbei an malerischen Bergseen und über Panorama- und Waldstraßen. Doch bevor wir weiter in meine Erlebnisse beim Trailrunning-Camp einsteigen, stelle ich Euch die Region einmal näher vor.
Warth-Schröcken im Sommer: Wandern, Trailrunning und Bergabenteuer am Arlberg
Warth-Schröcken gehört zu den Orten, die dich nicht mit lauter Show begrüßen, sondern mit klarer Bergluft, weiten Blicken und Wegen, die direkt vor der Haustür starten. Die beiden Walserdörfer liegen in Vorarlberg zwischen Bregenzerwald, Lechtaler Alpen und Allgäuer Alpen. Diese Lage macht die Region im Sommer so spannend: Du wanderst über grüne Matten, läufst auf schmalen Trails an Bergseen vorbei, kletterst am Grat entlang oder suchst dir einfach einen stillen Platz mit Blick auf Fels, Wasser und Himmel.
Warum Warth-Schröcken im Sommer ein Sportrevier mit Charakter ist
Warth liegt auf rund 1.500 Metern, Schröcken reicht je nach Ortsteil von etwa 1.270 bis 1.500 Meter. Diese Höhe spürst du sofort: Die Luft wirkt frisch, die Tage bleiben auch bei warmem Wetter angenehm und viele Touren starten ohne lange Anfahrt. Wer gern draußen trainiert, findet hier ideale Bedingungen. Beim Wandern, Trailrunning oder Bergsteigen bewegst du dich oft oberhalb der Baumgrenze, sammelst Höhenmeter und bekommst mit jedem Schritt neue Ausblicke. Gleichzeitig bleibt die Region überschaubar. Du musst dich nicht durch Massentourismus kämpfen, sondern kannst deinen Tag nach Tempo, Kondition und Laune planen.
Modernes Wellnesshotel trifft auf Berghütte: Das Berghaus Schröcken
Als perfekter Ausgangsort für alle Outdoor-Erlebnisse ist das Berghaus Schröcken zu empfehlen, daß einen ganz besonderen Charme versprüht. Denn hier wurde das urige, minimalistische Gefühl, daß man von Wanderhütten und Berghütten kennt mit den Vorzügen eines modernen 4-Sterne-Hotels kombiniert. Auch bei den Wellnessanlagen auf unnötigen Pomp verzichtet – es ist alles vorhanden was man braucht, aber alles Unnötige und den Ort überladende wurde weggelassen. Besonders schön hat mir auch die Verwendung von alten Hölzern gefallen, die etwa den Saunen noch einmal einen besonderen Flair geben. Durch dieses Konzept hat man trotz der etwas größeren Anlage noch immer das Gefühl in einem Wanderhotel zu sein.
Wandern in Warth-Schröcken: Von Dorfwegen bis Gipfelmomenten
Wandern bildet im Sommer das sportliche Herz der Region. Du findest gemütliche Dorfwege, aussichtsreiche Rundtouren und alpine Routen, die Trittsicherheit verlangen. Für einen leichten Einstieg eignen sich Wege rund um Warth, Lechleiten, Gehren oder Schröcken. Dort läufst du durch alte Walserlandschaften, kommst an Holzhäusern vorbei und siehst, wie nah Kultur und Natur hier zusammenliegen. Wer mehr will, nimmt längere Touren in Angriff: etwa die Runde um den Widderstein, eine Sonnenaufgangswanderung aufs Wartherhorn oder eine Tour zum Hochalpsee. Viele Wege lassen sich gut kombinieren, deshalb kannst du aus einem kurzen Vormittagsspaziergang schnell eine sportliche Halbtagestour machen.
Besonders angenehm: Du brauchst nicht immer den Gipfel, um ein starkes Bergerlebnis zu haben. Schon auf den Panoramawegen öffnen sich Blicke ins Lechtal, in den Bregenzerwald und hinüber zu den markanten Felsformen des Arlbergs. Wenn ihr als Gruppe unterwegs seid, findet ihr leicht Touren mit verschiedenen Anspruchsniveaus. Ein Teil der Gruppe kann gemütlich wandern, andere hängen eine Gipfelschleife an oder laufen einen Trailabschnitt. So bleibt der Tag flexibel, ohne dass ihr euch komplett aufteilen müsst.
Trailrunning über 1.500 Meter: Laufen mit Aussicht und Höhenreiz
Trailrunner bekommen in Warth-Schröcken ein Gelände, das mehr bietet als schöne Kulisse. Viele Strecken starten hoch, führen über Wiesenpfade, Schotterwege, Waldpassagen und technische Abschnitte. Dadurch trainierst du Kraft, Koordination und Ausdauer in einem. Die Region teilt die Routen nach Schwierigkeit ein: leichte Läufe zum Reinschnuppern, mittlere Touren mit deutlich mehr Höhenmetern und schwere Runden für erfahrene Läuferinnen und Läufer. Die Königstour gilt als große Herausforderung. Sie umrundet Warth und Schröcken, bringt rund 43,7 Kilometer zusammen und sammelt über 2.100 Höhenmeter. Das klingt nach Wettkampfgefühl, funktioniert aber auch als persönliches Abenteuer, wenn du es gut planst und genug Zeit mitbringst.
Für Einsteiger lohnt sich ein anderer Ansatz: Starte kurz, laufe bewusst langsam und nutze die Höhenlage als Trainingspartner. Auf über 1.500 Metern fühlt sich dein Puls schneller wach an. Du merkst das besonders an steileren Rampen. Geh dort ruhig ein paar Schritte, atme gleichmäßig und genieße die Aussicht. Trailrunning heißt hier nicht, jeden Anstieg durchzudrücken. Es geht um Rhythmus, saubere Schritte und den Wechsel aus Laufen, Gehen und Staunen.
Karhorn, Wartherhorn und Widderstein: Diese Berge prägen die Region
Das Karhorn zählt zu den bekanntesten Bergen rund um Warth. Sein Gipfel erreicht 2.416 Meter, und der Karhorn-Klettersteig macht den Berg zu einem echten Sommerziel für alle, die Fels unter den Händen mögen. Der Ostgrat eignet sich für Klettersteig-Einsteiger mit etwas Erfahrung in den Bergen, der Westgrat fordert deutlich mehr. Du brauchst Klettersteigset, Helm, feste Schuhe, Trittsicherheit und einen klaren Blick auf das Wetter. Dafür bekommst du einen Grat, der sich luftig durch die Felsen zieht und immer wieder Blicke Richtung Bregenzerwald, Lechtal, Warth und Lech freigibt.
Direkt daneben spielt das Wartherhorn seine Stärken aus. Es eignet sich hervorragend für Sonnenaufgangstouren, weil du relativ schnell Höhe gewinnst und oben ein Panorama bekommst, das den frühen Start rechtfertigt. Der Widderstein wirkt dagegen wie ein wuchtiger Wächter am Hochtannbergpass. Viele Wandernde umrunden ihn, statt ihn direkt zu besteigen. Genau diese Runde zeigt, wie abwechslungsreich die Landschaft hier ist: grasige Hänge, steinige Passagen, weite Sättel und immer wieder dieser markante Bergkörper, der die Richtung vorgibt. Dazu kommen Ziele wie Biberkopf, Mohnenfluh oder Hochalpsee, die sportliche Tage mit klaren Naturbildern verbinden.
Körbersee, Lech und Bergwiesen: Natur, die dich langsamer werden lässt
Sport macht in Warth-Schröcken viel Spaß, doch die Natur gibt dem Ganzen Tiefe. Der Körbersee gilt als einer der schönsten Plätze Österreichs und zeigt, warum Bergseen mehr können als Postkartenromantik. Du kommst dort nicht hin, um schnell ein Foto zu machen und weiterzurennen. Du bleibst stehen, hörst das Wasser, siehst die umliegenden Gipfel und spürst, wie der Puls sinkt. Für Wandernde eignet sich der See als Ziel, Pause oder Höhepunkt einer längeren Runde.
Auch der Lech prägt die Region. Er gehört zu den letzten Wildflüssen Europas und bringt eine andere Art von Bewegung ins Spiel. Neben klassischen Bergsportarten locken Canyoning, Wildwasserschwimmen und Abenteuerangebote, wenn ihr mehr Adrenalin sucht. Gleichzeitig zeigen die Bergwiesen im Sommer ihre ruhige Seite. Alpenblumen, Weideflächen, schmale Pfade und klare Bäche sorgen dafür, dass selbst harte Trainingstage nicht nur nach Leistung aussehen. Du trainierst hier nicht gegen die Natur, sondern mit ihr.
Outdoor-Abenteuer für Familien und sportliche Gruppen
Warth-Schröcken spricht nicht nur ambitionierte Bergsportler an. Familien, Freundesgruppen und Vereine finden ein breites Programm, das sich gut staffeln lässt. Die Region wirbt mit ihren „BIG5“: Dazu zählen Abenteuer wie Canyoning, Wildwasserschwimmen im Lech, Klettersteiggehen, Ziplining und der Abenteuerpark.
Gerade für gemischte Gruppen zählt diese Vielfalt. Nicht alle wollen jeden Tag ans Limit gehen. Manche suchen den Gipfel, andere den See, wieder andere eine kurze Runde mit gutem Kaiserschmarrn danach. In Warth-Schröcken lässt sich das gut verbinden. Plant eure Touren so, dass ihr gemeinsame Treffpunkte habt: eine Hütte, eine Bergstation, einen See oder einen Aussichtspunkt. So entsteht ein Urlaub, der sportlich bleibt, aber niemanden abhängt.
Tourenplanung: So holst du das Beste aus deinem Bergsommer heraus
Gute Planung entscheidet in den Bergen über Genuss und Sicherheit. Prüfe vor jeder Tour Wetter, Gewitterrisiko, Wegzustand und Höhenmeter. Packe auch bei Sonnenschein eine leichte Jacke ein, denn Wind und Temperatur wechseln in der Höhe schnell. Nimm genug Wasser mit, besonders beim Trailrunning. Ein kleiner Snack hilft, wenn die Beine am letzten Anstieg schwer werden. Für längere Touren lohnen sich Karte, GPS-Track und ein voller Akku. Verlass dich nicht nur auf dein Gefühl, wenn Nebel aufzieht oder der Weg durch Geröll führt.
- Wähle Touren nach Kondition, nicht nach Instagram-Motiv.
- Starte früh, wenn du Gipfel, lange Runden oder Klettersteige planst.
- Nutze Bergbahnen clever, aber unterschätze den Rückweg nicht.
- Trage feste Schuhe mit gutem Profil; auf Trails und Graten zählt jeder Schritt.
- Respektiere Weidetiere, bleib auf Wegen und nimm deinen Müll wieder mit.
Die besten Erlebnisse für aktive Sommertage
Wenn du zum ersten Mal nach Warth-Schröcken kommst, starte mit einer Panoramawanderung. Sie zeigt dir die Dörfer, die Täler und die wichtigsten Gipfel. Am zweiten Tag kannst du dich steigern: Wartherhorn zum Sonnenaufgang, Hochalpsee als sportliche Halbtagestour oder eine Runde Richtung Widderstein. Trailrunner wählen am Anfang eine leichte Strecke rund um Warth oder Schröcken und steigern dann Distanz und Höhenmeter. Wer Klettersteigluft schnuppern möchte, schaut sich den Karhorn-Ostgrat an, aber nur mit passender Ausrüstung und sicherer Selbsteinschätzung.
Für einen sportlichen Kurztrip reicht schon ein verlängertes Wochenende. Freitag ankommen, eine lockere Dorfrunde laufen, Samstag eine große Wanderung oder Trailrunde planen, Sonntag den Körbersee besuchen und mit müden Beinen, aber klarem Kopf heimfahren. Wer länger bleibt, kann die Region tiefer erleben: ein Tag Klettersteig, ein Tag Wasserabenteuer, ein Tag Regeneration auf leichter Strecke. Genau diese Mischung macht Warth-Schröcken stark. Du findest Herausforderung, aber du musst sie nicht jeden Tag suchen.
Drei Tage Trailrunning in Warth-Schröcken – Meine Erlebnisse und schönsten Momente
Als ich mit meiner kleinen Fahrgemeinschaft das Berhaus Schröcken erreichte, warteten die anderen schon. Eine bunte Truppe aus Journalisten und Sportlern und damit die perfekte Mischung, für einen guten Austausch rund um den Outdoor-Sport. Netter Weise wurden wir für unsere Touren von Anna-Lena Döring von Mammut ausgestattet und so war der erste Programmpunkt dann auch die Anprobe der neuen Aenergy Trail All-Mountain Laufschuhe und des zugehörigen Laufoutfits, bevor wir uns dann auf den Weg zur ersten Dorfrunde machten.
Inmitten des saftigen Grüns der Berghänge konnte man schon zum Beginn unserer Laufrunde das Weltfriedenskreuz am Simmel sehen. Es ist ein riesiges Kreuz, daß diesen Ort zu einem Ort für Hoffnung und Frieden machen soll – und nun eben den Simmel auf 1.751 Metern über dem Meeresspiegel schmückt. Also auf, den ersten Anstieg hinauf mit dem Blick auf den idyllischen Kalbelesee vorbei. Die Anreise und die ungewohnte Höhenluft erschweren die Anstiege ein wenig, aber dafür saugt meine Seele die Bergpanoramen und die Weite auf wie ein Schwamm. Es ist fast wie ein großer, tiefer Atemzug – nur das meine Seele diese Freiheit und Schönheit der Berge atmet. Und als es ein paar Meter weiter dann an der ersten Weide vorbeigeht, wo uns die Kühe mit ihrem Geläute empfangen, zeigt sich wieder der Bergeffekt. Meine Arbeit, die E-Mails, die nicht abgehakten Projekte auf der Todo-Liste – es ist alles weg und ich bin hier und jetzt.
Mit einer Kamera voller Kuhselfies geht es weiter zum Körbersee, am Falkenkopf und Sonnenkopf vorbei. Die ersten Murmeltiere pfeifen ihre schrillen Warntöne, also wir uns auf den schmalen Trails weiter voranarbeiten. Noch sind sie schneller als wir – aber auch Murmeltierfotos werden uns noch gelingen. Doch erst einmal geht es zurück ins Berghaus, wo wir beim gemeinsamen Abendessen etwas näher kennenlernen. Gerade ich falle als weltweiter Straßenmarathonläufer natürlich etwas aus dem üblichen Muster – aber gerade deshalb ist es für mich spannend von den ausgezeichneten Ultra-Trailläuferinnen mehr über Rennstrategien, Verpflegungsstrategien und die mentale Vorbereitung zu lernen. Und ein paar Dinge werde ich vor dem Berlin-Marathon auf jeden Fall ausprobieren!
Am zweiten Morgen ziehe ich die Gardine vor meinem Fenster beiseite und starre eine Bergziege an. Oder starrt sie mich an? Jedenfalls gibt es wohl keinen besseren Start in den Tag als hinter der Gardine ein Bergpanorama samt kleiner Kirche, ein wenig Wald und eben einer grasenden Ziege vorzufinden. Also schnell rein in die Laufklamotten und ab zum Frühstück. Hier gibt es alles, was das Läuferherz begehrt. Bircher-Müsli, Porridge, Chia-Pudding und natürlich die klassischen Elemente eines kontinentalen Frühstücks.
Wenig später treffen wir uns an der Bushaltestelle, um zum Ausgangspunkt unserer heutigen Tour zu fahren. Den Wanderbus kann man mit seiner Gästekarte kostenlos verwenden und kommt so bequem durch die ganze Region. Als wir aussteigen, liegt der 2.039 Meter hohe Sonnenkopf schon majestätisch hoch über uns. Also Stöcke raus und los geht der Aufstieg bis zum ersten Plateau. Ab hier sieht es fast schon aus wie auf einem kitschigen Berggemälde. Saftiges grün überall, die schroffen Felsen über uns und schmale Trails, die von Blüten gesäumt werden. Der Hund unseres Bergwanderführers tollt glücklich um uns herum – es braucht so wenig um sich glücklich und frei zu fühlen. Und vielleicht fühle ich mich ja auch gerade ein bisschen wie der Hund und würde am liebsten auch Jauchzend herumhüpfen.
Wir haben in diesem Streckenabschnitt kaum Höhenmeter zu überwinden und so kann man ganz entspannt laufen und den Blick ganz dem weiten Bergpanorama widmen. Nur eine kleine Schleife später sind wir am Hochalpsee angekommen und wer sich traut, nutzt den Moment für eine schnelle Erfrischung. Das kalte, klare Bergwasser ist ein absoluter Frische-Kick. Das Kältegefühl verschwindet schnell und weicht einem Gefühl der Frische und Klarheit, im Geiste und im Körper. Energetisch aufgeladen laufen wir weiter zur Widdersteinhütte, wo ich mich nicht zwischen der klaren Rindersuppe mit Kräuterknödel und dem selbstgebackenen Zwetschgenkuchen mit Schlagobers entscheiden kann. Also nehme ich einfach Beides und bereue nichts!
Nach knapp 14 Kilometern und 760 Höhenmetern sind wir wieder auf dem Weg zur Bushaltestelle, nehmen aber noch einen Schlenker über den Simmel. Denn wie sich herausgestellt hat, kann man sich beim Weltfriedenskreuz auch in ein Gipfelbuch einschreiben. Mit meiner persönlichen Geschichte als Jemand, der in Ostberlin hinter der Mauer ausgewachsen ist, ein absolutes Muss.
Im Hotel bleibt noch Zeit für ein paar entspannte Runden in der Sauna und dafür einfach nur von meiner Sonnenliege aus in die Weite zu starren. Die Berge, der Himmel und die Wolken – und immer wieder von vorn.
Am Abend lernten wir dann von Angela Schwarzmann noch mehr über Warth-Schröcken und das Berghotel und die Ultratrailrunnerin Jennifer Romanowski und Trailrunning-Experte Gerhard Gstettner teilten ihre Gedanken zum Laufen in den Bergen und dem Trailrunning-Konzept der Region. Gerade Jennifer Romanowski ist eine ganz außergwöhnliche Persönlichkeit und daher möchte ich Euch hier auch auf ihren Heartbeat Ultra Charity-Event hinweisen, an dem man virtuell oder vor Ort teilnehmen kann und den ich in diesem Jahr auch supporten werde.
Am nächsten Tag macht mir leider meine Reiseplanung einen Strich durch die Rechnung. Gerne wäre ich den Karhorn Klettersteig in Begleitung des Bergführers Christian Fritz mitgegangen. Aber das Risiko, meinen Rückflug zu verpassen wollte ich dann doch lieber nicht eingehen. Also haben sich nach der Auffahrt mit dem Steffisalp Express die Wege getrennt. Während die eine Hälfte auf dem Klettersteig den Karhorn mit seinen 2.416 Metern überquerten, machte ich mich auf den Weg um eben diesen zum Umrunden.
Und obwohl ich unglaublich gerne den Klettersteig gegangen wäre, war auch dieses alleine Laufen eine echt inspirierende Erfahrung. Denn für weite Teile meiner dreistündigen Tour war ich ganz allein unterwegs – kein Mensch weit und breit. Was sich anfänglich noch etwas beängstigend anfühlte, wandelte sich schnell zu einem wahnsinnig tollen Gefühl der Freiheit und einer intensiven Verbindung mit der Natur. Einerseits der Respekt vor dem Berg und den unsichtbaren Gefahren – ein falscher Tritt, ein Ausrutscher könnte alles ändern. Andererseits diese machtvolle majestätische Schönheit der Natur und dieses Gefühl sich auf die Beine und die läuferische Erfahrung verlassen zu können. Und wenn man so still und allein unterwegs ist, dann klappt das auch mit den Mumeltieren.
Vielleicht haben mir diese 13 Kilometer mit ihren 894 Höhenmetern ja letztlich doch viel mehr gegeben, als der Klettersteig. Mit einem Gefühl der Erfülltheit sitze ich dann wenig später in der Gondel und fahre zurück zur Talstation, wo schon das Auto für die Heimfahrt wartet. Noch einmal geht es durch die malerischen Landschaften zurück in Richtung München, aber nicht ohne Zwischenstopp am Plansee. Das türkisblaue Wasser ist einfach zu verlockend, um nicht doch noch schnell eine Runde zu Schwimmen.
Und vielleicht ist so ein verlängertes Wochenende ja nicht jedermanns Sache. Aber ich fühle mich nach drei Tagen in Warth-Schröcken so viel geerdeter, entschleunigt, aber auch glücklich und stolz wegen der gemeisterten Herausforderungen. Wenn man also einmal schnell aus seinem Alltagshamsterrad entkommen will, gibt es wohl nichts besseres als drei Tage auf den Pfaden in und um Warth-Schröcken zu verbringen.
Fazit: Bergsommer mit Tempo, Weitblick und Naturgefühl
Warth-Schröcken ist kein lauter Outdoor-Spielplatz, sondern ein echtes Bergsportrevier. Du kannst hier gemütlich wandern, ernsthaft trainieren, über Grate steigen, an Bergseen pausieren und dich jeden Tag neu entscheiden, wie viel Abenteuer du brauchst. Karhorn, Wartherhorn, Widderstein, Körbersee und Lech geben der Region ihr Gesicht. Die Höhenlage sorgt für frische Luft und sportlichen Reiz, die Walserdörfer bringen Charakter, und die Wege führen schnell mitten hinein in die Natur. Wenn du Sommerurlaub suchst, der Bewegung, Landschaft und klare Erlebnisse verbindet, solltest du Warth-Schröcken auf deine Liste setzen.














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