adidas ultra boost

Getestet: Erfahrungen mit dem adidas ultra boost

Ein wenig Skepsis hat die Ankündigung ja schon in mir hervorgerufen, daß adidas angeblich den besten Laufschuh aller Zeiten entwickelt hat. Um so gespannter war ich auf die offizielle Vorstellung in Berlin am vergangenen Donnerstag, bei der ich den adidas ultra boost dann auch eine erste kleine 6 Kilometer-Runde in der Gruppe probelaufen konnte.

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Heute nun habe ich Ihn über knapp 14 Kilometer Asphalt, Waldboden im lockeren Trab und bei 20*250m Intervalltraining getestet und wage mich an ein erstes Urteil. Sollten sich morgen bei meiner 20-24km Trainingsrunde noch neue Aspekte ergeben, werde ich diese natürlich noch nachreichen.

Kommen wir zunächst zum Aufbau des Schuhs. Das Obermaterial ist aus Primeknit, also einem gewobenen Material, daß einerseits eine gewisse Festigkeit besitzt, andererseits aber auch so dehnbar ist, daß der Fuß in seiner natürlichen Funktion nicht eingeschränkt wird. Gerade die Zehen spreizen sich natürlicher Weise beim Auftreten und Abrollen auseinander und in vielen Schuhen stossen dann die Zehen an die Innenseiten der Schuhe und können daher diese Bewegung nicht frei durchführen. Ähnliche Konzepte für das Obermaterial kennt man vom Nike Free, Nike Rosherun oder Under Armour Speedform Apollo, aber der adidas Ultraboost sitzt bei mir besser am Fuß und hat eine höhere Seitenstabilität durch die beidseitigen Plastikbügel – also die drei Markenstreifen, in die auch die Schnürung eingebunden ist und macht somit hier erste Pluspunkte.

Konstruktion des adidas ultra boost

Konstruktion des adidas ultra boost

Ein keines aber feines Detail ist auch die Fersenkappe, die nicht wie üblich ein durchgängiges Bauteil ist, sondern hat in der Mitte einen größeren Spalt, der textil überbrückt wird. Dadurch ist der Schuh an der Ferse flexibler, das anziehen leicher und vor allem ist die klassische Reibungsstelle, die bei vielen Läufern zu Blasen führt dadurch komplett entschärft worden. Blasen kann man also an dieser Stelle rein von der Konstruktion nicht bekommen bei diesem Schuh.

Der große Knackpunkt des adidas ultra boost liegt aber in der Sohle, die nicht aus EVA besteht, sondern aus dem von BASF in Kooperation mit Adidas entwickelten eTPU-Material, daß man beispielsweise von Bodenmatten aus dem Fitnessstudio kennt. EVA unter diversen Bezeichnungen in den meisten Sportschuhen verwendet wird ist dem eTPU-Material in diversen Punkten unterlegen. Bei EVA ist zum Beispiel eine Verformung nur bis zu etwa 20% möglich und bei Kälte nimmt die Elastizität stark ab. Deswegen haben die meisten Schuhe unten diese tiefen Rillen oder Keilformen in der Sohle, da an diesen Kanten das Sohlenmaterial sich zusätzlich biegen kann und z.B. das Abrollen erleichtert wird bzw. die notwendige Biegefähigkeit des EVA-Materials erst erreicht wird. Wegen der geringeren Dämpfungseigenschaften von EVA sind viele stark gedämpfte Schuhe demzufolge auch mit höheren, dickeren Sohlen ausgestattet, da man für mehr Dämpfung einfach mehr Material benötigt. Außerdem kann ein Schuh, der einem im angenehm geheizten Schuhgeschäft wunderbar gefällt, beim winterlichen Lauf Probleme machen, wenn die Dämpfungseigenschaften von EVA aufgrund der niedrigen Temperaturen nachlassen. Wenn Sie das einmal erleben wollen, stellen Sie einfach mal Ihren Laufschuh über Nacht in die Gefriertruhe und biegen Sie am nächsten Morgen die Sohle bzw. versuchen Sie es – denn viel passiert dann nicht mehr – aber wer geht auch bei -18Grad laufen.

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eTPU ist EVA also in extrem vielen Punkten überlegen und zum Beispiel bei allen Temperaturlagen gleich dehnbar. Außerdem sind sowohl die Dämpungseigenschaften, als auch die Energie-Rückführung trotz der geringen Dicke des Materials extrem gut. Wegen der gleichmäßigen Dehnbarkeit des Materials, kann auch auf die üblichen Riffel, Schlitze etc. in der Sohle verzichtet werden – denn der Schuh verformt sich aufgrund des Materials automatisch an der Stelle, wo der Fuß des Trägers es verlangt. Und hier liegt auch einer der absoluten Vorteile des Schuhs. Der adidas ultra boost ist aufgrund des hochflexiblen Materials und der guten Däpmfung bei kleinem Gewicht ein Schuh, mit dem wahrscheinlich 90% der Läufer sofort ohne Probleme loslaufen können – egal ob 5km, Halbmarathon oder Trail.

Für mich persönlich bildet der Schuh außerdem ein tolles Bindeglied zwischen den zwei Welten der hohen Dämpfung und des Natural Running Gefühls. Wer bisher eine hohe Dämpfung für seinen Schuh benötigte, landete bei Modellen mit extradicken Sohlen und bekam vom eigentlichen Laufgefühl und dem Untergrund nichts mehr mit. Fuß und Boden waren quasi komplett isoliert. Herkömmliche Natural Running Schuhe ermöglichen ein tolles Laufgefühl, da man die Straße, die kleinen Wurzeln und Unebenheiten im Wald eben noch spürt und der Fuß eine gewisse sensorische Verbindung zum Untergrund hat und darauf reagieren kann. Allerdings kann dieses natürliche Gefühl nur durch eine reduzierte Dämpfung erreicht werden, daß bei vielen ungeübten Läufern schnell zu Problemen führen kann, da der Fußapparat für Fivefingers, inov8 & Co. erst trainiert werden muss.

Mit dem ultra boost ist das natürliche Laufgefühl auch für Einsteiger sofort möglich, aber wegen der hohen Dämpfung schonend und verletzungsfrei möglich und Natural Running Fans können hohe Trainingsbelastungen durch die höhere Dämpfung ausgleichen. Das Laufgefühl im ultra boost kann man ein wenig beschreiben, wie als wenn man auf festerer Knete läuft. Man merkt deutlich wie sich das Sohlenmaterial unter dem gesamten Fuß beim Auftreten entsprechend dehnt und wirklich gleichmäßig Energie aufnimmt und absorbiert. Auch die Energierückgabe ist deutlich zu merken, besonders wenn man agressiver läuft und schnell mit hohem Druck auftritt, da das Sohlenmaterial nach der höheren Verformung auch stärker zurückfedert. Bei langsameren Läufen kann einem diese hohe Dämpfung ein wenig schwammig vorkommen, vor allem wenn man als Wettkampfläufer oder Natural Running Experte, sonst auch viel mit brettharten Schuhen unterwegs ist.

Ich bin gespannt, wie sich der Schuh bei noch schnelleren Asphaltläufen macht und bin wie beschrieben großer Fan des Konzeptes, da der Schuh den Fuß nicht bei der natürlichen Fußarbeit einschränkt und trotz Dämpfung auch ein Natural Running Gefühl erlaubt. Der Schuh ist also eher ein Kollege, der dem Fuß bei der Arbeit hilft, als ein Panzer, der die Arbeit komplett vom Fuß wegnimmt und bei dem dann der Fuß auch nicht trainiert wird.

Ich würde den adidas ultra boost jedem empfehlen, egal ob Einsteiger oder Fortgeschrittener, da es ein erstklassiger Trainingschuh ist, den man unbedingt im Portfolio haben sollte, auch wenn man als Profi für kürzere Renndistanzen vielleicht doch wieder zu einem noch radikaleren Modell greift. Aber vielleicht kommt ja irgendwann auch ein noch direkterer Schuh, der den aktuellen adizero Adios Boost 2.0 ablöst, mit dem derzeit viele aktuelle Marathonrekorde gelaufen werden.

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Kommentare
2 Antworten zu “Getestet: Erfahrungen mit dem adidas ultra boost”
  1. Uli Wagner sagt:

    Hallo Daniel, interessant wäre auch, etwas über die Dauerhaftigkeit des eTPU zu erfahren! Langzeiterfahrungen gibt es wohl noch nicht!?
    Gruß
    Uli

  2. Daniel sagt:

    Hi, also ich laufe den jetzt über ein Jahr und habe keine Probleme damit. Beim neuen Modell wurde eine Continental-Sohle verbaut, die bei Nässe weniger rutschig ist. Bei einigen anderen Läufern habe ich gehört, daß das Obermaterial Fäden ziehen kann, wenn man an Wurzeln etc. hängenbleibt, aber bei mir gibt es wie gesagt nach über einem Jahr keine wesentlichen Abnutzungserscheinungen.

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