Vibram FiveFingers V-RUN / BIKILA EVO 2 Test – Erfahrungen mit dem Minimalschuh

Es war lange eines dieser Merkwürdigkeiten und ich bin so froh, nun endlich damit aufgeräumt zu haben. Ich bin nun schon seit mehreren Jahren ein großer Verfechter des naturnahen Laufens und bin so oft es geht barfuß unterwegs und laufe auch längere Wettbewerbe mit Natural Running Schuhen. Bis jetzt habe ich aber noch nie den Klassiker des Barfußlaufens bzw. Natural Runnings, die Vibram FiveFingers, ausprobiert.

Was steckt eigentlich hinter der Natural Running Bewegung?
Eigentlich kann man die Philosophie des Natural Running bzw. der Barefoot-Running Bewegung recht leicht erklären. Der menschliche Bewegungs- und Laufapparat ist so konzipiert, daß man eigentlich komplett ohne Unterstützung laufen kann. Falsche Gewohnheiten und falsches Schuhwerk hindern den Körper jedoch daran, seine natürliche Funktion sauber auszuführen oder der Bewegungsapparat ist durch die andauernde Unterstützung durch Schuhe oder mangelndes Training nicht richtig entwickelt. Wer also von Hause aus wenig läuft, dessen Fußmuskulatur, Waden und speziell die Ferse, wird die Stöße beim Auftreten nicht richtig aufnehmen und ausgleichen können. Und so ist es auch mit der Fußsohle. Aber kaum jemand hat die Möglichkeit dauerhaft barfuß zu laufen und die lederartige, feste Fußsohle zu entwickeln, die vor Verletzungen schützt und vielleicht will man das aus ästehtischen Gründen auch garnicht. Wer sich übrigens für das pure Barfusslaufen interessiert und wie man damit durch den Alltag und speziell den Winter kommt, sollte ich mal zu Johannes Kwella durchschlagen, einem der größten Youtuber, der seit mehreren Jahren barfuß unterwegs ist. Aber zurück zum Thema. Die Fußsohle so auszuhärten, daß man wirklich komplett barfuß über alle Terrains kommt, ist zeitintensiv und für Leute mit normalen Bürojobs kaum zu machen. Aber die Lauftechnik und den Laufapparat hingegen, kann man so trainieren und stärken, daß er wieder so funktioniert, wie von der Natur geplant.

Klassiker Vibram FiveFingers
Für mich ist das „fast nichts“ auch eines der Themen, warum ich so begeistert vom Laufsport bin. Es braucht eben fast nichts dafür. Ein wenig Kleidung, um sich vor der Sonne zu schützen, etwas Schutz für die Füße, damit man sich nicht an Wurzeln, Scherben, Steinen und dergleichen verletzen kann. Auch die Energie hat der Körper in sich, wenn man sich normal ernährt und mit einem Schluck Wasser lässt sich vieles von dieser gespeicherter Kraft aktivieren. Genau bei diesem puren Laufvergnügen unterstützt Vibram mit den FiveFingers. Die Minimalschuhe sind so konstruiert, daß die Zehen und die Fußsohle zwar geschhützt sind, der Bewegungsapparat aber möglichst uneingeschränkt arbeiten kann.

Erfahrungen mit den Vibram FiveFingers V-RUN / BIKILA EVO 2 aus dem Test
Wie schon angesprochen sind die V-Run, die als Nachfolger des Bikila Evo fungieren, meine ersten FiveFingers, daher kann ich diese nicht mit anderen FiveFingers vergleichen. Die V-RUN sind aber speziell für Leute für mich konzipiert, die von normalen Laufschuhen auf Minimalschuhe umsteigen wollen. Der größte Unterschied zu herkömmlichen Laufschuhen ist die Zehentrennung, die den FiveFingers auch den Namen gab. Wie bei einem Fingerhandschuh, hat jeder Zeh eine eigene Zehenkammer und kann dadurch komplett unabhängig von den anderen Zehen arbeiten, während bei einem normalen Schuh der gesamte Vorderfuß auf einer Sohle ruht – was bedeutet das alle Zehen das Gleiche machen und starke Zehen die schwachen Zehen mitbewegen. Das Konzept der Natur, uns fünf separat steuerbare Zehen zu geben, wird ausgehebelt. In FiveFingers trägt man übrigens idealer Weise Socken – und zwar Zehensocken. Ich hatte bei meinen Testläufen die von Injinji getragen und welche von Knitido, es gibt jetzt aber auch Zehensocken direkt von Vibram.

Vibram-Fivefingers-Schnuersenkel-Lace-Lock

Der V-RUN hat ein besonders leichtes und dünnes Obermaterial, daß zusätzlich noch gelasert ist, also mit kleinen Luftlöchern versehen ist und damit ein extrem atmungsaktives, locker-luftiges Tragegefühl bietet. Man kann es fast mit dem einer dünnen Socke vergleichen. Toll finde ich auch das Schnürsystem. Die Schürsenkel sind aus einem recht festen, dünnen Material und beide Enden sind vorn verbunden und mit einem kleinen Plastikverschluss versehen, den man durch schieben öffen oder schliessen kann und damit die Festigkeit regulieren kann. Die beiden verbundenen Enden werden dann einfach per Klettverschluss am Schuh festgemacht. Hört sich kompliziert an, ist aber super einfach und sorgt dafür das das natürliche Laufgefühl nicht durch umherflatternde Schnürsenkel gestört wird. Normaler Weise muss solche Verschlusssysteme separat nachrüsten, wie durch das ähnlich funktionierende Lock Laces System. Bei den FiveFingers V-Run kommt dieses Extra gleich mit aus dem Karton.

VIBRAMFiveFingers-V-RUN-BIKILA-EVO-2-Laufschuhe

Zusammen mit den Zehenkammern ergibt sich aus dem luftigen Obermaterial, der komfortablen Schnürung und dem Leichtgewicht von nur 265g ein auf das wesentliche reduzierter Laufschuh, der ein schon fast gespenstig freies Laufgefühl ermöglicht und damit voll auf das natürliche Laufgefühl einzahlt. Die V-Run FiveFingers machen am meisten auf „besonderen“ Bodenbelägen Spaß, bei denen man etwas spüren kann. Auf Asphalt gleitet der Schuh wunderbar mit schönem Grip fast lautlos vorwärts und man kann sich voll auf die Fußtechnik und Lauftechnik konzentrieren und spüren wie die Gelenke und kleinen Muskeln im Fuß arbeiten. Am schönsten waren für mich aber die Läufe auf Waldwegen, bei denen man die Unebenheiten, Wurzeln, Steinchen und was einem eben so begegnet, an den Fußsohlen spürt und damit noch näher mit der Natur und der Strecke verwachsen kann. Dabei sind beispielsweise die Kieselsteine schon deutlich zu spüren und geben schon fast massageartige Impulse an den Fuß ab, der entsprechend darauf reagiert – es ist aber nicht so das es störend oder schmerzhaft ist. Das Highlight für mich war aber der Lauf auf der grasbewachsenen Deichkrone in Dänemark, wo ich dieses tolle Naturgefühl spüren konnte, so wie es sich eben anfühlt, wenn man barfuss durch den Rasen läuft, aber trotzdem vor bösen Überraschungen geschützt ist, die sich zwischen dem Gras verborgen haben könnten.

Wie ihr schon merkt, haben FiveFingers für mich definitiv auch eine spirituelle Komponente, weil sie das Ursprüngliche und das Spüren wieder möglich machen. Es gibt sicher Läufer, die sich in „SUV-Schuhen“, die alles wegpolstern, wegstützen und wegkompensieren, was in den Weg kommt, wohl fühlen und einfach dieses Panzergefühl mögen, bei dem man maximal abgeschirmt ist. Für mich ist das Laufen im Wald, ohne Köpfhörer, das Erleben von Wind, Wetter, Jahreszeiten und den Geräuschen in der Natur und auch das Fühlen vom Untergrund eine wichtige Komponente am Laufen und dafür sind die Vibram V-Run FiveFingers perfekt gemacht.

Für den Umstieg auf Natural Running oder Minimalschuhe, ist aber Geduld gefragt. Gerade bei den Zehen habe ich während des Laufens deutlich gemerkt, wie sehr die Zehen plötzlich arbeiten dürfen, wenn man sie aus dem Käfig normaler Schuhe befreit. Mein restlicher Laufapparat ist bei durchschnittlich 2.000 Kilometern Jahreslaufleistung so gut trainiert, daß ich die veränderte Belastung durch Minimalschuhe nicht besonders spüre.

Trotzdem sollte man es langsam angehen lassen und findet netter Weise gleich einen kleinen Trainingsplan zum Umstieg mit im Karton seiner Vibram FiveFingers. Dieser startet mit dem tragen der FiveFingers im Alltag, um sich an das Barfuß-Gefühl zu gewöhnen, führt über den Einsatz im Lauftraining bei etwa 10% der Trainingseinheiten über weitere Stufen bis zur vollständigen Gewöhnung an die neuen Minimalschuhe.

Ich werde die Vibram FiveFingers auch in meinem Marathontraining für den Berlin-Marathon gezielt einbinden, um neue Trainingsreize zu setzen. Und natürlich werde ich mir neue, spezielle Untergründe suchen, um darauf zu laufen – vielleicht das Herbstlaub?

Falls Ihr Euch für die Vibram FiveFingers V-RUN / BIKILA EVO 2 interessiert, bekommt Ihr diese für 139,90€ direkt bei Vibram oder im Fachhandel.

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Kommentare
2 Antworten zu “Vibram FiveFingers V-RUN / BIKILA EVO 2 Test – Erfahrungen mit dem Minimalschuh”
  1. Matthias sagt:

    Hi,
    kann der v-run auch nur im Alltag getragen werden oder sollte hierfür auf jeden Fall ein anderes Modell gewählt werden?
    Gruß Matthias

  2. Daniel sagt:

    Hallo Matthias, also rein technisch gesehen ist das kein Problem, aber modisch fällt man mit Fivefingers natürlich immer sehr auf. Besonders meine neonfarbene Variante wäre vielleicht etwas zu heftig. Aber es gibt ja auch Varianten in schwarz.

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