Test: Lauftechnik verbessern mit Kinematix Tune App und Einlegesohlen

Wie ich Euch schon berichtet habe, war der kleine Messestand von Kinematix auf der ISPO in diesem Frühjahr das Highlight der ganzen Messe. Denn mit dem Kinematix Tune stellte das portugiesische Start-Up die mit Sensoren bestückte Tune Einlegesohle für Laufschuhe vor, mit der sich über die Tune-App die Lauftechnik analysieren und verbessern lässt. Damals hatten sie nur einen Prototyp mit dabei, aber um so glücklicher war ich, daß ich noch mitten im Marathontraining meine persönlichen Kinematix Tune bekam und somit genug Zeit hatte, die Tune App und die Tune Einlegesohlen zu testen und Euch heute meine Erfahrungen mit dem System aufzuschreiben. Doch zunächst ein paar Worte zum Laufstil und Lauftechnik.

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Der ideale Laufstil
Grundsätzlich lassen sich die Laufstile in drei große Gruppen aufteilen, die darauf basieren in welchem Fußbereich ein Läufer den Boden berührt – Den Vorfußläufer (Forefoot Striker), den Fersenläufer (Heel Striker) und den Mittelfußläufer (Midfoot Striker). Die absolute Mehrheit der Läufer, also bis zu drei Viertel aller Läufer, landen auf dem Hacken und rollen dann über den gesamten Fuß wieder ab, um sich auf dem Vorderfuß angekommen, wieder abzudrücken für den nächsten Schritt. Etwas weniger als ein Viertel der Läufer sind Mittelfußläufer und wirkliche Vorderfußläufer sind extrem selten und meist nur im Profilager der Sprinter oder extrem schnellen Läufer anzutreffen.

Warum ist Vorfußlaufen ideal?
Vielleicht ist die Überschrift nicht ganz optimal, aber sie spiegelt die typischen Gedanken vieler Läufer wieder. Besser gefragt wäre, warum der Fersenlauf so ungünstig ist. Beim Fersenlauf, der oft auch mit großen, langen Schritten verbunden ist, sind die Kräfte beim Aufprall auf den Boden am größten, was zu einer maximalen Belastung für Muskeln, Bänder und Gelenke führt. Gleichzeitig ist es eine extrem ineffiziente Laufmethode, die besonders viel Kraft kostet und verschenkt. Denn bei jedem Aufprall auf den Hacken, tritt erst einmal eine Bremswirkung ein. Der Hacken wird also mit der Gummisohle des Schuhs schräg in den Asphalt gerammt (ja, ich übertreibe ein wenig) und gibt beim Aufprall vieles an Energie auf und leitet sie durch den Bewegungsapparat in Ferse, Knöchel und Knie. So abgebremst geht es dann beim Abrollen weiter über den Mittelfuß zum Vorfuß, wo dann wieder besonders viel Energie benötigt wird, um sich abzustoßen, damit man die weggebremste Geschwindigkeit wieder aufnimmt. Daher ist es besonders bei Fersenläufern wichtig, sich das richtige Schuhwerk zu besorgen, daß diese Belastungen beim Aufprall reduziert. Richtige Vorfußläufer interessieren sich hingegen weniger für den kompletten Aufbau der Sohle eines Laufschuhs. Die Schuhe sind bei Profiläufern mit der richtigen Lauftechnik eigentlich fast egal, besonders wenn man bedenkt, daß die dominierenden Marathonläufer Kenias, meistens ganz ohne Schuhe auf den staubigen Pisten trainieren.

Lauftstil umstellen
Grundsätzlich sollte man sich als Hobbyläufer und auch als ambitionierter Freizeitsportler erst einmal wenig Sorgen darüber machen, ob man nun seinen Laufstil ändert oder nicht. Eine Umstellung vom Fersenläufer vom Vorfußläufer ist sehr aufwändig und führt zu einer deutlich höheren Belastung vor allem der Achillessehne und der Wadenmuskulatur. Wer nicht ausreichend trainiert ist, erhöht damit schnell das Verletzungsrisiko und kann im schlechtesten Fall, garnicht im Wettkampf starten. Außerdem gibt es eine große Anzahl an Möglichkeiten, seine Zeit zu verbessern, die einfacher und weniger riskant zu erreichen sind, als über die Umstellung der Lauftechnik.

Lauftechnik verbessern
Trotzdem gibt es viele Möglichkeiten, die Lauftechnik zu verbessern und auch eine leichte Verschiebung vom Fersenläufer in Richtung Mittelfuß hilft, bessere Ergebnisse im Training und Wettkampf zu erzielen. Im Video von Newton gibt es dazu ein paar leicht umzusetzende Tipps, die helfen, die Lauftechnik zu verbessern. Grundsätzlich sollte man versuchen, mehr der vorwärts gerichteten Laufenergie zu erhalten und lieber mit kurzen, schnellen Schritten mit sehr kurzem Bodenkontakt zu arbeiten. So wandert auch der Aufprallpunkt mehr unterhalb des Körperschwerpunktes und fördert die Laufeffizienz.
Zusätzlich zur Lauftechnik und Schritttechnik sollte man sich mit Stabitraining um einen starken Rumpfbereich kümmern. Auch die generelle Haltung von Hüfte und Oberkörper, sowie der korrekte Einsatz des Armschwungs könnten recht einfach erlernt werden und bringen schnelle Forschritte.
Gerade für unterstützende Übungen bietet die Tune App von Kinematix ein tolles Trainingsprogramm mit Stabi-Übungen.

Lauftechnik analysieren und Fortschritte messen mit Kinematix Tune
Wer sich also entschlossen hat, seinem Laufstil etwas mehr Aufmerksamkeit zu widmen oder generell noch kein vernünftiges Gerät für die Erfassung von Trainingsdaten hat, ist mit Kinematix Tune perfekt beraten. Denn das Trackingsystem von Kinematix erfasst die Trainingsdaten wie jedes andere GPS-Trackingsystem und kann gelaufene Kilometer, die Strecke auf Karten, Zeit, Pace etc. wunderbar erfassen und schön gestaltet in der App darstellen. Doch die zusätzlichen Extras, die normale Laufuhren und Laufapps nicht bieten, machen das Tune-System eben so spannend. Und das ist die Aufzeichnung und Analyse laufstilspezifischer Daten.

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Einrichtung der Einlegesohlen von Kinematix Tune
Beim Bestellen des Tune-Systems gibt man seine Sohlenlänge basierend auf der Schuhgröße an und entfernt dann zunächst die reguläre Einlegesohle aus dem Laufschuh, der mit dem System ausgerüstet werden soll. Dann wird die mit Sensoren ausgerüstete Tune-Einlegesohle eingelegt und an der Außenseite in den Schaft des Laufschuhs eingeklinkt. Danach wird die reguläre Sohle des Sportschuhs wieder eingelegt und bedeckt dann die Tune-Sohlen. An den Außenseiten des Schuhs befindet sich dann ein Dockingsystem, in das die mit den Akkus und Bluetooth bestückten Module des Tune-Systems mit einem einfach handhabbarem Drehsystem eingeklinkt werden. Ich habe meine adidas Ultraboost mit dem System ausgerüstet und bin wirklich zufrieden, weil man keinen Unterschied spürt, wenn das System angeschlossen ist. Die Sohle fühlt sich genau so an und auch der Sensor an der Schuhseite macht sich nicht bemerkbar. Nur ein paar neugierige Blicke von anderen Läufern und Spaziergängern gibt es, wegen der kleinen, weiß leuchtenden Sensoren auf der Außenseite.

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Die Kinexmatix Tune App kann man sich kostenlos herunterladen aus dem App-Store und auch das Einrichten der App und verbinden mit den Tune-Sensoren ist kinderleicht gemacht. Für meinen Test habe ich übrigens ein iPhone 6S verwendet. Die Akkus in den Sensoren halten übrigens bis zu 10 Stunden im Dauerbetrieb und bis zu 30 Tage im Stand-By. Man kann also auch bei intensiverem Training locker eine Woche damit ohne Ladung unterwegs sein.

Die Messergebnisse von Kinematix Tune
Kommen wir zu den Highlights von Kinematix Tune und gleichzeitig für mich herausvordernstem Teil dieses Tests. Während jedes Laufes zeichnet Tune umfangreiche Trainingsdaten auf und zeigt diese auch in Echtzeit auf dem Display an – so kann man beispielsweise auf dem Laufband ganz gezielt mit der App vor der Nase an der Lauftechnik feilen – dann natürlich ohne GPS-Streckenaufzeichnung, aber mit allen Laufstildaten. Auch die Audiooptionen sind üppig, so daß man sich während des Laufes zu beliebigen Zeiten oder Entfernungen über die ausgewählten Messpunkte per Audioansage informieren lassen kann.

Diese Datenpunkte erfasst Kinematix Tune
Wie schon beschrieben, erfasst Kinematix Tune die Standarddaten eines Laufes, so wie man es von anderen Systemen auch kennt, also gelaufene Zeit, Speed (Pace) und die Gesamtentfernung. Dazu kommen dann die spezifischen Daten für die Analyse der Lauftechnik, die jeweils einzeln pro Kilometer angezeigt werden, aber auch als Durchschnittswert für den gesamten Lauf. So lässt sich dann die Veränderung des Laufstils bei verschiedenen Laufgeschwindigkeiten, aber auch bei zunehmender Ermüdung analysieren. Hier nun die Datenpunkte und warum diese relevant für die Lauftechnikschule sind.

* Steps (Schrittanzahl)
* Step Lenght (Schrittlänge)
* Cadence (Kadenz/Schrittfrequenz)
* Pace (Geschwindigkeit pro Kilometer)
* Ground Contact Time (Bodenkontaktzeit pro Kilometer)
* Heel Contact Time in % (Prozentuale Häufigkeit an Fersenbodenkontakten ggü. den restlichen Fußbereichen)
* Heel Striking Steps in % (Prozentuale Häufigkeit an Fersenlaufschritten)

Alle Daten werden für jeden Fuß einzeln erfasst, so daß man unsynchrones Laufen auch sehr leicht erkennen kann, wie beispielsweise eine unterschiedliche Bodenkontaktzeit pro Fuß. Darüber hinaus gibt es in der App kilometerbasierte drei Tabellen, die jeweils pro Kilometer und nach Pace die Ground Contact Time, die Heel Time und die Heel Steps auflisten. So kann man schnell analysieren, wie sich das Laufverhalten dieser Indikatoren bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten und zurückgelegten Entfernungen verändert.

Die einzelnen Messpunkte sind in der App farblich gekennzeichnet und zeigen sofort, in welchem Performancebereich man sich befindet. Und da kommt für mich auch der Punkt der Ernüchterung, denn das Messsystem zeigt einem gnadenlos die Wahrheit. Auch wenn ich schon wusste, daß meine Lauftechnik nicht optimal ist und auch mein Trainer mir signalisierte, daß ich für schnellere Zeiten, also Marathon in 3h zu finishen, stärker an meiner Lauftechnik arbeiten muss, hatte ich doch die Hoffnung das es nicht so schlecht um mich bestellt ist. Aber siehe da! Ich bin einer von den 75% Fersenläufern und freue mich mittlerweile schon, wenn die App nicht 100% Fersenlauf anzeigt, sondern ich mal auf 98% komme.

Trotzdem ist die Tune App und das Tune-Messsystem genau das Richtige, um die Winterzeit zu nutzen, wenn ich eben nicht spezifisch auf einen Wettkampf hinarbeite, gezielt Übungen für die Lauftechnik zu beginnen und diese Fortschritte mit Tune zu überwachen. Gerade wenn die Umfänge wieder reduzierter sind als in der Marathonvorbereitung, kann ich mit der App entweder auf dem Laufband oder bei kürzeren Einheiten bewusst auf dem Mittelfuß oder Vorderfuß laufen und dieses Training behutsam intensivieren, ohne mir gleich die Wade oder die Achillessehne anzuknacksen.

Wer übrigens keine Lust hat, mit dem Smartphone laufen zu gehen, kann das Tune-System auch über Android-Smartwatches betreiben und auch eine Unterstützung der Apple Watch ist in Planung.

KineMatix Tune ist derzeit noch nicht offiziell im Handel erhältlich. Die ersten Geräte werden schon im kommenden Monat ausgeliefert. Wer sich für das System der intelligenten Einlegesohlen interessiert, sollte also noch bis zum Oktober vorbestellen, da es derzeit nur 200€ statt 245€ für Vorbesteller kostet und mit einem zweiten, kostenlosen Paar Sohlen geliefert wird. So kann man gleich zwei paar Schuhe mit dem System ausrüsten, also beispielsweise Trainingsschuhe und Wettkampfschuhe. Bestellen kann man das System direkt im Kinexmatix Tune Shop, wo es auch viele weitere Infos gibt.

Ich bin jedenfalls von Tune begeistert und werde Euch auf dem laufenden halten, wie es um meine Lauftechnikfortschritte steht.

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