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Tokyo Marathon Reise – Vom Startplatz bis zur Medaille. Meine Erfahrungen und Ergebnisse von der Strecke in Tokio

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Der Tokio Marathon stellte für mich persönlich ein ganz besonderes Highlight dar, da ich in Tokio das sechste Rennen der Abbott World Marathon Series laufen und mir somit die berühmte 6er-Medaille der Six Majors sichern wollte. Aber auch unabhängig von der besonderen Bedeutung für mich, ist der Marathon in Tokio etwas ganz Besonderes und ein unglaublich tolle Erfahrung für alle Läufer. Mit fast 40.000 Startern ist es auch einer der 10 größten Marathons der Welt und eben der einzige der Majors in Asien.

Startplatz, Qualifikation und Anmeldung für den Tokio Marathon

Leider gehört der Tokio Marathon neben dem Boston-Marathon zu den Majors, für die es am kompliziertesten ist, einen Startplatz zu ergattern. Während man in Boston zumindest noch über eine gute Marathonzeit an einen Startplatz kommen kann, ist auch diese Option in Tokio nur für wirkliche Elite-Läufer vorbehalten, die deutlich unter 3 Stunden finishen.

Auch bei der Buchung über einen Marathon-Reiseveranstalter wird man wahrscheinlich zunächst erst einmal auf einer Warteliste landen, selbst wenn man denn die rund 4.000€ pro Person als Budget zur Verfügung hat. Denn durch die besonders strikte Corona-Politik in Japan hat sich in den letzten Jahren ein ziemlich üppiger Stau an Interessenten aufgebaut, die die ohnehin bestehende Startplatzknappheit noch einmal verschärft hat. Denn der Tokio Marathon gehörte zum Beginn der Pandemie zu den ersten großen Läufen der abgesagt wurde und damit die Absage-Schockwelle von der dann später auch Chicago, Berlin und New York betroffen waren, angeführt.

Letztlich fand der Tokio Marathon in diesem Jahr also nach drei Jahren zum ersten Mal wieder in alter Stärke und auch wieder mit internationalen Hobby-Läufern statt. Da er in 2020 komplett ausfiel, in 2021 nur für Eliteläufer stattfand und auch 2022 mit rund 20.000 Startern auch nur halb so viele Läufer unterwegs waren, wie üblich, gibt es also viele Läufer, denen nun nur noch der Tokio Marathon zur Komplettierung der Majors-Serie fehlt. Gleichzeitig hatten die Starter des abgesagten 2020er-Marathons auch die Möglichkeit den Start zu verschieben, sodass in diesem Jahr auch viele Startplätze an Läufer gingen, die eigentlich schon 2020 laufen wollten. Ähnlich sah die Situation auch bei den Reiseveranstaltern aus, die nun endlich Buchungen durchführen konnten, die ja eigentlich schon 2020 stattfinden sollten.

Wer also glaubt, mal eben schnell in Tokio laufen zu können, muss wohl etwas Glück mitbringen oder alternative Pläne haben. Natürlich kann man sich für die offizielle Lotterie registrieren, aber aus den dargelegten Gründen, sind die Chancen dabei ziemlich gering.

Eine Möglichkeit über die ich letztlich auch, zu meiner eigenen Überraschung, nach Tokio gekommen bin, sind die Charity-Startplätze. Es dauert ein wenig, sich durch die Liste der Charity-Organisationen zu forsten, bis man die Organisationen findet, die auch internationale Läufer akzeptieren. Hat man eine passende gefunden, so muss man sich dort auch erst bewerben mit einer Begründung, warum man ausgerechnet diese Organisation beim Lauf repräsentieren will. Im Zuge der Bewerbung gibt man dann auch eine Spendensumme an, die man mindestens garantieren möchte. Dabei gibt es auch ein Minimum, daß von der Charity-Organisation vorgegeben wird. Ich hatte mich als Starter für Care International Japan beworben und bin dort auch akzeptiert wurden. Dort lag die Spendensumme bei mindestens 100.000 Yen, also knapp 700€ – ich hatte aber einen höheren Betrag garantiert. Es geht ja schließlich um den guten Zweck und nicht nur um mein Laufvergnügen.
Jedenfalls bekommt man dann in diesem Erfolgsfall einen Code für die Registrierung und kann sich dann für den Marathon anmelden. Der Startplatz selbst kostet dann 25.300 Yen und noch einmal 1.000 Yen, wenn man einen Starterbeutel abgeben möchte, was zusammen rund 185€ sind.

Statistisch gute Chancen hat man auch bei den virtuellen Läufen des Tokio Marathon. Es gibt eine ganze Serie dieser Run as One Challenges, bei denen man beispielsweise virtuelle Halbmarathons läuft und bei denen unter allen Finishern ebenfalls Startplatze für den Tokio Marathon ausgelost werden. Die Teilnahme an der RUN as ONE – GLOBAL Virtual Run Series kostet pro Rennen 1.500 Yen, also nur etwa 10 € und in der Regel nehmen nur etwa 2.000 Läufer teil, sodass man deutlich bessere Chancen auf einen der 50 Startpätze hat, als bei der offiziellen Startplatzlotterie, wo sich deutlich mehr als 300.000 Leute um weniger als 40.000 Startplätze bewerben.

Wer also in Tokio laufen möchte, sollte sich lieber frühzeitig um den Startplatz kümmern und sich vielleicht auch schon mal auf die Warteliste bei einem Marathonreiseveranstalter setzen lassen.

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Tokio Marathon Reise: Flug, Hotel & Anreise

Auch bei der Reise nach Tokio haben Corona und die steigenden Energiepreise nicht gerade dafür gesorgt, daß dieses Laufabenteuer einfacher zu stemmen ist. Es empfiehlt sich, die Flüge sehr frühzeitig zu buchen und bei den Hotels nutze ich inzwischen häufig auch die kostenlose Storno-Option einiger Buchungsplattformen. Man reserviert also das Hotel schon, bevor man die Startplatzzusage hat und storniert notfalls. Denn ab dem Moment, wo der Marathonveranstalter die Startplatzzusagen verschickt, geht natürlich die Hotelnachfrage sprunghaft nach oben.
Ich hatte bei meiner Tokioreise auch ein wenig Glück, da ich auf volles Risiko schon im August gebucht habe, als noch die strikten Reisebeschränkungen galten und die Nachfrage noch gering war. Als diese Reisebeschränkungen dann am 11. Oktober fielen, erreichten auch die Flugpreise neue Dimensionen. Wie schon erwähnt, kann man bei den neuen, aktualisierten Preisen wohl mit rund 4.000€ pro Person rechnen für einen Wochentrip nach Tokio.

Unter anderem die Star Alliance fliegt täglich nach Tokio mit Maschinen von Lufthansa, ANA und Swiss. Da der Flug mit 13 Stunden ziemlich lang ist, lohnt es sich auch ein paar Meilen für ein Upgrade zu investieren. Auch an dieser Stelle empfehle ich wieder mit einer Reise-App wie etwa Timeshifter von rechtzeitig am Jetlag zu arbeiten. Mit +8 Stunden gegenüber Deutschland werden sonst die ersten Tage in Tokio ziemlich anstrengend.

Ansonsten gibt es zu beachten, daß Japan ein Bargeldland ist. Ziemlich verwunderlich, aber bei vielen Gelegenheiten kann man nur bar bezahlen. Und das fängt schon am Flughafen bei der Pasmo Card an, einer Guthabenkarte für den ÖPNV, die man nur mit Bargeld kaufen und aufladen kann. Dafür kann man dann aber super bequem an jeder Station durch die Kontrollpunkte und muss sich keine Gedanken um den Ticketpreis machen.

Da der Start und das Ziel beim Tokio Marathon ein paar Kilometer auseinander liegen, kann man sich beim Hotel also entscheiden, ob man lieber ganz nah beim Ziel oder ganz nah beim Start wohnen möchte oder keine Rücksicht darauf nimmt. Denn die Startzeit des Marathon ist mit kurz nach 9:00 Uhr relativ human und der ÖPNV gut organisiert, sodass man auch gut zu Start und Ziel anreisen und abreisen kann.

Ich hatte mich im JR Kyushu Hotel Blossom Shinjuku einquartiert, daß nicht nur nah zum Start, sondern auch insgesamt logistisch gut gelegen ist. Vom Bahnhof in Shinjuku fahren fast alle Linien ab und sowohl ein Shopping-Viertel, als auch ein Quartier mit vielen Restaurants sind gleich in der Nähe.

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Sightseeing: Sehenswürdigkeiten in Tokio

Mit mehr als 10 Millionen Einwohnern ist Tokio eine echte Megacity für deren Erkundung es einfach Zeit braucht. Ich bin am Dienstag Abend angereist und am Montag nach dem Marathon wieder abgereist, da ich beruflich zu eingespannt war. Wer den langen Flug auf sich nimmt und das entsprechende Budget investiert, sollte unbedingt länger bleiben.

Meine vier Tage haben daher eigentlich nur für die absoluten Highlights gereicht. Aber dafür habe ich ein paar Tipps, wie man das möglichst effizient gestaltet. Gleich am ersten Tag, sind wir gleich früh am Morgen zu einer Tagestour durch Tokio aufgebrochen und haben die wichtigsten Highlights auf einmal erkundet. Der Vorteil einer solchen Tour ist, daß man sich im noch leicht vom Jetlag vernebelten Zustand ganz auf den Guide verlassen kann und sich auf das Genießen konzentrieren kann. In dieser Tour haben wir dann sofort einen tollen ersten Eindruck von Tokio bekommen und wussten, welche Sehenswürdigkeiten wir uns vielleicht an einem anderen Tag nochmal ansehen würden.

Folgende Highlights haben wir am Tag 1 erkundet. Ich habe einfach mal die Beschreibung der Tour übernommen.

Entdecke 18 Orte und Aktivitäten in Tokio, die du unbedingt gesehen haben solltest bei einer Tagestour im Luxusbus. Besuche die berühmtesten Orte in Tokio, wie den Meiji-Schrein, Asakusa und den Kaiserpalast. Außerdem kannst du das 350 m hohe Observatoriums am Tokyo Sky Tree erklimmen, Matcha trinken und sogar eine Bootsfahrt unternehmen. Deine Tour beginnt um 08:00 Uhr morgens im Zentrum von Tokio, Shinjuku (an der Love-Statue). Mach es dir bequem in einem komfortablen klimatisierten Reisebus und fahre zunächst vorbei an Kabukicho, einer beliebten japanischen Kneipenmeile. Der Bus bringt dich zum „Meiji Jingu Shinto-Schrein“, einem der berühmtesten Shinto-Schreine in Japan. Dieser Schrein wurde 1921 für den Kaiser Meiji erbaut und ist umgeben von einem wunderschönen Wald, der dich vergessen lässt, dass du dich eigentlich mitten in Tokio befindest. Du kommst auch vorbei Harajuku, den Einkaufsviertel Omotesando und dem National Diet Building, dem japanischen Parlamentsgebäude – ein schönes symmetrisches Gebäude aus dem Jahr 1936. Du machst Zwischenstopps am Kaiserpalast, dem derzeitigen Wohnsitz der kaiserlichen Familie, und an der Edo-Burg, einer Burg in Tokio. Dort besuchst du entweder den Ostgarten (traditionelle japanische Gärten) oder die Niju-bashi-Brücke (historisches japanisches Bauwerk) im Äußeren Garten. Erfahre allerlei Wissenswertes über die Geschichte Japans bevor es weitergeht durch Akihabara, Ueno und vorbei an der Kappa-Bashi Marktstraße, wo es zahlreiche Küchenartikel wie japanisches Geschirr, Messer und sehr echt aussehende Lebensmittelnachbildungen zu bestaunen gibt. Und dann ist es Zeit, Asakusa zu erkunden! Eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten in Tokio! Unternimm einen Einkaufsbummel auf der Nakamise Avenue und posiere unbedingt für ein Foto am Kaminari-mon-Tor, der kultigen roten Laterne.
In Asakusa erwartet dich ein absolut einzigartiges Japan-Erlebnis. Ein Authentisches Uji-Matcha-Erlebnis Genieße den „Not Bitter Matcha Green Tea“, auch bekannt als „Premium Matcha“, für den „Ichibancha“ aus Uji, Kyoto, verwendet wird. Optional gibt es auch süßes Matcha-Gelato oder Matcha-Bier.
Freu Dich auf das „IZAKAYA“, ein Japanisches Pub-Mittagessen mit „KARAAGE“ (Japanisches Brathähnchen JFC) und „TOFU“ – die beliebtesten Nationalgerichte der Japaner. Für den Tofu werden nur lokal produzierte Sojabohnen verwendet, und er wird jeden Tag im Laden frisch zubereitet. Genieße frischen und reichhaltigen lokalen Tofu. Gut gestärkt geht es dann weiter zum Tokyo Sky Tree und zum Sora-machi Einkaufszentrum. Hier erwartet dich der höchste Sendeturm der Welt. Profitiere vom Einlass ohne Anstehen und begib dich zum Observatorium „Tembo Deck“. Der Bus macht dann einen Zwischenstopp in Odaiba (in der Tokyo Bay), wo dich deine letzte Aktivität erwartet – eine Bootsfahrt. Schippere hindurch unter der prächtigen Regenbogenbrücke und bestaune die Wolkenkratzer von Tokio. GetYourGuide

Abends gings dann nach Koreatown, um mal richtig scharf zu essen und meiner Kimchi-Abhängigkeit nachzugeben. Die Japaner mögen es nämlich eher mild und da findet man in Koreatown ausreichend Abwechslung. Abegesehen davon gibt es unzählige Läden mit Fanartikeln von K-Pop und J-Pop.


Der Tag darauf war fast vollständig für die Marathon-Expo verplant. Aber wie es dort war, erzähle ich auch gleich nochmal in aller Ruhe.

Ein weiteres, großes Highlight war dann am nächsten Morgen die Tour über den Fischmarkt. Ich hatte mich erst gewundert, warum Tetsuo mehr als drei Stunden dafür einplant, aber ich hätte sogar noch länger dort bleiben können. Denn Tetsuo hat uns nicht nur den Markt mit seinen verschiedenen Bereichen und Ständen erklärt, sondern uns auch in die japanische Küche eingeführt. Und zwar so, wie man es von einem Tokioter erwartet. Er führte uns teilweise sogar direkt in die Küchen hinein, wo wir sehen konnten wie beispielsweise der berühmte Eierkuchen hergestellt wird. Und natürlich wurde auch sofort probiert. Aber auch die Miso-Suppe, die Fischbrühe und unendlich viele andere Dinge haben wir gekostet bevor es in eine kleine Sushi-Stube in einem versteckten Gang auf dem Markt ging, wo man als normaler Tourist nie landen würde. Und dort habe ich das frischeste und beste Sushi aller Zeiten gegessen. Ein unglaubliches Erlebnis und ein großer Beutel an Zutaten für meine eigene Miso-Kochversuche Zuhause und ein extra für mich Linkshänder geschliffenes Küchenmesser werden mich immer an diesen Morgen erinnern. Einfach ein unglaubliches Erlebnis!

Nachmittags war es aber nicht weniger spannend. Denn es ging zum Teamlab Tokio, einer Digital Art Ausstellung, die man komplett mit allen Sinnen erlebt. Ich will nicht alles verraten, aber das muss man erlebt haben. An einigen Stellen watet man durch knietiefes Wasser, in dem man dann digitale Projektionen sehen kann, aber auch mit Pflanzen, Licht, Musik und Videoinstallationen wird ein wahnsinnig ergreifendes Erlebnis erzeugt. Ich hätte sicher noch ein paar Stunden dort bleiben können.

Am Abend hatte dann unsere Charity-Organisation zu einem Empfang geladen und bei einem traditionellen, japanischen Izakaya Abendessen konnte ich nicht nur das Team von Care, sondern auch eine Menge anderer Marathonverrücker kennenlernen. Und wenn alles klappt, treffe ich mich im Herbst mit ein paar Australiern zum Tegernseelauf und dem Oktoberfest und einem amerikanischen Pärchen in New Jersey zu einem Läufchen. Mal schauen, was dieses Jahr noch so für mich möglich macht.

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Der Samstag startete dann für mich mit dem Friendship Run, einem Shake-Out Run, der in diesem Jahr allerdings noch großteils virtuell ausgetragen wurde. Für 2.500 Läufer, die bei der Anmeldung schnell genug waren, wurde aber eine echtes Zieltor aufgebaut, wo man dann seine Medaille in Empfang nehmen konnte. Das Beste aber war eine von vier traditionellen Zeremonien, aus denen man wählen konnte. Ich hatte mich für die traditionelle Teezeremonie entschieden und so wurden wir dann vom Zieleinlauf zu einem Teehaus geführt, wo ich wie ein Samurai in alten Zeiten einen Matcha trinken konnte und nun in den Umgangsformen des Teerituals geschult bin.

Nachmittags gings dann zur Shibuya Crossing, einer Kreuzung, wo angeblich bis zu 15.000 Leute pro Grünphase über die vielen parallelen Überwege gehen. In Natura fand ich das aber nicht so spektakulär und die 15.000 sind es wohl auch nur in Ausnahmefällen.

Dafür ging es noch einmal zum Shopping. Denn die Japaner lieben Designermode und so gibt es nicht nur Flagship-Stores aller großen, westlichen Marken, sondern auch viele spannende 2nd-Hand-Läden, in denen man seltene, teils vergriffene Teile aus limitierten Drops bekommt. Natürlich nicht gerade günstig, aber wenn man auf Collabs wie „The North Face x Gucci“ oder „Lacoste x Supreme“ steht oder andere Streetwearmarken wie Offwhite, wird hier sicher fündig. Aber auch klassische Handtaschen oder Mode von Gucci und Co. sind hier gut zu bekommen.

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Laufen in Tokio: Shake-Out Runs und Friendship Run

Wie schon erwähnt, gibt es im Rahmen des Tokio-Marathon den Friendship Run über 5km, den man als klassischen Shake-Out Run am Tag vor dem Marathon nutzen kann. Aber auch wer lieber individuell läuft, findet im Sumida Park Riverside Gallery ein paar schöne Laufstrecken direkt am Wasser.

Auch die Adidas Runners sind in Tokio vertreten und wer möchte, kann sich über Facebook oder die Adidas Running App für die Läufe der AR Tokio anmelden. Und keine Sorge, die AR sind offen und freundlich, auch wenn ihr nicht von Kopf bis Fuß in Adidas eingekleidet dort auftaucht.

Da der Tokyo Marathon ja von Asics gesponsert wird, sind auch die Asics Frontrunner in Tokio sehr präsent und haben eigene ShakeOut-Runs und Events.

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Tokio Marathonmesse und Abholung der Startunterlagen auf der Expo

Bevor ich hier wirklich über die Marathonmesse in Tokio schreibe, sei noch erwähnt, daß der Tokio Marathon in Sachen Kommunikation und Regelwerk einmalig ist und nicht nur bei mir zwischenzeitlich immer mal wieder für leichte Panikattacken gesorgt hat. Denn gerade weil alles so kompliziert ist, warten alle Starter sehnsüchtig auf das Erscheinen des Runners Guide, einer achtzehnseitigen Anleitung, wie man ordnungsgemäß durch alle Abläufe des Marathons kommt.

Es geht nämlich schon eine Woche vor dem Marathon damit los, daß man sich eine Gesundheitsapp installieren muss, in der man dann schon vor der Anreise täglich seine Temperatur meldet und ob man Krankheitssymptome zeigt oder nicht. Ohne diese Daten und die ordentlich installierte App wird das nämlich auch nichts mit der Marathonmesse.

Die Messe selbst findet im Tokio Big Sight statt, einem großen Konferenz- und Messezentrum im Süden der Stadt. Und bevor ich überhaupt richtig drin war, stolperte ich schon über Sabrina aus Berlin, die ich normaler Weise immer bei Berliner Läufen treffe und als Steckenposten bei der Leichtathletik-WM 2019 kennengelernt habe. Was für eine kleine Welt!

Wie häufig üblich wurden dann aber gleich die Läufer und die Besucher frühzeitig getrennt und separat in die Messehallen geleitet. Für die Läufer startet die Prozedur mit dem Gesundheitschcheck, bei dem die Gesundheitsamt ausgelesen wird und man zwei Covid-Selbsttests bekommt, die man nun in zwei aufeinander folgenden Tagen machen und die Ergebnisse in die App eintragen muss. Auch das wird dann nämlich am Marathontag noch einmal kontrolliert.

Hat man diesen Check überstanden, wird man nun zu den wirklichen Schaltern für die Startnummernausgabe geleitet. Dabei fällt auf, daß die meisten Schalter leer sind, aber an einigen, wenigen Schaltern dichtes Gedränge herrscht. Wie ich später gehört habe, gab es wohl sehr viele Schalter für die Japaner, aber nur wenige für die internationalen Starter. Aber egal, als Marathonläufer sollte man ein wenig anstehen aushalten können.

Und dann gibt es auch für mich das Startpaket mit Startnummer, Gepäckbeutel, Trackingchip und einer zusätzlichen Rückennummer für mich als potentieller Six-Star-Finisher, die darauf hinweist, daß ich gerade dabei bin, meinen sechsten Stern zu holen. Für mich als Charity-Läufer gibt es dann noch ein Shirt am nächsten Stand und dann werde ich herausgespült in den öffentlichen Messebereich, wo mir quasi auch nochmal ein Stein vom Herzen fällt, weil ich wieder eine Hürde genommen habe, auf dem Weg zum Start.

Das offizielle Marathon-T-Shirt hatte ich nicht bestellt, da ich das Design wirklich zu speziell fand. Also konnte ich mir auch die nächste Schlange sparen. Wie üblich kamen hier zunächst die Sponsoren zum Zuge und man konnte schöne Bilder am Stand der Tokioter Metro machen. Auch Abbott hatte sich prominent platziert und ich suchte mir eine Stelle auf dem großen „a“ für meinen Läufergruß. Und natürlich besuchte ich meine zukünftigen Namensnachbarn auf der Wand der Six Star Finisher, wo ab sofort dann also auch mein Name zu finden sein wird. Noch ein kleiner Plausch mit dem Abbott-Team, denn ich hatte die Chance im Rahmen des Projektes „10 for 10k“ als einer von zehn Läufern weltweit meine Geschichte zu erzählen von meinem Weg zu den 6 Sternen.

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Etwas überrascht wurde ich anschließend von den gigantischen Schlangen vor dem offiziellen Matathon-Merchandise-Stand von Asics. Normaler Weise bilden sich die Schlangen erst vor den Kassen, aber das man in drei Reihen ansteht, um überhaupt auf den Stand zu kommen, habe ich auch noch bei keinem Marathon erlebt. Anscheinend war aber auch Asics völlig überrascht und hatte ganz vergessen eine Marathon-Jacke zu produzieren – seit jeher der beliebteste Artikel in einem Marathon-Fanshop. Also stürzten sich alle auf die Marathon-T-Shirts, die dann schon am ersten Abend weitgehend ausverkauft waren. Wie ich später gesehen habe, hat sich Asics dann aber auch mit Schildern bei den Besuchern der kommenden Tage dafür entschuldigt, daß alles so schnell ausverkauft war.
Aber kein Problem für mich. Denn das Merch hat mich noch nie sonderlich interessiert. Ich bin eindeutig im Team Medaillensammler. Wenn ein Marathon kein Shirt hat, kein Problem. Aber ein Lauf ohne Medaille? Weltuntergang!

Aber weiter über die Messe, wo nun die üblichen Marken folgten. Hoka, ON, Maurten, Garmin, Coros, Polar – man kennt es von den großen Marathons. Auf der nächsten Etage folgten dann noch Stände von verschiedenen Laufveranstaltungen, Lauf-Accessoires, Sporternährung und ein eigener Bereich, wo sich die Charity-Organisationen präsentieren konnten. Also einmal zu Care für ein paar Worte und ein Foto und dann war die Messe schon erledigt.

Insgesamt hat mich die Marathonmesse in Tokio aber nicht sonderlich beeindruckt. Ich hatte gehofft, vielleicht ein paar coole japanische Laufmarken zu entdecken oder irgendwelche verrückten Neuheiten, die man anderswo noch nicht gesehen hat. Aber mit dieser Mission war ich nicht erfolgreich.

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Raceday: Erfahrungen von der Strecke des Tokio Marathon

Und dann war es tatsächlich soweit. Der Wecker klingelte um 6:30 Uhr um genügend Zeit für die Marathon-Morgenroutine zu haben. Um beim Frühstück keine Experimente wagen zu müssen, hatte ich mir schon vorher eine Banane, Porridge und eine Mischung aus Trockenfrüchten und Nüssen in einem der kleinen tokioter Supermärkte besorgt und veredelte das nun im Frühstückraum des Hotels mit Wasser und Honig in eine schöne magenschonende Pampe. Nicht das Leckerste, aber bewährt.

Dann rein ins Rennoutfit und noch eine Lage von alten, wärmenden Weckwerfklamotten oben drüber. Schuhe checken und ob der kleine, rechteckige Trackingchip auch richtig angebracht ist und dann schnappe ich mir meinen Starterbeutel und auf gehts zum Tokio Marathon.

Ich bin in Block C platziert, also gleich als dritter Startblock in der ersten großen Welle und soll mich also in Richtung Tor 1 begeben, um auf das Startgelände zu kommen. Ein letztes Mal trage ich meine Temperatur in die Global Safety Gesundheitsapp und schon als ich auf die nächste große Straße einbiege, sehe ich die Karavanen der Starter durch die Straßen ziehen. Also einfach hinterher und dank der vielen Helfer mit großen Schildern, findet man auch schnell, welchem Menschenstrom man folgen muss, um zum richtigen Tor zu kommen.

Nach nicht mal zehn Minuten bin ich angekommen und bekomme ein letztes Mal dieses mulmige Gefühl, ob ich denn nun wirklich an alles gedacht habe und alles passt. Die Gesundheitsapp wird gescannt, springt auf grün und ich werde weiter zum Security-Check geleitet. Dieser beginnt mit einem Temperatursensor, wo Leute mit einer erhöhten Temperratur aussortiert werden. Aber auch das passt und nach einem Taschencheck, wo ich schnell mein Getränk herunterstürze, daß man nicht mit hineinnehmen darf, habe ich es endlich geschafft.

Das Startercamp ist erreicht und ich muss wohl eigentlich nur noch laufen. Ab jetzt läuft der Autopilot, denn nach mehr als 20 Marathons, ist der Ablauf eingespielt. In einem großen Halbkreis sind unzählige Toiletten aufgereiht, also schnell anstellen, denn ich hatte hier schon gehört, daß das zu Problemen kommen kann. Denn der Startblock schliesst pünktlich um 8:45 Uhr und sowas wie Kulanz in Hinblick auf Regeln gibt es in Japan nicht. Und es dauert sicherlich so 15-20 Minuten bis ich tatsächlich an der Reihe bin und damit ist mein großer Teil meiner Pufferzeit auch schon aufgezehrt.

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Also ab zu den Trucks, die gleich in der Nähe aufgebaut sind und weg mit dem Starterbeutel. Das funktioniert wunderbar und ich lasse mich also weiter von den freundlichen Helfern in Richtung meines Startblocks navigieren. Dieser ganze Morgenablauf ist übrigens perfekt organisiert, es ist immer ein Volunteer in der Nähe und alles ist doppelt und dreifach ausgeschildert, sodass man sich eigentlich nicht verirren kann. Im Gegensatz zur Messe ist das alles so, wie ich es von Japan erwartet habe.

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Dann erreiche ich meinen Startblock und kann ein paar hundert Meter weiter vorne das Starttor sehen. Die einzelnen Bereiche werden von Helfern mit Seilen abgesperrt, so wie man es auch von anderen Marathons kennt. Es ist noch etwas frisch und eine leichte Brise zieht über die Straße und ich sehe die Läufer bibbern, die nicht gehört haben, daß es nun doch „Kleidungsabwurfstationen“ in den Startblocks gibt. Diese Container wurden in letzter Minute angekündigt, nachdem sich viele Läufer beschwert hatten, daß man laut Regelwerk keine Kleidung abwerfen darf – auch nicht in die Mülleimer an den Verpflegungsstationen. Was man mitbringt, nimmt man wieder mit – so die Regel.

Ich suche mir also ein nettes Plätzchen und plaudere ein wenig mit Julie aus Australien, die sich ebenfalls einen Sitzplatz in der Morgensonne ergattert hat. Es ist kurz vor Neun, als ich es nicht mehr aushalte und mich aus meinen Wegwerfklamotten schäle und mich herumhüpfend zwischen die anderen Starter einreihe. Es ist frisch und die Blase fängt an, sich zu melden, aber es ist keine Toilette weit und breit.

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Ich sehe sich ein paar Läufer in den Büschen direkt am Straßenrand erleichtern, aber diese Respektlosigkeit will ich den Tokiotern nicht zumuten und letztlich auch keine Disqualifikation riskieren. Ingesamt sind das alles ziemlich unschöne Szenen, über die sich die Tokioter nicht zu unrecht aufregen.

Also einfach ablenken und auf den Start konzentieren. Und dann geht es los. Hubschrauber kreisen zwischen den Hochhäusern am Start und die Geräusche vermischen sich mit dem Echo der Startpistole. Konfettiregen und die Masse kommt in Bewegung. Es ist 9:13 Uhr und ich überquere die Startlinie und werde mich von Nichts aufhalten lassen und mir meine Medaille und den sechsten Stern holen!

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Gleich nach dem Start geht es um eine Kurve und auf eine längere Gerade. Leider bin ich auch nicht der Einzige, bei dem die Blase langsam in Alarmstufe rot wechselt und entsprechend lang sind auch die Schlangen an der ersten Toilettenstation auf der Strecke. Also noch mal ganz ruhig durchatmen und weiterlaufen bis zur nächsten Station.

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Viel besser wird es auch dort nicht, denn eine weitere Besonderheit in Tokio ist, daß die Toiletten nicht direkt am Streckenrand stehen, sondern man erst etwas in die Seitenstraßen geführt wird und dort von Ordnern sortiert wird, um ein Chaos beim Anstehen zu vermeiden. Ebenfalls sollte man darauf achten, ob man eine japanische oder eine westliche Toilette erwischt. Die japanischen Dixies haben nämlich keinen Sitz, sondern eher eine Rinne, die eine Hocktechnik erfordert, auf die man bei einem Marathon nicht wirklich Bock hat.

Jedenfalls ist das Problem dann bald behoben und leicht wie eine Feder, gleite ich über die breite Strecke und versuche mein Tempo weiterhin moderat zu halten. Denn nicht nur das Adrenalin verleitet zum Ballern, sondern auch die abschüssige Strecke, bei der man über die ersten 5km richtig Fahrt aufnehmen kann.

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Auch insgesamt passiert in Sachen Höhenmeter nicht viel auf der Strecke des Tokio Marathon, sodass ich mich als Berliner Flachlandläufer wunderbar entspannen kann. Der Tokio Marathon hat insgesamt also auch das Potential für Bestzeiten, kann aber wettermäßig durchaus instabil sein.

Ich hatte perfektes, kühles Laufwetter und wenig Wind. Es gab aber auch schon Jahre, bei denen es im Tagesverlauf mit stärkerem Regen etwas ungewöhnlich wird. Tokio hat auch viele Spitzkehren, was das Tempo minimal drosselt, aber ich hatte kein Problem damit. Denn diese Pendelstrecken haben ja auch immer den Vorteil, daß man sich die anderen Läufer besser ansehen kann. Und das bedeutet in Tokio vor allem lokale Kostüme. Geishas, Samurais und Ähnliches sind also keine Seltenheit, wobei es insgesamt aber zurückhaltender abgeht in Tokio, wenn man es mit den anderen Majors vergleicht.

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Ein weiterer Vorteil der Streckenführung ist auch, daß man die Elite auf der anderen Straßenseite vorbeisprinten sieht, was mich für ein paar Kilometer so beschäftig hat, daß ich meine eigene Pace nicht mehr richtig beachtet habe.

Also zurück zum Fokus auf das eigene Rennen. Ich habe mir vorgenommen solide durchzukommen, irgendwas unter 4 Stunden wäre gut. Aber keinesfalls möchte ich mich in Tokio abschießen, sodass ich die Eindrücke vom Straßenrand nicht mehr mitbekomme. Und auch einen Zieleinlauf „auf allen Vieren“ möchte ich mir ersparen. Dazu ist mir der Frankfurt-Marathon vom letzten Jahr noch zu gut in Erinnerung. Jedenfalls lautet die Devise erstmal entspannt bis zum Halbmarathon Kilometer abzureissen und dann nach Gefühl noch ein bisschen was an der Zeit zu arbeiten.

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Die Straßen bleiben auch weiterhin glatt und breit und mir fällt auf, daß es sich doch insgesamt sehr ähnlich zu den großen amerikanischen Marathons läuft, wenn man mal die „Dekoration“ ausklammert. Die Straßen sind meist sechsspurig, von denen man dann drei Spuren beläuft und der Straßenrand ist weitgehend von modernen Häusern oder sogar Hochhäusern gesäumt. Den Unterschied machen also vor allem die Details. Die Werbeanzeigen, die Schilder und natürlich die Menschen am Streckenrand. Und da für die Füße also alles recht normal ist, kann man sich um so mehr auf das Lauferlebnis konzentrieren.

Und es gibt wirklich viel zu entdecken am Straßenrand. Die Zuschauer sind erstaunlich laut und engagiert, was mich überrascht hat. Denn eigentlich sind die Japaner ja eher zurückhaltend. Und so hört man auch immer wieder ein „Go, Runner“ mit entsprechend japanischem Akzent und natürlich mischen die angereisten Marathonfans auch noch ordentlich mit am Straßenrand. Allerdings gab es wenige High-Five Einladungen und auch ich habe hier in Tokio nicht großartig meine Hand in die Massen gehalten. Aber wer gedacht hat, es sei still am Straßenrand, hat sich geirrt.

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Aber auch auf der Strecke entdecke ich plötzlich Thomas, den ich öfters bei den Adidas Runners in Berlin getroffen habe, und der sich heute auch seinen sechsten Stern holt. Also kurz ein wenig plaudern und nach 1:59:32 überquere ich die Halbmarathondistanz und fühle mich immer noch stark. Die Herzfrequenz ist auch noch im grünen Bereich, also sauber weiter und bloss nicht zu früh übertreiben.

Das Wetter ist immer noch angenehm und nicht zu warm, sodass auch das Thema Trinken recht einfach zu lösen ist. Ohnehin sind die Verpflegungsstationen sehr großzügig aufgestellt, sodass man spätestens alle drei bis vier Kilometer trinken kann. Einige Stationen liegen sogar so dicht hintereinander, daß ich sie auslasse.

Es gibt Wasser und ein Sportgetränk namens Pocari Sweat, eine Art isotonisches Getränk, daß aber gleichzeitig aber auch einen Fruktose-Glukose-Mix beinhaltet und ein paar Kohlenhydtrate spendet. Ich bin damit richtig gut zurechtgekommen, hatte mir aber vorher auch schon Pocari Sweat bei Amazon bestellt, um im Training zu testen, wie es schmeckt und wie meine Verdauung damit zurechtkommt. An einigen Stationen gab es aber auch noch süße Bohnenpaste, also „Sweet Jellied Azuki-Bean Paste“, aber auch „Salty Candy“ und „Calorie Mate Jelly“ – aber davon habe ich lieber mal die Finger gelassen. Und ehrlich gesagt, habe ich das im Gewusel auch garnicht zu richtig mitbekommen. Aber ich war ja mit meinem Maurten auch gut versorgt und inzwischen gut damit vertraut.

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Die Verpflegungspunkte waren generell sehr üppig gehalten und sollten eigentlich mit einem Nummernsystem funktionieren, was aber nur die wenigsten Läufer mitbekommen hatten. Denn die letzte Zahl der Startnummer sollte definieren, an welche Stelle der Verpflegungsstation man geht – also die dann die gleiche Nummer hat. Wie häufig stoppten aber viele gleich beim ersten Tisch ab, was es an den hinteren Tischen um so entspannter machte, so wie ich es in den Marathon-Benimmregeln auch schon mal empfohlen habe.

Aber weiter auf der Strecke. Auch jetzt, wo ich knapp Kilometer 30 erreicht habe, ist es noch recht voll auf der Strecke, aber man kann sich gut auf ein Tempo einlassen und hat genügend Raum zum manövrieren. Dramatischer sieht es da schon auf der anderen Straßenseite aus, wo Läufer kämpfen, die nach knapp 3 Stunden noch nicht Kilometer 15 erreicht haben und damit mit dem Cutoff kämpfen. Ich kann schon Helfer sehen, die sich mit langen Seilen am Straßenrand bereitmachen. Denn zu bestimmten Zeiten wird dieses Seil über die Strecke gespannt und wenn man bis dahin nicht den entsprechenden Checkpoint erreicht hat, man also auf der flaschen Seite des Seils ist, ist das Rennen vorbei und man wird gebeten das Rennen abzubrechen und die Strecke zu verlassen. Wer also Tokio laufen will, sollte gut trainieren und versuchen rechtzeitig vom Start loszukommen.

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Ich glaube, daß leider viele von der Höflichkeit der Japaner profitieren und bei der Anmeldung irgendwelche Fantasie-Ergebnisse eintragen von angeblichen Marathonzeiten, nur im einen vorderen Startblock zu kommen. Ab einer bestimmten Zeit – ich glaube ab 3 Stunden – wird das zwar geprüft, aber auch in meinem Startblock hatte ich einige auffällig langsame Starter stehen.

Da ich nun aber die 30km-Marke geknackt habe, nehme ich die Beine etwas mehr in die Hand und möchte nun gerne auch meine Medaille holen. Die Zeit von „unter 4 Stunden“ steht, also schaue ich, daß ich noch ein wenig darunter komme. Die Strecke bleibt weiterhin relativ konstant, also ab dafür!

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Tokyo Marathon Reise - Vom Startplatz bis zur Medaille. Meine Erfahrungen und Ergebnisse von der Strecke in Tokio 202

Es läuft weiter gut und ich bin nun fast bei einer 5er Pace als Durchschnitt über 5km angekommen. Auf den letzten Kilometern wird auch die Strecke nochmal richtig interessant mit dem Blick auf den Toyko Tower und die letzten zwei Kilometer am Park mit dem Kaiserpalast vorbei in Richtung Ziel. Hier wird die Straße auch noch einmal etwas schmaler und mit einem letzen Schwung geht es dann über da Ziel, daß in so vielerlei Hinsicht besonders ist.

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Tokyo Marathon Reise - Vom Startplatz bis zur Medaille. Meine Erfahrungen und Ergebnisse von der Strecke in Tokio 203

Denn hinter dem Ziel gibt es nicht nur die Medaille des Tokio-Marathon, sondern die Helfer warten schon, um alle frisch gebackenen Six Star Finisher in die entsprechenden Zelte umzuleiten. Hier bekommt man dann nicht nur seine Medaille, sondern kann auch noch vor speziellen Marathon Majors Fotohintergründen seine Fotos machen.

Alles in allem doch etwas weniger feierlich und weniger spektakulär als erwartet, aber das mag auch daran liegen, daß in diesem Jahr in Tokio mehr als 3.000 neue Majors-Serien-Finisher hinzukommen und daher die Logistik etwas straffer sein musste. Ich habe auch schon davon gehört, daß bei anderen Marathons auch aktive oder ehemalige Eliteläufer und andere Prominente beim Verteilen der Medaillen helfen. Von Eliud Kipchoge eine Medaille zu bekommen, ist aber vielleicht für die Läufer in Boston möglich!

Aber für mich zählt ohnehin mehr der Weg und die vielen Erlebnisse auf dem Weg zur Medaille. Stolze sieben Jahre hat meine Reise gedauert und ich habe so viele tolle Menschen getroffen, Städte kennengelernt und Erinnerungen gesammelt. Und das ich als gebürtiger Ostberliner überhaupt die Chance hatte, auf diesem Weg die Welt läuferisch zu erkunden, stimmt mich sehr demütig.

Bis ich wirklich verarbeitet habe, daß ich nun einer von 10.000 Finishern weltweit bin, wird wohl noch ein wenig dauern.

Und so trotte ich glückselig mit meinen beiden Medaillen weiter und freue mich über einen tollen Bademantel-Poncho im Tokio-Marathon Design, den man als Finiser gegen die Kälte bekommt. Bis zu den Trucks mit den Wechselsachen ist es noch ein Stück, aber ich schwebe sowieso auf Wolke Sieben! Danke Tokio, Danke World Marathon Majors!

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Fotos, Medaille, Urkunde und Ergebnisse beim Tokio Marathon

Wie bei den Majors bekommt man gleich im Ziel seine Medaille, wobei die Tokio Marathon Medaille etwas kleiner ausfällt als andere. Auf die offiziellen Ergebnisse und die Urkunde muss man aber etwas länger warten. Es hat bei mir aber gut geklappt einfach in einem Ergebnislink des Vorjahres einfach die Jahreszahl in der URL zu ändern, sodass ich meine Zeiten schon früher sehen konnte.

Demnach bin ich offiziell mit 3:49:44 ins Ziel gekommen und unter den 10.000 Schnellsten, sowie im Deutschland-Ranking die Nummer 107. Die offizielle Urkunde, also das Finisher Certificate kann man sich dann über den „MyEntry“ Läuferbereich herunterladen. Das dauert aber mehr als zwei Wochen, bis die finalen Ergebnisse feststehen.

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Dafür kann man beim Tokio Marathon auch personalisierte Goodies online bestellen, wie einen Schlüsselanhänger mit der Finisher-Zeit oder als Premium-Artikel einen Rahmen für das Zertifikat, Medaille und die Startnummer. Das sieht sehr edel aus, kostet aber auch fürstliche 50.000 Yen, also etwa 350€.

Ähnlich luxuriös sind auch die Preise für die Marathon-Fotos beim Tokio Marathon. Ein einzelnes Foto kostet 3.630 Yen, also rund 25€, weshalb man relativ schnell beim Paket für alle Fotos landet, daß dann zum Freundschaftspreis von nur 24.200 Yen, also nur 170€ zu bekommen ist. Da ist ja selbst New York mit dem Frühbucherpreis von 99$ noch regelrecht günstig. Aber da Tokio so besonders ist, regt sich wahrscheinlich Jeder auf und betellt am Ende trotzdem. Schwamm drüber!

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Fazit zum Tokio Marathon

Nicht nur wegen der Majors-Serie ist der Tokio Marathon eine unbedingte Empfehlung, sondern eher wegen des Gesamtpaketes. Die Stadt ist einfach unheimlich interessant und es ist ratsam, sich lieber noch ein paar Tage mehr Zeit zu nehmen, um dann auch noch Ausflüge zum Mount Fuji zu machen und ins Land zu reisen und sich Kyoto, Hiroshima und die heilige Insel Miyajima anzusehen.

Aber auch der Marathon selbst ist wegen der guten Laufbedinungen durchaus für schnelle Zeiten geeignet und führt auch an wichtigen Punkten vorbei. Die Stecke startet am Tokyo Metropolitan Government Building und führt dan über Suidobashi, Ueno-hirokoji, Kanda, Nihombashi, Asakusa Kaminarimon Gate, Ryogoku, Monzen-nakacho, Ginza, Tamachi und Hibiya zurück zur Tokyo Station an der Gyoko-dori Ave.

Ich werde sicher noch einmal in Tokio laufen und habe mir auch vorgenommen noch weitere Marathons in Asien zu laufen.

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