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Tschirgant Sky Run – Traumstart für das neue Trail Event. Meine Erlebnisse und Ergebnisse von der Strecke.

Ich kann mich noch genau erinnern, wie Lukas Kocher, im letzten Jahr, kurz vor unserem Start beim Starkenberger Homerun, mit dem Finger in Richtung Tschirgant zeigte und sagte: „Da mache ich im nächsten Jahr ein Rennen“. Wie viel Planungsdynamik, Hoffnung und Durchhaltevermögen in dieser schwierigen Krise in die Organisation des ersten Tschirgant Sky Run geflossen sind, kann man sich wahrscheinlich nur schwer vorstellen. Aber wie sehr es sich gelohnt hat, wissen wir seit dem ersten Zieleinlauf gestern, beim 1. Tschirgant Sky Run 2021.

Strecken und Distanzen beim Tschirgant Sky Run

Beim Tschirgant Sky Run kann man aus vier Strecken wählen. Der TS16 Adventure hat mit seinen 16km und 900 Höhenmetern und einem einfacheren Streckenprofil das Zeug zum Jedermannrennen und ist vor allem für Trailrunning-Einsteiger gut zu meistern, kann aber auch einfach gewandert werden.
Als beliebteste Option, die mit 250 Startern auch vollkommen ausgebucht war, hat sich die TS26 Experience mit 26km und 1900 Höhenmetern, herauskristallisiert. Und auch bei uns fiel die Wahl auf die TS26, daher später etwas mehr zu den Eindrücken von der Strecke.

Für die Trailrunning-Pros gibt es dann noch den Marathon, aka TS42 mit 2400 Höhenmetern, der nur noch vom Ultra, dem TS52 mit 3500 Höhenmetern, übertroffen wird.

Wer sich rechtzeitig anmeldet, ist mit einem Startgeld zwischen 30€ und 60€ mit dabei. Wer erst spät bucht, zahlt dann bis zu 75€ für die Startnummer beim Tschirgant Sky Run.

Anreise, Hotel und Startnummernausgabe

Imst ist ja als Herz der Outdoorregion bestens angebunden und von überall mit dem Auto und auch mit der Bahn sehr gut zu erreichen. Wir sind mit unserem Berliner Crew zwar wieder mit dem Auto angereist, haben uns aber vorgenommen, beim nächsten mal auch die Bahnverbindung zu testen, die von Berlin über München nach Insbruck inzwischen sehr gut ausgebaut und vor allem schnell ist.

In Kooperation mit dem Tourismusverband, hatten wir das Vergnügen im ganz frisch renovierten Hotel Eggerbräu unterzukommen, daß nur wenige Gehminuten vom Start und Ziel des Tschirgant Sky Run entfernt liegt.

Für die Startnummernausgabe hatte man sich mit Zelten vor die Kletterhalle in Imst platziert, um die Abstandsregeln zu gewährleisten. Verständlicher Weise kam bei diesem Setup das altbekannte Kribbeln beim Abholen der Startnummer nicht so richtig auf. Aber dafür war gleich in der Nähe eine Teststation, bei der man sich kostenlos ein für die Veranstaltung benötigtes Testzertifikat holen konnte. Aber wir alle waren ohnehin mehr als froh, überhaupt wieder bei einem richtigen Laufevent starten zu dürfen – und das mit dem Kribbeln kommt dann einfach im nächsten Jahr wieder!

Übrigens gibt es zur Startnummer auch ein Event-Shirt und ein paar Laufsocken vom Tschirgant Sky Run dazu. Und jede Menge Infos über die nächsten Trailtermine und viele Shopping-Gutscheine für die Sporthändler in Imst.

Tschirgant Sky Run – Meine Erlebnisse auf 26 Kilometern

Schon die ganze Vorbereitung auf das Rennen war irgendwie merkwürdig. Denn mein letztes längeres Rennen lag wohl mehr als 18 Monate zurück und damit war meine Race-Prep-Routine gleich zusammen mit meiner Form verschwunden. Aber irgendwann hatte ich dann doch alle kleinen Puzzle-Teile meiner Ausrüstung zusammen, sie tatsächlich igendwie sinnvoll in den Rucksack gequetscht und von Sonnencreme bis zum Abkleben der „Igelnasen“ (…das Ergebniss meiner Synonym-Recherche) alles erledigt.

Also rüber zum Start, einen letzten Red Bull auf Ex und noch einmal schnell auf die Toilette, noch einmal schnell auf die Toilette, noch einmal schnell auf die Toilette, noch einmal schnell auf die Toilette – manche Dinge ändern sich auch nach dieser langen Wettkampfpause nicht. Der Nervositäts-Blasendruck-Zeitschleife entronnen, ging es dann weiter zum Check-In, wo die Ausrüstung kontrolliert wurde: Lange Sachen, Becher, Telefon, Medikit – Check!

Merkwürdiger Weise, fühlte es sich gar nicht so merkwürdig an, wie ich erwartet hatte, wieder vor einem Starttor und vor einer Zeiterfassungsmatte zu stehen und gemeinsam die Hände vor dem Start hochzureissen. Es war einfach großartig normal, wieder am Start zu stehen – vielleicht hatte der Red Bull aber auch noch nicht vollständig meine Morgenerweckung eingeleitet. Noch schnell ein paar Startfotos mit der Crew und schon rutschten wir in Zehnergrüppchen weiter vor, die jeweils mit einer kleinen Pause versetzt starteten.


„5,4,3,2,1“ rief uns Lukas zu und da war ich nun, zurück auf der Strecke, nach einer langen Pause und einem Tief aus Demotivation und Bänderdehnung. Zunächst ging es über einen flachen Asphalt-Abschnitt in Richtung Tschirgant und damit optimal, um erst einmal ins Rennen hineinzufinden und den Puls auf Betriebstemperatur zu bringen. Dann ging es hinein in den Wald und mit moderaten Steigungen über breite Forstwege weiter hinauf zum Einsteig in den richtigen Trail. Noch einmal ein kleines Stückchen über Asphalt und dann wurde es Ernst. Über einen schmalen Pfad ging es nun immer weiter hoch in Richtung Gipfel.

Ich hatte mein Tempo recht schnell gefunden, wobei Tempo sich wahrscheinlich viel zu schnell anhört. Denn ein Blick auf die Uhr signalisierte mir recht schnell, daß mehr als Speed-Wandern nicht möglich ist, ohne die Hertzfrequenz in Richtung Laktat-Party explodieren zu lassen. Also ein Schritt, noch ein Schritt und immer weiter nach oben!
Zum Glück wurde der Anstieg immer wieder von kleineren flachen Streckenabschnitten unterbrochen, in denen die Muskulatur auch mal kurz entspannen konnte und bald kamen dann als Bonus auch noch die ersten Fernblicke über das Tal mit dazu.

Nach 90 Minuten hatte ich die Karrösteralm erreicht und den zweiten Verpflegungspunkt. Das war also der leichte Teil des Aufstiegs gewesen. Aber meine Strategie, mit strengem Blick auf die Herzfrquenz zu laufen, hatte sich bewährt und die Muskeln jammerten zwar ein wenig, aber der Geist war willig. Also weiter hinauf, durch die ersten Schneefelder und mit immer besseren Sichtschneisen auf das traumhafte Bergpanorama.

Der leichte Wind und die etwas kühleren Temperaturen hier oben, machten das Laufen auch etwas angenehmer. Und dann kam sie – die letzte Kurve von der man den finalen Streckenabschnitt des Aufstiegs erkennen konnte. „Nur noch bis dahin und dann nie mehr bergauf“ rief mein Hirn innerlich meinen Beinen zu und nach 2,5 Stunden hatte ich das Plateau unterhalb des Gipfels erreicht. Höher ging es in diesem Jahr aufgund der Schneelage leider nicht.
Aber auch von hier hatte man einen gigantischen Rundumblick über die atemberaubende Gipfelkulisse, die in diesem Jahr wegen des vielen Schnees auch noch toller aussah.

Dass ich mich beim Gedanken an „jetzt gehts nur noch bergab“ etwas zu früh gefreut hatte, zeigte gleich der erste Abschnitt des Downhills. Denn gerade die ersten zwei Kilometer waren technisch wirklich anspruchsvoll und verlangten volle Konzentration. Auf schmalen Pfaden, teilweise nur einen Schuh breit und mit Halteseilen an der Bergwand, ging es im Schneckentempo voran. Aber nach meiner Verletzung im letzten Jahr, wollte ich keinerlei Risiko eingehen – gerade jetzt wo die Laufwelt am Wiedererwachen war.

Also ruckelte und zuckelte ich Schritt für Schritt den Berg hinunter, bis dann etwa ab Kilometer 15 wieder flachlandläufer-kompatibles Gelände begann – mit technisch einfacheren Trails und Schotterwegen, bei denen man einfach mal die Beine rollen lassen konnte. Hier traf ich dann am Verpflegungspunkt auch auf Jana und ihren Begleiter und wir liefen ein Stück weit gemeinsam. Berliner unter sich!

Das Gelände kam mir und meiner aktuell nicht ausgeprägten Trailrunning-Technik immer mehr entgegen, sodass ich auch immer entspannter und schneller laufen konnte. Dafür brutzelte die Sonne inzwischen ordentlich vom Himmel und ich hatte ein wenig Bedenken, daß meine Haut im Ziel einen Vergleich mit einem Brathähnchen nicht zu scheuen brauchte. Also Tempo ab ins Tal und im Schatten laufen, so gut wie es ging.

Die Beine wollten nun auch nicht mehr, aber kein Wunder. Seit meinem Wiedereinstieg in das strukturierte Lauftraining vor ein paar Wochen, war die Halbmarathondistanz in flachem Gelände das Längste, was sie seit Ewigkeiten gesehen hatten. Daher war ich sehr dankbar für jeden Schritt, den sie mir jetzt noch laufend schenkten.

Und dann öffnete sich der Wald und ich bog auf den letzten Asphaltabschnitt in Richtung Ziel ein. Die Sonne brezelte von oben, der Asphalt glühte von unten und natürlich ging es noch einmal bergauf. Kämpfen, kämpfen, kämpfen und um die Kurve nach rechts, am Freibad vorbei und zwischen schwimmreifen-bepackten Kindergruppen hindurchschlurfend weiter in Richtung Finale.

Und da war es endlich. Rein ins Stadion, den Rucksack von mir geworfen und die letzten 100 Meter im Sprint ins Ziel. Wenn man schon 5 Stunden lang furchtbar aussieht, dann kann man man sich wenigstens beim Zieleinlauf noch mal Mühe geben. Laut Strava belegte ich Platz 30 der besten Zeiten, die jemals auf der 100 Meterbahn im Stadion gelaufen wurden und Platz eins in meiner Altersgruppe. Fragt man sich nur, warum ich dafür 25 Kilometer Anlauf über einen Berg genommen habe?

Im Ziel warteten dann schon Susi, Lars und Sven – alle mit einem breiten Lächeln im Gesicht und ich schloss mich mit meiner umgehängten Medaille ebenfalls den Lächlern an. Geschafft, glücklich – wann machen wir das wieder?!

Fazit zu meinen Erfahrungen beim Tschirgant Sky Run

Der Tschirgant Sky Run ist sicherlich von der Streckenführung eine wirkliche sportliche Herausforderung – vielleicht den TS16 mal ausgenommen. Mit etwas Geduld und Durchhaltevermögen kann man aber auch die technisch anspruchsvollen Passagen bewältigen, auch wenn man gerade nicht die optimalste Form hat. Die Strecke ist perfekt markiert und auch die Streckenposten und Labstationen sind alle noch aktiv, wenn langsame Läufer wie meiner einer, lange nach dem Hauptfeld vorbeikommen. Es gibt auch keine klassischen Cutoffs, wo man das Rennen zeitbedingt abbrechen muss. In der Ruhe liegt die Kraft.

Natürlich soll das jetzt keine Empfehlung sein, suboptimal trainiert auf die Strecke zu gehen – vielmehr möchte ich herausstellen, daß der Tschirgant Sky Run genauso ein Genuss sein kann, wenn man topfit vorne um die Platzierungen mitläuft, als wenn man genussorientiert läuft und sich die Zeit nimmt, um die Strecke, das Event und vor allem das Naturerlebnis auszukosten.

Und gerade wenn man betrachtet, wie viele Einschränkungen es in diesem Jahr, durch die Covid-Krise und die hohen Schneelagen gab, dann kann der Tschirgant Sky Run im nächsten Jahr sogar noch besser werden. Denn auch das Rosengarten Nightrace soll das Rennwochenende ja in normalen Jahren noch komplettieren und konnte in diesem Jahr nicht stattfinden.

Daher einen großen Dank und Glückwunsch an Lukas für das, was Du da auf die Beine gestellt hast!

* Pressereise

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