50 Jahre nach dem legendären Rennen: Kathrine Switzer läuft wieder den Boston-Marathon

Wir können es uns heute nicht mehr im Ansatz vorstellen, aber 1967 war die vorherrschende Meinung im Ausdauersport, dass Frauen nicht in der Lage sind einen Marathon von 42,195 km zu laufen. Ja, dass es unnatürlich sei, würden sie es nur versuchen. Es gab ein offizielles Startverbot für Frauen.
Dass dies heutzutage nicht mehr so ist, verdanken wir in erster Linie einer jungen Läuferin, die sich am 19. April 1967 als erste Frau überhaupt an einer Startlinie zu einem Marathon aufstellte, dem damals schon legendären Boston-Marathon.

Kathrine Switzer, die seit ihrem 12. Lebensjahr Sport trieb, war gerade 20 Jahre alt.
Sie hatte sich gewissenhaft auf die Distanz vorbereitet, nachdem der Trainer des Laufteams der Syracuse University, an der sie studierte, sie auf die Idee gebracht hatte, am Boston-Marathon teilzunehmen.
Sie hatte eine offizielle Startnummer, ausgestellt auf einen vermeintlich männlichen Starter: K.V. Switzer. Aber das K.stand für Kathrine und das V. für Virginia.

Sie wurde von ihrem Freund Tom Miller, einem 115kg schweren durchtrainierten Footballer, und mehreren Sympathisanten begleitet. Der Start verlief unspektakulär, aber nach zwei Meilen entdeckte der damalige Renndirektor, Jock Semple, aus einem Begleitfahrzeug heraus Kathy. Erst beschimpfte er sie und forderte sie auf das Rennen sofort zu beenden, dann wurde er handgreiflich und versuchte der Läuferin die Startnummer vom Trikot zu reißen und sie von der Straße zu drängen. Dies alles passierte vor den Augen des Pressebusses, von dem aus auch die Aufnahmen des Vorfalls geschossen wurden, die danach um die ganze Welt gingen.

Dank ihres Freundes Tom, der Semple nach Footballmanier von der Straße checkte, konnte Switzer das Rennen ohne weitere Störung in der Zeit von 4:20h beenden. Das Ereignis löste weltweit große Diskussionen über „Frauensport“ allgemein und über das „Marathonverbot“ insbesondere aus.
Switzer wurde zwei Tage nach dem Rennen aus der Vereinigung der amerikanischen Amateursportler, der „Amateur Athletic Union“ ausgeschlossen. Die Diskussionen aber hielten dauerhaft an.

Allerdings brauchte es noch vier Jahre bis dann 1972 zum ersten Mal Frauen offiziell am Boston-Marathon teilnehmen durften. Und weitere ganze 12 Jahre bis zur Olympia-Premiere des Frauenmarathons 1984 in Los Angeles. Am 17. April 2017 jährt sich der erste Marathonlauf einer Frau nun zum 50. Mal.
Beim 121. Boston-Marathon steht Kathrine Switzer mit ihren nun 70 Jahren erneut an der Startlinie „ihres“ Marathons. Begleitet wird sie von über 100 Mitläuferinnen, dem Team „261 FEARLESS“.
Der Name ist Programm. Er setzt sich aus Switzers 1967er Startnummer (261) und der Furchtlosigkeit ihres ersten Auftritts zusammen.

Das internationale Team aus über 20 Nationen hat knapp $10.000 an Spenden gesammelt, die in die Unterstützung von gemeinnützigen Laufvereinen und Trainingsprogrammen zwischen Massachusetts und Albanien investiert werden. Kathy Switzer selbst trainiert intensiv für dieses historische Laufereignis, das den Frauen auf dieser Welt, und nicht nur denen die Marathon laufen, ein unschätzbares Mehr an Freiheit und Selbstwertgefühl gegeben hat.

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Kommentare
2 Antworten zu “50 Jahre nach dem legendären Rennen: Kathrine Switzer läuft wieder den Boston-Marathon”
  1. Lotta sagt:

    Hey Sports- Insider,

    wirklich beeindruckend, was diese Frau erreicht hat (und natürlich auch beschämend, wie man damals über „das schwache Geschlecht“ gedacht und wie man es eingeschränkt hat)! Ich finde, in dem Film „Free to Run“ wird diese Geschichte (und viele andere Laufgeschichten) sehr bewegend dargestellt. Bin gespannt, was man im Zusammenhang mit dieser Bewegung noch so hört/erlebt!

    Sportliche Grüße,

    Lotta

  2. Daniel sagt:

    Ja, das stimmt. Und Free to Run hat mich auch sehr inspiriert – unglaublich wie das alles mal angefangen hat. >> http://www.sports-insider.de/19828/free-to-run-download-filmtipp-der-sieg-um-die-freiheit-des-laufsports/

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