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adidas SL 20 Test und Erfahrungen mit der Lightstrike-Dämpfung im SL20.

Das Jahr 2020 ist für die schnellen Läufer endlich wieder ein Jahr voller guter Nachrichten. Denn in den letzten Jahren standen bei den Laufschuh-Innovationen aus Herzogenaurach doch eher die Durchschnittsläufer im Fokus und es schien kaum ein Weg an BOOST vorbeizuführen.

Mal abgesehen vom SUB2 waren gerade die Rennmodelle, wie adizero adios und adizero boston fast unverändert weitergeführt worden, während es mit UltraBOOST und SolarBOOST mehrere größere Updates in den anderen Kategorien gab. Aus unternehmerischer Sicht ist das in gewisser Weise nachzuvollziehen, da ja der Markt für gemäßigte Freizeitläufer, um nicht Jogger zu sagen, deutlich größer ist, als der für schnelle Wettkampfläufer.

Nicht zuletzt werden aber die technologischen Durchbrüche aus Oregon dafür gesorgt haben, daß man endlich an Alternativen zu den bisherigen Dämpfungsschäumen gearbeitet hat und nun eine ganze Reihe neuer Modelle für ambitionierte Läufer vorstellt. Da in diesem Jahr auch die Olympischen Spiele in Tokio anstehen, dürfte der Launch des SL20 also nur ein erster Auftakt des “FasterThan” Feuerwerks sein und eine Hommage an den olympischen Geist. Schließlich gab es ja auch schon den SL 74 für Olympia in München und den SL 80 für Olympia in Moskau.

Neuerungen beim adidas SL20 Laufschuh: 100% LIGHTSTRIKE 0% BOOST
Die absolut wichtigste Neuerung beim SL20 ist der neue Dämpfungsschaum LIGHTSTRIKE. Denn zum ersten mal seit Ewigkeiten gibt es damit einen Aufbruch des BOOST-Dogmas. Bisher gab es für Läufer, die nicht von BOOST überzeugt waren, kaum eine Wahl bei adidas – abgesehen von der Wahl zwischen Laufschuhen mit “mehr BOOST oder weniger BOOST”.
Mit LIGHTSTRIKE geht adidas aber auch nicht zurück zum klassischen EVA-Dämpfungsschaum, der von den meisten anderen Laufschuhmarken weiterhin verwendet wird, sondern kreiert einen eigenen neuen Mittelweg zwischen EVA und BOOST.
Neben den erstklassigen Dämpfungseigenschaften, die einen guten Kompromiss aus Dämpfung, Energierückführung und Stabilität darstellen, verblüfft LIGHTSTRIKE beim Gewicht. Denn der neue Schaum ist einfach unglaublich leicht. Bei bisherigen Modellen wurde LIGHTSTRIKE nur als Element in der Zwischensohle verwendet und dann meist mit BOOST kombiniert. Beim SL 20 gibt es jetzt 100% LIGHTSTRIKE und 0% BOOST.

Als Ergebnis bekommt man beim SL20 einen mittelstark gedämpften Neutralschuh, der aber mit seinen 230 Gramm fast auf dem Gewichtslevel des adizero adios mit 224 Gramm liegt. Der adizero Boston ist mit 238 Gramm schon schwerer und der SolarBOOST liegt mit 314 Gramm schon deutlich darüber.
Aber bleiben wir beim Vergleich von adizero adios und adidas SL20. Denn obwohl beide Schuhe ein sehr ähnliches Gewicht haben, ist die maximale Sohlenstärke beim SL20 mit 40mm fast doppelt so stark, wie beim adios. Man bekommt also einen deutlich komfortableren und stärker gedämpften Laufschuh, ohne dafür ein Mehrgewicht in Kauf nehmen zu müssen.
Die Zwischensohlenhöhe bzw. Sprengung liegt beim SL20 übrigens bei 10 mm mit 24mm beim Absatz und 14mm am Vorderfuß.


adidas SL 20 im Test. Erfahrungen von den Testläufen
Gleich mal vorweg: Ja, der SL20 macht richtig Spaß und könnte der neue Allstar für Training und Rennen über längere Distanzen auf gemäßigtem Untergrund werden. Der SL 20 fühlt sich unglaublich leicht am Fuß an, obwohl man eine verhältnismäßig dicke Sohle unter der Ferse hat. Für das Obermaterial kommt wieder das einlagige Celermesh Obermaterial zum Einsatz, daß wir schon von den aktuellen adizero-Modellen kennen. Es ist sehr dünn und stabil, allerdings gefällt mir das atmungsaktivere Primeknit vom adizero Prime etwas besser.



Wie auch bei den anderen schneller ausgelegten Laufschuhen von adidas, ist der Schuh für eine schmale bis mittlere Fußbreite geeignet – wer mit dem adios Passformprobleme hat, wird auch beim SL20 nicht viel weiterkommen. Richtig gut gefällt mir übrigens die feinteilige Schnürung, die mit ihren sechs Schnürsenkellöchern und einem zusätzlichen für die Marathonschnürungs-Methode wirklich viel Spielraum lässt, den Schuh optimal für den individuellen Komfort zu schnüren. Gerade mit der Marathonschnürung sitzt der SL20 einfach superstabil am Fuß.


Bei der Außensohle kommt unter dem Vorderfuß wieder das Continental-Stretchweb zum Einsatz, daß sich in den letzten Jahren bei vielen Modellen mit tollem Grip – besonders auch bei Regen – bewährt hat. Unter der Ferse ist jetzt aber ein von adidas entwickelter Gummi platziert worden, der allerdings auch gut performt.

Eine weitere Neuheit ist das neue Torsion-Element, daß den Ballenbereich mit dem Fersenbereich verbindet und vor allem seitliche Verwindungen kontrollieren und einen geradlinigen Abrollweg erreichen soll. Beim Laufen merkt man zwar den Effekt nur wenig, aber im Vergleichstest zum alten Element, ist das neue Torsion-Element etwas spritziger und gibt nach dem Aufprall schneller mehr Energie ab, was die Laufeffizienz unterstützt.

Bei meinen Testläufen hat mich vor allem LIGHTSTRIKE begeistert. Auch wenn das Laufgefühl etwas weniger direkt und agressiv ist, als beim adizero adios, so bekommt man gerade auf dem Vorderfuß ein richtig gutes Laufgefühl. Man spürt, wie beim Aufprall die Zehen leicht in das Material einsinken und man gedämpft wird, allerdings deutlich stabiler als bei einem Schuh mit hohem BOOST-Anteil. Beim adios ist ein Dämpfungeffekt hingegen kaum spürbar, was gerade auf längere Distanzen ermüdet und die Muskulatur zusätzlich fordert.

Im Vergleich punktet der SL20 besonders beim Laufstil über den Mittelfuß und die Ferse, wo dann die Dämpfung noch mehr beansprucht wird. Denn hier kann LIGHTSTRIKE am besten die beosnderen Dämpfungseigenschaften ausspielen: Fester und stabiler als BOOST, aber auch energetischer und softer als EVA. Und dazu federleicht.


Dadurch, daß der SL20 deutlich mehr Dämpfung bietet, man ihn aber trotzdem schnell und ohne Gewichtseinbußen laufen kann, kann der Schuh vor allem auf den längeren Distanzen ein echter Gewinnertyp sein. Besonders auf der Marathondistanz ist die Kombination aus Gewicht, Dämpfungseigenchaften und Flexibilität beim Laufstil, optimal um eine gute Performance zu ermöglichen, da die muskuläre Ermüdung geringer ausfällt als bei anderen Modellen. Die Möglichkeit, den Schuh sowohl schnell über den Vorderfuß, aber auch mit höherem Komfort über den Mittelfuß laufen zu können, wird sich vor allem beim Marathon auszuzahlen, wo sich bei vielen Läufern über die Distanz der Laufstil doch zunehmend in Richtung Ferse verlagert.

Für schnelle, agressive Läufe über 10km kann man den SL20 natürlich auch laufen, wird auf der vergleichsweise kurzen Distanz aber weniger von seinen Vorteilen profitieren können. Ich persönlich bevorzuge dann einen adios, mit seinem total direkten Laufgefühl.
Für den Halbmarathon, aber insbesondere den Marathon ist der SL20 meine aktuelle Top-Empfehlung. Denn so viel Dämpfung und Laufeffizienz bei diesem Schuhgwicht, bekommt man nur beim SL20.

Fazit zum Laufschuhtest des adidas SL 20 mit LIGHTSTRIKE
Der SL20 ist der erste adidas Schuh, der ohne BOOST und dafür mit 100% Lightstrike-Dämpfung auskommt. Dadurch ist der Schuh trotz mittlerer Dämpfung so leicht, wie Wettkampfschuhe.
Er ist härter und stabiler als ein BOOST-Laufschuh, aber auch weicher und dynamischer als ein Schuh mit klassischer EVA-Sohle. Der SL20 ist ideal geeignet für das Training und Wettkämpfe auf Asphalt und in der Stadt. Bei schnellen Wettkämpfen über Halbmarathon oder Marathon spielt der SL20 seine Vorteile am besten aus.

adidas SL 20 kaufen
Den SL20 gibt es ab sofort für 119,95€ bei adidas und allen großen Händlern zu kaufen. Wie immer lassen es sich einige Händler nicht nehmen, gleich mal mit einem Sonderangebot neue Kunden anzulocken. Die besten Deals gibt es daher wie immer hier im Preisvergleich.

adidas SL 20 Modelle
Der SL 20 erscheint zum Launch in vier Farben für Damen und Herren. Neben dem Modell in schwarz und weiß wird es auch orange als Farboption geben. Auch Fotos eines SL 20 Parley wurden schon gesichtet.



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5 Kommentare

  • Antworten Carsten 29. Juni 2020 um 18:05

    Hallo Daniel! Super Erfahrungsbericht zu diesem tollen Laufschuh. Ich bin begeisterter Adizero Adios Läufer.
    Leider ist der Schuh für meine Füße zu schnal, so dass ich mir bei längeren Distanzen böse Blasen laufe. Von daher denke ich, dass ich diese Probleme auch beim SL20 haben werde. Hast du für mich villeicht einen guten Alternativtipp auf Lager? Würde mich sehr freuen. Dankeschön!

    • Antworten Daniel 30. Juni 2020 um 06:21

      Hi Carsten, ja die adidas Rennmodelle sind alle ziemlich schmal geschnitten. Aber solche Rennschuhe wie der adios oder der Takumi Sen werden ja meist auch nur bis zu 10km gelaufen im Rennen. Wenn Du bei adidas bleiben willst, könntest Du mal den Solarboost probieren. Der hat aber schon eine deutlich stärkere Dämpfung als adios, ist aber komfortabler in der Breite.
      Ebenfalls etwas stärker gedämpft als adios und natürlich ohne Boostmaterial, aber auch breiter ist zum Beispiel der New Balance 1500 v6. Den bin ich auch schon problemlos über die Marathondistanz gelaufen – also einen Vorgänger davon. Aktuell gibt es auch ganz gute Angebote. Probier den doch mal aus. Viel Erfolg und allseits schnelle Beine, Daniel

  • Antworten Carsten 30. Juni 2020 um 12:31

    Herzlichen Dank, Daniel! Wie gesagt, die Adizeros laufe ich auch über die HM-Distanz. Nur habe ich danach außen an den Füßen eigentlich immer mit Blasen zu kämpfen. Über 10KM machen sie kaum Probleme. Ich schau mir deine Vorschläge mal genauer an. Wünsche dir noch eine angenehme Restwoche und ebenfalls ordentlich Rotation in den Beinen. Viele Grüße, Carsten.

  • Antworten Carsten 10. Juli 2020 um 12:29

    Klasse Schuh, der Solar Boost 19! Passt von der Weite her wunderbar. Vielen Dank noch einmal für den Tipp, lieber Daniel. Für Intervalle und schnelle Läufe nutze ich weiterhin den Adizero.

    • Antworten Daniel 11. Juli 2020 um 11:56

      Hey Casten, danke für das Feedback! Freut mich, daß ich helfen konnte. LG, Daniel

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