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Jerusalem Marathon. Meine Erfahrungen von der Reise nach Jerusalem.

Unverhofft kommt oft! So startete auch meine Reise nach Jerusalem und mein Marathon durch die Heilige Stadt. Denn durch die weitere Lockerung der Einreisebestimmungen sind Reisen nach Jerusalem nun wieder deutlich einfacher. Und so kam es zu einer spontanen Einladung, sich einer Gruppe von Journalisten anzzuschließen, um den Marathon anzusehen. Zum Glück war ich im Marathontraining in dieser Saison aber schon gut vorangekommen und so lautete meine Devise logischer Weise: Mittendrin statt nur dabei! Also berichte ich Euch jetzt von meinen Erlebnissen und Erfahrungen vom Jerusalem Marathon und dem, was ich sonst noch so in Israel erlebt habe.

Startplätze und Anmeldung für den Jerusalem Marathon

Den Jerusalem-Marathon gibt es inzwischen seit mehr als zehn Jahren und mit etwas mehr als 14.000 Startern, war er auch in diesem Jahr gut besucht und gehört damit eindeutig zu den größeren Laufveranstaltungen auf der Welt. In anderen Jahren kann die Teilnehmerzahl sogar noch etwas höher und bei rund 20.000 Teilnehmern liegen.
Allerdings werden neben der Marathondistanz auch noch weitere Distanzen wie ein 5km-Lauf, 10km-Lauf, Halbmarathon und andere angeboten, die auch deutlich populärer sind als die Marathondistanz. Das mag an der herausfordernden Strecke liegen, die mit 700 Höhenmetern auch für erfahrene Marathonläufer nicht gerade leicht ist. Trotzdem haben sich in diesem Jahr mehr als 600 LäuferInnen für den Jerusalem-Marathon 2022 angemeldet. Und zu diesem kleinen, aber überraschend internationalen Starterfeld, gehörte also auch ich.

Grundsätzlich muss man sich also keine großen Sorgen um einen Startplatz beim Jerusalem-Marathon machen. Es sind sogar auch noch kurz vor dem Renntag noch Nachmeldungen möglich. Mit 95$ ist der Jerusalem-Marathon aber auch kein Schnäppchen. Wer sich aber frühzeitig anmeldet, kommt natürlich auch noch in die günstigeren Preisbereiche. Aktuell kostet die Anmeldung für das kommende Jahr nämlich nur 76$.

Die Anmeldung funktioniert über die Webseite des Jerusalem-Marathon und ist auch mit überschaubaren Englischkenntnissen gut zu meistern.

Reise nach Jerusalem und Hotel für den Marathon

Auch wenn die Corona-Inszidenz zuletzt gesunken und die Vorraussetzungen für die Einreise nach Israel entschärft wurden, hat man eine kleine Hausaufgabenliste abzuarbeiten, bevor es auf die Reise geht. Zunächst muss man das Einreiseformular bis zu 48 Stunden vor der Einreise ausfüllen und bekommt dann den sogenannten Green-Pass. Das Besondere an der Einreise nach Israel ist, daß man sowohl einen Covid-Test vor Abflug benötigt, der nicht älter als 72 Stunden sein darf, als auch einen weiteren PCR-Test, den man in Israel machen muss, bevor man dort den Flughafen verlassen darf. Diesen Test kann man am besten auch schon vorher online reservieren und bezahlen. Knapp 30€ werden dafür umgerechnet fällig.

Hat man alles zusammen, dann kann es losgehen. Meine Reise startete über Hamburg, da wir als Gruppe gemeinsam reisen wollten. Außerdem sind wir mit dem neu gegründeten Fluganbieter Tel Aviv Air gereist, der ab sofort zwei mal pro Woche direkt zwischen Hamburg und Tel Aviv fliegt. Man kann aber auch direkt ab Berlin nach Tel Aviv fliegen. Je nachdem, wie optimal man das Buchungsfenster erwischt, zahlt man von beiden Startflughäfen dafür zwischen 200€ und 500€. Aber Tel Aviv Air hat gerade jetzt zum Start viele Eröffnungsangebote, die man sich ansehen sollte.

Ebenfalls eine Besonderheit bei Israel-Reisen sind übrigens die doppelten Sicherheitschecks am Flughafen. Man geht also zunächst durch die offizielle, reguläre Sicherheitskontrolle und durchläuft dann noch einmal eine weitere, zusätzliche Kontrolle direkt am Gate. Daher sollte man für Flüge nach Israel lieber etwas mehr Zeit vor dem Abflug einplanen. Wir waren etwa zwei Stunden vorher am Flughafen.

Der Flug selbst ist mit einer Dauer von 4,5h Stunden ab Hamburg und etwa 4 Stunden ab Berlin relativ kurz und bietet unter den Wolken sehr schöne Landschaften und Blicke auf die Balkanstaaten, aber auch Zypern, Rhodos und andere Inseln.

Am Ben Gurion International Airport in Tel Aviv geht es dann noch einmal durch eine mehrstufige Einreiseprozedur. Nach dem Aussteigen startet man zunächst an einem Terminal, wie man ihn ähnlich auch von Reisen in die USA kennt. Dort wird per Selbstbedienung der Pass gescannt, ein Foto gemacht und mit einem kleinen Ausruck kann man sich weiter vorarbeiten zur Passkontrolle. Nach ein paar Fragen geht es weiter zum Gepäck und dann zum PCR-Test. Dank unzähliger kleiner Testabteile und dadurch, daß wir schon vorab bezahlt haben, geht das auch innerhalb weniger Minuten vonstatten. Als Nachweis, daß man einen Test gemacht hat, bekommt man ein kleines Papierarmband um das Handgelenk und darf damit nun auch den Flughafen verlassen. Hallo Israel, da bin ich!

Auf geht’s zur letzten Etappe unserer Anreise. Vom Flughafen in Tel Aviv bis nach Jerusalem dauert es mit unserem Shuttle-Bus knapp eine Stunde. Also schnell im modernen Lady Stern Hotel einchecken und erstmal kurz die Füße hochlegen. Vom Zimmer hat man einen schönen Blick über die Stadt und sogar ein Spa mit Sauna und Massagen gibt es. Aber noch wichtiger ist für mich die Lage. Denn sowohl die Marathonmesse, als auch der Marathon-Startpunkt im Sacher Park ist in ein paar Minuten von hier aus zu erreichen.

Also Schuhe wieder an und ab zur Messe!

Marathonmesse und Abholung der Startunterlagen

Die Marathonmesse des Jerusalem findet in der Cinema City statt, einer Art Mall, gleich am Sacher Park. In knapp fünf Minuten bin ich dort und in der Mitte der Mall ist auf einer großen Freifläche alles für die Läufer vorbereitet. An der Seite gibt es viele Schalter für die Abholung der Startunterlagen, wobei auch hier wieder auffällt, daß alle anderen Distanzen jeweils zwei Schalter haben. Für den Marathon gibt es aber nur einen Schalter. Und trotzdem ist die Schlange hier am kürzesten.

Mit den Startunterlagen bekommt man dann auch das offizielle Event-Shirt vom Jerusalem-Marathon und einen Umschlag, der die Startnummer und einen Aufkleber für die Gepäckabgabe beinhaltet. Zudem findet man noch eine Streckenkarte und anderen Papierkram im Startbeutel. Auch einen Müsliriegel und eine kleine Packung Porridge gibt es für die Starter. Für die Zeitmessung wird ein kleiner Chip verwendet, den man an den Laufschuh anbringen kann.

Die Laufmesse selbst ist recht überschaubar. Es gibt ein paar Stände mit Laufklamotten und Laufschuhen, aber auch Laufzubehör wie Caps, Startnummerngurte oder Laufsocken bekommt man. Und natürlich diverse Marken für Sporternährung. Wer die Messen der großen Major-Marathons kennt, ist natürlich verwöhnt. Und so schlendere ich auch nur schnell durch die Stände, um vielleicht doch ein paar Besonderheiten zu entdecken, merke aber, daß es auch kein offizielles Merchandise gibt. Wer also ein Andenken an den Jerusalem-Marathon sucht, muss mit der Medaille und dem Finisher-Shirt vorlieb nehmen. Andererseits findet man aber auf der Messe alles, was man vielleicht Zuhause vergessen hat und schnell noch nachkaufen muss – dann aber vielleicht nicht von der persönlichen Lieblingsmarke.

Entsprechend zügig bin ich auch mit der Marathonmesse fertig und kann mich den Annehmlichkeiten der Cinema Mall widmen. Denn inzwischen ist es schon fast 19.00 Uhr am Vorabend des Marathons und damit Zeit die entsprechende Routine einzuleiten und alles vorzubereiten. Alles, was ich für das morgentliche Frühstück brauche, finde ich in einem kleinen Laden in der Mall. Porridge, Honig, Banane, Energy Drink und ein paar Süssigkeiten als Nachtisch. Der nächste Halt ist bei Napolia Pizza, wo ich mir ein paar Pizza-Stücken für das Carboloading mitnehme.

Mit meinen Einkäufen bepackt, stolpere ich über Moshe Lederfien und natürlich hat er auch seine Ananas dabei. Allerdings ist er sich noch nicht sicher, ob er morgen wiklich wieder als Pineapple Marathon Runner auf die Strecke gehen wird. Denn es ist nicht nur Regen, sondern auch Wind zu erwarten und damit wird es selbst für eine Legende wie Moshe schwer werden, mit der Ananas auf dem Kopf balancierend über die Marathondisttanz zu kommen. Aber was für ein Glück, Ihn einmal abseits der Strecke zu treffen. Denn auch Moshe ist mit seiner Ananas weltweit laufend unterwegs.

Zurück im Hotel lege ich meine Laufsachen raus. Der Wetterbericht lässt nichts Gutes erahnen, aber ich lege verschiedene Optionen aus – für mehr oder weniger gruseliges Wetter. Auch das Frühstück und alle anderen Dinge werden ordentlich und idiotensicher positioniert. Denn wenn der Wecker am nächsten Morgen um kurz nach 5 klingelt, muss alles im Autopilot ablaufen, wenn das Gehirn noch im Halbschlaf ist. Noch ein wenig durch die internationalen Fernsehsender zappen und Gute Nacht!

Erfahrungen von der Strecke des Jerusalem-Marathon

Drrrrriiiinnngggggg! Das Handy scheppert und es geht los. Das Marathon-Programm wird aktiviert und sofort ein Kaffee heruntergekippt. Das regt die Verdauung an. Ihr wisst Bescheid.

Der erste Gang führt zum Fenster und die beiseite geschobenen Gardinen enthüllen den Albtraum eines jeden Läufers. Es regnet Bindfäden und man hört, wie der Wind um die Fassade pfeift. Abgerundet wird dieser Wettercocktail von vier Grad auf dem Thermometer. Ich schiebe also die „vielleicht wirds ja doch nicht so schlimm“ Outfitauswahl beseite und mache mich bereit. Zum Glück hatte ich mir einen schon bei anderen Marathons bewährten Wegwerfpullover eingepackt, der mich auf dem Weg bis zum Start zusätzlich wärmt.

Unten im Hotel warten schon zwei Journalisten, also Wahnsinnige, die sich, obwohl sie nicht mitlaufen, trotzdem bei diesem Gruselwetter mit mir auf zum Start machen. Möglichst lange trocken und warm bleiben lautet meine Devise während wir uns zum Sacher Park vorarbeiten. Platsch! Einmal nicht richtig aufgepasst und mein linker Schuh ist in einer Pfütze gelandet. Aber es macht nichts. Ich fühle mich gut und ich habe richtig Lust auf dieses Abenteuer. Und vor allem will ich diese Medaille!

Aber meine Aufgeschlossenheit für die Angebote im Startbereich ist doch deutlich eingeschränkt. Denn als Marathonläufer kann man sich eigentlich in einem Massagezelt nochmal durchkneten lassen oder einen Startbeutel abgeben mit Wechselsachen. Aber ich wähle heute den direkten Weg an den Start, wo schon die anderen Warten und sich mit verschiedensten Techiken warm und motiviert halten. Auch ich lege jetzt meinen Bonuspullover ab, der mich zehn Jahre begleitet hat. Vom ordentlichen Büropullover wurde er zum Home Office Pullover, dann zum Putzpullover und nun endet sein Lebensabend auf einer Parkbank im Jerusalem.

Die Musikanlage ballert hebräische Elektrobeats in die Menge und das Adrenalin beginnt zu wirken. Vielleicht ist es aber auch der hastig hinuntergestürzte Energy-Drink. Oder Beides. Auch der Moderator eskaliert und obwohl ich kein Hebräisch spreche, verstehe ich, daß es nun gleich losgeht. Die Masse göhlt und here we go!

Vernünftig bleiben, ist mein oberstes Ziel. Denn keinesfalls will ich so schnell laufen, daß ich von der Athmosphäre nichts mehr mitbekomme und mich in den sogenannten Tunnel hineinlaufe. Außerdem habe ich gehörigen Respekt vor den 800 Höhenmetern, die es beim Jerusalem-Marathon zu überwinden gibt. Zudem liegt die Stadt auch schon mehr als 700 Meter über dem Meeresspiegel. Berlin liegt 34 Höhenmeter über dem Meeresspiegel und der Berlin-Marathon hat weniger als 50 Meter Höhendifferenz. Wer den Jerusalem-Marathon also versucht zu laufen, wie einen der schnellen, flachen Stadtmarathons, wird spätestens in der zweiten Hälfte des Laufes dafür bezahlen.

Subjektiv empfunden geht es eigentlich ständig irgendwie bergauf. Sobald es etwas steiler wird, entscheide ich mich für ein zügiges Gehen, um Kraft zu sparen. Sollte ich merken, daß ich bei Kilometer 30 immer noch Kraftreserven haben sollte, könnte ich das Tempo dann immernoch hochsetzen.

Aber meine Strategie funktioniert überraschend gut, wie ich an den gleichschnellen Läufern merke. Während sie sich schnaufend an mir den Berg hinaufkämpfen, komme ich mit niedrigem Puls oben an und überhole dann, wenn ich bergab einfach rollen lassen. Die anderen scheinen sich oben auf den Plateaus erstmal vom Anstieg erholen zu müssen. Und so sind wir letztlich gleich schnell, obwohl ich meine Taktik für energieschonender halte.

Die Strecke ist wirklich sehr schon und abwechslungsreich. Es geht durch verschiedene Viertel Jerusalems, an Parks vorbei, dann zum Mount Scopus hinauf. Mit einer Höhe von 820 Metern ist der Skopusberg auch als Aussichtsberg bekannt und bietet einen wirklich schönen Blick über die Stadt. Allergings muss die Aussicht läuferisch hart erarbeitet werden.

Immerhin hat sich das Wetter deutlich verbessert und es ist sogar ein wenig die Sonne herausgekommen. Bei Kilometer 25 kommt man dann langsam in Richtung Altstadt und es ist ein absolut überwältigendes Gefühl, durch die kleinen historischen Gassen dieser geschichtsgetränkten Stadt zu laufen. Überall sind Soundsysteme auf der Strecke aufgebaut, die mit Musik und anfeuernden Moderatoren zum durchhalten aufrufen. Wegen des instabilen Wetters sind aber weniger Zuschauer am Straßenrand als in anderen Jahren. Dafür empfinde ich aber den Zusammenhalt der Marathonies auf der Strecke wunderbar. Man pusht sich gegenseitig und versucht sich mitzuziehen.

In den langgezogenen Straßentunneln stehen Bands oder Trommler, die durch die großartige Akkustik einen dicken Soundteppich über die Läufer legen. Das hilft!

Aber auch die Streckenverpflegung sorgt für neue Energie. Es werden Wasser und Iso gereicht und im letzten Drittel gibt es auch noch Gels und Orangenstücke. Um so weiter wir kommen, um so glücklicher bin ich über meine Entscheidung, den Marathon sparsam anzulaufen. Denn diese Reserve, auf die ich vielleicht gehofft hatte, ist nicht da. Die Berge haben bereits alles aufgezehrt und ich freue mich, daß die Restkilometer langsam weniger werden und sich auch das Streckenprofil etwas entschärft. Die Anstiege und Berge sind zwar weiter vorhanden, sind aber nicht mehr ganz so lang und agressiv.

Dann kommt endlich die vorletzte Kurve und ein kleiner, letzter Kilometer bis zur Erlösung. Aber auch hier kennt der Streckenplaner keine Gnade und schickt uns für den letzten Kilometer einen letzten langen Anstieg hinauf. Dann geht unter einer kleinen Fußgängerbrücke hindurch und endlich sehe ich den Torbogen über der Ziellinie. Ein letztes Mal zusammenreissen, Tempo hoch und ab durchs Ziel.

Man hängt mir die Medaille um und ich mache schnell noch ein paar Fotos. Aber die größte Belohnung ist für mich an diesem Tag die heiße Dusche im Hotelzimmer. Denn das war heute wirklich hart.

Es kann aber auch anders sein, wie ich am nächsten Tag merken werde.

Beim Spaziergang zurück ins Hotel zücke ich mein Handy und schaue, was inzwischen passiert ist. Ganz besonders freue ich mich für Walentyna Werezka, die sich den Sieg der Damen gesichert hat. Die Ukrainerin war erst wenige Tage zuvor mit ihrer elfjähigen Tochter aus dem Kriegsgebiet geflohen. In dieser Ausnahmesituation nun eine solche sportliche Leistung abliefern zu können spricht für eine ganz besondere Willensstärke und verdient meinen absoluten Respekt.

Aber erstmal bin ich jetzt ganz bei mir. Ich habe es geschafft. Wieder einmal. Noch dazu unter wirklich herausfordernden Bedingungen. Und während die warmen Wassertropfen an mir herunterperlen und das Energielevel in meinem Körper wieder ansteigt, freue ich mich unheimlich darauf diese aufregende Stadt nun genauer zu erkunden und die Orte, die ich im vorbeilaufen gesehen habe, ganz in Ruhe zu besuchen.

Ein kleines Schläfchen nur und dann soll es losgehen!

Sightseeing in Jerusalem. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten für Leute mit wenig Zeit.

Vor dem Hotel treffen wir Karl Walter, unseren Tour Guide, und spazieren gemeinsam in Richtung Neustadt und mitten hinein in den Machneh Yeduah Markt. Es duftet nach Gewürzen, Knoblauch und alles wuselt durcheinander, in den letzten Besorgungen für den Sabbat erledigen. Übrigens ist der Sabbat, also der Ruhetag, der von Freitagabend bis Samstagabend im Judentum gefeiert wird, auch der Grund dafür, warum der Jerusalem-Marathon an einem Freitag morgen gelaufen wird und nicht, wie die meisten anderen Marathons, an einem Sonntag.

Jedenfalls saugt meine im Home Office halb verdörrte Entdeckerseele alle Eindrücke auf, wie ein Schwamm. Und es gibt so viel zu entdecken. Käsekuchen, Rogalach, Halva – und dann ab in zum Jerusalem Schawarma und nach den süßen Snacks einmal die verbrannten Marathon-Kalorien nachtanken. Auch wenn man in Berlin ja in Sachen Döner und Co. ziemlich verwöhnt ist, erreichen die Falafel und Schawarma hier in Jerusalem noch einmal ein ganz anderes Level. Unbedingt probieren!

Das Wetter zeigt sich nun übrigens von der versöhnlicheren Seite, es ist trocken, der Wind hat nachgelassen und für ein paar kleine Augenblicke wärmen uns sogar ein paar Sonnenstrahlen. Jerusalem kann also auch anders.

Weiter gehts zur größten Menora der Welt und durch die traumhaften, kleinen Gassen von Nachlaot, begleitet von den Erzählungen und Erläuterungen von Karl, der tiefe Einblicke in das jüdische Leben, Glauben und Kultur gibt. Beine, Kopf und Herz sind heute richtig auf die Kosten gekommen und rundum zufrieden falle ich in meinem Zimmer ins Bett.

Den nächsten Morgen starte ich mit einem kleinen Lockerungslauf. Mit Strava kann man ja auch unterwegs ganz schnell schöne Laufstrecken finden und so streife ich noch einmal die Marathonstrecke, und erinnere mich mit einem breiten Grinsen an den herausfordernden Lauf. Die Berge mögen meine Beine heute noch weniger, als am Tag zuvor, aber dafür bin ich ja auch schon nach einer halben Stunde wieder zurück im Hotel, wo uns Karl einsammelt.

Durch das Jaffa-Tor, daß für Kaiser-Wilhelm II. errichtet wurde, betreten wir die Altstadt von Jerusalem. Und sofort ist da dieses schwer einzuordnende Gefühl, komplett in die Weltgeschichte einzutauchen. Ein ähnliches Gefühl hatte ich bei den Tempeln in Ägypten, wo es schwerfällt zu realisieren, daß die Geschehnisse von Generationen tatsächlich an dieser Stelle stattgefunden haben. Unvorstellbar, wer alles schon durch diese engen Gassen und über die ausgetretenen Stufen gewandert ist.

Karl manöveriert uns zielsicher durch das Wirrwarr der kleinen Gassen und zeigt uns die verschiedenen Viertel und Facetten des alten Jerusalems. Ein großer Vorteil ist, daß der Tourismus bei Weitem noch nicht das alte, vorpandemische Niveau erreicht hat. Und so kommen wir nicht nur zügig voran, sondern bekommen auch Fotomomente geschenkt, in denen man die Gassen fast für sich allein hat. Und selbst in die Grabeskirche kommen wir ohne Wartezeit. Ein ganz besonderer Moment ist dann auch der Besuch der westlichen Mauer, die als Klagemauer weltbekannt ist. Mit der Last der deutschen Geschichte im Rücken hier stehen und die Mauer berühren zu dürfen, berührt auch emotional.

Gerade die Lebensfreude, Offenheit und Herzlichkeit der Israelis ist wahnsinnig inspirierend. Und wie auch die leichten Seiten des Lebens gefeiert werden, erleben wir am Nachmittag.

Mit dem Shuttle geht es durch die Wüste, vorbei an den Beduinen-Camps und gigantischen Dattelplantagen, in Richtung Totes Meer. Weniger als eine Stunde dauert es von Jerusalem bis nach Kalia Beach. Die Sonne scheint und mit fast 20 Grad, ist es einfach das perfekte Wetter für einen Nachmittag am Strand. Unglaublich, wie sich das Wetter in 24 Stunden ändern kann und ich bin sehr dankbar dafür.

Als rein in die Badehose und ab zum Strand. Der Einstieg ins Wasser ist gar nicht so einfach, da der heilsame Schlamm nicht nur gut für die Haut ist, sondern auch unheimlich rutschig. Aber dank der Tipps von Karl, flutschen wir einfach auf dem Hintern hinein ins Wasser und genießen die Schwerelosigkeit. Es fühlt sich irgendwie an, wie auf einer Luftmatratze über das Wasser zu treiben – nur eben ohne Luftmatratze.

Der Auftrieb ist wirklich beeindruckend, den der extrem hohe Salzgehalt erzeugt. Es ist kaum möglich die Füße senkrecht nach unten zu bekommen und so bleibe ich auch einfach beim offiziellen Tipp, sich einfach auf den Rücken zu legen. Denn das Wasser ist so salzig, daß man es lieber nicht schlucken oder in die Augen bekommen sollte. Also Tanke ich so viel Sonne und Frühlingslaune wie möglich und gönne mir auch eine ordentliche Abreibung mit dem heilsamen Schlamm.

Nach der Dusche hat sich die Haut in butterzarte Babyhaut verwandelt. Wie praktisch, daß es überall Badezusätze und Beauty-Podukte zu kaufen gibt. Natürlich greife ich nach diesem beeindruckenden Ergebnis zu. Und auch zu einem Belohnungsbier in der tiefsten Bar der Welt sage ich nicht nein. Denn Kalia Beach liegt laut Wiki sogar 420 Meter unter dem Meeresspiegel. Die Sonne blinzelt ins Gesicht, das Bier zischt und vor mir liegt ein traumhafter Blick über das Tote Meer. Und das könnten wir jetzt eigentlich genau so lassen!

Aber wir müssen zurück nach Jerusalem und trennen uns nur schwer von diesem Appetizer, der so viel Lust auf Sommer, Strand und Unbeschwertheit macht.

Mittlerweile ist unser letzter Abend in Jerusalem angebrochen und bevor wir uns ein letztes Mal über die Köstlichkeiten der israelischen Küche hermachen, nutzen wir die Zeit für einen letzten Spaziergang durch die Stadt. Die Händler in den Gassen der Altstadt packen langsam zusammen, der Muezzin ruft und der Sonnenuntergang taucht die Klagemauer in ein ganz besonderes Licht. Wir saugen die Bilder noch einmal auf und verabschieden uns in Gedanken von dieser unglaublichen Stadt.

Es gibt noch so viel, was ich noch nicht gesehen habe und außerdem haben mich meine Lauffreunde auf den Tel Aviv Marathon hingewiesen, der mit halb so vielen Höhenmetern, also relativ flach an der Küste entlang führt. Ich könnte also auch beim nächsten Besuch von Jerusalem wieder Laufen und Sightseeing verbinden. Die Frage ist also nicht ob ich nach Jerusalem zurückkehre, sondern nur wann!

Falls Ihr jetzt selbst Lust bekommen habt, den Jerusalem-Marathon zu laufen. Am 17. März 2023 gibt es den nächsten Termin für Euren Lauf durch die Heilige Stadt.

* Pressereise

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