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Cyclassics Hamburg: Auf der Strecke mit dem Alpecin Team

Fotos: Stefan Rachow

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Zugegeben, ich hatte ein wenig mit mir gerungen, ob ich den klassischen Berliner Testlauf für den Berlin-Marathon, die sogenannte Generalprobe, sausen lasse, um mit dem Team von AlpecinCycling über die Strecke in Hamburg zu donnern. Schließlich soll sich meine Laufsaison ja auch noch mit dem Chicago-Marathon fortsetzen. Ein Sturz bei einem Radrennen könnte die Saison aber sofort beenden. Aber Surprise, Surprise! Ich habe mich für die Cyclassics entschieden und Erstens ist das auch gut so und Zweitens würde es ja sonst diesen Artikel garnicht geben.

Cyclassics Hamburg: Größtes Jedermann-Radrennen Europas
Mit mehr als 20.000 Teilnehmern auf der Strecke und bis zu 500.000 Zuschauern am Streckenrand, sind die Cyclassics Hamburg das größte Radrennen für Hobbysportler in Europa. Das zweitgrößte Event dieser Art, der Velothon Berlin, der nun ab dem kommenden Jahr als VeloCity Berlin weitergeführt wird, hat gerade einmal 10.000 Teilnehmer.
Aber auch die Profis sind im Hamburg beim Cyclassics Pro als Teil der UCI World Tour unterwegs und duellieren sich über knapp 220km, bis es dann zum Endspurt auf der Mönckebergstraße kommt. Durch die gute zeitliche Abstimmung, kann man also als Hobbyfahrer erst sein eigenens Rennen fahren, um dann danach die Profis zu sehen.

Anmeldung für die Cyclassics Hamburg
Die Startplätze für die Cyclassics sind extrem begehrt, weshalb man sich rechtzeitig entscheiden muss, ob man starten will. Denn obwohl das Kontingent mit fast 20.000 Startern recht üppig ist, sind die Startplätze teilweise schon nach wenigen Tagen vergriffen. Wenn also Ende Januar die Akkreditierung öffnet, sollte man schnell sein. Je nach gewählter Distanz liegen die Preise für einen Startplatz zwischen etwa 60€ und 100€.

Strecke des Cyclassics Hamburg
Für das Jedermann-Rennen stehen beim Cyclassics drei Distanzen zur Wahl, an die jeweils auch eine Mindestgeschwindigkeit geknüpt ist, die man fahren muss, um nicht aus dem Rennen auszuscheiden. In diesem Fall, wenn man vom Besenwagen eingeholt wird, muss man seine Startnummer abgeben, darf dann aber als normaler Straßenverkehrsteilnehmer und ohne Zeitwertung die Strecke zuende fahren. Für die Cyclassics 60 muss man mindestens 24km/h im Durchschnitt fahren, für die Cyclassics 100 einen 26er-Schnitt und für die Cyclassics 160 sogar 29km/h.
Bei der 60km Distanz fährt man eine Schleife nach Westen aus der Innenstadt heraus und kehrt dann über Blankenese zurück. Bei den 100km geht es Richtung Osten über Bramfeld aus der Stadt heraus und über den Sachsenwald und Billstedt wieder zurück. Für die lange Distanz wird dann zunächst die 100er Runde gefahren und dann weiter über die 60er wieder zurück bis zum Ziel.

Ergebnisse, Medaillen und Fotos beim Cyclassics Hamburg
Aufgrund der Popularität des Cyclassics ist auch das Fahrerfeld bei den Jedermännern ziemlich stark und für gute Platzierungen muss man selbst in den Altersklassen schon richtig gut sein. Gerade bei den Männern über 40 gibt es viele starke Fahrer. Die Ergebnisse kann man sich genialer Weise kurz nach dem Rennen schon online ansehen – aber wie gesagt sollte man keine Wunder erwarten.
An der Strecke und insbesondere im Ziel gibt es auch einen Fotoservice von FinisherPix. Ich habe von mir nur Bilder von der Zieleinfahrt gefunden und 27,99€ für 22 Zieleinfahrt-Fotos bezahlt.
Im Ziel bekommt man als Finisher eine wirklich schöne Medaille, die sich jedes Jahr ein wenig ändert.

Anreise, Vorbereitungen und Einrollen für die Cyclassics Hamburg
Als Berliner ist natürlich die einfachste Art der Anreise mit dem ICE, der einen in Hamburg am Hauptbahnhof gleich unweit des Start- und Zielbereiches ankommen lässt. Gerade für die Rückfahrt ist aber unbedingt eine Sitzplatz-Reservierung zu empfehlen, da alle Züge am Sonntag Nachmittag und frühem Abend gut ausgelastet sind.
Nach der Ankunft am Samstag ging es dann erst einmal schnell ins Holiday Inn in der Nähe der Elbbbrücken, wo sich neben dem Team von Alpecin auch die anderen Profi-Teams einquartiert hatten und mit ihren Mannschaftsbussen kleine Fahrerlager aufgebaut hatten.

Einchecken, Umziehen, Espresso, Rad anpassen und ab ging es für eine lockere Einrollrunde mit Nils Politt und dem Team von AlpecinCycling – auch Linda und Lars waren mit am Start und hatten am Vormittag schon kurz die Bikes getestet. Sascha vom Alpecin-Team hatte mir mit dem Canyon Aeroad CF SLX 9.0 Di2 wieder ein absolutes Traumrad für den Cyclassics vorbereitet und so ging es also “rollin like a pro” mässig zur ersten Ausfahrt rund um Hamburg. Fast 50km rollten wir so über die Deiche, bevor es dann zurück ins Hotel ging.


Wer also zum Cyclassics nach Hamburg fährt sollte sich vorher unbedingt nach den Ausfahrten erkundigen. Denn auch schon am Freitag Abend und am Samstag morgen gibt es von den Cyclassics Botschaftern und lokalen Bike-Crews organisierte, lockere Aufwärmfahrten, an denen teilweise mehr als 100 Fahrer teilnehmen. Auch die Crew von AlpecinCycling bietet solche Warm-Ups an – die perfekte Einstimmung auf solch ein Radsport-Wochenende. Und wenn man dann noch neben Nils Politt und Jörg Ludewig fährt, dann geht das schon in Ordnung.

Nach einer kleinen Chill-Pause trafen wir dann Erik Zabel, der uns den Mannschaftsbus zeigte und im Interview viel darüber erzählte, wie die Profifahrer gemeinsam eine Rennstrategie für den nächsten Tag entwickeln, wie die Ernährung aufgebaut wird und auch welche Räder mit welchem Reifendruck bei den unterschiedlichen Bedingungen gefahren werden. Ein kleiner Pro-Tipp ist zum Beispiel auch Veloviewer.

Vor dem Abendessen checkten wir dann noch einmal die Räder und befestigten schon unsere Startnummern. Für das Rad gibt es ein kleines Fähnchen für die Sattelstütze, in der auch der Transponder für die Zeitnahme integriert ist und eine kleine Startnummer für die Befestigung am Lenker. Diese ist besonders wichtig, wenn man den Fotoservice nutzen will, da dadurch die Zuordnung der Bilder zum jeweiligen Fahrer erfolgt.

Also auf zum Carboloading und alles rein was geht und Ohren auf beim Fahrerbriefing. Jörg Ludewig gab uns noch einmal die wichtigsten Eckdaten für das Rennen und dann versuchte ich früh ins Bett zu kommen, denn die Marathontrainingswoche steckte mir auch noch in den Knochen.

Meine Erfahrungen von der Strecke des Cyclassics Hamburg
Am nächsten Morgen klingelte der Wecker ziemlich früh, denn unnötige Hektik gilt es vor Rennen möglichst zu vermeiden. Außerdem ist es sehr hilfreich, wenn man zeitig frühstückt, um seine Verdauungsaktivitäten möglichst schon vor dem Rennstart erledigt zu haben. Denn sowohl Anhalten nervt, als auch mit vollem Magen zur fahren. Also saß ich schon kurz nach 6 beim Frühstück und versuchte mit einigen Espresso eine gewisse Begeisterung herbeizuführen. Aber scheinbar stumpft man als Ausdauersportler mit der Zeit ein wenig ab. Müsste ich nicht total aufgeregt sein?

Aber egal, lieber so, als andersherum, wenn man vor Aufregung in den Panikmodus verfällt und unnötige Schusselfehler macht. Noch einmal aufs Zimmer, Equipmentcheck, Verpflegungscheck, Doppelcheck, Doppel-Doppelcheck und runter zu den Rädern.
Ich hatte trotzdem meinen Helm und meine Brille auf dem Zimmer liegengelassen. Routine ist gefährlich.

Dann rollten wir locker in Richtung start und hatten das Glück mit Alpecin einen eigenen, kleinen Startbereich zu haben, den die großen Sponsoren bekommen. Das Gedränge war also etwas geringer bei uns und so konnte man sich die Gelassenheit bis kurz vor dem Start behalten. Kurz vor dem Start wurden dann aber die einzelnen Einteilungen zwischen den Blöcken geöffnet, damit das Feld für den Start zusammenrutschen kann. Und los ging es! Sonntag, 8:30 Uhr, Hamburg – 100km Cyclassic.

Das Feld rollte zunächst ziemlich gemütlich in Richtung Startlinie und vor uns hatte sich eine kleine Wand aus Skoda-Fahrern positioniert, die ebenfalls einen eigenen Sponsoren-Startblock hatten. Für die ersten Meter blieb es dicht, aber human – einer der großen Vorteile der längeren Distanzen. Es gibt mehr Fahrer, die die Regeln im Radrennen kennen und sich auch daran halten – und die Psychos stehen meist noch weiter vorn. Da die Straßen ziemlich breit waren in der Innenstadt, bildeten sich aber schnell die ersten Lücken und ich wollte vor allem heraus aus dem großen Klumpen und mir eine kleinere, schnelle Gruppe suchen, mit der ich sicherer fahren kann und mehr Möglichkeiten zum Ausweichen oder auch zur Tempovariation habe.
Steckt man erstmal in einem großen Feld von 50 oder mehr Fahrern, ist man wie in einem Fischschwarm dazu verammt, genau das gleiche zu tun, wie alle anderen. Und stürzt einer, stürzen alle.

Also raus nach links, Tempo treten und mit 45-50km/h weiter aus dem Pulk heraus nach vorne Peitschen. Nach etwa 10 Kilometern hatte ich mich dann frei gefahren und mehrere kleinere Gruppen duellierten sich auf der Strecke – mal zog jemand das Tempo an, wurde wieder eingeholt und wieder von vorn das Spiel. So macht das Spaß bei einem Radrennen, wenn die Dynamik hoch bleibt. Jedenfalls macht mir das spielerische mehr Freude als stures Watttreten in der Gruppe.

Kurz vor der Halbdistanz wurde es dann etwas bergiger, also was man halt als Berliner oder Hamburger so bergig nennt: Die Strecke verlief halt nicht mehr horizontal und man musste den Gang wechseln!
Zum Glück waren diese Erhebungen meist nur sehr flach und wenn es etwas steiler war, waren die Anstiege sehr kurz, sodass man mit etwas mehr Kraft und etwas höherer Herzfrequenz einfach drüberbügeln konnte, ohne sich komplett abzuschiessen.

So langsam begann ich dann aber auch nach der Distanz zu schielen und die Kilometer rückwärts zu zählen. Ab der Hälfte geht es bei mir traditionell “nur noch schnell nach Hause” und so begann ich auch langsam zu überlegen, wie ich denn noch fahren könnte. Die Beine machten sich zwar schon etwas bemerkbar aber es war noch genug Saft da, um das Tempo zu halten. Also schnell ein Gel zum Absichern der Energiezufuhr und ein wenig auf eine gute Position achten, damit man nicht zu viel Wind alleine vorn verdrängen muss.

Die letzten 20 Kilometer ging es dann über die B5, eine wunderbar ausgebaute Landstraße, auf der man richtig gut die verbleibenen Kilometer herunterschrubben konnte und so langsam merkte, wie es Stück für Stück wieder städtischer wurde. Ich versuchte das Feld im Auge zu behalten und hing mit mehren anderen Alpecin-Fahrern relativ weit vorn in einer größeren Gruppe, aber auch noch knapp 5km vor dem Ziel blieb das Tempo zwar sportlich, aber gleichmäßig.

Niemand machte großartig Anstalten, vorzufahren und eine Art Endspurt einzuleiten. Also zog ich irgendwann vorbei und versuchte 1.000 Meter vor dem Ziel noch einmal alles zu geben und peitschte das Tempo auf mehr als 50km/h hoch. Allerdings stellte sich heraus, daß 1.000m nicht nur beim Marathon zu früh für einen Endspurt sind, sondern auch beim Radrennen.

Denn meine Einladung, sich ziehen zu lassen, nahmen diverse Fahrer dankend an und als mir dann so langsam der Oberschenkel beim letzten kleinen Anstieg auf der Zielgeraden explodierte, zogen einige dann doch noch vorbei. Aber egal. Ob ich Platz 1.057 oder 1.081 bin, spielt für mich keine Rolle – sondern, wie ich ein Rennen beende. Irgendwie reingurken ins Ziel oder nochmal alles rausblasen? Für mich ist das keine Frage!

Und was ich richtig professionell fand war, daß sich einige meiner “Zöglinge” dann noch bedankten. So muss das sein im Sport!

Und da war ich nun also. 101,8km in 2:27:24h Platz 1.081. Erstmal atmen und ein Bierchen!
Ein Hoch auf diesen Biermoment, wenn die Endorphine aus dem Rennen sich mit der Erfrischung des Finisherbieres vereinen. Im Ziel traf ich dann auch wieder auf Linda und Lars, die auch richtig schnell über die Strecke gekommen waren.

Chillen mit Alpecin beim Hamburg Cyclassics
Genialer Weise hatte Alpecin wieder einen kleinen Wohnwagen dabei und diesen strategisch clever auf der Zielgeraden platziert. Mit einem kühlen Getränk in der Hand konnten wir also noch die anderen Finisher anfeuern, bevor es zum großen Umstyling ins Hotel ging und wieder zurück zum Alpecin-Truck.
Denn dort trudelten nach und nach immer mehr der Fahrer aus der AlpecinCycling Crew ein und man konnte sich über die Strecke und den Rennverlauf austauschen bis dann die Strecke für die Profis vorbereitet wurde.

Gegen 15:00 Uhr war es dann soweit und die Finisher der EuroEyes Youngclassics Jugendtour donnerten dem Ziel entgegen, bevor dann die Profiteams unter dem Gejubel der Zuschauer ein erstes Mal über die Mönckebergstraße bretterten um dann gegen 17:00 Uhr mit einer Höllen-Geschwindigkeit zum Schlusssprint anzusetzen.
Das Feld hatte sich schon beim letzten Berganstieg vor den Toren Hamburgs am Waseberg schon ordentlich entzerrt, sodass nur noch knapp 40 Fahrer mit um die forderen Plätze mitfuhren. Im Zielsprint setzte sich dann der italienische Europameister Elia Viviani durch und gewann damit als erster Profi überhaupt, nun schon zum dritten mal die Cyclassics Pro.

Auch wenn kein Fahrer aus dem Alpecin-Team auf dem Treppchen stand, war dieser Profiendspurt die perfekte Abrundung eines genialen Radsport-Wochenendes mit einer persönlichen Leistung, auf die ich angesichts meines rudimentären Radtrainings ziemlich stolz bin!

Ein riesiger Dank geht an Alpecin, für dieses Erlebnis und mein Glückwunsch an alle Finisher.
Wie sagt man so schön bei eBay? Alles super gelaufen. Gerne wieder!


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