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Peloton stellt keine Sportgeräte mehr her. Kommen trotzdem weitere Innovationen?

Es mag erstmal wie ein Schock klingen, daß Peloton keine Sportgeräte mehr herstellt. Gerade während der Pandemie hatte Peloton ja mit Übernahmen und der Planung von neuen, eigenen Fabriken in den USA mächtig in den Bereich der Hardware investiert, um der gewaltigen Nachfrage Herr zu werden und die teils monatelangen Lieferzeiten für die Kunden zu verkürzen.

Leider hatte der Peloton-Gründer und CEO John Foley, den Corona-Nachfrage Boost mit dieser extremen Hardware-Wachstumsstrategie als langfristigen Boom interpretiert und nicht als pandemiebedingten Hype, der vor allem durch die geschlossenen Fitnessstudios und Lockdowns ausgelöst wurde. Und so stellte sich mit den auslaufenden Corona-Beschränkungen auch die Dimension dieser strategischen Fehlausrichtung sehr deutlich dar, als die Nachfrage nach Peloton-Bikes und Peloton-Laufbändern dann plötzlich wieder auf ein normales Niveau zurückfiel und man nun aber mit hohen, unausgelasteten Produktionskapazitäten und mehr Geräten dastand, als man verkaufen konnte, sodass die Produktion für einige Geräte sogar gestoppt wurde.

Letztlich führte die Situation zum Rücktritt von John Foley und dem Einstieg von Barry McCarthy als neuen CEO. Barry McCarthy hatte vor allem durch Spotify viel Erfahrung im Bereich von digitalem Entertainment und Abomodellen mitbringt. Relativ schnell identizifierte Barry McCarthy dann also auch die Software und den Content als die wahren Werte von Peloton, auf die es sich zu fokussieren galt.

Es wurde also schnell gemunkelt, ob sich Peloton also weiter öffnen würde und eher wie eine Art Apple iOS wie ein Betriebssystem für digitale Fitness werden würde, auf dem dann also auch andere Apps und Angebote laufen könnten, die nicht direkt von Peloton entwickelt und betrieben werden?

Und auch umgekehrt hörte man die Gerüchte, daß man anderen Herstellern von Sportgeräten und Fitnessgeräten erlauben könnte, ein Teil der Peloton-Community zu werden und entsprechende digitale Trainingsinhalte von und mit Peloton auf diesen Geräten anzubieten.

Peloton stellt keine Sportgeräte mehr her

Nun scheint es einen ersten großen Schritt in diese Richtung zu geben, der auch wieder mehr Spielraum für Spekulationen bietet. Mit einer Pressemitteilung am 12. Juli kündigte Peloton nun also tatsächlich an, sich aus der Produktion von Geräten und Hardware zurückzuziehen. Noch in diesem Jahr wird also die Fabrik von Tonic Fitness Technology, Inc. geschlossen werden, die Peloton im Herbst 2019 übernommen hatte.

In Zukunft werden dann ausschließlich externe Firmen Geräte für Peloton herstellen. Eine führende Rolle wird dabei die Rexon Industrial Corp aus Taiwan einnehmen, die alle Peloton Bikes und Peloton Treads herstellen wird. Rexon hat schon in den vergangenen Jahren für Peloton produziert übernimmt nun aber eben zu 100% die Verantwortung für die Peloton Bikes und Peloton Laufbänder.

Als neuer Partner kommt auch die Pegatron Corp an Board, die den neuen Peloton Rower herstellen wird, auf dessen Launch mit Spannung gewartet wird.

Wenig überraschend wurden auch die Pläne für die eigene Peloton-Fabrik in den USA, den Peloton Output Park aufgegeben.

Für Peloton-Mitglieder ändert sich mit dieser Entscheidung also erst einmal relativ wenig. Denn gerade Rexon hat bereits jahrelange Erfahrung mit Fitnessgeräten und auch mit Peloton-Produkten und vielleicht hilft diese Fokussierung ja auch, Innovationen und Qualitätsniveaus weiter zu beflügeln. Denn der Appetit nach einem Fitnessgerät, vergleichbar zum Tonal, scheint in der Peloton-Community auch weiterhin groß zu sein. Vielleicht können neue Hardware-Partner sich ja darauf fokussieren, während Peloton weiter an großartigen Kursen und dem Aufbau der Community arbeitet.

Wie sehr der Fokus auf dem Content liegen wird, zeigt sich auch an den großen strategischen Punkten, an denen man in Zukunft bei Peloton arbeiten will. Hier steht beispielsweise die Peloton App ganz weit oben auf der Agenda, da auch nach meiner Einschätzung viel zu wenige Menschen wissen, wie gut man mit Peloton trainieren kann, auch wenn man kein Bike oder Tread Zuhause hat. Und hier kann Barry McCarthy dann auch voll seine Erfahrungen von Spotify ausspielen.

Es bleibt also spannend und auch wenn Barry McCarthy im letzten Peloton Homecoming von mir keine Sympatiepunkte aus Community-Sicht abholen konnte, finde ich seine Strategie für die Neuausrichtung von Peloton sehr überzeugend und bin daher sicher, daß wir in den nächsten zwei Jahren den Peloton-Hype neu aufblühen sehen werden.

Denn das Thema Digital Home Fitness wird in den nächsten Jahren immer weiter wachsen und auch wenn Apple, Nike und andere sich sehr bemühen, hat Peloton einfach die beste Lösung dafür und bereits jetzt eine etablierte Plattform mit einem gigantischen, loyalen Kundenstamm, der sich durch weitere Internationalisierung in diesem Zeitraum sicher auch noch deutlich vergrößern wird.

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