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Ultramarathon Training: Meine Ernährung und Trainingsplan für den Rennsteig Supermarathon

In diesem Jahr sollte es also soweit sein. Die nächste Evolutionsstufe in meiner Laufentwicklung sollte eingeleitet werden. Der Schritt vom Marathonläufer zum Ultraläufer.
Für meine Transformation zum Ultraläufer hatte ich mir den Rennsteiglauf Supermarathon ausgesucht, bei dem es 73,9km Distanz und eine Differenz von 3.260 Höhenmetern zu erlaufen gilt und den ich im vergangenen Jahr schon in der Marathondistanz angetestet hatte.
In meinem heutigen Bericht, will ich einen kleinen Einblick geben, wie mein Ultramarathon Trainingsplan für den Supermarathon aussah und wie ich mich insgesamt für diese Herausforderung vorbereitet habe.

Personalisierter Ultramarathon Trainingsplan
Wie immer bei großen Laufveranstaltungen hat das Trainerteam von Gotorun, allen voran Piet Könnicke, mich wieder mit einem personalisierten Trainingsplan unterstützt. Gegenüber starren und statischen Trainingsplänen hat das vor allem den Vorteil, daß ich meine beruflichen Termine, Reisen und potentiellen Trainingstermine im Vorfeld angeben und somit die Trainings, aber auch meine Wünsche für Vorbereitungswettkämpfe in den Trainingsplan eingebaut werden können.

Es nützt nämlich nichts, wenn man einen Trainingsplan hat, wo dann ein Longrun an einem Tag eingetragen ist, an dem man aber früh ins Büro muss und Abends vielleicht auch noch lange Telefonkonferenzen hat. Damit ist das Chaos im Training vorprogammiert und auch der mangelnde Trainingserfolg. Der zweite Vorteil der Personalisierung ist, daß auch krankheitsbedingte Rückschläge oder besondere Trainingsfortschritte sofort mit im Plan berücksichtigt werden.

Trainingsumfänge im Ultramarathon Training
Letztlich bin ich aber gar nicht so viel gelaufen, wie ich vorher erwartet hatte. Mit 60 bis 80 Laufkilometern pro Woche, lag ich ungefähr auf dem normalen Marathonniveau, daß ich auch laufe, wenn ich mich auf den Berlin-Marathon vorbereite.
Aber ich habe in dieser Saison nun tatsächlich endlich am eigenen Leib spüren können, daß der Spruch “Wenn Du schnell werden willst, laufe langsam” absolut stimmt. Ich habe einen viel stärkeren Fokus auf längere Läufe gehabt und bin diese in dieser Saison auch ganz strikt nach Herzfrequenz gelaufen. Auch wenn mich dicke Opas oder hübsche Frauen überholen, stehe ich inzwischen darüber und lasse sie entspannt vorbeiziehen.
Denn diese unzerstörbare Grundlagenausdauer, die ich dadurch entwickelt habe, erlaubt mir im Wettkampf ungeahnte Leistungen. Natürlich gab es auch weiterhin Tempoeinheiten, aber in deutlich geringerem Maße, als in meiner üblichen Laufvorbereitung.

Meine längste Trainingsdistanz war der Spreewaldmarathon, der aber auch wichtig für die Rennstrategie war. Denn dort bin ich ab Kilometer 30 dann doch zunehmend schneller gelaufen und habe gesehen, daß ich mich im Ziel doch nicht mehr so richtig nach weiteren 32km plus Bergprofil gefühlt habe. Das hat mir gezeigt, wie schnell man auch nur bei leicht erhöhtem Tempo ermüdet.
Sonst bin ich im Training eher Distanzen von 25-35km gelaufen – auch weil stundenlange Trainingseinheiten ja immer noch kompatibel mit meinem Restleben sein mussten.

Stabitraining und Muskelaufbau
Ein weiterer großer Baustein neben der sauberen Grundlagenausdauer und der Entwicklung der unteren Trainingsbereiche, war das Thema Stabitraining. Zum guten Laufen gehört eine vernünftige Rumpfmuskulatur einfach dazu und auch, wenn alle Läufer es hassen – Kraftübungen für Läufer müssen einfach sein.
Denn gerade bei Trailläufen muss man konstant Unebenheiten auf den Wegen ausbalancieren und gerade wer einigermaßen schnell die Berge hinablaufen will, muss Stabilität und eine unverwüstliche Koordination haben.
Der Motivationstrick beim Stabitraining ist es, in der Gruppe zu trainieren. Denn so entwickelt man feste Rituale und lässt sich von der Energie der Gruppe mitreissen. Meistens war ich dafür in der Mittagspause in der RUNBASE in Berlin trainieren.
Für das Training muss es aber gar kein spezieller Kurs für Läufer sein. Klassische HIIT- oder Zirkeltrainings, bei denen entweder nur mit dem Körpergewicht oder nur mit freien Gewichten trainiert wird, reichen völlig aus. Wenn der Fokus ein wenig auf der Körpermitte liegt, schade das natürlich auch nichts. Aber die wird bei einem vernünftigen Training sowieso zwangsläufig mit entwickelt, da sie nur selten nicht mit beansprucht wird.

Abnehmen und optimales Körpergewicht für den Ultramarathon
Der letzte Baustein für meine Vorbereitung für meinen ersten Ultralauf, waren das Gewichtsmanagement und das Stoffwechseltraining.
Zum einen wollte ich unbedingt Gewicht reduzieren. Vor allem der Körperfettanteil sollte deutlich verringert werden, da Fett im Gegensatz zu Muskelmasse, die man mit dem Stabitraining aufbaut, keinerlei Vorteile für den Läufer mitbringt und daher einfach nur Zeit kostet.

Es gibt gleich mehrere Vorteile für den Läufer durch ein reduziertes Gewicht. Zum einen ist ganz klar, daß es leichter ist, mit 15kg weniger auf den Rippen über 73,9km zu laufen. Wie mein Trainer mal so schön sagte: „Stell Dir einfach vor, Du läufst den Lauf mit einem 15km Rucksack aufgeschnallt oder Du legst den Rucksack vorher ab“. Also habe ich Ihn abgelegt und bin nun zum ersten mal seit Jahren ziemlich nah bei meinem Marathon-Idealgewicht.

Der zweite Vorteil des reduzierten Körpervolumens liegt in der Sauerstoffversorgung. Denn mit der maximalen Sauerstoffaufnahmekapazizät unserer Lunge müssen alle Körperzellen versorgt werden. Trainiert man nun gleichzeitig durch das Ausdauertraining die Lungenkapazizät und reduziert die Anzahl der zu versorgenden Zellen, so verbessert sich die Sauerstoffleistung des Körpers.
Durch das von mir praktizierte Intervallfasten habe ich aber zusätzlich auch den Stoffwechsel trainiert. Mit der 16/8-Methode hatte mein Körper täglich eine lange Phase von 16 Stunden, in der die Energie hauptsächlich aus den Speichern und der Fettverbrennung bezogen wurde und nur 8 Stunden, in denen neue Energie über die Ernährung aufgenommen wurden. So schmelzen nicht nur die Fettpolster, sondern auch die Fähigkeit des Körpers, den Körper aus den Fettreserven zu versorgen.
So kann der Körper im Wettkampf sowohl auf die Verpflegung von den Verpflegungsstellen, als auch leichter auf die Fettdepots zugreifen sofern es denn sein muss. Gerade bei sehr langen Ausdauersportarten ein absoluter Vorteil.

Typische Trainingswoche in der Ultralauf-Vorbereitung
Meine intensive Vorbereitungsphase für den Supermarathon hat sich über etwa drei Monate erstreckt, wobei zu beachten ist, daß ich auch vorher regelmäßig trainiert habe und mindestens drei mal pro Woche gelaufen bin und auch vorher Krafttraining betrieben habe, wenn auch nur sporadisch. Das Grundniveau, auf dem ich aufbauen konnte, war also schon einigermaßen ausgeprägt und daher haben mir die intensiven Trainings von teilweise mehreren Einheiten pro Tag auch keine großen Probleme bereitet.

Die klassische Trainingswoche sah in meinem Trainingsplan für den Rennsteig Supermarathon etwa so aus:

* Montag: Mittags ca. 45-60min Workout
* Dienstag: Morgens o. Abends: Längerer Lauf, ca. 90-120min
* Mittwoch: Mittags ca. 45-60min Workout
* Donnerstags: Abends Tempo-Bahntraining mit Dehnung, Lauf-ABC und wechselnden Trainingsformaten (Intervalle, Fahrtspiel)
* Freitags: Mittags ca. 45-60min Workout
* Samstags: Morgens Gruppen-Lauftraining mit Dehnung, Lauf-ABC und wechselnden Trainingsformaten (Kraft-Ausdauer, Fahrtspiel, Tempoläufe, Longruns)
* Sonntags: Morgens ca. 25-35km Longrun

Kürzere Shake-Out Runs, meist an Krafttrainingstagen oder kurze, regenerative Rennradeinheiten habe ich hier nicht mit aufgeführt. Wie ich genau trainiere, könnt Ihr ja immer auch bei Instagram oder Strava sehen.

Meine Tipps für das Ultratraining
Gerade wer beruflich oder in der Familie viel eingespannt ist und keinen komplett vorhersehbaren Tagesablauf hat, sollte das Geld für einen personalisierten Trainingsplan investieren und sich am besten auch einer Laufgruppe anschließen. Denn nicht nur das Zusammenpuzzeln des Trainingsplan in die restlichen Lebensumstände sind ein großer Vorteil, sondern auch die Motivation über die Gruppe. Wenn man Longruns oder Intervalle gemeinsam trainieren kann, wird das gleich viel angenehmer.
Ein personalisierter Trainingsplan kostet etwa soviel wie ein Paar gute Laufschuhe und das sollte einem der Erfolg und eine vernünftige Trainingssteuerung schon wert sein.

Außerdem würde ich unbedingt darauf achten, die langen Läufe lieber zu langsam zu laufen als zu schnell. Eine Leistungsdiagnostik halte ich für nicht zwingend erforderlich, da man Freizeitsportlerbereich die Leistungsschwellen auch über andere Faktoren erkennt und diese nicht 100% exakt ansteuern muss, um zum Trainingserfolg zu kommen. Wenn Ihr plant auf das Podium zu laufen, sieht das natürlich anders aus.
Zusammen mit dem Effekt der Gewichtsoptimierung, waren es vor allem die langen, vernünftig gelaufenen Longruns, die mich gut ans Ziel gebracht haben.

Wie es dann schlussendlich ganz genau für mich gelaufen ist, steht in meinem Erfahrungsbericht zum Rennsteig Supermarathon. Aber als kleinen Vorgeschmack kann ich sagen, daß ich bei meinem ersten Ultramarathon in den Top 20% der Finisher gelandet bin.

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