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Von Null auf 45 an einem Tag. Das lief im Oktober 2020

“Athletes adjust” bleibt wohl der Slogan für das Jahr 2020. Denn statt Zeit und Energie mit viel Jammerei und Nörgelei zu verschwenden, kann man sich auch einfach an die Gegebenheiten anpassen und weitermachen. Nachdem ich auf Sylt ja nun auch noch einmal meine selbst gegoogelte Diagnose “Bänderriss” nach dem Trailrunning-Sturz im September bekommen hatte, war nun auch für mich klar, daß ich meine Laufpläne erstmal aufschieben musste. “Moderate Belastung ja, aber richtig laufen frühstens nach 6-8 Wochen” – so lautete die Prognose.

Auch wenn ich immer wieder mal kurze Laufversuche startete, so signalisierte der Knöchel nebst seinen Bändern mit zügig, daß ich doch wirklich lieber Spazieren, Wandern oder Radfahren sollte. Und so war ich im Oktober vor allem als der Humpler von Potsdam bekannt.

Und ehrlich gesagt hoffe ich ja, daß ich mein Verletzungskonto damit erstmal wieder ausgeglichen habe und damit in den kommenden Saisons verschont bleibe, wenn ich wieder richtig ins Hochleistungstraining einsteige. Letztlich bin ich ja die letzten 10 Jahre, abgesehen von einer kleinen ISG-Blockade, komplett verletzungsfrei gelaufen. Und in diesem verrückten Corona-Jahr macht mir so ein Bänderriss sicher weniger aus, als in einem Jahr wo ich bereits auf Bestzeitenlevel trainiere. Ich hoffe nur, daß das Karma meiner Logik auch folgt und mich in den nächsten Jahren verletzungsmäßig verschont. Jedenfalls habe ich mich nach meiner sehr reduzierten Laufsaison auch einmal in einem Beitrag über die Effekte einer Trainingspause im Ausdauersport beschäftigt.

Aber neben den Einschränkungen gab es auch die Gelegenheit, im Oktober noch einmal ein kleines Stückchen Freiheit und Normalität zu genießen. Denn während die Berliner ja überraschend in den Herbstferien eine Art Einreiseverbot nach Mecklenburg-Vorpommern bekamen, durfte ich als Potsdamer noch normal reisen und hatte das Glück eine “Berliner” Ferienwohnung direkt am Strand in Heringsdorf in den Kaiserbädern übernehmen. Mit dem Blick auf das Meer aufzuwachen und am Strand entlangzuschlendern, den Blick in die Ferne zu richten und einfach nur die Luft und das Licht aufzusaugen, war einfach noch einmal perfekt, vor dem harten Lockdown-Winter, der uns wohl bevorsteht.

Gerade dieser Kurztrip hat mir wieder gezeigt, wie wichtig es ist, aktiv zu bleiben und das Tageslicht zu nutzen. Durch meine Verletzung und das Arbeiten im Home Office hatte ich Tage, an denen ich das Haus nicht verlassen habe, manchmal sogar mehrere Tage hintereinander. Wie sehr das Gift ist für die Seele, merkt man im ersten Moment garnicht.

Aber apropos Home Office und “Athletes adjust”. Angesichts der Prognose, daß Home Office auch bei mir mindestens für die nächsten vier Monate das neue Normal bleiben wird, habe ich mir nun endlich auch einen richtigen Arbeitsplatz eingerichtet. Vorbei sind also die Zeiten mit dem Laptop am Küchentisch und ab sofort gibt es einen ergonomischen Bürostuhl und einen höhenverstellbaren Computertisch direkt am Fenster.

Neben meinen Spaziergängen hat mir aber auch mein Peloton Bike geholfen, weiter aktiv zu bleiben. Es ist einfach das Beste, was mir im letzten Herbst passieren konnte. Denn mittlerweile bin ich seit einem Jahr ein Teil der Peloton Community und noch immer begeistert, wie sich alle gegenseitig motivieren und vor allem, wie einfach und vielseitig die Trainings sind. Mal eben schnell noch für einen Ride auf das Bike zu springen oder für ein Workout oder Stretching auf die Matte, bekommt man eben auch trotz Home Office und stressigem Alltag immer irgendwie in den Tag eingebaut. Und so habe ich im Oktober auch meinen 500ten Ride auf dem Peloton absolviert und was noch wichtiger ist – ich fühle mich mit dem Bike gewappnet für den kommenden Corona-Winter.

Und nach viel Geduld hat sich zum Monatsende auch fast schon unbemerkt der Schmerz aus meinem Knöchel verabschiedet, sodass ich mich doch noch auf mein erstes Marathonabenteuer des Jahres gewagt habe. Denn ursprünglich wollte ich ja auch in diesem Jahr den Berlin-Marathon individuell auf der Originalstrecke laufen, natürlich am 26. September 2020. Mit meinem Matschknöchel war das natürlich keine Option. Aber ich wollte unbedingt meine Serie von “10 Jahre, 10 mal Berlin-Marathon” aufrecht erhalten, egal ob der Marathon nun abgesagt wurde oder nicht.

Also stand ich am 31. Oktober um 7:30 Uhr bei feinstem Nieselregen am Brandenburger Tor und machte mich auf den Weg rund um Berlin, um nicht nur meinen 2020er Berlin-Marathon zu laufen, sondern auch um in Gedanken und virtuell in New York zu laufen. Denn nach 2017 hatte ich für dieses Jahr wieder einen Startplatz für den New York Marathon ergattert und hatte mich auf eine gigantische Laufparty zum 50ten Jubiläum des New York Marathon gefreut. Und nun lief ich in Gedanken an meine beiden Saison-Highlights allein durch Berlin – abwechselnd laufend, abwechselnd gehend, um den Knöchel zu schonen.

Und es war wirklich toll. Denn zum einen habe ich viele Details der Strecke in Berlin wahrgenommen, die man sonst im Renngeschehen einfach übersieht. Und es ist auch interessant mal zu sehen, wie die Straßen und Geschäfte an einem normalen Samstag aussehen im Vergleich zu einem Rennsonntag, an dem eine Million Zuschauer am Straßenrand stehen. Und dann sind da die Erinnerungen und Emotionen die Hochkommen, wenn man zum neunten Mal über die Berlin-Marathon Strecke läuft. Ich kann mich wirklich genau erinnern, wer wann und wo an der Strecke stand und was passiert ist, wie das spontane Bier in 2018 mit Chris und Patrick an Kilometer 32.

Mit einigen Schlenkern und Fotostopps kam ich dann nach 45 Kilometern und 6:15:33 wieder am Brandenburger Tor an, mit dem guten Gefühl das ich wenn der Muskelkater ausgestanden ist, endlich wieder ins Lauftraining einsteigen kann.

Nach der langen Trainingspause macht sich aber auch zunehmend der neue Ballast bemerkbar, der sich an meinen Hüften angesammelt hat und ich feile an einer Gesamtstrategie für die Widergeburt meines alten Ich. Wer also noch Tipps hat, wie man nach einer langen Trainingspause wieder optimal durchstartet – immer her damit. Immerhin gibt es ab heute auch ganz offiziell den Nutri Score in Deutschland, mit dem man auch schon im Supermarkt die Kalorienfallen noch besser identifizieren kann.

Aber wenigstens kann ich nun hoffentlich wieder richtig laufen und vielleicht sehen wir uns ja mal auf der ein oder anderen Laufstrecke in Berlin oder Potsdam!

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Hier findest Du übrigens auch die Beiträge zu den Monatsrückblicken vom April, Mai, Juni, Juli, August und September und auch den Jahresrückblick 2019!

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